E-Book, Deutsch, Band 2076, 144 Seiten
Reihe: Julia
Carr Heißer als der Wüstenwind
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-529-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2076, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-95446-529-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Privatjet um die Welt - mit einem Wüstenprinzen! Als Zoe gezwungen wird, den feurigen Nadir ibn Shihab zu heiraten, jubiliert sie innerlich. Nicht aus Liebe zu dem ihr fremden Bräutigam, nein, ihre Hochzeitsreise ist Zoes einzige Chance zur Flucht aus seinem Scheichtum, in dem sie streng behütet aufwuchs. Doch egal ob in Athen, London oder Mexiko: Zoe lässt jede Gelegenheit davonzulaufen verstreichen. Denn Nadir ist der aufregendste Mann, dem sie je begegnet ist - und ihr Verlangen nach ihm brennt plötzlich so heiß wie ihr Freiheitsdrang ...
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1. Kapitel
Tiefe Dunkelheit senkte sich über die Wüste, als der schwarze Geländewagen vor dem Gasthof hielt, einem großen, aber schlichten Gebäude mitten im Dorf. Die Rundbögen und Pfeiler im Innenhof waren mit Blumengirlanden geschmückt, und in den üppigen Palmen hingen Lichterketten. Leise Folkloreklänge wehten zu Scheich Nadir ibn Shihab herüber, und ein Feuerwerk erleuchtete den Abendhimmel und kündigte seine Ankunft an.
Es war Zeit, seine Braut zu treffen.
Nadir verspürte weder Vorfreude noch Neugier oder Furcht. Eine Frau zu heiraten war für ihn Mittel zum Zweck. Seine Wahl basierte nicht auf Gefühlen, sondern auf einem Arrangement, auf das er sich wegen einer einzigen übereilten emotionalen Reaktion vor zwei Jahren eingelassen hatte.
Er schob seine Gedanken beiseite, weil er jetzt nicht über die Ungerechtigkeit nachdenken wollte. Mit dieser Heirat würde er seinen Ruf wiederherstellen, und niemand im Königreich Jazaar würde den Schritt infrage stellen, durch den er sich der traditionellen Lebensweise verpflichtete.
Nadir stieg aus dem Wagen. Seine Dishdasha, ein hemdartiges, bodenlanges Gewand, klebte an seinem muskulösen Körper, sein schwarzer Umhang und der weiße Kopfschmuck bauschten sich im Wind. Nadir fühlte sich fremd in der traditionellen Kleidung, aber an diesem Tag trug er sie aus Respekt vor der landesüblichen Sitte.
Er sah, dass sein jüngerer Bruder sich näherte. Nadir musste bei dem ungewohnten Anblick lächeln, den Rashid in der ebenfalls traditionellen Kleidung bot. Sie umarmten sich zur Begrüßung.
„Du bist sehr spät dran für deine Hochzeit“, sagte Rashid leise.
„Sie fängt ja nicht ohne mich an“, erwiderte Nadir und trat zurück.
Rashid konnte über die Arroganz seines Bruders nur den Kopf schütteln. „Ich meine es ernst, Nadir. So kannst du den Stamm nicht umstimmen.“
„Dessen bin ich mir bewusst. Ich bin so schnell gekommen wie ich konnte.“ Er hatte fast den ganzen Tag damit zugebracht, mit zwei verfeindeten Stämmen über ein Stück Land zu verhandeln. Und das war wichtiger als ein Hochzeitsfest. Selbst wenn es dabei um seine eigene Hochzeit ging.
„Das reicht nicht für die Ältesten“, sagte Rashid, als sie zum Hotel gingen. „In ihren Augen hast du dich ihnen gegenüber vor zwei Jahren äußerst respektlos gezeigt. Sie werden dir deine Unpünktlichkeit nicht verzeihen.“
Nadir war nicht in der Stimmung, sich Belehrungen von seinem jüngeren Bruder anzuhören. „Ich heirate die Frau, die sie ausgewählt haben, oder nicht?“
Die Heirat diente dem Zweck einer politischen Verbindung mit einem einflussreichen Stamm, der ihn respektierte und gleichzeitig fürchtete. Nadir hatte gehört, dass man ihn in diesem Teil der Wüste die Bestie nannte. Und als wollten sie einen Dämon beschwichtigen, waren die Ältesten bereit gewesen, eine Jungfrau zu opfern und ihm zur Braut zu geben.
Nadir näherte sich der Reihe der Ältesten, die in ihre besten Gewänder gekleidet waren. Die ernsten Mienen der Männer zeigten ihm, dass Rashid recht hatte. Sie waren nicht glücklich mit ihm. Wäre der Stamm nicht so wichtig für seine Modernisierungspläne in diesem Land, hätte Nadir seine Existenz schlicht ignoriert.
„Ich bitte ergebenst um Verzeihung.“ Nadir begrüßte den Ältestenrat, verbeugte sich tief und drückte sein Bedauern über seine Verspätung aus. Es war ihm egal, ob diese Männer beleidigt waren, weil er so spät kam; trotzdem musste er sich den Gepflogenheiten beugen und sich diplomatisch verhalten.
Höflich geleiteten die Ältesten ihn in den Innenhof, als der altertümliche Gesang, begleitet von Trommeln, die Luft erfüllte. Auch wenn Nadir tief im Inneren davon berührt wurde, stimmte er nicht ein. Zwar waren die Gäste glücklich darüber, dass der Scheich eine der ihren heiratete, er selbst war jedoch nicht erfreut über den Lauf der Ereignisse.
„Weißt du irgendetwas über die Braut?“, flüsterte Rashid seinem Bruder ins Ohr. „Was ist, wenn sie sich als unpassend erweist?“
„Das ist nicht wichtig“, erklärte Nadir ruhig. „Ich habe nicht vor, mit ihr als Mann und Frau zu leben. Ich werde sie heiraten und in mein Bett nehmen. Wenn die Hochzeitszeremonie erst einmal vorbei ist, wird sie im Sultanspalast im Harem leben. Ihr wird es an nichts fehlen, und ich habe meine Freiheit. Wenn alles gut geht, werden wir einander nie wieder zu Gesicht bekommen.“
Nadirs Blick schweifte über die Menge. Die Männer, in Weiß gekleidet, standen auf der einen Seite und forderten die Frauen auf der anderen Seite mit ihrem Gesang und dem rhythmischen Klatschen dazu auf, noch schneller zu tanzen. Die Gewänder der Frauen leuchteten in kräftigen Farben, waren großzügig mit Gold durchsetzt. Plötzlich wurden alle Anwesenden sich seiner Gegenwart bewusst. Die Musik endete abrupt, alle standen wie versteinert da und starrten ihn an. Er fühlte sich wie ein unwillkommener Gast – und das auf seiner eigenen Hochzeit.
Nadir war es gewohnt, dass man ihn mit Vorsicht beäugte, angefangen von den Bediensteten bis hin zu Staatsoberhäuptern. Internationale Geschäftsmänner beschuldigten ihn, verschlagen wie ein Schakal zu sein, wenn er ihre Versuche vereitelte, sich Jazaars Ressourcen illegal anzueignen. Journalisten erklärten, dass er das Gesetz des Sultans unbarmherzig durchsetze. Er war sogar einmal mit einer Viper verglichen worden, als er Jazaar mit unerschütterlicher Härte gegen blutrünstige Rebellen verteidigt hatte. Seine Landsleute mochten Angst haben, ihm direkt ins Auge zu sehen, aber sie wussten, dass er sie beschützen würde, koste es, was es wolle.
Langsam ging Nadir weiter, gefolgt von Rashid. Allmählich verfielen die Gäste wieder in Feierlaune und sangen laut, während sie Rosenblüten auf ihn niederregnen ließen. Sie schienen zutiefst erleichtert, dass die dreitägige Hochzeitszeremonie endlich ihren Anfang nahm. Stirnrunzelnd nahm er das breite Lächeln der Männer und das hohe Trillern der Frauen zur Kenntnis. Sie glaubten wohl, die Bestie auf diese Weise besänftigen zu können.
Sein Blick war weiter geradeaus auf das Ende des Innenhofs gerichtet. Auf einem Podium in der Mitte standen zwei thronähnliche Stühle, flankiert von Diwanen. Auf einem der Stühle saß seine Braut und wartete auf ihn, den Kopf gesenkt.
Nadir ging langsamer, als er sah, dass seine Braut ein landesübliches Hochzeitskleid in einem tiefen Purpurrot trug. Ein schwerer Schleier verbarg ihr Haar und umrahmte ihr Gesicht, um dann in einer Kaskade über Schultern und Arme zu fallen. Das enge Oberteil war mit goldenen Perlen durchwirkt und betonte die kleinen Brüste und die schmale Taille. Ihre zarten Hände, verziert mit einem verschlungenen Muster aus Henna, lagen auf dem ausgestellten Brokatrock.
Er krauste die Stirn, während er die Frau musterte. Irgendetwas war anders, war falsch an dieser Braut. Abrupt blieb er stehen, als ihn die Erkenntnis wie ein Donnerschlag traf.
„Nadir!“, flüsterte Rashid streng.
„Verstehe.“ Er klang entsetzt. Die Frau vor ihm war keine Braut der Jazaari, die zu einem Scheich passte.
Sie war eine Außenseiterin. Eine Frau, die kein Mann heiraten würde.
Die Stammesführer hatten ihn hereingelegt. Reglos stand Nadir da, während Wut in ihm hochkochte. Als Beweis seines Vertrauens hatte er zugestimmt, eine Braut zu heiraten, die der Stamm erwählte. Im Gegenzug hatten sie ihm die aus Amerika stammende verwaiste Nichte einer ihrer Familien gegeben.
Ein Affront, dachte er und bezwang seine Wut. Damit zeigten sie ihm, dass er für sie zu modern war, um eine traditionelle Braut der Jazaari schätzen zu können.
„Wie können sie es wagen?“, grollte Rashid. „Wir gehen sofort. Sobald der Sultan von dieser Sache erfahren hat, werden wir dem Stamm offiziell aus dem Weg gehen und …“
„Nein.“ Nadir hatte sich schnell entschieden. Auch wenn ihm das Ganze nicht gefiel, sagte ihm sein Instinkt, dass diese Heirat einem höheren Zweck diente. „Ich habe ihre Wahl akzeptiert.“
„Das musst du nicht, Nadir.“
„Doch, ich muss.“
Denn der Stamm erwartete, dass er diese Frau als seine Braut ablehnen würde. Sie wollten, dass er die Tradition missachtete und damit bewies, dass er den Lebensstil der Jazaari nicht zu schätzen wusste.
Das konnte er sich nicht leisten. Nicht noch einmal.
Und das wussten die Ältesten.
Nadir verengte die Augen zu schmalen Schlitzen. Er würde diese unwürdige Frau als seine Braut akzeptieren. Und wenn die Hochzeit erst einmal vorbei war, würde er die Ältesten dieses Stammes einen nach dem anderen vernichten.
„Ich muss Protest einlegen“, sagte Rashid. „Ein Scheich heiratet keine Außenseiterin.“
„Das stimmt. Aber da ich eine Braut brauche, ist mir jede Frau dieses Stammes recht. Ärger machen sie ohnehin alle.“
„Aber …“
„Keine Sorge, Rashid. Ich ändere meine Pläne. Sie wird nicht im Sultanspalast leben. Stattdessen schicke ich sie in den abgeschiedenen Palast in den Bergen.“ Er würde diese Frau verstecken – und damit jeden Beweis, dass dieser Stamm ihn beschämt hatte. Niemand würde je von der enormen Mitgift erfahren, die er für eine minderwertige Braut bezahlt hatte.
Nadir zwang sich weiterzugehen, und sein weißglühender Zorn verwandelte sich in Eis, als er zu seiner Braut trat. Ihm fiel auf, dass ihr Gesicht sich blass gegen die dunkelroten Lippen und die mit Kajal geschwärzten Lider abhob. Ein breites Band aus Rubinen und Diamanten schmückte ihr Haar. Überdies trug sie ein Gewirr an Halsketten und eine lange Reihe goldener Armreifen.
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