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Capelli | Sternentänzer, Band 3 - Weißer Hengst in Gefahr | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 192 Seiten

Reihe: Sternentänzer

Capelli Sternentänzer, Band 3 - Weißer Hengst in Gefahr


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8332-3084-4
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 192 Seiten

Reihe: Sternentänzer

ISBN: 978-3-8332-3084-4
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Caro und Lina freuen sich riesig auf die Geburt von Sternentänzers Fohlen. Doch eines Nachts wird Cinderella, die Mutter des Fohlens, von der Weide gestohlen. Steckt da etwa der ehemalige Besitzer von Sternentänzer, Frank Stone, dahinter? Was hat seine Anwältin mit der Geschichte zu tun? Und warum kann Caro auf Sternentänzers Rücken nicht mehr in die Zukunft sehen? Eine abenteuerliche Suche beginnt, bei der nicht nur Sternentänzer in große Gefahr gerät ...

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Ein Pferd verschwindet


Schritte nähern sich. Carolin will weglaufen, doch ihre Beine sind plötzlich schwer wie Blei. Sie kann sich nicht mehr bewegen. Ist wie festgewurzelt. Die Schritte kommen immer näher, eine schwarze Hand packt sie von hinten am Arm, reißt sie herum. Sie sieht in ein Gesicht mit einer Clownsmaske. Der Clown lacht. Ein breites, fieses, hässliches Lachen. Die schwarze Hand packt sie an der Schulter, wandert zu ihrem Hals. Bevor der Clown zudrückt, reißt er sich mit der anderen Hand die Maske herunter und lacht sie böse an. Es ist Stone. Jetzt schließen sich seine Hände um ihren Hals …

„Wahhhh! Nein! Bitte nicht!“ Carolin schreckte hoch und atmete so hektisch wie eine Schwangere kurz vor der Geburt. Sie sah sich um. Ihr Zimmer, das Pferdeposter an der Tür, Sternentänzers Bild auf ihrem Schreibtisch, Fensterläden, die leise klapperten. Sie erkannte erleichtert, dass sie in ihrem Bett lag und nur geträumt hatte. Schweißgebadet fiel sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf, bis sie um fünf Uhr durch das laute Klingeln des Weckers erneut wach wurde.

Der Regen, der am Abend in Strömen vom Himmel gefallen war, hatte endlich aufgehört. Noch tropfte es von den Zweigen, dicke Nebelschwaden hingen über den Wiesen. Carolin war extra früh aufgestanden, um vor der Schule noch einmal über Cinderellas Bauch zu streicheln. Denn heute war Donnerstag, und das bedeutete Unterricht bis viertel vor vier und keine Zeit für Lindenhain.

Während sonst in den frühen Morgenstunden auf Lindenhain noch alles schlief, inklusive Herrn Maier und Carolina, herrschte an diesem Morgen ein hektisches Durcheinander. Vicky lief mit wehenden Haaren wild gestikulierend vom Stall zum Haupthaus. Nick war ebenfalls schon da und tigerte neben dem Stall auf und ab, bevor er im Haupthaus verschwand. Als Carolin dann auch noch einen Polizeiwagen entdeckte, kroch eine schreckliche Vorahnung in ihr hoch. Sie ließ das Rad fallen und raste blitzschnell zum Stall.

Sternentänzer! Stone!, waren ihre ersten Gedanken. Doch da stand Sternentänzer wie immer in seiner Box, wieherte ihr friedlich entgegen und inspizierte ihre Taschen. „Gott sei Dank! Du bist hier!“ Caro drückte erleichtert ihren Kopf ganz fest in sein seidenweiches, glänzendes Fell.

Aber was war denn dann geschehen? Warum diese Hektik? Und vor allem: warum die Polizei? Carolin hechtete aus dem Stall zu Gunnar ins Büro. Der lehnte am Fenster, hatte seinen Cowboyhut tief ins Gesicht gezogen und zog so heftig an einer Zigarette, dass sich in seinen Wangen zwei Löcher so tief wie der Teich im Garten bildeten. Es ist das allererste Mal, dass ich Gunnar rauchen sehe, dachte Carolin.

„Was ist denn hier los, Gunnar?“, rief sie ihm entgegen.

„Es gibt ein bisschen Ärger“, nuschelte er und pustete Rauchkreise in die Luft. Er schaute ihnen hinterher.

Carolin sah ihm mit vor Entsetzen geweiteten Augen an. „Was denn? Sag schon!“

„Cinderella.“ Noch mehr Rauchkreise.

Carolins Herz rutschte vor Schreck in die unterste Tasche ihrer Cargohose. „Was ist mit ihr? Ist was mit dem Fohlen? Hatte sie eine Totgeburt?“

Gunnar hielt inne, drückte die noch nicht einmal zur Hälfte gerauchte Zigarette aus, lehnte sich gegen den Schreibtisch und schob den Cowboyhut in den Nacken. „Caro, Cinderella ist verschwunden. Vermutlich schon seit gestern Nacht. Spurlos. Als Vicky heute Morgen nach ihr sehen wollte, war die Box leer.“

Carolin schnappte nach Luft. „Sag das noch mal!“

„Cinderella ist verschwunden. Weg.“ Er sah betreten auf den Boden. „Wir vermuten, dass sie entführt wurde.“ Er machte eine kurze Pause. „Kannst dir ja vorstellen, dass die Reifenbachs völlig außer sich sind. Die haben auch gleich die Bullen hergeschickt.“ Er knallte mit der Faust auf den Tisch. „Verdammter Mist! Ausgerechnet jetzt! Das hat mir gerade noch gefehlt.“

Reifenbachs waren die Besitzer der Stute. Sie waren stinkreich, wohnten in Berlin und hatten Cinderella vorübergehend, bis zu ihrer Niederkunft, auf Lindenhain untergestellt.

Carolin ließ sich auf einen Stuhl sinken, fuhr sich mit beiden Händen durch ihr kurzes braunes Haar und knabberte auf ihrer Unterlippe. Ein dämlicher Tick. Das tat sie nur, wenn sie überhaupt nicht mehr weiterwusste.

„Wir müssen was unternehmen, Gunnar.“ Carolin sprang auf. „Suchtrupps losschicken, den Wald durchkämmen. Wenn es sein muss, jedes Gebüsch einzeln durchsuchen!“

„Das macht doch schon die Polizei, Caro. Die tun alles Menschenmögliche“, versuchte Gunnar sie zu beruhigen.

„Oh nein!“ Carolin hatte schon die Türklinke in der Hand. „Ich gehe sie suchen, Gunnar! Und ich weiß auch schon wo!“

Noch nie in ihrem Leben hatte sie Sternentänzer so schnell gesattelt. Wie der Blitz jagte sie mit ihm vom Hof, raste in gestrecktem Galopp den Weg zum Wald entlang, ritt Galopp durch das Unterholz bis zu dem Holzverschlag, in dem Stone damals Sternentänzer gefangen gehalten hatte. In sicherer Entfernung stieg sie ab und band Sternentänzer an einen Baum. Alles schien verlassen. Auf Zehenspitzen pirschte sie sich bis an den Verschlag heran. Ein Fenster stand offen, eingeschlagen offenbar, denn spitze Glaszacken säumten den Rand. Ein paar Vögel zwitscherten, Blätter rauschten, doch sonst war kein Laut zu hören. Vorsichtig spitzte Carolin ins Innere. Nichts. Gähnende Leere. Weit und breit keine Cinderella. Nicht einmal eine Fledermaus. Es schien, als sei seit Sternentänzers Entführung niemand mehr hier gewesen. „Verdammt“, murmelte Carolin. „Verdammt! Verdammt!“ Enttäuscht schlug sie so fest mit der Faust gegen die Holzwand, dass es wehtat. Dieses Versteck war ihre große Hoffnung gewesen. Sie war so sicher, Cinderella hier zu finden. Was soll ich jetzt nur tun? Wo bist du, Cinderella?, dachte Carolin verzweifelt. Sie fuhr sich mit dem Ärmel über das Gesicht, um die Tränen abzuwischen, die sich in ihren Augen sammelten wie Regenwasser in einem Teich. Was haben sie mit dir und mit Sternentänzers Fohlen gemacht?

An diesem fürchterlichen Morgen kam sie natürlich auch zu spät zur Schule. Das Gesetz der Serie. Wenn etwas schief geht, dann gleich alles. Ganze zwanzig Minuten Verspätung. Natürlich war auch noch die Bahnschranke, die Lilienthal in zwei Hälften trennte, geschlossen. Schlechtes Omen. Amelie Schuster, die Mathelehrerin, die gerade Zahlen an die Tafel schrieb, sah sie über ihre dicken Brillengläser hinweg mit strenger Miene an, als sie durch die Tür stürmte. „Fräulein Baumgarten! Auch schon da?“

„Sorry! Ich bin ein bisschen zu spät“, murmelte Carolin und zog den Kopf ein.

Amelie Schuster verstand überhaupt keinen Spaß. Ihre Welt bestand aus Zahlen.

„Ein bisschen?“ Sie blickte demonstrativ auf die Uhr. „Die Stunde ist gleich vorbei.“

„Tut mir echt Leid“, wiederholte Carolin und beeilte sich, an ihren Platz zu schlüpfen.

Doch Amelie Schuster war nicht so leicht abzuspeisen. „Würdest du uns freundlicherweise mitteilen, warum du uns erst jetzt mit deiner Anwesenheit beehrst?“

Soll ich sie anlügen?, überlegte sie kurz. Platter Fahrradreifen? Katze von Baum gerettet? Doch dann entschloss sie sich zur Wahrheit. „Ein Pferd wurde entführt“, murmelte sie.

„Entführt, aha“, machte Frau Schuster, ohne ihr im Geringsten zu glauben. Sie hätte genauso gut behaupten können, dass vor ihrer Haustür ein Ufo gelandet war und sie die grünen Männchen um Milch gebeten hatten, um sich Schokopudding zu kochen.

„Ja, eigentlich zwei Pferde. Denn Cinderella ist schwanger, ich meine trächtig.“

Frau Schuster schob ihre Brille zurecht. „Zwei Pferde wurden also entführt. Das ist natürlich ein ausgezeichneter Grund, zu spät zu kommen“, sagte sie in das Gelächter und Gejohle der anderen, die sich über die originelle Ausrede amüsierten. Frau Schusters Gesicht wurde puterrot. Als sie endlich wieder ihr eigenes Wort verstehen konnte, schaute sie Carolin böse an. „Ich denke, ich werde ein paar Takte mit deiner Mutter sprechen müssen. So geht das nicht weiter. Deine Leistungen in Mathematik lassen ohnehin zu wünschen übrig. Du solltest deine Zeit etwas weniger verschwundenen Pferden als vielmehr den Zahlen widmen, Carolin.“

Carolin senkte den Kopf und nickte nur. Sie war viel zu traurig, um lange mit Frau Schuster zu diskutieren. Auch der restliche Vormittag in der Schule war eine Qual. Welche Fächer hatte sie eigentlich? Egal. Carolin war total unfähig, sich zu konzentrieren. Sie las die Wörter, checkte die Zusammenhänge aber nicht richtig. Sie war total nervös.

„Darf ich aufs Klo gehen?“, fragte sie schließlich in der dritten...



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