Carey | Star Trek - The Next Generation: Gespensterschiff | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Carey Star Trek - The Next Generation: Gespensterschiff

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11528-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11528-9
Verlag: Heyne
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Ein unerklärliches Energie-Phänomen bedroht die Enterprise

1995: Ein unerklärliches Engergie-Phänomen zerstört einen russischen Flugzeugträger, tötet die Besatzung und verschwindet wieder von der Erde. Drei Jahrhunderte später wird die Enterprise von demselben Phänomen angegriffen. Es versucht, die gesamte Energie des Raumschiffes zu absorbieren. Counselor Troi empfängt zudem telepathische Nachrichten aus dem Inneren des Phänomens und ist überzeugt, dass es sich um die Seelen der russischen Seeleute handelt. Um wenigstens einen Teil der Enterprise-Crew zu retten, trennt Captain Picard den Rumpf von der Antriebssektion und stellt sich mit der Brückencrew dem Kampf.

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Kapitel 1


Die Sergej G. Gorschkow glitt über die Wellen, als sei die See allein dafür geschaffen, solche Schiffe aufzunehmen. Wie jeder Seemann in der Tiefe seines Herzens wusste, hatte es vor der Erfindung des Schiffes keinen Ozean gegeben, und der Ozean war nur deshalb so unermesslich geworden, weil Schiffe dieser Größenordnung damit begonnen hatten, seine entlegensten Küsten aufzusuchen, seine Grenzen immer mehr zurückzudrängen, die Weiten des Meeres dank ihres unermüdlichen Forschergeistes zu erobern. Die Schiffe, immer größer, immer mächtiger, immer majestätischer, waren die Tapferkeitsmedaille der Menschheit.

Wenigstens denken Seeleute so.

Für den Bäcker ist es das Brot in seinem Ofen, dem die Menschheit größere Beachtung schenken sollte.

Eben Ansichtssache.

Arkadij Reykow knöpfte den tiefblauen Overall der sowjetischen Marine auf und streifte den schweren Mantel von der Schulter. Sein persönlicher Adjutant fing den Mantel auf und verstaute ihn. Reykow bedankte sich nicht für den kleinen Dienst, marschierte statt dessen auf die Brücke, ohne Mantel, aber mit intakter Autorität. Heute ruhten die Augen des Politbüros auf ihm und seinem Schiff.

Sein erster Offizier näherte sich ihm mit jener verbissenen Verlässlichkeit, die Reykow etwas störte und die ihm irgendwie doch stets willkommen war. Die beiden Männer nickten einander zu, wandten sich im selben Augenblick um und sahen auf die erstaunliche Landefläche des zweiten Volldeck-Flugzeugträgers der Sowjetunion hinab. Die Werft von Nikolajew lag weit hinter ihnen. Vor ihnen befanden sich die offenen Weiten des Schwarzen Meers. Um sie herum, in einem Radius von mehreren Meilen, stampften die Hilfsschiffe des Flugzeugträgers durch die See, gerade jenseits des Horizonts. Es waren vier schwere Kreuzer und sechs Zerstörer; die Tankerflotte würde sie morgen einholen.

Reykow war ein hochgewachsener Mann mit geraden Schultern und einer Neigung zur Gesetztheit, jene Art von Russe, der immer dann in Komödien und Dramen auftauchte, wenn dieses Klischee für die Geschichte nötig war; nur der obligatorische Schnurrbart fehlte. Der erste Offizier Timofei Vasska war schlanker, blonder, und jünger, doch beide sahen gut aus, was ihnen – um der Wahrheit die Ehre zu geben – in ihrem Beruf nicht gerade zum Vorteil gereichte. Wenigstens fiel ihnen das Aufstehen am Morgen etwas leichter.

Man wollte einfach gut aussehen, wenn man ein Schiff wie dieses führte, diesen atomaren Berg auf hoher See. Es hatte lange gedauert, bis man das nötige Wissen erworben hatte, ein solches Schiff zu konstruieren. Marinearchitekt wurde man nicht einfach so, und selbst wenn das der Fall gewesen wäre, woher hätte man die nötigen Wirtschaftsstrukturen nehmen sollen, die dieses Wissen überhaupt erst anwendbar machten? Selbst die Produktion eines schlichten Kugelschreibers erforderte ein enormes Maß an Technologie, Einfällen, Fabriken, Maschinen, genauen Messlatten, genauem Abwägen, gründlicher Überlegung, exakten Produktionsmethoden und steter Überprüfung. Und ein Flugzeugträger ist etwas teurer.

Reykow war stolz auf die Gorschkow, ein Schiff der Lenin-Klasse. Sie war groß, und Russen liebten große Dinge. Überdies war sie mit einer Waffe ausgerüstet, die die erste und einzige ihrer Art darstellte. Ihr ganzer Stolz. Etwas, das noch nicht einmal die Amerikanskis hatten.

Reykow blähte seine Brust in einem tiefen Atemzug. Sein Schiff. Na ja, wenigstens konnte er sich einreden, es wäre seins.

Er fühlte den Puls der fünftausend Männer seiner Crew, ein stetes uhrwerkhaftes Pochen, während er im Turm des Flugzeugträgers auf der Brücke stand.

»Wir nähern uns dem Manövergebiet, Genosse Kapitän.«

Vasskas Stimme klang melodischer, als die Worte es erforderten.

Reykow bestätigte mit einem schnellen Blick. »Teilen Sie dem Flugoffizier mit, er soll die MiGs für die Zielübungen starten.«

Ein leichter Schauder überkam ihn, als er den Befehl erteilte. Es war das erste Mal, dass die neuen MiGs bei einer Demonstration für Würdenträger vom Flugzeugträger aus abheben würden. Bislang hatten nur militärische Augen dieses Schauspiel zu Gesicht bekommen. Nach langer Zeit hatte die Sowjetunion endlich das Geheimnis der Titanverarbeitung entdeckt, und nun gab es eine neue Klasse von MiGs, die leicht genug waren, um auf Flugzeugträgern eingesetzt werden zu können. Über Jahre hinweg hatte das Mutterland sein Titan an die USA verkauft, während sowjetische Flugzeuge immer noch aus Stahl bestanden. Zu schwer, zuviel Treibstoffverbrauch. So war es mit einem gewissen inneren Vergnügen, dass Arkadij Reykow zusah, wie die MiGs über das Ende des Flugdecks rasten und in den Himmel aufstiegen, eine nach der anderen – sieben insgesamt.

»Lassen Sie die Maschinen aus fünfzig Meilen mehrere unangekündigte Angriffe auf unser Schiff fliegen. Bereiten Sie das Lasersuchgerät und die Radaranlage vor, damit wir zeigen können, dass wir jede unmittelbar nach Zielerfassung vom Himmel holen können. Und raten Sie dem Politkommissar, die Würdenträger aus ihren Betten zu holen. Ich denke, heute wären Sie ausnahmsweise lieber mal in Rot anstatt in Grün.«

Vasska bemühte sich nach Kräften, die Befehle an die entsprechenden Stationen weiterzuleiten. Dennoch wurden seine Wangen rot, und seine Schultern zuckten verdächtig. »Sie waren ziemlich grün, nicht wahr, Genosse Kapitän?«, murmelte er leise, die Augen auf die anderen Brückenoffiziere gerichtet.

Der Kapitän lächelte. »Und richten Sie ihnen aus, sie sollen sich anziehen, bevor sie auf Deck erscheinen. Die amerikanischen Satelliten könnten sonst die Haare an ihren Beinen zählen.«

»Sind Sie denn nicht über den neuesten Geheimdienstbericht im Bilde?«, gab Vasska zurück. »Bürokraten haben keine Haare auf den Beinen.«

Reykow lehnte sich auf eine derart natürliche Weise zu ihm hinüber, dass es nach all den Jahren, in denen sie nun zusammenarbeiteten, kaum mehr auffiel. »Sie sollten die ganzen Bürokraten in den Gulag stecken. Vielleicht kämen die Dinge dann einmal ins Rollen.«

Vasska grinste ihn an und warf ihm einen verstohlenen Blick zu. »Sie waren früher selbst mal einer.«

»Allerdings«, entgegnete der Kapitän, »und sie hätten mich damals knebeln sollen. Vielleicht wären Sie dann jetzt Kapitän, und ich schon im Politbüro.«

»Ich will gar kein Kapitän sein. Wenn das Geknalle losgeht, brauche ich jemand, hinter dem ich mich verstecken kann.«

Reykow zog einen Mundwinkel nach oben. »Schon in Ordnung. Mein heimlicher Wunsch ist es, nie im Politbüro sitzen zu müssen. Sind die Drohnen einsatzbereit? Hat man sie vorher noch mal überprüft?«

»Einige davon. Heute morgen haben wir zwei davon hinausgeschickt, und eine hat versagt. Hoffen wir, dass wir bei der Vorführung besser abschneiden.«

»In der guten alten Zeit«, bemerkte Reykow mit gewohnter Trockenheit, »wären die Ziele mit einem Selbstzerstörungsmechanismus ausgestattet gewesen. Nur für den Fall, dass wir vorbeigeschossen hätten.«

Die beiden Männer teilten ein Grinsen.

»Die Raketen sind wieder und immer wieder überprüft worden. Dieser Satz dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach so zünden, wie er soll. Lauter Zielübungen und nichts, worauf man schießen kann.« Vasska betrachtete die See, die am breiten Bug der Gorschkow vorbeidonnerte.

»Mhm«, pflichtete ihm Reykow bei, die Lippen zusammengekniffen. »Wissen Sie, Timofei, dass ich nun schon dreißig Jahre diene und bisher niemand auch nur ein einziges Mal auf mich geschossen hat?«

Vasska richtete sich auf, das jungenhafte Gesicht von einem mühsam zurückgehaltenen Grinsen angespannt. »Woher wissen Sie dann, dass Sie im Falle eines Angriffes nicht einfach zusammenbrechen?«

»Sie kennen doch meine Frau.«

Vasska verschränkte die Hände hinter dem Kopf und senkte seine Stimme aufs neue. »Wie läuft es denn mit Borka?«

»Ich habe mit ihm geredet … ich habe ihn allein erwischt.«

»Irgendwelche Fortschritte?«

Reykow hob die Brauen und zuckte die Achseln. »Ich kann nicht jede Minute auf ihn aufpassen. Und immer wenn ich ihn aus den Augen verliere, mache ich mir Sorgen.«

»Womit haben Sie's versucht?«

»Vernunft … Drohungen … Belohnungen … nichts funktioniert. Ich fürchte, es ist an der Zeit für härtere Maßnahmen.«

Vasska nickte mitfühlend. »Seien Sie streng, Kadij. Ich wünschte, ich könnte dabei sein. Das kommt eben von zu großer Freizügigkeit. Rebellion. Mit der Zeit wird es schon werden. Irgendwann wird Borka seine eigenen Entscheidungen treffen, und dann können Sie stolz behaupten, dass Ihr Enkel den Windeln entwachsen ist.«

Noch während er es sagte, richtete Vasska seinen Blick auf das dichte braune Haar des Kapitäns mit dem kleinen Silberstreifen knapp über der linken Braue. Auf einmal hatte er Schwierigkeiten, sich Arkadij Reykow als Großvater vorzustellen. Das Gesicht des Kapitäns war beinahe faltenlos, die Augen noch genauso klar und lebhaft wie an jenem Tag vor acht – oder waren es neun? – Jahren, als er ihm das erste Mal begegnet war. Damals waren Vasska noch Pilot und Reykow Flugoffizier auf der Moskau gewesen. Es waren keine schlechten acht Jahre gewesen, zumindest nach den ersten beiden, als sie sich endlich gegenseitig davon überzeugt hatten, dass sie offen miteinander reden konnten – was in vielen Beziehungen nie zustande kam.

»Stellen Sie sicher, dass sich keine anderen Flugzeuge in unserem Gebiet aufhalten, Genosse Vasska. Starten wir das Zielflugzeug und beginnen mit der Vorführung, bevor wir Hunger kriegen und den Job...



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