E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Carey Star Trek - Deep Space Nine: Die Suche
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11656-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11656-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Wurmloch in der Nähe der Raumstation Deep Space Nine verbindet den Alpha- mit dem Gamma-Quadranten. Dieser wenig erforschte Teil der Galaxis wird von dem Dominion beherrscht. Commander Sisko befürchtet, dass das Dominion eine Invasion vorbereitet, und begibt sich mit seine fähigsten Offizieren an Bord des Schlachtschiffes Defiant in den Gamma-Quadranten, um mit dem Dominion zu verhandeln - oder ihm mit Waffengewalt zu zeigen, dass eine Invasion es teuer zu stehen kommen würde. Doch die Defiant wird unter Beschuss genommen, und nur Odo und Major Kira gelingt die Flucht mit einem Shuttle.
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Kapitel 1
»Direkter Treffer im Andockring!« Jem'Hadar. Die neuen Berserker. Sie führten den nächsten Angriff durch.
Bedrohlich näherte das Schiff sich fast auf direktem Kollisionskurs und zerfurchte mit seinen Waffen das leere All, noch bevor diese den Kommandoturm der Raumstation erfassen konnten. Und sie hatten Spaß an dem, was sie taten.
»Sie durchlöchern die neuen Schilde einfach!« Major Kira Nerys fühlte, wie ihr Hals vor rauer Frustration schmerzte.
Als ein weiterer Treffer den gesamten Boden heftig beben ließ, klammerte Miles O'Brien sich an seine technische Konsole und beugte sich vor, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. »Wir haben einen Hüllenbruch in den Sektionen Dreiundzwanzig Alpha bis Sechzehn Baker. Schwere Verluste.«
»Versuchen Sie, die Energie zum Interface zu erhöhen. Wenn wir vielleicht …«
Das Schott der OPS explodierte. Splitter pfiffen durch die Luft und sichelten ein halbes Dutzend Mannschaftsmitglieder nieder wie ein Mähdrescher Getreide. Der automatische Alarm, der den Hüllenbruch verkündete, gellte in ihren Ohren.
»Transporter sind ausgefallen«, meldete O'Brien hustend. Er zwang sich, zwei wunde Finger zu bewegen, und schlug auf das nächste Interkom. »Medo-Techniker auf die OPS.«
Unter normalen Umständen hätte Kira diesen Ruf getätigt. Doch es war niemand hier, der ihr Befehle erteilen konnte. Sie hatte das Kommando über den Zusammenbruch der Station Deep Space Nine.
In Augenblicken wie diesem wünschte sie sich, sie hätte schönes, langes Haar, das sie sich ausreißen könnte. Sie hätte liebend gern kastanienbraune Knäuel auf dem gesamten Boden zurückgelassen. Ein paar Sekunden lang wünschte sie sich jede Menge langes Haar.
Dann wurde die Station erneut erschüttert. Plasmarückstände sprühten an den Beobachtungsfenstern vorbei und schufen fast ein feierlich wirkendes Feuerwerk. Ihr Licht fiel auf die Leichen der gefallenen Mannschaftsmitglieder.
»Verdammt, wo sind die Flitzer?«, keuchte Kira. »Die Mekong soll doch Sektor Zwei-Eins-Fünf verteidigen!«
»Die Mekong hat die linke Antriebsgondel verloren, Sir«, sagte O'Brien mit mühsam beherrschter Stimme. »Die Rio Grande ist zerstört worden … und die Orinoco kämpft noch beim Wurmloch mit einem Schiff der Jem'Hadar …«
Er wurde von einem weiteren Treffer zur Seite geworfen.
Unglaublich … diese Energiestrahlen, die die Station erzittern ließen, konnten praktisch eine gesamte Stadt wie mit einem Faustschlag zerschmettern. Die Beleuchtung schwankte. In dem unbeständigen Flackern konnte Kira kaum O'Briens Gesicht ausmachen.
Im Hintergrund öffnete die Tür des Turbolifts sich knirschend, zuerst halb und dann ganz. Julian Bashir und sein medizinisches Team stolperten in die OPS, prallten kurz vor dem nicht wiederzuerkennenden Schlachtfeld zurück, das vor kurzem noch das ordentliche, aufgeräumte Gehirn von DS Nine gewesen war, rissen sich dann zusammen und liefen auseinander, um die Verletzten zu versorgen.
Kira blinzelte und musste unwillkürlich daran denken, dass sie beobachtet hatte, wie Julian in der Holo-Kammer gestorben war. Es hatte sich nur um eine Simulation gehandelt, doch die Erinnerung daran quälte sie noch immer. Der Arzt war einer der unschuldigsten von ihnen, einer der freundlichsten, und ihn sterben zu sehen, hatte sie vor Zorn fast um den Verstand gebracht. Doch nun würden all ihre Freunde und Landsleute sterben, sollte es Deep Space Nine nicht gelingen, den einzigen Brückenkopf zum Gamma-Quadranten zu verteidigen.
»Na schön«, rief Kira zu O'Brien hinüber, »konzentrieren Sie das Feuer auf das vorderste Schiff einer jeden Angriffswelle. Wenden Sie Verteidigungsplan Echo-Eins-Fünf an und richten Sie die Torpedos auf …«
Die gesamte Station kippte um drei Meter nach rechts, und sie wäre fast gestürzt. Nur mit größter Anstrengung konnte sie auf den Beinen bleiben. Um sie herum stürzten fast alle anderen zu Boden. Einige rutschten über das Deck und prallten gegen zerfetzte Bruchstücke abgerissener Wände und Konsolenverkleidungen.
Die Beleuchtung flackerte erneut und erlosch dann völlig. Dunkelheit blähte sich auf wie eine Wunde.
»Hauptenergie ausgefallen«, rief O'Brien, und seine Stimme kam Kira leiser vor als bei der letzten Meldung. »Schilde sind ausgefallen, Waffen haben keine Energie mehr …«
Kira wollte keine Meldungen mehr hören. Sie musste über die Möglichkeiten nachdenken, die ihr noch blieben, und nicht darüber, was ihr nicht mehr zur Verfügung stand. Natürlich war genau das die Bedeutung dieser Schadensberichte – sie sollten ihr verraten, was sie noch einsetzen konnte. Aber im Augenblick war ihr das völlig egal. Ihre Reflexe setzten ein, und sie fing wieder an, wie eine Untergrundkämpferin zu denken.
Was konnte sie einsetzen? Konnte sie Handphaser einsammeln lassen und deren Energievorräte nutzen? Gab es Schweißbrenner auf der Station? Messer? Chemikalien?
Obwohl sie nicht die geringste Ahnung hatte, was über ihre Lippen kommen würde, öffnete sie den Mund, um Anweisungen zu erteilen. Sie vertraute darauf, dass ihre Instinkte sich etwas einfallen ließen.
Doch sie sollte nie erfahren, ob sie den Anforderungen dieses Augenblicks gewachsen war oder nicht.
Drei Säulen von Transporterenergie verdichteten sich auf der OPS zu Gestalten. Einen Moment später eröffneten die drei graugesichtigen Fremden mit ihren bereits gezogenen Waffen das Feuer auf das Personal der Station.
Kira schluckte schwer, als Julian Bashir und einer seiner Assistenten von den Energiestrahlen der Jem'Hadar aufgelöst wurden. Einen Augenblick später war der Rest des Medo-Teams ebenfalls tot.
Auf der anderen Seite der OPS schüttelte O'Brien den Kopf und seufzte.
Kira stürmte hinter ihrer Station hervor und griff den nächsten Soldaten der Jem'Hadar mit einem Tritt und einem halben Dutzend Schlägen an. Das Wesen nahm ihre Attacke stoisch hin und schien die Hiebe kaum zu spüren.
Ein anderer Soldat richtete seine Waffe auf O'Brien und schoss. Der Strahl drang durch seinen Körper.
Noch immer um sich schlagend, knirschte Kira mit den Zähnen und stolperte dann zwei oder drei Schritte zurück.
Die Computerstimme hallte leicht wider. »Ich bin nicht imstande, die Simulation fortzusetzen. Es sind keine Daten über die Körperkraft oder Ausdauer der Jem'Hadar verfügbar.«
Die Stimme war so verdammt höflich, dass sie genauso gut hätte sagen können: »Bitte spucken Sie nicht auf den Boden.«
»Ach, halt die Klappe«, fauchte Kira. »Simulation beenden.«
Die gesamte OPS verschwand, wich einer samtschwarzen Holo-Kammer. Auf dem Boden lösten sich Julians Leiche und die der anderen Medo-Techniker auf.
Kira ließ den Blick noch einen Moment dort verweilen, wo Julian gelegen hatte, und rutschte hin und her. Die verdammte Wirklichkeitstreue der Simulation machte ihr zu schaffen. Sie konnte so viel trainieren, wie sie wollte, doch würde sie auch handeln können, wenn es zu einem richtigen Angriff kam? Sie hatte die Schrecken des Krieges aus erster Hand miterlebt, doch genügte das? Würde sie erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange, wenn es wirklich losging? Tapferkeit entstand oft aus spontaner Unerfahrenheit. Und genau die würde sie durch die Übungen vielleicht verlieren.
Ihr persönlich brachten diese Übungen ganz bestimmt nichts.
O'Brien seufzte erneut, schwieg aber.
»Chief«, murmelte Kira, »ich bin es langsam leid, immer nur zu verlieren.«
Er ging zu ihr. »Tut mir leid, Major. Ich dachte wirklich, diesmal würden wir es schaffen.«
»Es genügt nicht, dass es Ihnen leid tut«, schnauzte sie. »Das Dominion könnte bereits eine Invasionsflotte auf der anderen Seite des Wurmlochs zusammengezogen haben. Wir müssen eine Möglichkeit finden, einen Angriff der Jem'Hadar zurückzuschlagen, und zwar sofort.«
Ermüdung zeichnete O'Briens ansonsten leutseliges Gesicht, doch er nickte. Er wusste, dass sie recht hatte. »Jawohl, Sir. Ich werde einige Alternativen ausarbeiten …«
Er behielt den Rest des Satzes für sich – dass sie nicht mehr sehr viele Alternativen hatten, von Hexerei mal abgesehen.
Zum tausendsten Mal – allein am heutigen Tag – erinnerte Kira sich an ihre Zeit im Untergrund und die Veränderungen, die sich danach vollzogen hatten. Sie hatte gedacht, dieser schlimme Abschnitt sei endgültig vorbei. Und jetzt diese neuen Veränderungen … hatte sie überhaupt noch Kraft zum Kämpfen?
Falls das Dominion angriff und Starfleet einen Rückzieher machte … falls Starfleet hier keine Flotte konzentrieren sollte …? Was, wenn sie mit Entschuldigungen kamen, um Kiras Heimatplaneten nicht verteidigen zu müssen, der hier draußen ganz allein mitten im tiefsten Weltraum lag und eigentlich keine große Bedeutung hatte?
Worauf legte die Föderation überhaupt Wert? Auf Weizen? Eisen? Latinum?
Sie wusste es nicht ganz genau. Und vielleicht wollte sie es auch gar nicht wissen.
Starfleet konnte der Bedrohung ausweichen, Bajor hingegen nicht. Kiras Heimatplanet und seine verzweifelt arme Bevölkerung, die gerade mühsam die Unterdrückung abgeschüttelt hatte, würden einfach keinen großen Kampf mehr liefern können. Sollte es zum Äußersten kommen, wäre Bajor wieder auf sich selbst angewiesen, und sie würde erneut wie eine Ratte im Dreck leben, mit ziemlich geringen Überlebenschancen, falls das Dominion diesen Sektor übernahm.
Denn sie wusste … sie würde ihm niemals nachgeben.
Und sie wusste auch noch einige andere Dinge, Wahrheiten, die hinter ihren Bemühungen lauerten, die...




