E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
Carr Schicksalhafte Tage in Rom
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2951-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2951-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nie hat Antonio der süßen Isabella verziehen, dass sie ihn mit seinem Bruder betrog - dennoch sucht der stolze Aristokrat ganz Rom nach ihr ab, um sie an Giovannis Sterbebett zu holen. Ihm wird klar, dass er sie trotz allem noch liebt. Dann erfährt er, dass sie Giovannis Kind erwartet ...
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1. KAPITEL
Isabella Williams zuckte zusammen, als sie das Motorgeräusch eines schweren Sportwagens vernahm. Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück und fasste das Tablett fester, als könnte es ihr Halt geben.
Erst als das tiefe Brummen nicht mehr zu hören war, beruhigte sie sich wieder. Sie atmete tief durch, setzte ihre schwere Last auf den nächsten Tisch und wischte sich über die feuchte Stirn. Sie musste dringend ihre Fantasie zügeln: Ein Sportwagen fuhr vorbei, und schon bildete sie sich ein, Antonio Rossi sei ihr auf der Spur.
Allein die Vorstellung war abwegig. Ein Mann wie Antonio Rossi passte nicht in diesen schäbigen Stadtteil, und die Idee, er würde hier in Rom nach ihr suchen, war reines Wunschdenken. Antonio hatte sie bestimmt schon längst vergessen. Sie dagegen wurde die Erinnerungen an die wunderschönen Monate, die sie bei ihm verbracht hatte, nicht los.
Antonio entstammte nicht nur einer reichen Industriellenfamilie Roms, er sah auch blendend aus – er war der Traum einer jeden Frau. Als er sie im Frühjahr eines Morgens völlig überraschend und kommentarlos aus seinem Bett hatte befördern lassen, hatte die Nächste bestimmt schon vor der Tür gestanden.
Jetzt nur nicht weinen! Isabella riss sich zusammen, schluckte die Tränen hinunter und blickte auf die Uhr. Bis zum Ende ihrer Schicht dauerte es noch Stunden. Einfach freizunehmen, sich ins Bett zu legen und die Decke über den Kopf zu ziehen, konnte sie sich nicht leisten. Sie brauchte jeden Euro, den sie in diesem schäbigen Straßencafé verdiente.
„Isabella, wie lange willst du eigentlich die Gäste an dem kleinen Ecktisch noch warten lassen?“, herrschte ihr Chef sie an.
Zu müde, um sich zu rechtfertigen, schloss sie kurz die Augen. Sie würde den Rest des Tages schon überstehen, sie musste sich einfach auf ihre Arbeit konzentrieren und eins nach dem anderen erledigen.
Langsam ging sie zu dem Tisch mit dem jungen Paar, das sie noch gar nicht vermisst zu haben schien, denn sie küssten sich und turtelten verliebt. Isabella biss sich auf die Lippe. Wie sehr sie die beiden beneidete, wie sehr sie Antonios leidenschaftliche Küsse vermisste! Doch sie machte sich keine Illusionen: Antonio würde sie niemals zurückhaben wollen – nicht, wenn er die Wahrheit erfuhr.
Je eher sie sich also die wunderbare Zeit, die sie zusammen verbracht hatten, aus dem Gedächtnis strich, desto besser.
Mit heiserer Stimme fragte sie die Gäste nach ihren Wünschen. Obwohl sie im College Italienischkurse belegt hatte, waren ihre Sprachkenntnisse immer noch lückenhaft, und die sprachlichen Probleme machten ihr den Arbeitsalltag noch schwerer.
Es hatte eine Zeit gegeben, da war sie sich sicher gewesen, die Sprache bald perfekt zu beherrschen, da hatte sie davon geträumt, mit ihrem Charme und ihrer Intelligenz Rom im Sturm zu erobern. Abenteuer, eleganter Lebensstil und Liebe, alles, wonach sie sich sehnte, schien sie erreicht zu haben.
Doch sie hatte ihr Glück verspielt.
Jetzt arbeitete sie in diesem erbärmlichen Straßencafé und besaß kein Geld. Wenn die Leute sie überhaupt wahrnahmen, dann als billig gekleidete und unscheinbare Bedienung, die man schikanieren konnte. So viel zu ihren Träumen.
Um so zu leben, hätte sie nicht nach Rom kommen müssen, das hätte sie auch in Amerika haben können – und dort hätte sie wenigstens verstanden, was die Leute hinter ihrem Rücken über sie lästerten.
Hier wohnte Isabella in einem kleinen Zimmer über dem Café, das sich nicht abschließen ließ und in dem es keine Waschgelegenheit gab. Sie besaß nichts – außer einem dunklen Geheimnis und einem starken Überlebenswillen.
Isabella notierte die Bestellung und ging damit zur Küche. Sie würde noch mehr und härter arbeiten müssen, um in absehbarer Zeit das Geld für ein Ticket nach Amerika zusammenzubekommen. Sie sehnte sich nach ihrer Heimat, nach einer Welt, die ihr vertraut war und deren Spielregeln sie kannte. Dort würde es ihr gelingen, sich eine Lebensgrundlage zu schaffen und ihr Studium erfolgreich abzuschließen.
Die Zeit der hochfliegenden Träume und großen Abenteuer war vorbei, ein sicherer Hafen schien ihr nun das größte Glück.
Doch die Zeit arbeitete gegen sie, denn sie würde sich nicht mehr lange so hart fordern können. Verzweifelt lehnte sie die Stirn gegen die Küchenwand und versuchte, die vulgären Schimpfworte ihres Chefs zu überhören.
Ganz bestimmt würde sie das Geld für den Flug aufbringen können, zurück in der Heimat würde sie einen Neuanfang wagen und alles besser machen. Sie hatte aus ihren Fehlern gelernt, das war das einzig Positive, was sich über die vergangenen Monate sagen ließ.
Antonio Rossi betrachtete das ärmliche Straßencafé in dem ebenso ärmlichen Viertel seiner Heimatstadt. Endlich würde er ihr gegenüberstehen: der Frau, die ihn und seine Familie beinahe in den Ruin getrieben hätte.
Er ging auf einen leeren Tisch zu, setzte sich und versuchte, sich auf die bevorstehende Auseinandersetzung vorzubereiten. Diesmal würde er sich nicht durch Isabellas unschuldige blaue Augen und ihre zerbrechliche Schönheit täuschen lassen. Diesmal würde er die Oberhand behalten.
Er lehnte sich zurück, streckte die Beine lang aus und schob seine Sonnenbrille etwas höher auf die Nase. Kritisch musterte er die Hauswand, von der die Farbe abblätterte, die wackeligen Stühle und die zerschlissene Markise. Was wollte Isabella an solch einem Ort?
Es ergab keinen Sinn. Er hatte ihr die Türen zu seiner Welt geöffnet, sie zu sich in sein Penthouse geholt, das Bett mit ihr geteilt, und sie von seinem Personal verwöhnen lassen.
Doch dann hatte sie heimlich mit seinem Bruder eine Affäre begonnen und alles zerstört.
Über diese Tatsache kam Antonio einfach nicht hinweg. Er hatte Isabella alles gegeben, doch anscheinend war es ihr nicht genug gewesen. Dem Vergleich mit seinem älteren Bruder Giovanni, dem eigentlichen Erben des Rossi-Imperiums, hielt er nicht stand – das war schon immer so gewesen.
Ein halbes Jahr war es jetzt her, dass Giovanni ihm in betrunkenem Zustand alles gebeichtet hatte. Das war das Letzte, was er von seinem Bruder gesehen hatte, mit Isabella hatte er nicht mehr geredet, gleich am nächsten Morgen hatte er sie von seinen Bodyguards aus dem Penthouse werfen lassen. Eigentlich hätte sie Schlimmeres verdient gehabt.
Jetzt kam Isabella aus der Tür, ein Tablett mit zwei Tassen Cappuccino in den Händen. Sosehr er sich auch innerlich auf ein Wiedersehen vorbereitet hatte, reagierte er doch anders als gewollt.
Sie trug ein verwaschenes T-Shirt, einen kurzen Jeansrock und die Spitzen ihrer Ballerinas waren abgestoßen, dennoch verschlug ihm ihr Anblick den Atem, und sein Begehren flammte auf. Ein Blick auf ihre nackten Beine genügte, und Erinnerungen wurden lebendig. Wie oft hatte Isabella ihm die Schenkel um die Hüften gelegt und ihn aufgefordert, sie noch stürmischer zu lieben!
Er kniff die Augen zusammen, um die Bilder zu verscheuchen. Ein zweites Mal würde er Isabellas Zauber nicht verfallen. Er hatte ihr bedingungslos vertraut, hatte sie für naiv und unschuldig gehalten. Diesen Fehler würde er nicht wiederholen.
Mit grimmiger Miene beobachtete er, wie Isabella das Pärchen an dem kleinen Ecktisch bediente. Sie hatte sich verändert. Das letzte Mal hatte er sie gesehen, als sie neben ihm eingeschlafen war, erschöpft von der Liebe, die Wangen gerötet, das herrliche blonde Haar zerzaust.
Jetzt war sie blass und sah überanstrengt aus. Ihr Haar, streng aus der Stirn gekämmt und lieblos im Nacken mit einem Gummi zusammengefasst, wirkte stumpf. Auch von ihren verführerischen Rundungen war nichts mehr zu erkennen. Sie war abgemagert und nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Antonio lächelte zufrieden. Sie schien durch die Hölle gegangen zu sein. Gut so, denn da gehörte sie hin.
Er hatte Isabella für süß und rein gehalten, ihr Erröten und schüchternes Lächeln hatten ihn mitten ins Herz getroffen und seinen Beschützerinstinkt geweckt. Doch alles war nur Schau gewesen, Isabella war nichts weiter als eine begnadete Schauspielerin und brillante Intrigantin. Diese kleine Amerikanerin hatte selbst die egozentrischen und materialistischen Frauen seiner Kreise in den Schatten gestellt.
Deren Ränke waren für Antonio durchschaubar, er wusste, dass sie ihn belogen und betrogen. Für sie war er lediglich Mittel zum Zweck, um näher an Giovanni, den Erben der Rossimilliarden, heranzukommen.
Isabella dagegen hatte er für liebevoll und warmherzig gehalten, er hatte sich von ihrer engelsgleichen Schönheit täuschen lassen. Er war fest davon überzeugt gewesen, für sie der Mann des Lebens zu sein – doch sie hatte hinter seinem Rücken seinen Bruder verführt …
Mit gesenktem Kopf, Block und gezückten Stift in den Händen, trat sie an seinen Tisch. „Sie wünschen?“, fragte sie, ohne aufzusehen.
Selbst ihre Stimme klang anders, müde und heiser. Antonio lehnte sich zurück.
„Hallo, Bella.“
Nein, das darf nicht wahr sein!
Abrupt blickte Isabella auf. Sie hatte sich nicht getäuscht, der vermeintliche Gast war Antonio Rossi höchstpersönlich.
Sie schluckte. Was hatte ihn in dieses Straßencafé geführt? Was hatte ein Milliardär in solch einem armseligen Viertel zu tun??
Panik ergriff sie.
Weiß Antonio Bescheid?
Sie starrte ihn an wie das Kaninchen die Schlange. Er trug einen schwarzen Nadelstreifenanzug,...




