E-Book, Deutsch, 296 Seiten
Card Meine nackte Wahrheit
7. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7375-6403-8
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 296 Seiten
ISBN: 978-3-7375-6403-8
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sina Card lebt in einer Großstadt. Sie erlernte einen handwerklichen Beruf, den sie mehrere Jahre selbstständig ausübte. In den neunziger Jahren ergab sich die Gelegenheit, auch andere interessante Berufszweige kennenzulernen. Ihre aufgeschlossene und kommunikative Art brachten sie zu dem Hobby-Job als Club-Betreiberin und Sexarbeiterin. Den Club gab sie auf, die Arbeit als Liebesdienerin noch nicht.
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Einblick
Bestimmung
Es war indessen August geworden, und ich hatte so meine Freunde, die mich anriefen, wenn sie Zeit oder Lust hatten. Mein Fahrer hatte auch inzwischen neue weibliche Bekanntschaften übers Internet gefunden und damit nicht mehr so viel Zeit für mich. Mein selbst ernannter Bodyguard musste wieder zurück auf seine Insel. Ich war auf der Suche nach einer neuen ständigen Begleitung. Diese fand ich auf besagter Plattform, nur nicht so wie erwartet. Er war Ende zwanzig, studierte und stand auf reife Frauen. Wir trafen uns das erste Mal zu einem Glas Prosecco am Fluss. Er war ein sehr guter Gesprächspartner und beim Sex nicht ganz so egoistisch. So wie jedem neuen Mann hatte ich auch ihm zu Beginn unseres Kennenlernens gesagt, wenn er eine andere Frau findet, ich sofort meine Sachen nehme und ohne Probleme weg bin. Es war Ende August, wir hatten uns bei ihm verabredet. Schon auf dem Treppenabsatz sagte er mir sichtlich aufgeregt, dass er im Internet eine jüngere Frau gefunden hätte, was doch realistischer wäre. Ich war etwas erstaunt, denn dies hätte er mir auch am Telefon mitteilen können. Darum bemühte ich mich schon, die Beherrschung zu bewahren. Ich gab ihm die Hand und wünschte ihm für die Zukunft alles Gute. Zu mehr war ich nicht in der Lage.
Ich war enttäuscht und wütend mit mir! Was hatte ich mir da nur eingebildet? Es war gut so und absolut richtig. Wieder zu Hause angekommen, konnte mich nur ein Sekt beruhigen, und ich dachte, du musst etwas ändern. Jedenfalls konnte es so nicht weitergehen. Diese ständigen Dates, das Suchen nach dem richtigen Ort, das Taxi, die Ausgaben usw., all dies musste aufhören. Nur wusste ich noch nicht, wie ich es anstellen sollte.
Der nächste Tag war ein Samstag. Mein Leben sollte sich durch eine Zeitungsanzeige verändern und meine Suche erledigen. In der Rubrik „Stellenanzeigen“ wurde ich auf eine Anzeige aufmerksam, worin stand: „Suchen Freundin für erotische Massage und mehr …, Tel. usw.“ Was war wohl mit dem „und mehr …“ gemeint? Sicherlich auch nichts anderes, als das, was ich ständig von den Männern angeboten bekam, Sex. Hatte ich damit ein Problem, nein. Also entschied ich, mich zu erkundigen, was es mit der Anzeige auf sich hatte. Ich notierte mir die Telefonnummer, um am darauffolgenden Montag dort anzurufen. Montagvormittag rief ich besagte Nummer an. Es meldete sich eine angenehme Frauenstimme. Ich fragte eher beiläufig, ob sie denn überhaupt eine Frau im reiferen Alter suchten. Die Dame war sehr nett und lachte und meinte, komm doch einfach vorbei und lass uns darüber reden. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag in den Vormittagsstunden.
Die Adresse war nicht gerade um die Ecke und schon fast an der Stadtgrenze. Aber egal, ich wollte es wissen. Meine Kleidung bestand wie meist aus einer modischen Jeanshose, einem Shirt in Himmelblau mit Silberfäden durchzogen sowie einer Jeansjacke. Alles passend zu Haar und Figur. Als ich Haus und Klingel gefunden hatte, holte ich noch mal tief Luft und nahm all meinen Mut zusammen und läutete. Es wurde mir von der Dame geöffnet, und ich betrat die doch etwas sehr abgedunkelte Wohnung. Sie forderte mich auf, ihr in die Küche, die auch Aufenthaltsraum für die Frauen war, zu folgen. Auf einer alten, mit braunem Cord überzogenen Couch, an der ein gefliester Couchtisch stand, saßen zwei Frauen. Die eine wirkte sehr groß, blonde lange Haare, Ende 20, die andere kleiner, kräftiger und dunkelhaarig und nur wenige Jahre älter. Sie begrüßten mich mehr abwertend als einladend. Was mich in dem Moment weniger interessierte. In dem nun doch etwas helleren Raum konnte ich die Dame, die mich eingelassen hatte, näher betrachten. Sie schien in meinem Alter zu sein und wusste sich auch auszudrücken. In dem Gespräch meinte sie dann, dass die beiden anwesenden Frauen in absehbarer Zeit aus persönlichen Gründen aufhören würden und sie aus diesem Grunde nun neue Frauen suchten, die bereit wären, diese Tätigkeit auszuüben.
Was umfasst denn die Tätigkeit alles, war meine Gegenfrage. Sie lächelte verschmitzt und meinte, alles, was du anbieten möchtest, von Massage über sexuelle Handlungen. Gut, dachte ich, so war also das „mehr…“ zu definieren. Sie meinte, ob ich mir das zutraue, ich bejahte es, und wir waren uns einig. Sie fragte mich, wann ich anfangen möchte und wie lange, unter welchem Namen und mit welchem Service. Da war guter Rat teuer. Ich bat sie, mir den ersten Tag als einen Probetag einzuräumen, damit ich ein Gefühl bekomme, und nach diesem Tag würde ich ihr mitteilen, ob dieser Job etwas für mich wäre. Mein Künstlername stand fest, und alles andere würde sie für mich in einer Anzeige, die dann an besagtem Arbeitstag in der ansässigen Kaufzeitung erscheinen sollte, schon formulieren. An solche Kleinigkeiten hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht, aber dies war auch gut so. Über die Modalitäten wurden wir uns auch einig, denn die stehen meist in solchen Etablissements (Terminwohnungen) sowieso fest. Es gab zeitliche Festpreise, wovon ein Teil an den Eigentümer für die laufenden Kosten sowie Aufwendungen abgeführt werden musste. Die sexuellen Extras, die die Dame als Service evtl. noch anbot, gehörten ihr komplett. Bei dem anschließenden Rundgang durch die Sanitär- und Arbeitsräume kamen wir ins Gespräch. Meine kleine Kritik, dass es schon an Ordnung und Sauberkeit in den Räumen mangelt, stimmte sie mir sofort zu und überließ diese Aufgabe, es zu ändern, mit den Worten ganz mir: „Du kannst das alles gern machen, die anderen Frauen haben dafür kein Auge.“
Schön dachte ich, eine Frau, die eine Frau versteht, was vermutlich am gleichen Alter lag. Junge Frauen sehen oder wollen es nicht sehen. Also, wir hatten uns über eine Brücke sofort verstanden. Als Probetag einigten wir uns auf den kommenden Dienstag von 11 bis 21 Uhr. Ich würde Handy und Telefonnummer gestellt bekommen und die Anrufe am Telefon selbst entgegennehmen, Auskünfte über meinen Service und die Aufwandsentschädigung erteilen, Adresse nennen und die Termine vereinbaren. Dieses Vorstellungsgespräch dauerte nicht lange. Wir verabschiedeten uns sehr nett, und ich verließ den Ort sehr aufgewühlt. Ich hatte es angefangen und musste es auch durchziehen, dies stand für mich fest. Danach konnte ich immer noch Nein sagen.
Der Tag
Als ich mich entschlossen hatte, diese/meine Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen, wusste ich nicht, dass ich große Probleme haben werde, mich an den ersten Tag in diesem Gewerbe zu erinnern.
Sicherlich habe ich noch meine Aufzeichnungen, und ich wusste auch noch, wer einer der ersten Gäste bei mir war, denn dazu gibt es auch eine amüsante Geschichte. Trotzdem fehlte mir jegliche Erinnerung. Was hatte ich als Outfit getragen, war es ein Kleid, Rock oder Hose? Wie hab ich mich beim ersten Gast gefühlt. War ich unsicher, was hab ich gesagt, was gefragt, wie war der Ablauf. Alles ist weg, keine Erinnerungen mehr. Warum? War es schlimm? Hat mir jemand wehgetan? Nein, dies war nicht so! Mir ging es sehr gut, ich fühlte mich gut, und da war Zeit/Geld nicht so wichtig. Als ich zu Hause war und das Geld ansah, dachte ich nur so, schön, und was machst du jetzt damit. Ich packte es in einen Umschlag, der im Laufe der Zeit immer dicker wurde.
Dies sind aber die Momente, die ausschlaggebend sind für den weiteren Weg. Es bleibt der Tag, wie war er, was war geschehen? Ich weiß die sachlichen Momente nicht mehr, aber vermutlich waren die auch nicht so wichtig. Sie wurden überlagert von meinen positiven Emotionen, einer Zufriedenheit, der inneren Ruhe meiner Seele und von einem Glücksgefühl, welches sehr intensiv war, sodass die sachlichen Handlungen unwichtig waren und im Laufe der Zeit gelöscht wurden. Von den vier Gästen haben mich zwei noch viele Jahre begleitet.
Ich habe alle Details dieses ersten Arbeitstages vergessen. Ich weiß nur noch, dass ich nach diesem Tag absolut entspannt und sehr glücklich war und mein Entschluss feststand, dass diese Form der neuen Freizeitgestaltung genau das war, was ich mir für den Moment sehr gut vorstellen konnte. Dabei hatte ich mir kein Ziel gesetzt, sondern wollte nur die spannenden Momente erleben und genießen. So, wie ich es heute immer noch tue und empfinde.
Es ist eben wie im wahren Leben, man erinnert sich nur an die guten oder nicht so guten Momente. Mag eventuell snobistisch klingen, aber ist nicht so. Jeder entscheidet doch für sich, was er für sich als wichtig erachtet. Und dazu gehören eben auch Menschen und Dinge, die einem über den Weg laufen, aber einem nicht wirklich viel bedeuteten. Das Hirn entscheidet selbst, ob es sich das merken soll oder nicht. Dazu gehören eben dann auch Dinge, die später keine Rolle mehr spielen. So war mir unter anderem auch entfallen, dass ich im ersten Monat nur einen Tag in der Woche dieser Tätigkeit nachging, obwohl ich das Gefühl habe, jeden Tag vor Ort gewesen zu sein. Im nächsten Monat zweimal in der Woche und zum Ende des Monats sogar dreimal in der Woche. So positiv und überwältigend waren meine damaligen und heutigen Empfindungen. Meine Notizen zeigen mir auch, dass ich schon in meinem ersten Monat einige Wiederholungstäter hatte, die auch noch in den folgenden Monaten und...




