E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Carey Star Trek - Classic: Das große Raumschiffrennen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11741-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
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ISBN: 978-3-641-11741-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Durch Zufall entdeckt die USS Hood in einem abgelegenen Winkel der Galaxis das Volk der Rey, die sich umgehend um Aufnahme in die Föderation bewerben. Um das Aufnahmeverfahren zu beschleunigen, veranstalten die Rey ein Raumschiffrennen, an dem auch die Enterprise teilnimmt. Captain James Kirk ist wild entschlossen, als erster über die Ziellinie zu fliegen. Doch dann taucht plötzlich ein romulanisches Kriegsschiff auf. Dessen Kommandant Valdus behauptet zwar, rein aus sportlichem Ehrgeiz an dem Rennen teilnehmen zu wollen, aber er ist den Rey schon einmal begegnet - und glaubt, noch eine Rechnung mit ihnen offen zu haben.
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Auf dem romulanischen Kreuzer Scorah
»Sie sind ein Feigling, Valdus! Feiglinge sind mir ein Brechmittel. Feiglinge sollten gebraten und gefressen werden. – Nein, nicht gebraten. Man sollte sie nicht mal verschlucken. Man muss sie roh zerkauen und dann wieder ausspucken. Wenn wir zu den Heimatwelten zurückkehren, werden Sie, Ihr Leib, Ihre Uniform, Ihr Helm, Ihr Geruch … aus meinem Geschwader verschwinden. Sie fliegen von meinem Schiff und werden degradiert. Ich will Sie nie wiedersehen – und auch nicht Ihre Söhne, falls Sie, was ich nicht glaube, noch welche zeugen sollten. Hätte ich einen anderen Piloten, würden Sie jetzt schon von der Brücke gejagt. Gehen Sie an Ihren Posten; glotzen Sie mich nicht so an. Und jeder andere, der an seinen Instrumenten erstarrt, geht von Bord und wird an einem Strick hinter uns hergezogen. Irgendeiner von Ihnen – jeder außer diesem Wurm – tritt jetzt vor und macht mir eine Meldung über das Schiff dort draußen. Und irgendein anderer sorgt dafür, dass der Rauch von hier verschwindet!«
Eigentlich hätte Primus Orans zornige Stimme ausreichen müssen, dass der Rauch sich von allein verzog.
Hinter ihm trat Subzenturio Valdus Ionis Zorokove – der Grund seiner Wut – beiseite. Das heißt, eigentlich trat er zurück und gab sich alle Mühe, den Blick nach unten zu richten – auf das Ruder. Die blaue Jacke des Primus und der rote Pelz auf seinem rechten Ärmel versengten sofort seine Erinnerung.
Der Rauch verschleierte die Aussicht auf seine Füße, und für einen Augenblick war er desorientiert. Alle bauten nur Mist. Die Mannschaft ebenso wie die Maschinen.
Valdus bewegte sich auf der vollgestopften Brücke, wie er es gewohnt war. Die Decke war niedrig, das Licht so gedämpft, dass es Schatten warf. Alles hatte die Farbe von Rauch, und die Schotten waren so schief, dass die Mannschaft ständig unter dem Eindruck stand, sie krabble über den Bauch eines Rieseninsekts. Seine Kameraden wandten sich um, als er sich an ihnen vorbeischlängelte. Teilweise, um ihm Platz zu machen, teilweise, weil sie Primus Oran nicht noch mehr erzürnen wollten.
Aus irgendeinem Grund vernahm er in seinem Geist laufend seinen Namen. Noch vor zehn Minuten war er der Stolz seiner Sippe gewesen. Nun wäre er am liebsten ein anderer gewesen. Und an einem anderen Ort.
Der Primus hat recht. Feigheit bringt uns alle in Gefahr. Und ich bin ein Feigling. Ich habe heute keinen guten Tag. Wenn ich mich konzentriere, finde ich vielleicht eine Möglichkeit, nicht gerade in Sack und Asche nach Hause zurückzukehren.
Jetzt hatte er auch noch eine Degradierung am Hals. Als sei es noch nicht genug, am Steiß der Galaxis im Steiß eines Patrouillenschiffes auf dem eigenen Steiß zu sitzen und sich als Kartograf zu betätigen, während anderswo der Krieg zwischen dem Reich und der Föderation tobte. Für ihr vom Pech heimgesuchtes Geschwader stand kein Bewachen der Grenzen oder die Niederschlagung von Aufständen an. Wahrscheinlich war der Krieg längst zu Ende, wenn die Scorah und ihre Mannschaft die Daten der Sterne hier draußen aufgenommen hatten.
Valdus verstand es zwar nicht, aber der Krieg gegen die Planeten der Föderation laugte das Reich aus. Man hatte angenommen, man werde die dämliche, freigiebige, rührige Vereinigung von Anfängerplaneten, in deren Reihen es keine dominierende Rasse gab, schnell kleinkriegen. Nach dem ersten Schlag, so hatte man geglaubt, würden sie sich zerstreuen, damit das Reich die Kontrolle über ein noch riesigeres Territorium und noch größere Ressourcen übernehmen konnte.
Doch dazu war es nicht gekommen. Nach dem ersten Angriff des Reichs auf einen Außenposten hatte sich die Föderation mit einer Entrüstung, die niemand erwartet hatte, zusammengerissen und zurückgeschlagen. Man hatte den Versuch gemacht, ein schlafendes Tier zu häuten. Doch das im Schlaf sanfte, träge Tier war beim ersten Schnitt aufgewacht und bereit, bis zum Untergang zu kämpfen.
»Unidentifiziertes Schiff kommt näher«, meldete Commander Rioc. »Eine sehr alte und einfache Konstruktion. Nur mäßige Warp-Fähigkeiten. Keine Antwort auf unsere Funksprüche.«
»Wir gehen näher heran«, sagte Oran. »Vielleicht tun sie nur so friedlich.«
Valdus nagte an seiner Unterlippe und ließ die Scorah vorwärtsschießen. Er spürte die Kälte, die seine Kameraden ihm gegenüber ausstrahlten. Sie gaben sich, als wollten sie nichts mit ihm zu tun haben; als zählten sie schon die Tage, bis seine Ablösung kam.
Valdus hörte zwar die murmelnden Stimmen, die Befehle und Bestätigungen artikulierten, aber er konnte ihnen aufgrund seiner privaten Scham mehrere Sekunden lang keinen rechten Sinn entnehmen. Er stellte sich vor, sich dem Primus zuzuwenden, um ihm zu sagen, dass er seinen Posten auf der Scorah am liebsten sofort abgegeben hätte. Ihm war beinahe ebenso danach wie Primus Oran. Beinahe.
Doch selbst nach dem Rüffel und der Strafe, die der Primus ihm angedroht hatte, fehlte ihm der Mut dazu.
Valdus berechnete die möglichen Wendemanöver – für den Fall des Falles. In seinem Geist erblickte er die großen, in tiefen Höhlen liegenden Augen des Primus und seinen eckig gestutzten Bart. Er lauschte.
»Zustand unseres Geschwaders?«, fragte der Primus. »Und die Entfernung …«
Dann strauchelte Oran und fiel seitlich gegen eine Stützstrebe.
Valdus wandte sich schnell ab, wie ein geprügelter Hund. Die vier Besatzungsmitglieder, die die enge Brücke bevölkerten, hielten zwar inne, aber niemand unternahm einen Versuch, Oran zu helfen. Sogar Tarn – der mutige, schwarzhaarige, intuitiv handelnde Zenturio, von dem alle sagten, er werde eines Tages den Himmel kommandieren – blieb in der Ecke neben der Tür zum Maschinenraum. Der Primus hatte der Mannschaft nicht nur zu verstehen gegeben, dass er Feiglinge verabscheute; er konnte es auch nicht ausstehen, wenn jemand alte Verletzungen bejammerte. Auch um frische Verletzungen machte er kaum Aufhebens.
Valdus knirschte mit den Zähnen. Ich helfe ihm auch nicht.
Nur Rioc näherte sich dem gestürzten Geschwaderkommandanten, aber er machte keinen Versuch, ihm aufzuhelfen.
»Verflucht sei dieser Fuß«, sagte Oran grunzend. »Ich hätte ihn abschneiden lassen sollen.« Er stützte sich auf den Ellbogen und rappelte sich auf die Knie. Es gelang ihm irgendwie, die Stützstrebe zu packen und aufzustehen. »Lagebericht?«
»Alle Schiffe sind alarmiert und bereit zum Eingreifen.«
»Entfernung zu nächsten Schiff? Lassen Sie mich nicht brüllen, Rioc.«
Commander Rioc schaute Oran an und hustete – wegen des Rauchs, der sich trotz des Ventilatorengewinsels nur sehr langsam verzog. »Die Heldenverehrer und die Peitschenhand sind uns am nächsten, Primus. Sie können in einem Dritteltag bei uns sein.«
Oran richtete sich auf und warf einen Blick auf die kleinen Sensorenbildschirme. »Von nun an heißt es wachsam sein.«
Die ratternden, ungenauen, schwierig zu lesenden Schirme standen neben Valdus. Er spürte, dass der Blick des Primus an ihm vorbeiglitt wie eine Kreatur aus einer tiefen Höhle.
Die Ventilatoren keuchten. Der Rauch umwirbelte sie erneut, was niemandem sonderlich gefiel. Das Reich machte nur langsam Fortschritte. Zu oft wurden die genialsten Ingenieure bestraft, zurückgestuft oder sogar exekutiert, wenn ihre Versuche nichts erbrachten. Deswegen machte man immer weniger Versuche. Und so blieben nur die schlechtesten und zaghaftesten Ingenieure übrig.
Irgendwann werden wir etwas Besseres haben, dachte Valdus. Und wenn nicht, holen wir es uns von anderen.
Schäbige Technik. Jämmerliche Fabrikation. Ausgefallene Kontrollen. Offiziere, die …
»Ich habe weitere Einzelheiten über das Schiff«, meldete Commander Rioc. »Genau besehen ist es gar keins. Es ist eher so etwas wie eine für Fernreisen eingerichtete Kapsel. Minimaler Lebensraum, der meiste Platz dient als Lagerfläche. Wahrscheinlich für Nahrungsmittel und Medizin. Drei Lebensformen … Korrektur: vier.«
»Fünf, Herr«, korrigierte der Zenturio. »Das Echo da in der Ecke …«
»Na schön, fünf.«
»Andocken«, warf Oran unverblümt ein.
Valdus zog die Ellbogen an seinen Körper, blinzelte und biss sich erneut auf die Unterlippe. Ja, sicher, andocken. Was schert uns denn die Vorsicht? Probieren wir's doch einfach mal aus. Primus Oran hatte diesen Ruf. Diese Charaktereigenschaft hatte ihn berühmt gemacht. Damit hatte er Schlachten gewonnen. Er war im ganzen Trikameron bekannt dafür.
Valdus senkte den Blick und schluckte mühsam.
Ich werde nie wieder vorsichtig sein.
»Muss ich es etwa zweimal sagen?!«, brüllte der Primus.
»Bereite Andockmanöver vor«, gab Commander Rioc der Mannschaft mit leiser Stimme bekannt.
Rioc schaute Oran an, als warte er auf etwas. Auf irgendeine Erklärung oder eine Pedanterie.
Es kam keine.
»Universalmanschette einsatzbereit, Commander«, sagte der zuständige Offizier.
Rioc nickte. »Wir sind fertig zum Andocken, Primus.«
»Glauben Sie, ich bin taub, Rioc?«
Rioc seufzte und gab durch eine Handbewegung den Befehl, dass das Andockmanöver in Angriff genommen werden solle.
Das Verfahren war schwerfällig und mühsam. Es wurde viermal begonnen und wieder abgebrochen. Jedes Mal wurde Orans Gesicht eine Nuance grauer. Dann war die Mannschaft endlich bereit, hinauszukriechen und die Manschette anzupassen.
Schließlich konnte man das eigene Schiff mit winselnden Korrekturtriebwerken soweit...




