Capelli | Sternentänzer, Band 8 - Der unheimliche Pferdehof | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 8, 192 Seiten

Reihe: Sternentänzer

Capelli Sternentänzer, Band 8 - Der unheimliche Pferdehof


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8332-3089-9
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 8, 192 Seiten

Reihe: Sternentänzer

ISBN: 978-3-8332-3089-9
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf Lindenhain könnte alles so schön sein. Sternentänzer ist wieder mit seiner Familie vereint, Caro hat viel Spaß mit Nick und Ferdi - da plötzlich verhält sich Silberstern, Sternentänzers Sohn, merkwürdig. Ständig verschwindet er, und unternimmt nachts heimliche Ausflüge. Als Caro Silberstern eines Abends folgt, beobachtet sie eine wunderschöne Stute. Eine Stute, die ein dunkles Geheimnis verbirgt und die nur Sternentänzer retten kann.

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Was ist los mit Silberstern?


Hauchdünner Nebel legte sich wie ein zarter Schleier über die Hügel von Lindenhain. An den Spitzen der Gräser auf der Weide glitzerten Tautropfen. Es waren die ersten Anzeichen, dass sich der Sommer allmählich dem Ende zuneigte.

Carolin, genannt Caro, ließ ihr Fahrrad langsam bis zu den Radständern vor dem Haupthaus auf dem Reiterhof rollen.

Sie seufzte. Was für ein Sommer! Voller Überraschungen. Die schönste war gewesen, dass die herrliche schwarze Araberstute Cinderella und das wunderschöne pechschwarze Hengstfohlen Silberstern zurückgekehrt waren. Sternentänzers ganze Familie war jetzt wieder auf ihrem Reiterhof Lindenhain vereint.

Carolin stellte ihr Rad ab und spitzte neugierig hinüber zum dritten Fenster links oben am Ferienhaus. Stille. Die blau-weiß gestreifte Gardine hing wie festgenagelt. Ferdi schlief wohl noch. Seit dem Sommer wohnte auch Ferdinand Reifenbach, der Besitzer von Cinderella, auf Lindenhain. Er hatte Silberstern und Cinderella aus Berlin mitgebracht und war gleich dageblieben. Er besuchte nun die Privatschule in Grünstadt.

Oder? War da doch was? Hat sich der Vorhang doch bewegt? Carolin ging ein paar Schritte zurück, um besser sehen zu können. Krrrrstch! machte es auf einmal unter ihren Füßen.

Huch? Was war denn das? Carolin lächelte, bückte sich und hob es auf – es war eine Filmrolle. Ein kleiner Rest ihrer großen Filmkarriere.

Der berühmte schwedische Regisseur Sven Örigson hatte auf Lindenhain im Sommer den historischen Film Der Held, das Mädchen und die Edelfrau gedreht. Carolin und Sternentänzer hatten in einer kleinen Nebenrolle mitgespielt. Ganz Lindenhain musste umgebaut werden, damit die Kulisse stimmte und alles so wirkte wie im 18. Jahrhundert. Zum Glück sieht mein Lindenhain jetzt wieder aus wie immer, dachte Carolin zufrieden und blickte sich um.

Der Reiterhof erhob sich auf einem grünen Hügel zwischen großen, knorrigen, alten Linden. Er bestand aus einem langen, hellgelben Stall mit blauen Türen und einem Auslauf davor, einer Reithalle, einem Reitplatz, einem großen Paddock mit blauem Holzzaun, einer Reithalle und dem Haupthaus. Seit kurzem gehörte außerdem das hübsche terrakottafarbene Ferienhaus mit den grünen Fensterläden dazu.

„He, Caro, hast du Lina gesehen?“ Nick, Lindenhains Mann für alles, war schon bei der Arbeit und schreckte sie aus ihren Gedanken.

„Lina? Lina wer?“ Lina war zwar ihre beste Freundin. Doch seit sie mit Thorben Sander, dem Sohn von Lindenhains Tierarzt, zusammen war, bekam Carolin sie kaum noch zu Gesicht. Die wenige Zeit, die Lina ohne ihren Thorben verbrachte, nahm sie Hexen-Nachhilfe bei ihrer Oma Ami. „Was willst du denn von ihr?“

„Ach, nicht so wichtig“, winkte Nick ab. Er fuhr sich durch seine kurzen blonden Haare. „Sag mal, Caro, ist dir eigentlich auch schon aufgefallen, dass sich Silberstern etwas merkwürdig benimmt?“

Carolin schüttelte den Kopf. „Warum?“

„Er scheint supernervös zu sein.“

„Echt?“

„Tänzelt ständig herum.“ Nick grinste. „Als würde ihn ein Schwarm wild gewordener Hummeln verfolgen.“

Carolin kicherte. „Er ist noch so jung. Wahrscheinlich will er sich einfach austoben.“

Nick zuckte die Schultern. „Ich hab ja schon viele junge Pferde gesehen, aber so war noch keins drauf!“

„Silberstern ist ja auch kein gewöhnlicher Hengst, sondern das Fohlen von meinem wunderschönen, klugen, lieben Sternentänzer“, meinte Carolin stolz. Ihre braunen Augen blitzten.

„Huhu!“, hallte es auf einmal über den ganzen Hof. Carolin blickte hinüber zum Ferienhaus. Da hing Ferdi im oberen Stockwerk so weit zum Fenster hinaus, als wolle er sich hinunterstürzen, und winkte wild mit beiden Armen.

„Schon ein echter Witzbold, der Typ“, grinste Nick und winkte zurück.

Ferdi formte mit den Händen einen Lautsprecher. „Frühstückst du mit mir, Caro?“

„Jaahaa!“, schrie Carolin zurück. Sie mochte den Chao-ten. Er hatte sich schon in vielen schwierigen Situationen als wahrer Freund erwiesen.

Als Carolin in den Gemeinschaftsraum kam, flitzte ihr Ferdi gerade von der Treppe her entgegen. Er streckte sich, seine blonden Haare standen kerzengerade in die Höhe. „Oh Mann, hab ich gut geträumt ...“

„Wovon denn?“, erkundigte sich Carolin.

„Lindenhain war kein Reiterhof mehr, sondern ein Eisstadion. Dort, wo jetzt die Pferde rumtraben, gab’s eine wunderschöne, spiegelglatte Eisfläche und ich mittendrauf, alle jubelten mir zu.“ Ferdis großer Traum war es, Eishockeyspieler zu werden. Doch seine Mutter fand, dass der Sport für ihn zu gefährlich sei. Stattdessen plante sie eine Reitkarriere für ihn, aber mittlerweile hatte sie diese Zukunftspläne begraben. Schließlich und endlich musste sie einsehen, dass Ferdi zum Reiten in etwa so begabt war wie ein Pferd zum Seiltanzen.

Carolin holte sich einen Kakao. „Träum weiter! Magst du auch einen?“

„Logo, danke.“ Ferdi nahm sich ein Brötchen und Schokokrem und hockte sich an einen der Tische.

Er seufzte. „Ich sollte mal wieder Heimaturlaub in Berlin machen und eine Runde auf dem Eis drehen.“

„Na toll, willst du mich etwa auch noch verlassen?“, sagte Carolin halb lächelnd, halb im Ernst.

„Warum auch noch?“

„Na, Lina, die treulose Tomate.“

Ferdi verstand nur Bahnhof. „Lina hat dich doch nicht verlassen?“ Er hielt Carolin sein dick beschmiertes Brötchen hin. „Magst du mal abbeißen?“

„Nee, danke, hab grad erst zwei davon zu Hause verdrückt. Nun ja ... nicht direkt verlassen, aber quasi.“

„Wie geht quasi verlassen?“, schmatzte Ferdi.

„Sie hängt nur noch mit ihrem Thorben ab. Thorben hier, Thorben da. Echt ätzend!“ Carolin stemmte die Ellbogen auf den Tisch und legte ihren Kopf in die Hände. „Früher, da war das ganz anders. Wir sind oft zusammen am See gesessen, ausgeritten, weggefahren. Haben Spaß gemacht und viele Abenteuer erlebt. Und jetzt? Wenn ich sie mal frage, ob wir was unternehmen, heißt es meist nur: ‚Sorry, keine Zeit, bin schon verplant.‘ Super, echt!“ Carolin redete sich richtig in Fahrt. Es tat gut, mal Luft abzulassen. „Ich weiß schon gar nicht mehr, wann wir zwei, Lina und ich, das letzte Mal was gemeinsam unternommen haben. Schöne Freundin!“

„Na ja“, meinte Ferdi. „Ich versteh sie schon. Sie und Thorben sind eben frisch verliebt. Und so eine junge Liebe will man schließlich ausleben. Da stören Dritte nur.“

„Ausleben, pah! Meinetwegen. Aber dabei sollte man bitte schön nicht seine Freunde vergessen“, empörte sich Carolin.

„Carolinchen“, begann Ferdi und Carolin musste ein wenig lächeln. Niemand anders nannte sie so dämlich. Und wenn, dann hätte sie es ihm sofort verboten. Aber wenn Ferdi sie so nannte, klang das irgendwie süß.

„Carolinchen, bist du nun eigentlich sauer oder eifersüchtig?“

„Beides!“ Carolin pustete so heftig in ihren Kakao, dass er beinahe über den Tisch spritzte.

„Also ich finde, die beiden sind ein richtig süßes Paar.“

„Süßes Paar, na super“, meckerte Carolin weiter. „Das finden alle. Ich kann’s echt nicht mehr hören. Und was ist mit mir? Ich vermisse meine beste Freundin! Das wird ja wohl noch erlaubt sein!“ Sie schwang sich verärgert vom Stuhl. Nicht mal Ferdi hatte Verständnis.

Carolin stiefelte davon und kickte einen Stein über den Hof. Blödmann! Süßes Paar. Na und? Sie wusste eigentlich selbst nicht so genau warum, aber sie war jetzt stinksauer auf Ferdi und den Rest der Welt. Wie der Blitz rannte sie zu Sternentänzer, ihrem über alles geliebten Pferd. Der schien sie schon erwartet zu haben und begrüßte sie mit einem freudigen Wiehern. Carolin drückte ihr Gesicht in das weiche Fell des Pferdes. „Mein schöner Sternentänzer, wenigstens du hältst zu mir“, murmelte sie. Wie zur Bestätigung bewegte der Hengst seinen edlen Hals ein paar Mal auf und ab. „Na du, mein ganz Süßer, du lässt mich nicht im Stich, stimmt’s!“

Sternentänzer sah sie mit seinen großen, dunklen, glänzenden Augen an. Wie immer, wenn sie sein mondhelles, samtenes Fell spürte, seine Nähe fühlte, wurde Carolin mit einem Mal ganz ruhig und gelassen. Sie hatte eine ganz enge Verbindung zu ihrem Pferd. Und Sternentänzer war ja auch nicht irgendein Pferd, sondern ein ganz besonderes. Mit einer ganz besonderen Gabe. Carolin strich zärtlich...



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