Carey Star Trek - Enterprise: Aufbruch ins Unbekannte
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11602-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11602-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Captain Jonathan Archer kommandiert das erste Warp-fähige Raumschiff der Erde: Die Enterprise. Er erhält den Auftrag, den auf der Erde gestrandeten, schwer verletzten Klingonen Klaang auf seine Heimatwelt zurückzubringen. Die Vulkanier bestehen darauf, dass Subcommander T'Pol mitfliegt - vielleicht zu Spionagezwecken?
Während des Warpflugs wird die Enterprise von Terroristen überfallen, die verhindern wollen, dass der Klingone Informationen über einen geheimnisvollen temporalen Krieg auf seine Heimatwelt bringt. Sie entführen Klaang, und Archer muss, gegen den Widerstand T'Pols, die Verfolgung aufnehmen.
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Kapitel 2
Starfleet-Raumdock
Erdorbit
Das Raumdock war ein technisches Wunder. Man hatte es im Weltraum gebaut, aus Teilen, die von der Erde stammten. Die silbrig glänzende Konstruktion schwebte im Orbit über einem leuchtenden blauen Planeten, dessen weiße Wolken wie Wattebäusche aussahen. Mit seiner mystischen Schönheit wirkte das Bild fast religiös. In dem riesigen, offenen Gebilde glitt eine kleine Kapsel wie ein Insekt über den eleganten blaugrauen Leib des ersten überlichtschnellen Forschungsschiffes der Erde.
Zwei Männer saßen in der Inspektionskapsel, die den Rand eines großen Diskussegments passierte und den Flug darunter fortsetzte. Durch ein kleines Fenster in der Decke beobachteten sie eine lange Reihe von Rumpfbolzen.
»Nun, Trip, alter Knabe, ein ungeschriebenes Gesetz verlangt von jedem Raumschiffkommandanten, einen Jungen vom Land an Bord zu haben. Andernfalls fliegt das Schiff nicht richtig.«
»Du machst dich über mich lustig«, erwiderte Ingenieur Charles Tucker.
»Da hast du vollkommen Recht, Partner.« Captain Jonathan Archer lächelte und war in diesem Augenblick mit sich und der Welt zufrieden. »Wenn ich es nicht an dir auslasse, müsste ich damit rechnen, in Gegenwart irgendeines vulkanischen Würdenträgers oder Admirals oder Schiffskochs oder sonst einer wichtigen Person durchzudrehen.«
»Soll das heißen, ich bin nicht wichtig?«
»Warum sollte ich so etwas behaupten? Du bist der Junge vom Land.«
»Darf ein Ingenieur den Captain auffordern, die Klappe zu halten?«
»Na klar. ›Halt die Klappe …‹«
»Sir!«, beendeten sie beide den Satz. Ihr Lachen erfüllte das kleine Cockpit; es fühlte sich gut an. Sie hatten es nicht sehr eilig, wieder ernst zu werden.
Archers Blick verweilte einige Sekunden länger als nötig auf seinem jüngeren Freund. Tucker gab sich lässig und unbekümmert in Hinsicht auf den bevorstehenden Start des Schiffes, aber Archer durchschaute ihn. Er war ebenso aufgeregt wie der Captain, doch Archer hielt es nicht für nötig, seine Gefühle zu verbergen, als die Kapsel unter dem Schiff dahinglitt – beide wussten, dass sie einen wichtigen Augenblick in der Geschichte der Menschheit erlebten. Neun Jahre trennten sie voneinander, aber Archers Jungenhaftigkeit und Tuckers Bemühen, sich erwachsen zu geben, brachte sie einander näher. Von allen Besatzungsmitgliedern kannten sie sich am längsten. Sie hatten alles gemeinsam miterlebt, vom Planungsstadium bis zur Ausstattung des neuen Warpschiffes. Es schwebte über ihnen im Raumdock, wirkte wie ein Adler in seinem Horst. Ergebene Diener in Schutzanzügen kümmerten sich um das Schiff, keiner von ihnen so voller Staunen und Stolz wie der Captain.
»Ich wünschte, mein Vater könnte dies sehen …«
Tuckers Lächeln gewann etwas Melancholisches. »Das wünschen sich alle, John. Einige Dinge sind einfach nicht fair. Ich glaube, niemand in Starfleet wird es den Vulkaniern verzeihen, dies alles verzögert zu haben.«
»Das Schlimmste ist, dass sie so tun, als hätten sie gar nichts verzögert«, erwiderte Archer düster. »Als wären wir zu dumm, um den Unterschied zu erkennen. Seit dreißig Jahren warte ich vergeblich darauf, dass sie ihre Zurückhaltung aufgeben. Sie bleiben zugeknöpft, halten uns nur dauernd einen Köder unter die Nase.«
Mit der einen Hand bediente Tucker die Navigationskontrollen, die andere streckte er aus. »Wir haben es trotzdem geschafft. Da ist sie!«
Archer lächelte und seine Niedergeschlagenheit verflog sofort. Er atmete tief durch. »Ja, da ist sie …« Er sah zum großen, wie trotzig wirkenden Diskussegment empor, richtete dann einen dankbaren Blick auf Tucker. »Mit dir an Bord … Wer braucht da noch einen Schiffsarzt?«
»Wir.« Tucker drehte die Inspektionskapsel, gab wieder Schub und flog in Richtung der Gondeln. Unten glänzte die Erde im Licht der Sonne und das Raumdock glitzerte regelrecht. Die alte Erde und das neue Schiff bewegten sich gemeinsam durch das Sonnensystem, das ihnen beiden Leben gegeben hatte. Magie!
»Das für die ventrale Außenhülle zuständige Team meint, sie ist in drei Tagen fertig«, sagte Tucker, als er Archers Blick bemerkte.
»Es soll darauf achten, dass die unteren Rumpfplatten die gleiche Farbe bekommen wie die Gondelgehäuse.«
»Möchtest du dich aufs Diskussegment setzen und für Postkarten posieren?«
»Vielleicht.« Archer lächelte erneut und seufzte zufrieden. »Meine Güte, sie ist schön …«
»Und schnell! Warp vier Komma fünf, am nächsten Donnerstag!«
Archer erzitterte vor Ehrfurcht. »Neptun und zurück in sechs Minuten! Sehen wir uns die laterale Sensorphalanx an.«
Er hatte die letzten beiden Worte noch nicht ganz ausgesprochen, als die Inspektionskapsel um neunzig Grad nach Backbord kippte, abrupt beschleunigte und dabei wie ein Stein um fünfzig Meter fiel. Erst im letzten Augenblick fing Tucker sie ab.
Archer schloss die Augen und schluckte ein Stöhnen hinunter. Diese idiotischen Inspektionskapseln: kleiner als nötig und viel zu schnell.
»Wenn ich es nicht besser wüsste …«, sagte Tucker. »Man könnte fast meinen, du hättest Angst vorm Fliegen.«
»Ich habe vor nichts Angst«, erwiderte Archer. »Es liegt an den Rühreiern von heute Morgen.«
»Bald wirst du von Rühreiern träumen. Das neue resequenzierte Protein soll keine große Verbesserung darstellen.«
Archer richtete einen bedeutungsvollen Blick auf Tucker. »Als es um die Crew ging, bestand meine oberste Priorität darin, den richtigen Koch zu finden. Ich schätze, du wirst beeindruckt sein.«
»Die Kombüse ist dir wichtiger als der Warpkern. So was weckt Vertrauen.«
»Du bist ein guter Ingenieur, Trip, aber um ein Raumschiff zu fliegen, braucht man etwas Ordentliches im Magen. Langsam … Wir sind da. Das sind die Luken, die sich beim letzten Test verzogen haben. Sie müssen verstärkt werden.«
Tucker wandte sich von den Navigationskontrollen ab, griff nach einem Handcomputer, gab Daten ein und notierte die Kennzeichnungen der Luken. Eine Leidenschaft wetteiferte mit der anderen, und das Ergebnis …
Die Kapsel driftete nach oben …
… stieß mit einem Plong an den Rumpf des neuen Schiffes und neigte sich dann zur Seite.
»Entschuldige …« Tucker betätigte die Navigationskontrollen und stabilisierte die Kapsel.
Archer beugte sich vor und sah aus dem Fenster. »Großartig. Du hast die Farbe abgekratzt.«
Tucker holte Luft, um etwas zu erwidern, doch das Piepen des Kommunikators kam ihm zuvor. Er drückte eine Taste. »Orbital Sechs.«
»Captain Archer? Sir?«
Oh, sie hatten ihn gefunden. Archer lehnte sich zurück. »Ich höre.«
»Admiral Forrest möchte Sie in der medizinischen Abteilung sprechen, und zwar sofort.«
Archer sah Tucker an, doch der Ingenieur zuckte nur mit den Schultern.
»Na schön«, antwortete der Captain. »Bitten Sie ihn um ein wenig Geduld. Ich bin unterwegs.«
»Danke, Sir.«
Tuckers Blick blieb auf Archer gerichtet, während er erneut die Navigationskontrollen betätigte, die Inspektionskapsel vom Raumdock fort und in Richtung Erde steuerte. »Wer ist krank?«
Archer hob und senkte die Schultern. »Es ist bestimmt niemand von unserem Personal. Alle, an denen mir etwas liegt, sind hier oben.«
»Ich bitte dich, John.« Tucker seufzte. »Werd nicht bitter. Nicht heute.«
»Keine Sorge. Ich bin nicht bitter. Es ist die Wahrheit. Und ein wenig Wahrheit hat noch nie …«
»Du und die Wahrheit. Kannst du nicht gelegentlich eine Maske aufsetzen und uns etwas vormachen, uns ein wenig Selbstzufriedenheit schenken?«
Archer lachte und legte dem Ingenieur die Hand auf den Arm. »An Selbstzufriedenheit mangelt es dir gewiss nicht! Ich schlage vor, wir beeilen uns ein bisschen …«
»Die Höchstgeschwindigkeit für den Anflug ist begrenzt auf …«
»Und wenn schon. Was auch immer Forrest von mir will: Ich möchte es so schnell wie möglich hinter mich bringen, um hierher zurückzukehren und an den letzten Vorbereitungen teilzunehmen.«
»Das Schiff fliegt schon nicht ohne dich los. Aber wie du willst – halt dich gut fest!«
»Trip! Lieber Himmel …«
»Wer hat ihn verfolgt?«
»Das wissen wir nicht. Die Fremden verbrannten in der Methanexplosion und die Beschreibungen des Farmers sind sehr vage.«
»Wie kamen sie hierher? Mit welchem Schiff?«
»Sie verwendeten Tarntechnik. Die Sensordaten werden noch analysiert.«
»Ich würde die Daten gern sehen.«
»Die Klingonen haben deutlich ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass wir uns um diese Angelegenheit kümmern.«
»Es geschah auf unserem Territorium.«
»Das ist irrelevant.«
»Botschafter, bei allem Respekt: Wir haben ein Recht darauf zu erfahren, was vor sich geht!«
»Sie werden alle sachdienlichen Informationen bekommen.«
»Und wer entscheidet, was sachdienlich ist?«
Jonathan Archer wusste genau, was geschah, noch bevor er die Intensivstation der medizinischen Abteilung betrat. Er hörte fünf verschiedene Stimmen. Admiral Forrest. Der andere komische Admiral, der ihn immer an den Golfpartner seines Großvaters erinnerte … Leonard, so lautete sein Name. Commander Williams. Die anderen beiden … Die Stimme des Botschafters Soval – zum Teufel mit ihm – kannte er gut genug und die letzte Stimme gehörte ebenfalls einem Vulkanier. Der hochnäsige Tonfall, die präzise Diktion, ein Schild aus kühler Erhabenheit … Archer hätte sich...




