Carpenter | Vom Glück bestimmt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Carpenter Vom Glück bestimmt


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5386-8
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

ISBN: 978-3-7457-5386-8
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lisa wünscht sich ein Kind - aber keinen Mann. Jared träumt von einem Sohn - aber nicht von einer Frau. Zufällig treffen sie sich in einer Klinik für künstliche Befruchtung. Durch einen 'Unfall' wird nicht die von Jared ausgewählte Leihmutter, sondern Lisa von ihm schwanger. Kann das Baby die beiden zu einem Paar machen?

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2. KAPITEL

Mit Schwung parkte Lisa ihren Wagen in der Auffahrt und stieg glücklich lächelnd aus. Sie kam gerade von einem Abendessen mit Ashley, die am frühen Nachmittag endlich aus New York zurückgekehrt war. Wie schön war es gewesen, sich endlich mit der Freundin persönlich unterhalten zu können! Ashley war nämlich fast so begeistert über die Schwangerschaft wie Lisa selbst.

Leise vor sich hin summend ging sie auf die Haustür zu und kramte dabei in ihrer Handtasche nach den Hausschlüsseln.

„Endlich!“

Abrupt hob Lisa den Kopf und blieb stehen.

Ein Mann versperrte ihr den Weg.

„Oh.“ Überrascht ließ sie die Schlüssel fallen. Als sich Lisa bückte, um sie aufzuheben, fiel ihr Blick auf ein Paar auf Hochglanz polierte Lederslipper und die Aufschläge einer Hose mit feinen Nadelstreifen. Langsam schaute Lisa an der Bügelfalte empor, während der Mann vor Ungeduld auf den Zehenspitzen wippte und die Hände in die Hosentaschen schob.

Rasch richtete sich Lisa auf. Wer mochte das sein? Neugierig musterte sie sein Gesicht, bemerkte kühn geschwungene Lippen und eine perfekt geformte Nase … Da machte es „Klick!“, und sie erinnerte sich. Der Mann aus der Klinik.

„Jared Steele“, entfuhr es ihr.

Erschrocken trat sie einen Schritt zurück und hielt instinktiv die Hände schützend über ihren Unterleib. Was wollte der Typ hier? Dumme Frage; im Grunde hätte sie längst mit seinem Auftauchen rechnen müssen. Natürlich war er wegen des Babys gekommen – ihres Babys …

„Genau“, erwiderte Jared. „Ich habe auf Ihren Anruf gewartet.“ Er rührte sich keinen Zentimeter von der Stelle.

Dennoch wich Lisa weiter vor ihm zurück. „Woher wissen Sie, wer ich bin und wo ich wohne? Dr. Rubin hat mir absolute Diskretion zugesichert.“

„Dr. Rubin hat mir Ihre Adresse auch nicht genannt.“ Er machte eine vage Handbewegung, worauf Lisa sofort zurückzuckte.

Er runzelte die Stirn. „Können wir nicht hineingehen? Wir müssen miteinander reden.“

Spontan schüttelte sie den Kopf, denn sie war nicht vorbereitet auf dieses Zusammentreffen. Warum nur hatte sie Dr. Rubin nicht besser zugehört oder sich wenigstens die Zeit genommen, die Unterlagen durchzulesen, die sie von ihr erhalten hatte?

Weil ich ein wenig Zeit haben wollte, um die freudige Nachricht meiner Schwangerschaft auszukosten, ehe ich mich der Wirklichkeit stellen und Jared Steele gegenübertreten muss, gab sie sich selbst die Antwort.

„Sie hätten nicht kommen dürfen.“

„Sie hätten mich anrufen sollen.“

„Ich hatte noch keine Zeit zum Überlegen. Gehen Sie bitte!“

„Nein.“

„Dann rufe ich die Polizei.“

„Und ich meinen Anwalt.“

Nein! Lisa stockte vor Angst der Atem. Nur das nicht! Sie wollte keine gerichtliche Auseinandersetzung. Ihr Herz hämmerte, und ihr langsam erwachender Mutterinstinkt riet ihr dringend, einfach davonzulaufen.

„Hören Sie, wenn Sie nicht mit mir allein sein wollen“, sagte Jared, „dann können wir uns auch in einem Restaurant unterhalten. Auf jeden Fall brauchen Sie wirklich keine Angst zu haben, ich werde Ihnen nichts tun.“ Er hatte Mühe, seine Ungeduld zu verbergen.

„Das will ich hoffen – schließlich bin ich mit Ihrem Kind schwanger.“

Lisa richtete sich kerzengerade auf. Wie seltsam, diese Worte an einen Fremden zu richten. Im Grunde blieb ihr nichts anderes übrig, als zuzugeben, dass er recht hatte. Sie mussten wirklich miteinander reden. Es war sinnlos, sich noch länger vor der Wahrheit zu verstecken.

„Wir bleiben lieber hier“, entschied sie. „Über solche persönlichen Dinge sollte man sich besser nicht in einem öffentlichen Lokal unterhalten.“

Sie schloss die Tür auf und ging ihm ins Haus voran.

„Machen Sie es sich bequem.“ Lisa wies auf ihr pfirsichfarbenes Sofa, wobei sie bemerkte, dass ihre Hand leicht zitterte. „Bitte entschuldigen Sie mich einen Moment. Ich möchte mich ein bisschen frisch machen“, sagte sie und verließ mit raschen Schritten das Zimmer.

Sie brauchte unbedingt ein paar Minuten für sich allein.

Aus der Frisierkommode im Schlafzimmer holte sie die Unterlagen, die Dr. Rubin ihr gegeben hatte, dann lief sie damit ins Bad und schloss sich ein. Nachdem sie Gesicht und Hände mit kaltem Wasser gekühlt hatte, setzte sie sich auf den Wannenrand und schlug die Mappe auf. Nach kurzer Zeit musste sie jedoch feststellen, dass sich kaum mehr darin befand als Jared Steeles Name und Anschrift samt Telefonnummer.

Mist! Sie hatte mehr erwartet. Angestrengt versuchte sich Lisa an das Gespräch mit Dr. Rubin zu erinnern, in dem sie über die unglückselige Verwechslung gesprochen hatten.

Die ganze Geschichte hatte nur passieren können, weil sie und Steele gleichzeitig in der Klinik gewesen waren. Die Frau, die für die künstliche Befruchtung mit Steeles Sperma vorgesehen war, hatte ihren Termin kurzfristig abgesagt.

Lisa war gern eingesprungen, da sie ihren ursprünglichen Klinikbesuch wegen einer unerwarteten Steuerprüfung in der Galerie hatte absagen müssen. Noch heute konnte sie sich gut an ihre Erleichterung erinnern, nicht weitere vier Wochen auf einen neuen Termin warten zu müssen.

Welch eine Ironie des Schicksals!

Denn Jared Steele hatte nicht als anonymer Samenspender fungieren wollen, wie Dr. Rubin erklärt hatte. Viel mehr war es so, dass jene andere Frau als Leihmutter sein Baby austragen sollte. Die Ärztin hatte sich bei Lisa entschuldigt und ihr absolute Diskretion zugesichert.

Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass eben dieser Jared Steele nun in ihrem Wohnzimmer saß und Lisa befürchten musste, dass er gekommen war, um Ansprüche auf ihr Baby zu erheben.

Und sie konnte es ihm nicht einmal verdenken.

Noch immer verstand Lisa nicht, wie es ihm gelungen war, ihren Namen und ihre Adresse ausfindig zu machen. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als ihn danach zu fragen.

Sie holte tief Luft, nahm all ihren Mut zusammen und verließ das Badezimmer.

Während Jared auf Lisas Rückkehr wartete, betrachtete er die Bilder an den Wänden ihres Wohnzimmers. Sie waren alle von äußerst talentierter Hand gemalt, wie er mit Kennerblick feststellen konnte. Eines der Gemälde, das ein kleines Mädchen mit honigblondem Haar ganz allein auf einem Spielplatz darstellte, weckte sein besonderes Interesse.

Sollten seine Informationen über Lisa richtig sein, und davon ging er aufgrund von Zacks Zuverlässigkeit aus, dann stellte dieses Bild sie selbst dar. Es verkörperte auf äußerst eindrucksvolle Art die Erinnerung an ihre Kindheit, ihre Einsamkeit als Waise und den Wunsch, dass eines Tages ihre Träume Wirklichkeit werden würden.

Das Gemälde drückte unterschwellig so viel Unschuld und Sehnsucht aus, dass sich Jared beim Betrachten ganz schuldbewusst fühlte. Er wünschte, Lisa hätte nicht so zu Tode erschrocken ausgesehen, als sie ihn vorhin vor ihrer Tür entdeckt hatte. Ungeduldig runzelte er die Stirn und rief sich dann selbst zur Ordnung. Es fehlte gerade noch, dass er jetzt auch noch Mitleid mit ihr empfand!

Als Lisa um die Ecke zum Wohnzimmer bog und Jared vor ihrem Bild stehen sah, blieb sie wie angewurzelt stehen. Ihr gefiel die Art nicht, wie er es betrachtete – so, als könnte er hinter die Darstellung geradewegs ins Herz des Malers sehen. Sie fühlte sich ihm gegenüber ohnehin schon verletzlich genug.

Doch als er sich nun zu ihr umdrehte und seinen eindringlichen Blick auf sie richtete, änderte sie ihre Meinung. Sollte er doch lieber das Bild anschauen, statt sie mit dieser eigenartigen Intensität zu betrachten. Lisa reckte das Kinn ein wenig vor und trat näher.

„Woher wussten Sie meine Adresse?“, fragte sie trotzig.

Augenblicklich hatte sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter. Woher kam bloß diese eigenartige Wirkung, die dieser Mann auf sie ausübte? Empfand sie Angst vor ihm oder hatte sie am Ende Mitleid mit ihm? Dass sie sich körperlich zu ihm hingezogen fühlen könnte, wies sie sofort weit von sich.

„Ihre Kunst hat mir den Weg gewiesen“, erwiderte Jared ohne Umschweife. „Unsere Unterhaltung in der Klinik war zwar nur kurz, aber Sie erwähnten, dass Sie Malerin seien.“ Er lächelte etwas verlegen. „Es geschieht nicht jeden Tag, dass eine schöne Frau mein Riechorgan bewundert.“

„Sie haben zufälligerweise nun einmal eine klassisch schöne Nase – rein vom künstlerischen Standpunkt her betrachtet.“ Lisa verschränkte die Arme vor der Brust.

Über den blauen Augen, die sie unverwandt ansahen, wölbten sich fragend seine dunklen Augenbrauen. Obwohl dieser Blick Lisa verunsicherte, zwang sie sich, ihn zu erwidern. Keinesfalls durfte dieser Mann bemerken, wie bedrohlich sie seine Gegenwart empfand.

„Wie auch immer. Sie erwähnten damals, dass Dr. Rubin ein Gemälde von Ihnen besitzt. Ich habe es gesehen und war sehr beeindruckt davon. Das Bild ist signiert mit ‚L. Langdon‘. Der volle Name hätte mir meine Suche zwar erleichtert, aber auch mit dem Nachnamen allein war es nicht allzu schwer, Sie aufzuspüren.“

Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, während Lisa über seine Erklärung...



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