E-Book, Deutsch, Band 16, 477 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
Charrette / Weiß BattleTech Legenden 16 - Wolfsrudel
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-613-7
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 16, 477 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
ISBN: 978-3-95752-613-7
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Fünfzig Jahre lang waren Wolfs Dragoner die gefürchtetsten Mech-Krieger der Inneren Sphäre. Sie hatten sich von ihrem Clan getrennt und ihre Dienste den Nachfolgerstaaten angeboten. Unter der Führung von Jaime Wolf haben sie sich als Söldner den Ruf der Unbesiegbarkeit erkämpft. Doch als MacKenzie Wolf, Sohn und designierter Nachfolger von Colonel Wolf, im Kampf gegen Plünderer fällt, scheint sein Vater die Kraft zur Führung der Dragoner verloren zu haben. Intrigen und Machtkämpfe innerhalb der Kommandohierarchie sind die Folgen. Der Elementar Elson will die Clan-Tradition wieder aufleben lassen. Es gelingt ihm, Alpin, den naiven und unreifen Enkel Jaime Wolfs, für diese Pläne zu begeistern und gegen seinen Großvater auszuspielen.
Weitere Infos & Material
1
Mein Name ist Brian Cameron. Ich bin MechKrieger bei den Wolfs Dragonern.
Ich würde gern von mir behaupten, dass ich nur ein einfacher Soldat bin, aber meine Freunde sagen mir, dass mein Versuch, diese Geschichte zu erzählen, mich über diesen Status hinaushebt. Vielleicht haben sie recht. Vielleicht nicht. Ich weiß nur, dass ich es für nötig halte, gewisse Ereignisse festzuhalten, eine Schilderung von Dingen zu geben, die mein Leben und das aller anderen, welche die Uniform von Wolfs Dragonern tragen, beeinflusst haben. Ich habe die Hoffnung, dass jene, die nach uns kommen, von unseren Fehlern und Erfahrungen profitieren.
Ich gebe nicht vor, allwissend zu sein, aber meine Bemühungen sind aufrichtig. Bei all jenen Ereignissen, die ich nicht mit eigenen Augen gesehen und all jenen Worten, die ich nicht mit eigenen Ohren gehört habe, verlasse ich mich auf die Integrität meiner Zeugen und auf meine Einschätzung der Situation. Ich habe versucht, Geist und Seele des Sprechers gerecht zu werden, zumindest so gerecht, wie ein Außenstehender einer anderen Person überhaupt gerecht werden kann. Ich habe mit allen Personen – nun, mit allen außer einer – , aus deren Blickwinkel ich diese Geschichte erzähle, persönlich gesprochen. Sie haben mir ihren Teil der Geschichte erzählt und meine Fragen nach ihren Empfindungen und Motiven beantwortet. Ich bin überzeugt, dass sie die Wahrheit gesagt haben, zumindest aus ihrer Sicht. Doch wer außer dem Schöpfer kennt die ultimative, die endgültige Wahrheit?
Wie ich schon sagte, mein Name ist Brian Cameron. In den ersten siebzehn Jahren meines Lebens war Brian mein einziger Name. Natürlich trug ich noch die Bezeichnung meiner Einheit, doch das ist lediglich eine nützliche Zuordnung, kein echter Name. Ich will nicht abschweifen und über die Heimsuchungen meiner Jugend erzählen, denn das würde nur die eigentliche Geschichte verzögern. Wir von den Dragonern glauben, dass auf dem Schlachtfeld Zaudern gleichbedeutend mit Tod ist. Nun, da mir die Gefahr als Ansporn fehlt, habe ich schon zu lange gezögert. Ich bitte um Entschuldigung.
Ende Februar 3053 zählte unsere Geschko nur noch zehn Personen. Der Rest hatte bei dem einen oder anderen Test versagt und war anderswohin abkommandiert worden. Wir waren alle nervös, als wir uns auf dem Paradeplatz des Tetsuhara-Manövergeländes zur Bekanntgabe der entscheidenden Testresultate versammelten. Die Anspannung wäre schon schlimm genug gewesen, hätten wir lediglich auf das für unsere endgültige Einstufung als MechKrieger ausschlaggebende Ergebnis gewartet, doch nahezu unerträglich wurde sie durch die Tatsache, dass wir außerdem die Resultate der Ehrennamenstests erwarteten.
Ich wusste, dass ich den letzten Test bestanden hatte, doch ich rechnete mit einem eher mäßigen Ergebnis, das mich einen guten Rang kosten würde. Für einen Platz in einer der Fronteinheiten würden meine Fähigkeiten ausreichen, dessen war ich mir sicher. Dennoch war ich nervös. Wie meine Geschwister war ich in die Ehrennamenstests gegangen. Wir waren alle Teil des genetischen Erbes der Cameron-Ehrenlinie und daher moralisch verpflichtet, auch daran teilzunehmen. Obwohl wir für unsere Altersklasse alle noch sehr jung waren, hegten ein paar von uns die Hoffnung, dass die Ausgleichsregelungen einem von uns eine Chance geben würden. Ich hielt meine Testleistungen für nicht sonderlich weltbewegend.
Daher stand ich wie vom Donner gerührt da, als die Ergebnisse über den Schirm liefen, der oberhalb und hinter der Paradetribüne angebracht war, wo unsere Ausbildungsoffiziere in feierlicher Aufmachung saßen.
Mein Name stand an erster Stelle. Ich hatte vollbracht, was kein anderer meiner Geschko, kein anderer meiner Altersklasse geschafft hatte. Ich war als Sieger aus den Tests hervorgegangen und hatte mir das Privileg verdient, den Ehrennamen Cameron in meiner Generation zu tragen. Es würde noch Minuten dauern, bis die Einheitszuordnungen über den Bildschirm liefen, aber das war mir egal. Ich war glücklicher als je zuvor in meinem Leben.
Mehrere Kameraden aus meiner Altersklasse versammelten sich um mich, während ich auf die Anzeigetafel starrte. In ihren Augen stand die Enttäuschung über die eigene schlechte Leistung geschrieben. Jovell, ein älterer Mitbewerber, der mich in sämtlichen Schlachtfeldkategorien übertroffen hatte, schluckte seinen Stolz herunter und war der erste, der dem neuen Träger des Ehrennamens den rituellen Gruß erbot. Ich konnte mir ein vergnügtes Grinsen nicht verkneifen, als ich den Gruß erwiderte. An der Art und Weise, wie er sich versteifte, erkannte ich, dass ich ihn beleidigt hatte, doch ich verlor mich in einem wirbelnden Strudel aus Freude und Erleichterung. Während er sich umdrehte und sich einen Weg durch die Menge bahnte, dachte ich keinen Augenblick daran, wie wohl seine wahren Gefühle aussehen mochten. Zu viele andere kamen, die dem neuen Cameron gratulieren wollten.
Ein Großteil der anderen brachte mit seinem Gruß aufrichtige Freude zum Ausdruck. Wir müssen uns alle denselben Tests unterziehen, und wenn wir das Äußerste gegeben haben, liegt keine Unehre darin, nicht der Beste zu sein. Wir gehören alle zu den Dragonern, und ein Erfolg für einen Dragoner ist auch ein Erfolg für die anderen. Doch so erfreulich es war, die Glückwünsche gleichaltriger Fremder zu empfangen, so überwältigt war ich von den ekstatischen Reaktionen meiner Geschwister. Jeder hatte den Namen Cameron für sich selbst gewollt, aber sie ließen sich nichts von ihrer Enttäuschung anmerken. Sie lachten, schlugen mir auf die Schulter und weigerten sich, mich anders als mit meinem vollen Namen anzureden. Brian Cameron. Ein Geschwister hatte sich den Namen verdient, und alle anderen teilten die Ehre. Der Moment hatte etwas Elektrisierendes, und ich war unsagbar stolz. Doch insgeheim schämte ich mich auch. Ich bezweifelte, dass ich mich so offen und aufrichtig hätte freuen können, wenn Carson oder James oder Lydia den Namen errungen hätten.
Die Menge der Gratulanten teilte sich und machte Platz für einen hochgewachsenen Mann, der auf mich zukam. Es war niemand geringerer als Colonel Jason Carmody. Die zahlreichen Auszeichnungen an seiner Galauniform, das schneeweiße Haar und die tiefen Furchen, die das Alter in sein Gesicht gegraben hatte, kennzeichneten ihn als erfolgreichen Krieger, gut genug, um überlebt zu haben. Carmody war einer aus dem alten Führungsstab, einer der ursprünglichen Bundesgenossen Jaime Wolfs persönlich. Er hatte sein Gewerbe länger ausgeübt, als meine Geschwister und ich am Leben waren. Einst hatte Carmody die gesamten Luft/Raum-Streitkräfte der Dragoner befehligt. Nachdem er bei einem Gefecht über Capella verwundet worden war, hatte er seinen Abschied genommen, nur um nach dem Tod Colonel Ellmans eine Berufung als Kommandant unserer Heimatwelt Outreach zu bekommen. Carmodys Stellung machte ihn zum Kommandant der Heimatarmee und übertrug ihm außerdem die Verantwortung über das Ausbildungsprogramm der Dragoner. Und in dieser letzten Eigenschaft hatten wir ihn und seine eiserne Hand kennengelernt.
Er war immer eine strenge und distanzierte Gestalt gewesen, ein Born der Autorität, der Disziplin und des seltenen Lobes. Jetzt hatte er die Tribüne verlassen und stand vor mir. Ich nahm augenblicklich Haltung an, als mich seine Augen von Kopf bis Fuß musterten, bevor er das Wort an mich richtete.
»Ich grüße Sie, Brian Cameron. Sie haben sich einen Ehrennamen verdient. Jetzt verdienen Sie sich Ehre für Ihren Namen.«
Sein ritueller Gruß machte es auf eine Weise real, wie es Jovells Worte nicht vermocht hatten. Dies war mein Kommandant, der da sprach. Seine Stimme besaß Autorität. Ich konnte nur flüstern: »Seyla.«
Die grimmigen Züge wurden weicher. »Sie ähneln ihm so sehr; es ist fast so, als würde man einen Geist sehen.«
Ich wusste, dass ich dem Gründer meiner Ehrenlinie ähnelte, doch das taten schließlich alle meine Geschwister bis zu einem gewissen Grad. Ich hatte die Ähnlichkeit nie für besonders bemerkenswert gehalten. Das Alter und die Erinnerungen können dem Augenlicht manchen Streich spielen, also reagierte ich auf die Bemerkung des Colonels lediglich mit einem Lächeln und einer Verbeugung. Als ich den Kopf wieder hob, wurde mir klar, dass der Schock, von Carmody persönlich beglückwünscht zu werden, mich für die zwei anderen Dragoneroffiziere, die ihn begleiteten, blind gemacht hatte. Ich könnte geltend machen, dass ich zu aufgeregt war, aber das ist keine Entschuldigung. Ich hätte sie augenblicklich bemerken müssen, da ich sie beide vom Sehen kannte, obwohl ich bislang noch mit keinem von beiden gesprochen hatte. Sie waren die Camerons.
Der ältere Offizier war Major Alicia Cameron. Wenngleich nicht die erste, die sich den durch unseren Urvater William Cameron geheiligten Namen verdient hatte – diese Ehre gebührte Malcolm, der auf Luthien gestorben war – , war sie die älteste der Linie, hatte sie sich ihren Namen doch bei dem Nachfolgewettstreit direkt im Anschluss an Malcolms Tod verdient. Der jüngere, Captain Harry Cameron, war der Cameron der zweiten Generation. Er trug diesen Namen seit dem ersten Wettbewerb für seine Altersklasse, bei dem er sogar William Camerons leiblichen Sohn geschlagen hatte.
Obwohl er schon länger ein Cameron war, beugte er sich Alicia.
»Ich grüße dich, Brian Cameron. Mein Bruder Harry und ich heißen dich in der Familie willkommen.«...




