Carey | Star Trek - The Next Generation: Abstieg | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Carey Star Trek - The Next Generation: Abstieg

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11687-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11687-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Steht eine Großoffensive der Borg bevor?

Die USS Saladin und eine Föderationsbasis werden von den Borg überfallen. In beiden Fällen kommt die Enterprise zu spät, um ein Blutbad zu verhindern. Jean-Luc Picard befürchtet, dass eine Großoffensive der Borg bevorsteht. Commander Data macht im Kampf mit den Borg eine sensationelle Erfahrung: Er empfindet rasende Wut. Getrieben von dem Wunsch, noch mehr Emotionen kennenzulernen, ist er bereit, Ethik, Loyalität und Moral über Bord zu werfen. Doch weder er noch Picard ahnen, dass sie nicht mehr als Marionetten in einem von langer Hand vorbereiteten Spiel sind, bei dem ein gefährlicher Gegner die Fäden zieht.

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Kapitel 1


»Aber dann sagte ich: ›In einem solchen Bezugssystem wäre das Merkurperihel in die entgegengesetzte Richtung vorgerückt.‹«

Diese Worte stammten von einem Mann, in dessen Lächeln Vitalität zum Ausdruck kam – obgleich der Körper wie verwelkt wirkte und in einem speziellen Stuhl ruhte.

Von den vier anwesenden Männern hatte einer die Anekdote erzählt, und ein anderer lachte nun.

Der dritte runzelte die Stirn und dachte darüber nach. Der vierte … sah zwar wie ein Mann aus, war jedoch gar kein Mensch.

»Eine großartige Geschichte!«, freute sich die zweite, hagere Gestalt. Ihr weißes Haar formte eine Art Wolke, und der Schnurrbart ließ sich mit einem hängenden Rosshaarpinsel vergleichen. Hinzu kam ein ausgeprägter deutscher Akzent.

Ein unbeteiligter Beobachter hätte glauben können, dass sich der vierte Mann amüsierte. Eine derartige Feststellung fiel nicht leicht. Das gelbe Gesicht wies gewisse Ähnlichkeit mit dem eines Narren oder Spaßvogels auf, doch die ernst blickenden Augen widersprachen diesem Eindruck. Er trug eine Hutkrempe ohne Hut, selbst ohne eine einzige Feder. Offenbar ging es ihm nur darum, die Augen vor der einen Lichtquelle an der Zimmerdecke abzuschirmen, während er glatte Karten verteilte.

»Ausgezeichnet, Dr. Hawking«, sagte der Mann mit dem gelben Gesicht. Er drehte den Kopf ein wenig und sah nach rechts. »Wissen Sie, Sir Isaac: Um den Witz zu verstehen, muss man über die relativistische Krümmung der Raum-Zeit Bescheid wissen. Wenn sich zwei Bezugssysteme ohne Trägheitsmoment in relativer Bewegung befinden …«

Sir Isaac Newton, Professor der Mathematik und Ritter des Königreichs, schob mit einer Mischung aus Stolz und Trotz das Kinn vor, als er dem Blick des Kartengebers begegnete.

»Seien Sie nicht so herablassend«, sagte er. »Ich habe die Physik gewissermaßen erfunden. Als mir der Apfel auf den Kopf fiel … Es war einer der bedeutendsten Tage in der Geschichte der Wissenschaft.«

Er widerstand der Versuchung, auf folgendes hinzuweisen: Er hatte die Geschichte fast verstanden, doch dann hinderten ihn die Erklärungen daran, weiterhin nachzudenken. Seinen Studenten gegenüber hätte er sich nie auf diese Weise verhalten.

Auf der anderen Seite des Tisches bewegte sich der offensichtlich körperbehinderte kleine Wissenschaftler. »Nicht schon wieder die Sache mit dem Apfel.«

Sir Isaacs Kinnlade klappte nach unten. Er starrte sein Gegenüber groß an, und ihm fehlten die Worte.

»Jene Erzählung gilt als apokryph«, sagte der Mann mit dem gelben Gesicht verblüffend offen.

Sir Isaac spürte, wie es in ihm zu brodeln begann. »Wie können Sie es wagen …«

Der Alte mit dem wolkenartigen weißen Haar deutete auf die glatten Karten. »Ich schlage vor, wir widmen uns nun wieder dem Spiel.« Er stützte sich auf den Ellenbogen und blickte zu Hawking. »Mal sehen … Nach Mr. Data haben Sie um vier erhöht, was für mich bedeutet: Ich muss sieben setzen.«

»Der Einsatz beträgt zehn!«, donnerte Sir Isaac. »Sind Sie von simpler Arithmetik überfordert?«

Diese Leute sollten Genies sein?

Sie spielten mit Karten, und vor ihnen lagen Chips – auf einem runden, mit grünem Filz bedeckten Tisch. Es gab keine einzige Kerze im Zimmer. Was das Glühen an der Decke betraf … Sir Isaac vermutete, dass es sich dabei um reflektiertes Sonnenlicht handelte.

Was gibt diesen Leuten das Recht, sich über die Vergangenheit lustig zu machen? Könnte ich über Kopernikus, Galileo und Kepler lachen – obgleich ich ihre Schlussfolgerungen korrigiert habe? Darf irgendein Wissenschaftler, der etwas auf sich hält, das Werk seiner Vorgänger verspotten?

Er zögerte, als etwas anderes in den Mittelpunkt seiner Überlegungen rückte: die Zukunft. Irgendwie verstand er, dass die anderen Männer am Tisch aus seiner Zukunft kamen, und doch verbarg sich keine schockierte Überraschung mit dieser Erkenntnis. Sie sprachen willkürlich über Vergangenes und Zukünftiges, als sei das eine überhaupt nicht Grundlage des anderen. Zum Beispiel Stephen Hawking: Der Stuhl, auf dem er saß, kam einer komplexen Maschine gleich, die es ihm erlaubte, über die Grenzen seines schwachen Körpers hinweg aktiv zu werden. Das war ihm nur möglich, weil andere Leute vor ihm Krücken verwendet und schließlich bessere Instrumente entwickelt hatten.

Die Zeit. Zukunft und Gegenwart … Konnte tatsächlich alles ineinander übergehen?

Sir Isaac fühlte sich plötzlich fehl am Platz, und er betastete eine Locke des langen Haars, während er die übrigen Anwesenden musterte. Sie verwendeten keine Perücken. Und nur er trug Kleidung, wie sie einem Gelehrten gebührte. Vergeblich hielt er nach Kniebundhosen, Mänteln und Halstüchern Ausschau. Selbst Schwerter und Spazierstöcke fehlten. Vielleicht waren diese Leute bereits für die Nachtruhe gekleidet.

Der wolkenhaarige Einstein schob einige Chips zur Tischmitte.

Sir Isaac fügte ihnen ungeduldig den eigenen Einsatz hinzu. »Ich weiß gar nicht, warum ich hier bin«, murmelte er.

Er hatte dieses Spiel nie gelernt, und doch wusste er, worauf es dabei ankam. Außerdem zwang ihn irgend etwas dazu, daran teilzunehmen. Gab es für vier intelligente Männer nichts Besseres zu tun, als Chips zu setzen, zu erhöhen, mitzugehen, zu passen und zu bluffen? Sir Isaac besann sich darauf, Münzwardein zu sein, Professor der Universität Cambridge. Ein Mitglied des Parlaments. Und ein Ritter. Doch diese Männer hatten sich weder nach dem Binomialsatz noch nach der Differentialrechnung als Kalkülbasis erkundigt. Außerdem hatten sie über seine Darstellung der quantitativen Gesetze der Universaldynamik gelacht.

Sie haben gelacht.

Brachte die Zukunft Selbstgefälligkeit? Wie konnten Anwender von Wissenschaft Personen verhöhnen, denen der Mensch die Wissenschaft verdankte?

Sir Isaac fühlte sich zutiefst beleidigt. Gleichzeitig drängte alles in ihm danach, aufzustehen und das leuchtende Etwas an der Zimmerdecke zu untersuchen. Vielleicht hätte er Bestätigung für seine Theorie finden können, dass die Farben des Spektrums zusammen Weiß ergaben.

Doch irgend etwas hielt ihn fest. Er musste auch weiterhin am Tisch sitzen und Karten spielen. Ist dies ein Traum?

Es lief ihm kalt über den Rücken, als dunkle Furcht in ihm keimte. Vielleicht irrte sich die Kirche; vielleicht gab es eine andere – sehr traurige – Art von Leben nach dem Tod. »Was hat es für einen Sinn, Zeit mit diesem idiotischen Spiel zu vergeuden?«

Data setzte ebenfalls. »Ich gehe mit. Meiner Erfahrung nach bietet sich beim Pokern Gelegenheit, verschiedene Aspekte der menschlichen Natur besser kennenzulernen. Ich wollte herausfinden, wie drei der besten Wissenschaftler aller Zeiten aufeinander reagieren. Meine bisherigen Beobachtungen sind sehr aufschlussreich.«

Der Alte sah auf die Chips hinab. »Und einträglich.«

Erneut versuchte Sir Isaac, Eindrücke von seinen Begleitern zu gewinnen. Anzeichen für echte Genialität fand er kaum, außer bei Stephen Hawking. Der Mann namens Data erklärte zu viele Details, und Einstein war ganz offensichtlich Deutscher.

Allerdings: Ein derartiges Kartenspiel verlangte kaum Geniales. Wenn es Mr. Data um eine Untersuchung des Phänomens Scharfsinn ging – warum hatte er dann nicht beschlossen, die Universität Cambridge zu besuchen, im Jahr 1707?

Apokryph … Gilt das auch für meine Veröffentlichungen? Wie schnell die Zukunft Leistungen der Vergangenheit bagatellisiert. Ich bin enttäuscht.

Sir Isaac spürte eine vage Vibration im Boden. Er wäre gern aufgestanden, um die Dunkelheit zu durchschreiten und eine Wand zu finden – um festzustellen, was sich dahinter befand.

Aber auch diesen Wunsch konnte er sich nicht erfüllen. Der sonderbare Zwang ließ ihm keine andere Wahl, als am Tisch zu verharren und auch weiterhin Karten zu spielen. Welche Kraft steckte dahinter? Er spürte, wie seine Neugier nachließ. Entsprach es Gottes Wunsch, dass er hier sitzen blieb und mit jedem verstreichenden Augenblick dümmer wurde?

»Können wir diese Sache jetzt bitte hinter uns bringen?«, drängte Sir Isaac. Und zu Hawking: »Sie sind dran.«

»Ich erhöhe um fünfzig.«

Mr. Data half dem Behinderten, indem er eine entsprechende Anzahl von Chips nahm und in die Mitte des Tisches legte.

Sir Isaac ließ die Karten sinken. »Verdammt! Ich passe.«

Die anderen schienen sich darüber zu freuen.

Er selbst spürte ebenfalls Zufriedenheit. Jetzt konnte er in aller Ruhe sitzen und nachdenken, anstatt eine Art Relikt zu sein, das der allgemeinen Erheiterung diente. Er war Professor, kein Possenreißer.

»Die Unschärferelation nützt Ihnen jetzt nichts, Stephen«, meinte Einstein. Wieder sprach er mit unüberhörbarem Akzent. »Selbst alle Quantenfluktuationen des Universums können Ihre Karten nicht ändern. Sie bluffen und werden eine Menge Geld verlieren.«

»Da irren Sie sich, Albert«, erwiderte Hawking. Eine mechanische Hand hielt die Karten für ihn und drehte sie nun.

Viermal die Sieben.

Einstein schnitt eine finstere Miene, schüttelte dann den Kopf und lachte leise.

Sir Isaac beobachtete das Geschehen. Ihn faszinierten insbesondere die Mechanismen, mit denen Hawking verbunden war.

Zu meiner Zeit hätte jemand mit Stephens Leiden keine Gelegenheit gefunden, sich der Wissenschaft zu widmen. Wie gut ich ihn verstehe … Sein Gebrechen mag anderen Leute wie eine Bürde erscheinen, aber in gewisser Weise kommt sie einem Geschenk gleich: Sie nahm ihm etwas, aber sie gab auch – Zeit zum Nachdenken, um...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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