E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: Schneiderbuch
Chapman Die Glückskeks-Bande, Band 01
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-505-13559-0
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Eine Prise Freundschaft
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: Schneiderbuch
ISBN: 978-3-505-13559-0
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Zuckrige Cupcakes, sahnige Törtchen und süße Kekse sind Hannahs große Liebe. Seit sie denken kann, erfindet sie zusammen mit ihrer Mutter die tollsten Rezepte für die leckersten Kuchen - gemeinsam sind sie ein unschlagbares Team. Als Mama dann Mark heiratet, erfüllt sie sich auch endlich ihren Traum und eröffnet in einer Kleinstadt eine eigene Bäckerei. Zusammen mit Marks quirligen Zwillingen stürzt sich die frisch gebackene Patchwork-Familie in dieses aufregende neue Leben. Aber aller Anfang ist schwer, Mama hat alle Hände voll zu tun, um Kunden zu gewinnen, und kaum nach Zeit für Hannah. Eifrig schmiedet Hannah Pläne, wie sie der Bäckerei zum Erfolg verhelfen kann, und findet dabei auch noch die besten Freundinnen aller Zeiten.
Sternenschweif-Bestsellerautorin Linda Chapman hat bereits einige erfolgreiche Kinderbuch-Reihen geschrieben. Die Glückskeks-Bande ist ihr neuestes Werk und besticht durch den gewohnten warmherzigen Ton und die hinreißenden Charaktere. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Leicestershire.
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1
Als ich meiner Mutter sagte, sie solle ihre Träume wahr machen und eine eigene Bäckerei eröffnen, ahnte ich nicht, dass dies bedeuten würde, umzuziehen, all meine Freunde zurückzulassen und auf eine neue Schule zu gehen. Aber genau das ist passiert. Die Zimt-und-Zucker-Bäckerei eröffnet morgen, und schon in einer Woche ist mein erster Tag an der neuen Schule. Ich weiß wirklich nicht, was mich nervöser macht.
Die Bäckerei muss unbedingt ein Erfolg werden. Mama hat ihren Bürojob gekündigt und all ihre Ersparnisse ausgegeben, darum muss es einfach klappen. Wir haben ewig gebraucht, bis wir einen Namen gefunden haben. Am Ende entschieden wir uns für „Zimt und Zucker“ . Denn man braucht für viele unserer Lieblingsrezepte – zum Beispiel für Lebkuchenmänner und Zimtschnecken – sowohl Zucker als auch Zimt. Und es ist genau diese Kombination, die sie so lecker macht. Insgeheim mag ich den Namen auch, weil er mich an Mama erinnert. Sie ist süß und lieb zu allen, aber sie hat auch ein feuriges Temperament. Zucker und Zimt eben. Sie ist sozusagen wie ein Gewürzkuchen.
Okay, ich habe meine Mama gerade mit einem Gewürzkuchen verglichen – ich weiß, das ist ein bisschen merkwürdig. Ich habe halt diese Angewohnheit, mir vorzustellen, welche Art Kuchen oder Teilchen oder Gebäck die Menschen in meiner Umgebung sein könnten. Ich selbst wäre ein Eccles-Törtchen (das ist eine kleine, runde Blätterteigtasche mit Johannisbeerfüllung und Zucker obendrauf). Sieht von außen nicht wahnsinnig besonders aus, ist aber innen wirklich gut. (Zumindest hoffe ich, dass das bei mir genauso ist.)
Egal – wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Zimt-und-Zucker-Bäckerei. Es fühlt sich so unheimlich und anders und neu und aufregend zugleich an. Es ist so, wie Mama immer sagt: Manchmal muss man einfach etwas riskieren und sehen, was dann passiert. Genauso ist es auch beim Backen: Du kannst immer wieder einen ganz gewöhnlichen Biskuitboden machen, oder aber du riskierst auch mal was. Wie damals, als Mama und ich einen Rote-Bete-Schokokuchen gebacken haben (der unglaublich gut geschmeckt hat). Etwas Neues auszuprobieren kann in einer Katastrophe enden, oder es kann sich als das Beste erweisen, was du jemals getan hast. Doch wenn du es gar nicht erst versuchst, wirst du es nie herausfinden.
„Meinst du, wir sind bereit für morgen?“ Mamas Wange zierte ein Staubstreifen, und ein paar blonde Strähnen waren aus ihrem Pferdeschwanz gerutscht.
„Jepp“, sagte ich und ließ meinen Blick durch die neue Bäckerei schweifen. „Ich glaube, wir haben’s geschafft.“
Mama und ich hatten den ganzen Nachmittag gemeinsam geschuftet, um alles für die große Eröffnung der Zimt-und-Zucker-Bäckerei vorzubereiten. Die Glastheke und die silberfarbene Kaffeemaschine glänzten. Die Brotkörbe standen alle ordentlich aufgereiht in den hölzernen Regalen. Fünf wunderschöne Hochzeits- und Geburtstagstorten thronten auf silbernen Kuchenständern neben einem lilafarbenen Sofa mit knallpinken Kissen. Daneben stand ein kleiner, niedriger Tisch mit einer Broschüre darauf, in der die anderen Kuchen abgebildet waren, die Mama schon gebacken hatte. Am Schaufenster der Bäckerei entlang standen vier hohe Hocker, und neben der Kasse lag ein Stapel pink und weiß gestreifter Papiertüten, auf denen in geschwungenen Buchstaben „Zimt und Zucker“ zu lesen war.
Im Moment war die große Glastheke noch leer, aber morgen würde sie voll sein mit Cupcakes mit Buttercremehäubchen, mit süßen Donuts, Zimtschnecken und Käsestangen. Genau wie Mama und ich es uns vorgestellt hatten.
Es würde großartig werden. Mama würde das Backen übernehmen und eine Frau namens Paula die Kunden bedienen. Ich war noch zu jung, um so richtig im Laden mitzuarbeiten, aber Mama hatte gesagt, dass ich an den Wochenenden und in den Ferien aushelfen dürfte.
Wir würden fantastische Kuchen machen, Gebäck, das einem auf der Zunge zergeht, und alle möglichen Sorten frischen Brotes. Und Mama wollte Hochzeits- und Geburtstagstorten mit in ihr Sortiment aufnehmen.
Sie legte den Arm um mich. „Wenn du mir vor einem Jahr gesagt hättest, dass ich heute hier stehen würde – in meiner eigenen Bäckerei –, dann hätte ich dir niemals geglaubt. Es ist so viel passiert!“
„Es war wirklich ein total verrücktes Jahr“, sagte ich.
Und das stimmte. Seit meine Eltern sich hatten scheiden lassen, als ich zwei Jahre alt gewesen und Dad nach Amerika gezogen war, war mein Leben halbwegs normal verlaufen. Mama hatte ihre Ausbildung zur Konditormeisterin abgebrochen und einen Job als Vorzimmerdame an der Universität von Nottingham angenommen. Denn die dortigen Arbeitszeiten machten es ihr eher möglich, sich um mich zu kümmern. Ich ging in den Kindergarten, dann zur Schule, und in den Ferien backten und kochten wir zusammen.
Eine meiner allerfrühesten Erinnerungen ist, wie ich mit einer riesigen Schürze auf einem Stuhl in unserer alten Küche stehe und gemeinsam mit meiner Mama weichen, geschmeidigen Teig knete. Und wie wir danach auf dem Sofa sitzen und das frische, noch warme Brot essen. Es waren immer nur Mama und ich – zumindest bis vor einem Jahr, als Mama Mark kennenlernte.
Es war Liebe auf den ersten Blick, sagte Mama. Und ich hatte nichts dagegen einzuwenden, denn ich mochte Mark auf Anhieb. Er erinnerte mich an ein frisch gebackenes Vollkornbrot – kräftig, solide und wohltuend. Außerdem freute ich mich, dass Mama so glücklich war. Ich wusste, dass sie sich immer wieder einsam gefühlt hatte. Das Allerbeste aber war: Als Mark Mamas Kuchen und Teilchen probierte, ermutigte er sie dazu, eine eigene Bäckerei zu eröffnen. Mama und ich hatten davon schon immer geträumt, uns aber nie getraut. Er passte sogar auf mich und seine vierjährigen Zwillinge Molly und Ella auf, während Mama zur Uni ging, um zu lernen, wie man ein eigenes Geschäft führt.
Danach ging alles ganz schnell. Etwa eine Stunde von Nottingham entfernt in einem kleinen Ort namens Ashingham fand Mama einen Laden, den man zu einer Bäckerei umbauen konnte. Vor gerade einmal einer Woche, zu Beginn der Osterferien, haben Mama und Mark geheiratet, wir sind alle in ein neues Haus gezogen, und die Bäckerei gehört endlich uns.
Und jetzt, morgen, eröffnen wir! Mark fängt in seinem neuen Job als Webseitenentwickler an, die Zwillinge haben eine neue Tagesmutter, und dann, in der Woche darauf, ist mein erster Tag an der King William’s, meiner neuen Schule.
Mir dreht sich der Magen um, wenn ich nur daran denke. Es ist schwer genug, an einer neuen Schule anzufangen, wenn das halbe vierte Schuljahr schon vorbei ist. Und wenn man in Ashingham in die vierte Klasse geht, besucht man keine normale Grundschule mehr, sondern etwas, das sich Mittelschule nennt. Das ist wie eine weiterführende Schule, aber man bleibt dort nur für die vierte, fünfte, sechste und siebte Klasse. Das bedeutet, dass ich nicht mehr zu den ältesten Schülern gehöre, so wie an meiner alten Grundschule, sondern zu den jüngsten, und in der Rangordnung ganz unten stehen werde.
Mama und ich waren schon mal dort, um uns umzusehen. Die Schule ist riesig, und ich werde mich ganz sicher dort verlaufen. An meiner alten Schule gab es insgesamt sieben Klassen. An der King William’s besteht allein meine Stufe aus fünf Klassen.
Das Gute an dem Schulwechsel ist, dass Mama mir endlich ein eigenes Handy erlaubt hat, denn ich werde allein zur Schule und wieder nach Hause laufen. Lucy und Issy, meine besten Freundinnen aus der alten Schule, hatten schon seit September eigene Handys. Doch Mama meinte, ich müsste bis zu meinem Geburtstag im August warten. Jetzt hat sie nachgegeben. Es ist super, Leuten SMS zu schreiben und sie einfach anrufen zu können. Nicht, dass ich bislang irgendwelche Freunde in Ashingham hätte, aber ich hoffe, dass sich das bald ändert.
„Erde an Hannah.“ Mama stupste mich an. „Worüber denkst du gerade nach?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Über gar nichts.“
Sie zog die Augenbrauen hoch. Sie weiß genau, wann ich nicht die Wahrheit sage.
„Ich denke nur an die Schule“, gab ich zu.
Mama lächelte. „Es wird alles gut werden. Du hast doch noch nie ein Problem damit gehabt, Freunde zu finden.“
Mama hat leicht reden. Sie ist ja nicht diejenige, die es betrifft. Und selbst wenn sie recht hat und ich neue Freunde finde, wird es nicht so sein wie mit Lucy und Issy. Die beiden kenne ich schon seit dem Kindergarten, und sie wissen alles von mir. Ich finde es wirklich schlimm, nicht mehr in ihrer Nähe zu wohnen. Wir schicken einander jetzt SMS, telefonieren und schreiben uns E-Mails, aber das ist nicht dasselbe.
Mama drückte mich an sich. „Es wird alles gut, das verspreche ich dir. Ich bin wirklich stolz auf dich, mein Schatz. Du bist mit all diesen Veränderungen umgegangen wie eine Erwachsene. Und du warst eine wirklich große Hilfe. Du bist die beste Tochter der Welt!“
Ich zwang mich, nicht mehr an Lucy und Issy zu denken. „Und du bist die beste Mama der Welt“, gab ich zurück. „Und das ,Zimt und Zucker‘“ – ich machte eine ausholende Geste, damit sie nicht zu rührselig würde – „wird die beste Bäckerei der Welt! Du wirst sehen, bald stehen die...




