E-Book, Deutsch, 399 Seiten
Reihe: Lübbe
Center Hello Stranger
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7524-3
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman. Die neue Strangers-to-Lovers-Romance der internationalen Bestseller-Autorin. Deutsche Ausgabe
E-Book, Deutsch, 399 Seiten
Reihe: Lübbe
ISBN: 978-3-7517-7524-3
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Liebe ist nicht blind, manchmal sieht sie nur etwas verschwommen
Gerade noch feierte die junge Malerin Sadie den Finaleinzug beim Wettbewerb der North American Portrait Society, dann liegt sie mit einer Gesichtsblindheit im Krankenhaus - jedes Gesicht sieht für sie nun aus wie ein durcheinandergeworfenes Puzzle.
Während Sadie darum kämpft, trotzdem noch ihren künstlerischen Traum zu verwirklichen, gleichzeitig familiäre Probleme zu managen und ihren geliebten Hund Peanut zu versorgen, stolpert sie in die Arme nicht nur eines, sondern gleich zweier sehr unterschiedlicher Männer: Der charmante Tierarzt ihres Hundes und ihr Vespa-fahrender Nachbar wetteifern um ihre Aufmerksamkeit. Sadie ringt um Klarheit in ihrem Leben und in der Liebe - und erkennt, dass die beste Art, die Welt zu sehen, immer noch mit dem Herzen ist.
Katherine Center ist NEW-YORK-TIMES-Bestsellerautorin und wird auch »die amtierende Königin der Wohlfühllektüre« genannt. Sie schreibt bittersüße Geschichten darüber, wie wir wieder aufstehen, wenn uns das Leben auch mal zu Boden wirft. Die Netflix-Verfilmung ihres Romans HAPPINESS FOR BEGINNERS hat es gerade in 81 Ländern in die weltweiten Top Ten geschafft. Sie lebt mit ihrem Mann, den gemeinsamen Kindern und ihrem Hund in Houston, Texas.
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KAPITEL 2
Als ich im Krankenhaus aufwachte, saß meine böse Stiefmutter Lucinda an meinem Bett.
Und du weißt, dass es schlimm ist, wenn Lucinda auftaucht.
Ich öffnete die Augen, und ich sah, wie sich einer meiner ungeliebtesten Menschen auf diesem Planeten vorlehnte, die Ellbogen auf den Knien, und über das Bettgitter spähte, die Nasenflügel blähte und mich anstarrte, als hätte sie mich noch nie gesehen.
»Was ist passiert?«, war alles, was mir zu sagen einfiel.
Daraufhin verfiel Lucinda in vollen Klatsch-Modus und informierte mich über die Details, als tratschte sie mit irgendeiner Nachbarin – und ich kann euch nicht sagen, wie seltsam es war, die Geschichte meines Lebens von der Person erzählt zu bekommen, die es ruiniert hatte.
Wie auch immer.
Offenbar hatte ich etwas gehabt, was man einen nicht-konvulsiven Anfall nennt, mitten auf der Kreuzung vor meinem Wohnhaus. Ich war mit leerem Blick auf der Straße erstarrt und fast von einem VW Käfer umgemäht worden, bevor mich ein geheimnisvoller guter Samariter in letzter Sekunde an den Straßenrand geschubst und mir das Leben gerettet hatte.
Als Nächstes, nachdem ich nicht überfahren worden war, hatte ich auf dem Bürgersteig vor meinem Wohnhaus das Bewusstsein verloren.
Dann hatte der gute Samariter den Notruf gewählt und mich den Rettungssanitätern übergeben, als sie aufgetaucht waren. Laut der Schwester im Krankenhaus war ich halb bei Bewusstsein gewesen, als man mich in die Notaufnahme gebracht hatte, und hatte jeden darum gebeten, meinen Vater zu finden – wobei das noch etwas ist, an das ich mich nicht erinnere.
Ich muss wirklich völlig daneben gewesen sein, wenn ich nach meinem Dad gefragt habe. Ausgerechnet. Einer Person, die ich nie freiwillig um Hilfe bitten würde.
Aber offenbar hatte ich immer wieder nach ihm gefragt und seinen Namen gesagt. Welchen die Pflegekräfte kannten. Denn mein Dad war, um ehrlich zu sein, eine Art Promi-Chirurg.
Das Personal hatte in seinem Büro angerufen, jener Schwester zufolge, aber er war nicht erreichbar gewesen.
Wodurch diese ganze Lucinda-Sache zustande gekommen war.
Sie war der absolut letzte Mensch, den ich an meiner Bettkante haben wollte – außer vielleicht ihrer Tochter. Um ehrlich zu sein, wäre ich lieber neben Miranda Priestly aufgewacht. Oder Rabenmutter Joan Crawford. Oder Ursula aus Die kleine Meerjungfrau.
Und dem Aussehen ihrer Nasenflügel nach zu urteilen, war Lucinda auch nicht allzu begeistert, mich zu sehen.
Trotzdem, irgendwie mochte sie das Drama.
Ihr Tonfall war ein bisschen ungläubig, während sie mich auf den neuesten Stand brachte, als wäre ihr unbegreiflich, warum ich mir ausgerechnet eine viel befahrene Kreuzung ausgesucht hatte, um diesen nicht-konvulsiven Anfall zu haben.
»Wenn dich dieser gute Samariter nicht gerettet hätte, dann wärst du jetzt platt wie ein Pfannkuchen.« Sie verstummte kurz und legte den Kopf schief, als würde sie sich das im Geiste vorstellen. »Ich war gerade bei meinem Weinkränzchen, als seine Sekretärin anrief, aber das ist schon in Ordnung. Wirklich. Natürlich habe ich alles stehen und liegen gelassen und bin sofort hergekommen.«
Bei ihrem Tonfall fragte ich mich, ob das wahr war. Oder ob sie vielleicht noch ein letztes Glas Chardonnay runtergekippt hatte.
Ich schüttelte erneut den verwirrten Kopf, wie in Moment mal. »Was ist passiert?«
Sie lehnte sich ein wenig zu mir, als ob ich nicht aufgepasst hätte. »Du wärst auf der Straße fast gestorben.«
»Aber was hat den Anfall ausgelöst?«, fragte ich schließlich, als mein Verstand allmählich zurückkehrte.
»Das wissen sie nicht. Könnte einfach eine Dehydration gewesen sein. Aber sie wollen ein MRT machen, bevor sie dich entlassen. Wie es aussieht, wirst du über Nacht bleiben müssen.«
Und dann, schnell, um sogar die Möglichkeit im Keim zu ersticken, dass ich sie bitten könnte zu bleiben – was ich absolut niemals tun würde –, fügte sie hinzu: »Ich werde gleich morgen früh wiederkommen.«
Ich wartete darauf, dass alles zu mir durchdrang, während Lucinda ihre Nachrichten überprüfte und dann ihre Sachen zusammensammelte.
Sie war eine dieser gepflegten Damen, bei denen Schuhe und Handtasche immer zusammenpassten. Sie trug ihr Haar praktisch und kurz, aber sie hatte stets ein komplett geschminktes Gesicht. Ich vermutete, dass sie sich angestrengt auf ihre Oberfläche konzentrierte, weil nicht viel darunter war. Aber ich kannte sie wirklich nicht so gut. Nicht einmal nach all diesen Jahren.
Ich erwartete zum Beispiel nicht, dass sie, als ihre Tochter Parker, auch bekannt als meine böse Stiefschwester, sie genau in diesem Moment über FaceTime kontaktierte, den Anruf annehmen würde. Oder dass sie daraufhin Parker in alles einweihen würde, was gerade passiert war, als erzählte sie den heißesten neuen Klatsch direkt aus der Druckerpresse. Und dann, als Parker sagte: »Lass mich mal sehen«, dass Lucinda das Handy umdrehen und auf mich richten würde.
Ich starrte Lucinda an und schüttelte den Kopf. Aber es war zu spät.
Da war Parkers katzenhaftes Gesicht – in iPhone-Größe ebenso furchteinflößend wie in natura.
Wie lange war es her, seit ich sie gesehen hatte? Jahre.
Und wenn ich sie mein ganzes Leben lang nicht mehr sehen würde, wäre das nicht lang genug.
»Oh mein Gott!«, kreischte Parker. »Ich kann nicht glauben, dass du fast von einem VW Käfer umgebracht worden wärst! Ich meine, nimm doch wenigstens was Cooles, wie einen Tesla.«
»Ich werd’s mir merken«, sagte ich.
Es war seltsam, sie wiederzusehen. Sie hatte ihre Haare gnadenlos blondiert. Und sie war wirklich tief in die Welt der Lidschatten eingetaucht. Sie hatte bessere Haare als in der Highschool – auf irgendwie nachrichtensprecherinnenmäßige Weise. Ihr Anblick tat mir in den Augen weh. Aber ich konnte nicht leugnen, dass sie technisch betrachtet – und ich sage das als Profi in dem Bereich – ein hübsches Gesicht hatte.
Zu dumm, dass sie es ruinierte, indem sie … durch und durch böse war.
»Du siehst grauenhaft aus«, sagte Parker mit vor falschem Mitgefühl zusammengekniffenen Augen. »Bist du auf dein Gesicht gefallen?«
Ich sah Lucinda an, wie um zu sagen: Ernsthaft?
Aber Lucinda lächelte nur und bedeutete mir zu antworten, als hielte sie das hier für eine nette Unterhaltung.
Ich seufzte und richtete den Blick wieder auf das Display. »Ich bin nicht auf mein Gesicht gefallen«, antwortete ich roboterhaft.
»Du siehst einfach nur so aufgedunsen aus«, fuhr sie fort.
»Es geht mir gut.«
»Haben sie dich mit Kochsalzlösung vollgepumpt oder so was?«
»Was? Nein.«
»Du siehst einfach gerade ein bisschen aus wie James Gandolfini. Das ist alles, was ich sage.«
Okay. Wir waren hier fertig.
»Junge, Junge«, sagte ich mit einem prüfenden Blick auf die nicht vorhandene Uhr an meinem Handgelenk. »Wie spät es schon ist.«
Dann drehte ich mich mit dem Gesicht zur Wand.
»Schmollt sie?«, wollte Parker wissen, als Lucinda das Handy wieder zurückdrehte.
»Du wärst auch knatschig, wenn dir das passiert wäre.«
»Aber mir würde das nie passieren. Wenn ich überfahren werden würde, dann von einem Aston Martin.«
Tausend Jahre später, nachdem Lucinda endlich aufgelegt hatte und zum Gehen bereit war, blieb sie an meinem Bett stehen und musterte mich, als könnte sie meine Lebensentscheidungen nicht einmal ansatzweise begreifen.
»Ich hoffe, als Nächstes kommt nicht die Betty-Ford-Klinik für dich«, sagte sie dann kopfschüttelnd, als wäre ich ein unlösbares Rätsel. »Sie haben gesagt, du wärst regelrecht vor Rotwein triefend in die Notaufnahme eingeliefert worden.«
Bei den Worten hielt ich den Atem an. »Wo ist das Kleid?«
»Welches Kleid?«
»Das, was ich anhatte. Als ich eingeliefert wurde.«
»Oh«, sagte Lucinda und schüttelte angewidert den Kopf. »Das ist im Müll.«
»Im Müll?« Ich packte das Bettgitter.
»Es war ruiniert«, sagte Lucinda. »Weindurchtränkt, blutbefleckt – die Sanitäter mussten es von dir runterschneiden. Das taugt jetzt nicht mal mehr als Putzlappen. Nicht zu retten. Ich habe dem Krankenpfleger gesagt, dass er es wegwerfen soll.«
Ich erinnere mich nicht daran, dass ich zu weinen anfing, aber als Lucinda verstummte, war mein Gesicht nass, meine Kehle zugeschnürt und meine Atmung zittrig. »Sie haben das Kleid weggeworfen?«
»Es war Müll, Sadie«, sagte Lucinda mit Nachdruck. »Es war nicht mehr zu retten.«
Ich schüttelte den Kopf. »Aber ich brauche es«, sagte ich.
Lucinda zog die Augenbrauen hoch, wie um zu sagen: Du hast besser einen guten Grund. »Warum?«
»Weil …«, setzte ich an.
Aber da gab es nichts zu sagen. Lucinda hatte ihre gesamte Ehe mit meinem Dad damit verbracht, sämtliche Spuren meiner Mutter auszulöschen. Wenn sie gewusst hätte, dass das Kleid meiner Mutter gehört hatte, hätte sie es sogar noch schneller weggeworfen.
Und vorher vielleicht noch angezündet.
»… weil ich es einfach brauche«, beendete ich den Satz.
Daraufhin trat Lucinda zurück und musterte mich, als wollte sie sagen: Genau, was ich erwartet hatte. Als hätte sie...




