Carey | Star Trek: Der Verräter | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Carey Star Trek: Der Verräter

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11473-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11473-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine skrupellose Wissenschaftlerin bedroht die Föderation

Commander Piper steht vor ihrem ersten Kommando auf dem Konstruktionsschlepper Bananenrepublik. Auf dem Weg zum Planeten Argelius erfährt sie die Hintergründe ihrer Mission: Die skrupellose Wissenschaftlerin Ursula Mornay hat die revolutionäre Transwarp-Technik gestohlen und will nun die Föderation erpressen. Pipers vulkanischer Freund Sarda arbeitet mit Mornay zusammen - ist er am Ende der Verräter?

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Kapitel 1


Das Schiff des Gegners näherte sich von der Backbordseite her und zwang uns, nach Steuerbord auszuweichen. Aber unser Kapitän stand an der vorderen Reling und lehnte es ab, auch nur einen Meter nachzugeben.

»Wir bleiben auf Kurs«, sagte er ruhig, und irgendwie verstanden wir ihn, obgleich das Schiff laut ächzte.

»Das ist Wahnsinn, Jim.«

»Dreh nicht ab, ganz gleich, was dein Magen sagt.«

Ein dunkelblauer Himmel spannte sich über uns. Aus dem azurnen Meer – die älteren Offiziere nannten diese Farbe ›Kadettenblau‹ – wuchsen hohe, grüne Wellen mit weißen Schaumkronen.

»In Bereitschaft halten! Piper, Sie übernehmen die Pardune. Pille, du kümmerst dich um die Fockschot. Und zieh den Kopf ein.«

»Um meinen Kopf brauchst du dir keine Sorgen zu machen.«

Der weiße Rumpf und das grüne Deck neigten sich um fünfundvierzig Grad. Ich schluckte, kämpfte gegen die Übelkeit an und beobachtete, wie sich der Bug des Schiffes ins Meer zu bohren schien. Wind blähte die Segel auf, und das Bugspriet tanzte auf und ab. Wir prallten gegen die Wellen und glitten direkt neben der vorderen Spiere des Feindes dahin. Ich rechnete jeden Augenblick mit einer Kollision.

Rasch löste ich die Pardune auf der Backbordseite, so dass sie nicht im Weg war, wenn der Großbaum herumschwang. Dann rutschte ich auf dem schiefen Deck zur Pardune der Steuerbordseite, bereit dazu, sie festzuziehen, sobald das Segel die neue Position einnahm. Dort verharrte ich, zitterte und wartete auf den Befehl, in den Wind zu drehen. Das Schiff hatte sich so sehr zur Seite geneigt, dass ich die Reling am Oberschenkel fühlte. Ich stand nicht, sondern lag fast. Direkt hinter mir, nur eine Armeslänge entfernt, grub die dicke Spiere Furchen ins Meer, wenn der Schoner kippte. Das weiße Hauptsegel erweckte den Eindruck, als rage es aus dem Wasser auf – es spannte sich, wirkte so starr wie gegossenes Rhodinium. Ich erlebte etwas geradezu Unglaubliches, und das rasende Pochen meines Herzens fragte: Warum hast du dich darauf eingelassen? Doch die Gefahr war nur ein Aspekt, Ehre ein anderer.

Unser altes Schiff durchpflügte die Ozeane dieses Planeten schon seit mehr als hundertzwanzig Jahren, und der allmähliche Niedergang seiner Art verhalf ihm zu neuem Ruhm. Ursprünglich hatte man es als nostalgische Nachbildung eines Lotsenschoners aus dem neunzehnten Jahrhundert gebaut. Es handelte sich um ein Arbeitsschiff und nicht um eine Yacht. Das Y-Wort war an Bord verboten. Nirgends gab es eine Winde. Alle Taue mussten per Hand angezogen werden, so schwer es auch fiel. Die vielen Dutzend Quadratmeter Segeltuch – hölzerne Ringe verbanden sie mit den Masten, Seile befestigten sie an den Gaffeln und Spieren – bildeten eine verwirrende Masse aus sich gegenseitig überlappenden Rechtecken und Dreiecken. Gemeinsam formten sie eine seetüchtige Pyramide aus Kanevas und Takelwerk. Hübsch. Aber während ich an der Pardune hockte, ein hilfloses Opfer der Aufregung, während ich beobachtete, wie wir schäumende Barrieren aus drei Meter hohen Wellen durchbrachen, konnte ich kaum etwas Hübsches erkennen. Ich versuchte, mich in die Lage der Besatzung des anderen Schiffes zu versetzen: Die Ketsch mit dem breiten, vollen Bug war zwei Meter länger als unser Schoner, entfernte sich nun von unserer Steuerbordseite. Doch kurz darauf näherte sie sich erneut.

»Da kommt sie schon wieder«, brummte Mr. Scott am Ruder. Sein schottischer Akzent wurde stärker, als die Anspannung wuchs. Er saß nicht etwa am Steuer, sondern stand davor, umfasste die Speichen des Holzrads mit beiden Händen und blickte aus zusammengekniffenen Augen nach vorn. Das feuchte Haar klebte ihm an der Stirn und wies erste graue Strähnen auf. Sein Blick galt in erster Linie dem Kapitän. Und der Kapitän starrte zum feindlichen Schiff.

Dr. McCoy hockte mittschiffs, schnitt eine Grimasse und klammerte sich an der Fockschot fest. Wind zerrte an seinem Haar, und Gischt spritzte ihm ins Gesicht.

Unser Bug hob sich wie ein fliegender Fisch aus dem Wasser, und der halbe Kiel folgte ihm. Unmittelbar darauf sank er wieder in die Fluten zurück, wie eine herabsausende Guillotine. Der fast vier Meter lange Bugspriet verschwand im Meer, ebenso der untere Teil des Klüvers. Ich zuckte zusammen und krümmte die Schultern.

Die Ketsch krängte nach Steuerbord. Sie war praktisch ein Spiegelbild unseres eigenen Schiffes, sah man von einigen geringfügigen Unterschieden ab: Ihre Masten waren anders angeordnet, das Vormarssegel flatterte nicht, und der Bug wirkte stumpf, nicht annähernd so schnittig wie unserer. Als der Kapitän zum ersten Mal von der Ketsch sprach, glaubte ich, das englische Wort ›catch‹, also fangen, zu hören. Ich verstand erst, was er meinte, als ich seine Kabine besuchte und in den Fachbüchern blätterte. Die Ketsch Gavelan, unser Feind. Wir wollten sie erwischen, und sie uns.

Meine Hände zitterten, als ich nach der Pardune griff. Nach wie vor wartete ich auf den entscheidenden Befehl, sah zum Kapitän und fragte mich, warum er sich soviel Zeit ließ. Es war gefährlich genug, bei diesem Seegang alle Segel zu setzen, aber unter solchen Bedingungen über Stag zu gehen …

Er stand auf dem Vorderdeck, die Augen nurmehr schmale Schlitze. Er trug eine dicke braune Seejacke, hatte den Kragen hochgeschlagen, und in dieser Aufmachung sah er aus wie das Werbehologramm einer interplanetaren Reiseagentur. Das sandfarbene Haar – oben hell, an den Seiten etwas dunkler – schimmerte deutlich, aber der Glanz in seinen Pupillen war noch auffallender. Er versuchte nun, die Absichten des anderen Kapitäns zu erraten, bevor er eine Entscheidung traf. Vermutlich wünschte er sich, jetzt auf den Planken der Gavelan zu stehen und zu hören, welche Anweisungen sein Widersacher gab, was er dachte und fühlte. Vielleicht glaubte er, Antworten auf seine Fragen zu bekommen, wenn er die Ketsch lange genug beobachtete.

»In den Wind drehen«, sagte er schließlich. »Jetzt.«

Dr. McCoy ließ die Fockschot einen Sekundenbruchteil zu früh los, und Mr. Scott musste rasch das Steuer drehen, um zu verhindern, dass die Focksegel ins Wasser tauchten. Ich hielt die Pardune so lange wie möglich fest, aber unter mir bebte das Deck, als der Schoner den Kurs änderte und sich den hohen Wellen entgegenwarf. Es pfiff in der Takelage, und die Holzringe knarrten so laut, dass ich fürchtete, sie könnten auseinanderbrechen.

Bumm! Der Schonerbaum schwang nach Backbord. Das Segel luvte, blähte sich dann auf. Einen Augenblick später folgte auch der Großbaum, und Mr. Scott duckte sich gerade rechtzeitig, um heftige Kopfschmerzen zu vermeiden. Unser Schiff neigte sich mit überraschender Anmut ins Meer zurück.

»Einholen!«, rief der Kapitän. »Ich meine Sie, Piper. Bringen Sie das Hauptsegel in den Wind.«

Ich schüttelte mich, eilte übers schiefe Deck und zog an den Seilen des Großsegels, bis wir so nah am Wind waren, dass uns jedes Kippen des Bugs in Salzwasser badete. Der Kapitän beobachtete mich. Ich war ganz sicher. Oh, er sah zur Ketsch, aber trotzdem behielt er mich im Auge.

»Noch stärker einholen«, sagte er.

Ich zog mit ganzer Kraft an den Seilen und opferte dabei drei Fingernägel.

Wie zwei Phantome aus der Vergangenheit näherten sich die beiden Schiffe, umhüllt von sprühender Gischt. Ich sah Segel- und Mastspitzen, dachte an Wellentäler, die tief genug waren, um einen ganzen Schoner zu verbergen. Furcht kroch in mir empor, als ich mich an der Reling abstützte. Der Abstand zwischen der Gavelan und unserem Schiff schrumpfte schnell; ich rechnete mit einer verheerenden Kollision.

»Jim, ich bin nicht mit dir hierhergekommen, um zu einem verdammten Walross der Südsee zu werden!«, wandte sich Dr. McCoy an den Kapitän. Er hielt sich verzweifelt an der vorderen Luke fest und starrte aus weit aufgerissenen Augen zur Ketsch.

Der Kapitän antwortete nicht. Selbst jetzt zeigte sich eine seltsame Ruhe in seinem Gesicht. Das Abenteuer lag ihm im Blut – was andere Menschen als Frieden empfanden, kam für ihn der Langeweile gleich. Wenn er nicht mit interstellaren Zwischenfällen oder Problemen der interplanetaren Politik rang, forderte er den Tod auf jenen Ozeanen hinaus, die für unsere gemeinsamen Vorfahren der Weltraum gewesen waren.

An Bord des anderen Schiffes führte nicht etwa ein rigelianischer Schlammspringer das Kommando, sondern ein Mensch. Silbriger Schaum spritzte über die Reling der Gavelan, als sie im Wind blieb und uns entgegenraste. Erneut pfiff es in der Takelage, und die Falleinen spannten sich.

Ich schnappte nach Luft, hielt den Atem an und schloss die Augen. Der Kapitän meinte, ich sollte lernen, das Schiff zu hören – um auf diese Weise festzustellen, ob etwas nicht stimmte. Manchmal forderte er mich auch auf, mir die Ohren zuzuhalten. Um zu fühlen, ob alles mit rechten Dingen zuging. Ich beschloss, diese besondere Gelegenheit zu nutzen, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Segel ächzten. Wellen schmetterten an den Kiel. Gaffel und Spiere knackten. Wind zischte und füllte das Großsegel. Die Rümpfe der beiden Schiffe schnitten durchs Meer; wir waren noch immer auf Kollisionskurs. Unser Bug durchstieß eine hohe Welle, neigte sich dann in ein zwei Meter tiefes Tal, und plötzlich fiel das Deck unter mir fort. Ich blieb nur deshalb an Bord, weil ich den Arm um die Pardune schlang. Dr. McCoy rief etwas, als die Planken meinen Füßen keinen Halt mehr gewährten. Drei schreckliche Sekunden lang schwankte ich auf der Reling, und dann fiel ich, rutschte auf einem Knie sechs Meter weit übers...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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