Chadwick | Das Herz des Feindes | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Chadwick Das Herz des Feindes

Historischer Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-641-28028-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-641-28028-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei Feinde müssen lernen, einander zu vertrauen, wenn sie überleben wollen ...

Die walisischen Grenzen, 1069: Als ihr Zuhause von brutalen normannischen Eindringlingen überfallen wird, ist Lady Christen gezwungen, den Tod ihres geliebten Ehemannes mitanzusehen. Es scheint, der Albtraum sei vorbei, als der Anführer Miles Le Gallois den Angriff abbricht. Doch der Normanne hat Christens Bruder in seiner Gewalt und schlägt ihr einen Deal vor: Er lässt ihren Bruder leben, wenn sie den Normannen heiratet. Christen geht wohl oder übel auf das Angebot ein. Und so ist sie plötzlich mit ihrem Feind verheiratet. Doch dieses Bündnis stößt auf Missbilligung und ruft von allen Seiten Widersacher auf den Plan ...

Weitere Romane von Elizabeth Chadwick (Auswahl):

Die irische Prinzessin
Der letzte Auftrag des Ritters
Das Vermächtnis der Königin

Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen über 20 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied von »Regia Anglorum«, einem Verein, der das Leben und Wirken der Menschen im frühen Mittelalter nachspielt und so Geschichte lebendig werden lässt. Elizabeth Chadwick wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, und ihre Romane gelangen immer wieder auf die Auswahlliste des Romantic Novelists' Award.

Chadwick Das Herz des Feindes jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1


Landsitz Ashdyke, walisisches Grenzgebiet
August 1069


Christen lag im Bett und lauschte dem Vogelgezwitscher: den an- und abschwellenden Tönen einer Drossel, dem harmonischen Wettstreit zweier Amseln, dem frechen Geschilpe von Spatzen und dem heiseren Krächzen der Krähenkolonie in den Eschen hinter der Palisade.

Graues Tageslicht fiel durch die Ritzen in den Fensterläden und kroch über die Häute auf dem Bett, um die nackte Schulter des schlafenden Mannes neben ihr zu berühren. Sie drehte den Kopf, um ihn anzusehen. Das gedämpfte Licht ging freundlich mit seinen Jahren um, milderte die feinen Fältchen und glättete die knittrige Haut an seinem Hals und seinen Armen. Seit der Ankunft der Normannen vor drei Jahren hatte Lyulph die Blütezeit seines Lebens hinter sich und war zu einem alten Mann geworden. Inzwischen fehlten ihm das Feuer und die Tatkraft, die ihn früher vital und kräftig gehalten hatten, obwohl er seinen fünfzigsten Winter schon weit überschritten hatte.

In den Tagen vor den Normannen, zur Zeit König Edwards, wäre Lyulph vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl damit beschäftigt gewesen, die Landgüter zu verwalten. In seinen Mußestunden wäre er auf die Jagd gegangen oder hätte sich im Umgang mit Waffen geübt und am Abend dem versammelten Haushalt vorgestanden, Essen und Getränke an die Anwesenden an ihrer Tafel ausgegeben und mit seinem silbernen Horn Trinksprüche ausgebracht, dabei alles und jeden scharf beobachtet. Stark wie ein Ochse, aber nie träge und schwerfällig, sondern gutherzig, dachte Christen und schluckte den Kummer darüber, was aus ihm geworden war, hinunter.

Es war alles so schwierig für Lyulph geworden. Er war mit Harald Godwinson, dem angelsächsischen König, in den Norden gereist, um den Invasionstruppen des Norwegers Hardrada entgegenzutreten, und wurde in der Schlacht von Stamford schwer verwundet. Er war nicht imstande gewesen, gemeinsam mit Harald den Rückzug anzutreten, um sich der neuen Bedrohung durch den Normannen William zu stellen. An der zweiten großen Schlacht um den Thron von England, die bei Hastings stattfand, konnte er nicht mehr teilnehmen, da er unter einer entzündeten Wunde am Oberschenkel litt. Diese hatte ihm der Stich eines norwegischen Speers zugefügt. Christen dachte oft, es wäre für Lyulph eine Gnade gewesen, wenn er wie Harald bei der Verteidigung der Schildmauer von Hastings, dem höchsten Teil der Burgmauer, gestorben wäre. Dann hätte er nicht William dem Eroberer, dem neuen englischen König die Lehenstreue schwören müssen, um jeden Tag von Schuld und Bitterkeit zerfressen weiterzuleben.

Der Vogelgesang wurde lauter und das graue Licht heller und leuchtender. Lyulph schlief weiter, sein Atem blies in seinen dichten silbernen Bart. Christen rückte von ihm ab, zog die Bettdecke wieder über ihn und streifte sich leise ihr Hemd und ihr Gewand über. Dann kämmte und flocht sie ihr schweres flachsblondes Haar, steckte es mit geschickten Fingern auf und legte den Schleier über ihren Kopf, wie es sich für eine anständige verheiratete Frau gehörte. Zum Schluss setzte sie sich auf einen niedrigen Schemel, um ihre Schuhe anzuziehen, und blickte erneut mit einer Mischung aus Besorgnis und Traurigkeit zu ihrem schlafenden Mann hinüber.

Inzwischen waren sie seit fünf Jahren verheiratet, und sie hatte vor Kurzem ihren zwanzigsten Sommer erreicht. Lyulph war dreißig Jahre älter als sie. Ihr Land war Teil des Hochzeitsgeschenks von König Edward gewesen, dessen Mündel sie nach dem Tod ihres Vaters geworden war. Der angelsächsische Herrscher hatte sie dann Lyulph gegeben, damals ein starker, mächtiger Krieger, der in der Lage war, ihr Land an der unruhigen Grenze zwischen England und Wales zu verteidigen.

In diesen frühen Tagen hatte sie Lyulph nie als alten Mann betrachtet, sondern vielmehr als Bollwerk und Beschützer. Für sie war er ein Mann voller Würde, kraftvoll und zuverlässig, der gern lachte und sie liebevoll und ein wenig nachsichtig behandelte. Ihr Leben in einer arrangierten Ehe hätte um vieles schlimmer sein können, und deshalb empfand sie große Dankbarkeit.

Zweimal hatte sie ein Kind empfangen; die erste Schwangerschaft endete mit einer Fehlgeburt, noch bevor sich das Baby bewegt hatte, und die zweite scheiterte, als die Normannen angriffen und Lyulph in den Krieg zog. Damals brachte sie eine totgeborene Tochter zur Welt, und seitdem hatten sie nicht mehr als Mann und Frau beieinander gelegen. Lyulph wollte kein Kind mehr in ein Land setzen, das unter dem Joch raubgieriger Wölfe litt, deren Anführer ihr Nachbar William FitzOsbern war, der Earl of Hereford, ein mächtiger normannischer Warlord und Geißel der ganzen Umgebung. Er war ein Verwandter von William dem Eroberer, den man auch den Bastard nannte, und einer seiner engsten Berater.

Christen schlich auf Zehenspitzen aus der Schlafkammer und trat in die nebenan gelegene Halle. Eine gähnende Dienerin schürte gerade das Feuer unter dem Kessel über der Feuerstelle, und die aus dem Schlaf gerissenen Bewohner der Halle rollten ihre Strohsäcke zusammen und wappneten sich für den Tag. Im Hof traf Christen zwei Frauen, die am Brunnen Wasser holten, und eine dritte, die sich in einem Eimer Gesicht und Hände wusch.

Ein köstlicher Duft nach frisch gebackenen Brotlaiben wehte von dem Ofen neben der Halle herüber und bewirkte, dass sich ihr Magen vor Hunger zusammenzog. In der Meierei machten die Frauen Butter und Quarkkäse, den es zum Fastenbrechen geben würde. Sie blieb stehen, um die Arbeit zu überwachen, und als sie sah, dass alles in Ordnung war, setzte sie ihren Weg fort.

Es war jetzt angenehm kühl, versprach aber ein heißer Spätsommertag zu werden, sowie die Sonne am Himmel höher gestiegen war – ideal, um die zur Schurzeit von den Vliesen der Herde des Landgutes gesponnenen Wollstränge zu färben, die schon darauf warteten, dass sie sich ihrer annahm. Christen betrat den Lagerschuppen, wo auf zwei Regalen ordentlich aufgereiht Krüge und Säckchen mit Beizen und Farben standen: Krappwurzel für Rot, Resede für Gelb und Bälle getrockneten Waids für Blau. Da dieser Kreuzblütler teuer war, sparte sie daran. Überhaupt achtete sie mit scharfem Hausfrauenblick auf den Geldbeutel, denn seit die Normannen gekommen waren, mussten sie sich einschränken.

Aus dem Augenwinkel heraus nahm sie eine Bewegung wahr, und bevor sie sich umdrehen konnte, schlang sich ein harter Arm um ihre Taille. Sie wurde vom Boden hochgehoben und in eine bärenhafte Umarmung gezogen, die ihr den Atem nahm. Empört schrie sie auf und kämpfte darum, sich loszumachen.

»Christen, alles ist gut, ich bin es!« Ein bärtiges Gesicht ragte über ihr auf und küsste sie unsanft auf die Wange.

»Osric!« Sie starrte den Bruder, den sie nicht mehr gesehen hatte, seit die Rebellen letztes Jahr Hereford überfallen hatten, schockiert und ziemlich bestürzt an. »Lieber Gott, was tust du hier?« Die Ringe seines Kettenhemds gruben sich in das Fleisch ihrer Wange, und der harte Rand eines Schwertknaufs stieß gegen ihre Rippen. Sie gewann ihre Fassung zurück, befreite sich aus seinen Armen und funkelte ihn ärgerlich an. Sie wusste schließlich aus langer Erfahrung, dass sein kräftiger, massiver Körper das einzig Verlässliche an Osric war.

»Sieh mich nicht so an.« Er stieß ein verlegenes Lachen aus und fuhr sich mit einer Hand durch sein dichtes, helles Haar.

»Wie soll ich dich sonst ansehen?«, fauchte sie. »Ein Jahr vergeht ohne irgendeine Nachricht von dir, und dann springst du aus dem Nichts heraus auf mich los, quetschst mich fast zu Tode und erwartest, dass ich überglücklich bin. Bist du immer noch bei den Rebellen?« Schon als sie die Frage stellte, kannte sie die Antwort. Er hatte auf dem Schlachtfeld von Hastings gekämpft und bloß überlebt, weil er vor dem endgültigen Gemetzel geflohen war. Der Kampf war für ihn jedoch nicht vorbei und würde es auch nie sein. Er ließ die Hand sinken. »Ich bin bei den freien Engländern«, berichtigte er sie steif.

Unbeeindruckt verschränkte sie die Arme vor der Brust. Osric öffnete den Mund, wollte wohl protestieren, änderte dann aber seine Meinung und bedachte sie mit einem bittenden Blick aus großen haselnussbraunen Augen. »Ich brauche deine Hilfe«, sagte er.

Christen hätte ihn am liebsten erwürgt. Wohin immer Osric ging, folgte ihm unweigerlich das Chaos, und seine Pläne erwiesen sich stets als verhängnisvoll für jeden, der dumm genug war, sich in sie verstricken zu lassen. So war es seit ihrer Kindheit. Sie beschrieb eine brüske Geste. »Du kommst besser in die Halle und brichst dein Fasten. Lyulph liegt noch im Bett. Wer ist das denn?« Ihr Blick schoss zu sechs Männern, die sich verstohlen in der Nähe des Stalls herumdrückten.

Osric zuckte die Achseln und täuschte Lässigkeit vor. »Meine Kriegertruppe. Wir sind auf dem Weg, uns westlich von hier wieder Eadric Cild anzuschließen.«

Die Rede war von einem englischen Rebellen, der entschlossen war, sich der normannischen Herrschaft bis zum bitteren Ende zu widersetzen. Nach einem erfolglosen Versuch, den Normannen die Grafschaft Herefordshire abzujagen, hatte er sich über die Grenze nach Wales zurückgezogen, und niemand vermochte mit Sicherheit zu sagen, wo er als Nächstes zuschlagen würde. Weder er noch William FitzOsbern scherten sich darum, was sie zerstörten, wenn es ihnen im Weg stand.

»Also schön, nur halte sie von unseren Pferden fern«, schnappte sie. »Der Himmel weiß, dass Lyulph genug Mühe hat, sie vor FitzOsberns Zugriff zu schützen, ohne dass du versuchst, sie dir gewissermaßen auszuborgen.«

»Christen!« Osric warf ihr einen Blick vor Tadel...


Chadwick, Elizabeth
Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen über 20 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied von »Regia Anglorum«, einem Verein, der das Leben und Wirken der Menschen im frühen Mittelalter nachspielt und so Geschichte lebendig werden lässt. Elizabeth Chadwick wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, und ihre Romane gelangen immer wieder auf die Auswahlliste des Romantic Novelists' Award.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.