Chadwick | Das Herz der Königin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 672 Seiten

Reihe: Die Alienor-Trilogie

Chadwick Das Herz der Königin

Historischer Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-15716-6
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 672 Seiten

Reihe: Die Alienor-Trilogie

ISBN: 978-3-641-15716-6
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Königin, Mutter, Geliebte – eine Frau, die dem Sturm trotzt und alle Herzen erobert

England 1154. Alienor von Aquitanien wird an der Seite ihres Mannes Henry zur Königin gekrönt. Eigentlich sollte sie glücklich sein, doch die Rolle, die sie nun einnehmen soll, entspricht nicht ihren Vorstellungen. Sie will nicht nur ein Kind nach dem anderen zur Welt bringen. Sie will regieren, herrschen! Als sich Henry auch noch einer jüngeren Frau zuwendet und ihr all seine Aufmerksamkeit schenkt, beschließt Alienor, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Und als ihre Söhne schließlich zu jungen Männer heranreifen, findet sie sich im Mittelpunkt einer Rebellion wieder, die verheerende Folgen für sie haben wird …

Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen über 20 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied von »Regia Anglorum«, einem Verein, der das Leben und Wirken der Menschen im frühen Mittelalter nachspielt und so Geschichte lebendig werden lässt. Elizabeth Chadwick wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, und ihre Romane gelangen immer wieder auf die Auswahlliste des Romantic Novelists' Award.
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1

Abtei Westminster, London, Dezember 1154

Just in dem Moment, in dem Theobald, der Erzbischof von Canterbury, das goldene Gewicht einer Krone auf Alienors Haupt setzte, gab ihr das Kind in ihrem Schoß einen Tritt, der durch ihren ganzen Körper hallte. Klares Winterlicht fiel durch die romanischen Fenster der Abtei, beleuchtete das Grab des Bekenners im Chorraum und warf einen fahlen Schein über das Podest, auf dem Alienor neben ihrem Mann saß, dem gerade gesalbten König Henry II von England.

Henry umfasste den juwelenbesetzten Reichsapfel und das Herrscherschwert mit besitzergreifendem Selbstbewusstsein. Sein Mund bildete eine gerade, feste Linie, seine grauen Augen blickten entschlossen. In dem Gemisch aus Halbdunkel und Licht schimmerte sein Bart kupferrot, und er verströmte all den Glanz und die Tatkraft seiner einundzwanzig Jahre. Er war bereits Herzog der Normandie, Graf von Anjou und Herzogsgemahl von Aquitanien, und man hatte mit ihm rechnen müssen, seit er mit vierzehn seinen ersten Kriegsfeldzug angeführt hatte.

Der Erzbischof trat zur Seite, und Alienor spürte, wie sich die volle Aufmerksamkeit der versammelten Gemeinde mit der Intensität eines gebündelten Lichtstrahls auf sie richtete. Jeder Bischof, Magnat und englische Baron hatte sich hier eingefunden, um Zeuge der Zeremonie zu sein, Henry zu huldigen und eine neue Ära des Friedens und des Wohlstands einzuläuten, während der die in Jahrzehnten des Bürgerkriegs davongetragenen Wunden vielleicht durch den jungen König und seine fruchtbare Gemahlin geheilt werden würden. Ein Hauch von vorsichtigem Optimismus lag in der Luft. Jeder brannte darauf, die Gunst des neuen Herrschers zu erlangen und sich Vorteile zu verschaffen. In den kommenden Monaten würden sie und Henry die Spreu vom Weizen trennen und sich des wertlosen Unrats entledigen müssen.

Dies war bereits das zweite Mal, dass Alienor eine Krone trug. Mehr als fünfzehn Jahre lang war sie Königin von Frankreich gewesen, bis ihre Ehe mit Louis aufgrund der zu engen Blutsverwandtschaft annulliert worden war. Diese Erklärung war allerdings nur vorgeschoben und sollte die wahren Gründe für die Trennung verschleiern, zu denen auch gehörte, dass sie Louis lediglich zwei Töchter statt der dringend ersehnten und benötigten Söhne geboren hatte. Dass sie mit Henry noch enger verwandt war als mit Louis, löste in Alienor sardonische Belustigung aus. Geld, Einfluss und menschlicher Ehrgeiz sprachen stets mit lauterer Stimme als das Gewissen und Gott. In den zwei Jahren ihrer Ehe mit Henry hatte sie einen gesunden Sohn zur Welt gebracht und erwartete noch vor Ende des Winters ein weiteres Kind.

Henry erhob sich von König Edwards geschnitztem Thron, woraufhin alle vor ihm niederknieten und die Köpfe senkten. Er hielt Alienor eine Hand hin. Sie versank in einen tiefen Knicks; ihre seidenen Röcke wogten wie eine Flut aus Gold um ihre Füße. Henry zog sie an ihren ineinander verschlungenen Fingern in die Höhe, und sie tauschten Blicke, in denen ein inneres Frohlocken und gegenseitiges Bewusstsein der Bedeutung dieses Moments leuchtete.

In Hermelinfell gehüllt, schritten sie Hand in Hand das große Kirchenschiff der Abtei hinunter, gefolgt von dem juwelengeschmückten Prozessionskreuz des Erzbischofs. Duftende Weihrauchschwaden und der Dampf ihres eisigen Atems kräuselten sich gen Himmel. Alienor hielt den Kopf hoch erhoben, bewegte sich mit angemessener Würde und hielt sich sehr gerade, um die schwere Krone und ihren angeschwollenen Bauch auszubalancieren. Ihr Gewand schimmerte und blitzte bei jedem Schritt auf, während der Chor eine triumphierende Lobeshymne intonierte. Die klaren Stimmen stiegen in die Höhe, vermischten sich mit dem Rauch und wurden zu Gott emporgetragen. Das Kind in ihrem Leib tummelte sich fröhlich, krümmte und streckte seine Gliedmaßen. Es würde wieder ein Junge werden, alle Zeichen standen günstig. Ihr sechzehn Monate alter erstgeborener Sohn wurde im Tower von seiner Kinderfrau betreut, aber eines Tages würde auch er, so Gott wollte, in dieser Kathedrale zum König gesalbt werden.

Vor der Abtei hatte sich trotz der beißenden Dezemberkälte eine Menschenmenge versammelt, um das Schauspiel zu verfolgen. Beamte und Marschälle hielten die Zuschauer auf Abstand, aber es herrschte eine freudige, gelöste Stimmung, die sich noch steigerte, als die Diener des königlichen Haushalts die Menge mit Silberstücken und kleinen Brotlaiben überschütteten. Alienor beobachtete, wie sich die Leute darum balgten, hörte die Segenswünsche und Dankesbekundungen, und obwohl sie kaum ein Wort Englisch verstand, war ihr klar, was zum Ausdruck gebracht wurde, und es entlockte ihr ein Lächeln.

»Wir haben einen vielversprechenden Anfang gemacht«, flüsterte sie Henry zu.

»Angesichts der vorangegangenen Ereignisse wäre alles andere auch nicht zur Debatte gestanden.« Auch er lächelte breit, aber Alienor entging nicht, dass sich seine Züge einen Moment lang verhärteten, als sein Blick von der Abtei zum Palast von Westminster wanderte. Die einst prunkvolle Residenz war während der späteren Jahre von Stephens Herrschaft zusehends verfallen und benötigte dringende Reparaturen, um sie bewohnbar zu machen. Vorerst hatte Henry seinen Verwaltungssitz im Tower eingerichtet und seine Wohngemächer auf die andere Seite des Flusses in das Herrenhaus von Bermondsey verlegt.

»Aber du hast recht«, fuhr er fort, »unsere Krönung war durchaus vorteilhaft. Möge es lange so bleiben.« Er legte eine Hand auf ihren runden Bauch, der für ihre Untertanen mittels ihres vorne aufklaffenden Umhangs absichtlich zur Schau gestellt wurde. Fruchtbarkeit war ein essentieller Bestandteil ihres Daseins als Königin und nie wichtiger als jetzt, am Anfang ihrer Herrschaft. Henry kicherte erfreut, als das Baby fest gegen seine Handfläche trat. »Dies ist unsere Zeit. Wir sollten das Bestmögliche aus jedem Augenblick herausholen.« Er nahm einem Bediensteten eine Handvoll Münzen ab und warf sie in die Menge. Eine junge Frau, die mit einem kleinen Kind ganz vorne stand, fing eine davon geschickt auf und bedachte ihn mit einem strahlenden Lächeln.

Alienor war erschöpft, aber noch immer von freudiger Erregung erfüllt, als die Barke gegen die Anlegestelle des Flusszugangs zum Tower stieß. Ein Besatzungsmitglied warf ein Seil über einen Pfahl und zog das Boot näher zu den Stufen hin. Dienstboten kamen mit Laternen herbeigeeilt, um die Winternacht zu erleuchten und die königliche Gesellschaft von der Landetreppe zu den Räumlichkeiten zu geleiten. Zersplitterte goldene Reflexionen ergossen sich über das dunkle, vom Salzgeruch der Mündung erfüllte Wasser der Themse. Trotz ihres pelzgefütterten Umhangs klapperte Alienor mit den Zähnen. Sie musste auf den frostüberzogenen Pfaden darauf achten, wo sie hintrat, um mit ihren dünnen Ziegenlederschuhen nicht auszurutschen.

Henry, der sich angeregt mit einer Gruppe von Höflingen unterhielt, zu der auch sein Halbbruder Hamelin, der Vicomte de Touraine, gehörte, schritt vorneweg; seine Stimme hallte durch die klare Nacht. Er war lange vor Tagesanbruch aufgestanden, und Alienor wusste, dass er sich vor den frühen Morgenstunden nicht in seine Kammer zurückziehen würde. Im Winter stiegen die Ausgaben für ihren häuslichen Verbrauch an Kerzen und Lampenöl stets drastisch an. Niemand konnte mit Henry mithalten, der mit seinen Ausgaben alle übertraf.

Sie betrat den Tower, stieg langsam die Stufen zu ihren Gemächern nach oben und blieb einen Moment lang stehen, um eine Hand auf ihren Bauch zu legen. Ein rascher Blick in eine abgetrennte Nische verriet ihr, dass der Erbe des neuen Throns unter weichen Vliesen und Decken in seinem Bettchen tief und fest schlief. Sein Haar schimmerte im Licht einer einzelnen Lampe golden. Die Kinderfrau signalisierte ihr mit einem Lächeln, dass alles in Ordnung war, und so wandte Alienor sich zu der Hauptkammer, in der sie und Henry die Nacht verbringen würden, bevor sie am nächsten Tag nach Bermondsey auf der anderen Flussseite übersetzen würden.

Die Fensterläden waren fest geschlossen, um die bitterkalte Winternacht fernzuhalten, und ein helles Feuer prasselte im Kamin. Alienor trat in den Hitzekreis und ließ sich von der tröstlichen Wärme einhüllen, die die Kälte der eisigen Windböen vom Fluss vertrieb. Der Widerschein der Flammen tanzte fast hypnotisch über ihr Gewand und schrieb Geschichten in die Seide.

Ihre oberste Zofe Marchisa kam sofort, um ihr beim Auskleiden behilflich zu sein, doch Alienor schüttelte den Kopf. »Nein«, wehrte sie lächelnd ab. »Ich möchte diesen Tag noch etwas länger auskosten. Einen vergleichbaren werde ich nie mehr erleben.«

Henrys Halbschwester Emma reichte Alienor einen Becher Wein. Ihre haselnussbraunen Augen leuchteten. »Ich werde mich mein ganzes Leben lang daran erinnern.«

Bis zu Alienors Hochzeit mit Henry vor zwei Jahren hatte Emma im weltlichen Gästehaus für Frauen der Abtei Fontevrault gelebt. Sie und ihr Bruder Hamelin waren Henrys illegitime Halbgeschwister und hatten nun dennoch beide einen festen Platz in ihrem Haushalt.

»Das werden wir alle.« Alienor küsste sie. Sie mochte Emma und wusste sowohl ihre sanfte, unaufdringliche Gesellschaft als auch ihr Geschick im Sticken zu schätzen.

Henry, der noch immer vor Energie brodelte wie ein Kessel über heißem Feuer, gesellte sich zu ihnen. Er hatte sein Krönungsgewand durch eine Alltagstunika aus schlichter Wolle ersetzt und ein Paar seiner Lieblingsstiefel angezogen, die sich der Form seiner Füße angepasst hatten.

»Du siehst aus, als wärst du bereit, in die Hände zu spucken und mit der Arbeit zu beginnen.« Alienor maß ihn mit einem wissenden Blick,...


Chadwick, Elizabeth
Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen über 20 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied von »Regia Anglorum«, einem Verein, der das Leben und Wirken der Menschen im frühen Mittelalter nachspielt und so Geschichte lebendig werden lässt. Elizabeth Chadwick wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, und ihre Romane gelangen immer wieder auf die Auswahlliste des Romantic Novelists' Award.



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