Carey | Star Trek - Die Anfänge: Die letzte Grenze | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Carey Star Trek - Die Anfänge: Die letzte Grenze

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11523-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11523-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sabotage an Bord der Enterprise!

Wir schreiben das Ende des 22. Jahrhunderts. Das Kolonisten-Schiff Rosenberg wird durch einen Ionensturm schwer beschädigt, der Besatzung droht der Strahlentod. Nur ein einziges Schiff wäre schnell genug, die Rosenberg rechtzeitig zu erreichen. Es hat noch keinen Namen, und der hyperlichtschnelle Antrieb wurde noch nie getestet. Captain April ist bereit, das Risiko zu wagen. In seiner Mannschaft befindet sich auch George Kirk, der nicht ahnt, dass sein Sohn Jim dieses Schiff einmal befehligen wird. Als die Warp-Triebwerke zum ersten Mal gezündet werden, spielt plötzlich der Navigationscomputer verrückt, und April und seine Crew landen mitten in romulanischem Gebiet. Während die Crew nach dem Saboteur sucht, muss April versuchen, das kriegerische Volk davon zu überzeugen, dass die Enterprise in friedlicher Absicht kommt.

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Kapitel 2


George Kirk glitt durch eine Sphäre aus matten, konturlosen Visionen, die ihm keinen Halt boten. Er besann sich auf seine Empfindungen, die einzige Brücke zur Realität, und allmählich gewann der Traum soviel Substanz, dass er harten Boden unter den Schulterblättern fühlte. Ein seltsames Prickeln tastete an seinem Rückgrat entlang, und allein das Gewicht der Luft erschien ihm unerträglich.

Langsam kam er wieder zu sich. Er versuchte, die Arme zu heben, aber sie rührten sich nicht von der Stelle. Selbst die Lider gehorchten ihm nicht. Das feuchte Tuch … Hatte ihn die Droge gelähmt?

Keine Panik, dachte er. Mit Panik stellt man sich nur selbst eine Falle. Bleib kühl. Denk nach. Er konzentrierte sich auf die rechte Schulter, den rechten Arm, die rechte Hand, besann sich auf seine ganze Willenskraft. Nach einer Weile geriet der Arm endlich in Bewegung und rutschte über etwas Hartes. Das Prickeln nahm zu, gewann eine fast schmerzhafte Qualität, aber George achtete nicht darauf. Einige Sekunden später stießen die Finger an einen festen Gegenstand, und behutsam schloss er sie darum. Ein Arm. Vielleicht auch ein Bein. Warm.

»Drake«, flüsterte er und bemühte sich, die Augen zu öffnen. Nichts geschah. In Gedanken schloss er sie wieder, und kurz darauf gehorchten ihm die Lider. Die Finsternis wich, und erste Umrisse formten sich. George glaubte, am Deckenrand den gelben Schein von Bordlampen zu erkennen. Das erklärte die Vibrationen des Bodens: Triebwerke.

Neuerliche Besorgnis regte sich in ihm. Man brachte ihn gegen seinen Willen fort. Das bedeutete, er musste etwas unternehmen, und zwar so schnell wie möglich.

Das nächste Projekt bestand darin, den Kopf zu heben.

»Wenn ich mich umdrehe«, murmelte er und klammerte sich am Klang seiner Stimme fest, »kann ich die Arme benutzen. Vielleicht bin ich dann in der Lage aufzustehen.«

Er wandte den Blick vom gelben Glanz ab und begann mit der schwierigen Aufgabe, sich zur Seite zu rollen. Allein die Vorstellung strengte ihn an, und während er die trägen Muskeln spannte, hatte er das Gefühl, als müsse er das ganze Raumschiff bewegen, um seine Absicht zu verwirklichen. Keuchend schnappte er nach Luft und versuchte festzustellen, welche Position er nun einnahm. Ja, er lag tatsächlich auf der Seite. Er zwinkerte mehrmals und bemerkte einen rötlichen Streifen. Blut? Blut an seinem Auge?

George errichtete eine mentale Schutzmauer gegen die Panik und hob die Hand. Haar. Ist mein Haar so rot? Er drehte den Kopf zum Licht, und daraufhin konnte er den Streifen deutlicher erkennen. Ja, eine zimtfarbene Strähne seines Haars. Kein Blut.

Er brauchte also nicht zu befürchten, dass ihm der Kopf abfiel, wenn er aufstand. George winkelte die Arme an, neigte die Schulter zur Seite, streckte die Beine und stemmte sich ruckartig in die Höhe.

Sein Kopf erwies sich als sehr eigensinnig und entschied, doch vom Hals zu fallen.

George hielt ihn mit beiden Händen fest. »Lieber Himmel … Verdammt!«

»George?«

»Verdammter … Mist …«

»George? Hörst du mich?«

»Ja«, ächzte der Sicherheitsoffizier. »Ja, klar und deutlich … Ich rate dir dringend, ruhig liegenzubleiben und nicht aufzustehen.«

»George …«, krächzte die Stimme. »Hast du mich schon wieder geschlagen?«

»Nein, verdammt. Nein, natürlich nicht. Irgend jemand hat uns betäubt. Beweg dich nicht. Warte einfach ab. Ich komme zu dir.«

George stützte die Hände auf den Boden und kroch vorsichtig los.

Mindestens zwanzig Kilometer schienen ihn von Drake zu trennen. Er hoffte inständig, dass er die richtige Richtung einschlug: Das gelbe Licht blendete ihn, und die Konturen vor seinen Augen zitterten und bebten, veränderten sich ständig. Tausend Nadeln schienen sich ihm in Arme und Beine zu bohren, aber allmählich wich die Taubheit aus ihnen. Langsam näherte sich George einem roten und schwarzen Schemen – Reeds Uniform. Er fand einen Brustkorb, tastete sich daran entlang und entdeckte auch eine Schulter. Der Lampenschein fiel auf eine Haut, deren westindische Bräune recht blass wirkte. Dieser Anblick bewies, dass es sich wirklich um Drake handelte und nicht etwa um eine Leiche, die zufällig herumlag. Der Sicherheitsoffizier kam sich selbst mehr tot als lebendig vor.

»Also los«, brachte er hervor und griff nach Reeds Arm. »Versuch jetzt, dich aufzusetzen. Aber hab es nicht zu eilig damit.«

George zog Drake in die Höhe und half ihm dabei, sich an ein Schott zu lehnen. Die Anstrengung ließ einen Teil der Benommenheit zurückkehren, aber gleichzeitig erhöhte sich der Adrenalinspiegel in seinem Blut. Er ließ sich neben Reed zu Boden sinken, atmete schwer und spürte, wie der mentale Nebel zu zerfasern begann.

»Was hast du jetzt wieder angestellt?«, fragte er.

»Wer? Ich?«

»Dies ist bestimmt deine Schuld.«

Drake drehte sich um. »Meine Schuld?«, wiederholte er. »Meine Schuld? Als die Frau nach George Kirk fragte … Habe ich da etwa Antwort gegeben?«

»Die Unbekannten hätten uns töten können, aber statt dessen ließen sie uns am Leben«, überlegte George laut. »Warum?«

»Mir ist es durchaus lieber so«, erwiderte Drake. »Ich frage mich nur, was man jetzt mit uns vorhat.« Er stöhnte leise. »Oooh … Ich fühle mich wie ein ausgehöhlter Kürbis.«

George sah sich in der winzigen Kammer um, betrachtete das Schott und die Farbmuster. »Ein Starfleet-Schiff, aber ziemlich alt. Und nicht sehr groß. Vielleicht irgendein kleiner Personentransporter.«

»Ein interstellarer Hüpfer der Klasse Hubble VXT«, sagte Reed.

George blinzelte und bedachte ihn mit einem durchdringenden Blick. »Ein was?«

»Ein interstellarer Hüpfer.«

»Woher willst du das wissen?«

»Es steht hier an der Wand. Nummer des Konstruktionskontrakts: 116-B. Das Schiff wurde im Januar zweitausendeinhundertsechzig in Dienst gestellt und …«

»Schon gut, schon gut.«

»Es ist mit einem Warptriebwerk der zweiten Generation ausgestattet …«

»Das reicht, Drake. Auf die Beine.«

»Die fehlen mir leider, George. Ich habe sie gesucht. Vergeblich.«

George seufzte, stand auf und wankte an der Wand entlang. »Keine besonders hochentwickelte Sicherheitstechnik«, sagte er und überprüfte das Schott. »Offenbar soll die Verriegelung vor allen Dingen verhindern, dass Unbefugte diesen Raum betreten. Als Arrestzelle eignet er sich kaum. Wir sollten eigentlich in der Lage sein, unseren Kerker zu verlassen. Wenn wir die hydraulischen Anschlüsse in der Wand finden, brauchen wir nur die Verbindungen zu unterbrechen. Anschließend schieben wir die Tür einfach auf.«

»Und wenn das Schloss auch über Magnetschalter verfügt?«, fragte Drake. »Was dann?«

»Das wird sich bald herausstellen. Steh auf und hilf mir.«

»Nicht so hastig. Inzwischen habe ich die Beine zwar wiedergefunden, aber ihre Knochen bestehen noch immer aus Gummi.«

George klopfte an die Wand. Hohl. Er nickte langsam. Ein eher unwichtiges Innenschott, das keinen sehr großen Belastungen standzuhalten brauchte. Der Sicherheitsoffizier rechnete nicht mit besonderen Problemen. »Vielleicht wurden beim Bau dieses Schiffes noch keine Magnetschalter verwendet. Ja, ich bin ziemlich sicher. Hast du irgendwelche Werkzeuge dabei?«

»Nur mein Gehirn.«

»Stehst du inzwischen?«

»Noch nicht, aber gleich. Das verspreche ich dir.«

»Ich benötige eine Art Brechstange.« George rieb sich letzte Benommenheitsreste aus den Augen und sah sich noch einmal in der Kammer um. »Dahinter befinden sich die Kontrollen.« Er presste die Finger hinter eine Zugangsplatte und zerrte sie beiseite. Zum Vorschein kamen mehrere Schaltkreise und Kabelstränge, die irgendwo in der Wand verschwanden. »Gut. Keine molekularen Funktionskomponenten. Derart komplizierte Technik ist hier auch gar nicht notwendig. Wir müssten es schaffen.« Er streckte den Arm so weit wie möglich durch die Öffnung. »Komm her, Drake. Deine Hände sind kleiner als meine. Versuch mal, ob du den Arretierungsmechanismus erreichen kannst.«

Reed holte tief Luft und stemmte sich in die Höhe.

»Er muss sich irgendwo links unten befinden«, fügte George hinzu. »Ich habe die Kante gespürt. Mit solchen Dingen kennst du dich besser aus als ich, Drake. Los, beeil dich.« Er griff nach Reeds Arm und zog ihn heran.

»Ich höre und gehorche. Tritt zur Seite.« Drake straffte die Schultern und küsste seine Fingerspitzen, bevor er die Hände durchs Loch streckte. »Hm … Ich fühle etwas … Ja, ich glaube, das ist es.«

»Sei vorsichtig«, warnte George.

»Oh, natürlich. Ach, ich liebe den Erfolg.«

Reed schürzte die Lippen und konzentrierte sich. Irgend etwas …

… machte plink.

Plötzlich herrschte Schwerelosigkeit.

»Drake!«, entfuhr es George, als er den Halt verlor und durch die Kammer schwebte.

»Tja«, murmelte Reed. »Ich fürchte, das war der falsche Schalter.«

»Lass die Finger davon, bevor du auch das Lebenserhaltungssystem deaktivierst!«

»Du bist ein Mann voller Sorgen, Geordie«, erwiderte Reed. »Ein wenig Humor könnte dir gewiss nicht schaden.«

»Und bei dir wäre etwas mehr Ernst angebracht …« George streckte den Arm zur Wand aus, aber dadurch glitt er noch etwas höher empor und stieß mit dem Kopf an den Leuchtkörper, der am Deckenrand glühte. Er drehte sich um und wollte sich abstoßen, zögerte jedoch und überlegte es sich anders. »Nun, da ich schon einmal hier oben bin …« Er stemmte die Füße an die Decke, griff in den...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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