Chase | Gestohlene Küsse des Gentleman | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die Carsington Gentlemen-Reihe

Chase Gestohlene Küsse des Gentleman


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96817-723-6
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die Carsington Gentlemen-Reihe

ISBN: 978-3-96817-723-6
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Herzensbrecher, der vor seiner dunkelsten Sehnsucht flieht und eine Lady, die ihn befreien könnte …
Die mitreißende Regency Romance für Fans von Minerva Spencer

England, 1818: Miss Mirabel Oldridge liebt ihr ruhiges Leben auf Oldridge Hall. Zumindest bis Alistair Carsington auftaucht, der ihre idyllische Heimat in Aufruhr versetzt. Dabei hat sie schon genug damit zu tun, auf ihren exzentrischen Vater aufzupassen und den weitläufigen Familiensitz zu verwalten. Doch jedes Mal, wenn sie Alistair begegnet, macht ihr Herz einen Sprung. Bis sie herausfindet, was er wirklich vorhat und sich fest vornimmt: Sie wird seine Pläne durchkreuzen. Denn der unverschämter Gentleman aus London weiß ganz sicher nicht, was gut für sie und ihr Land ist. Oder vielleicht doch …?

Erste Leserstimmen
„Ich verschlinge jeden Liebesroman von Loretta Chase und wurde auch hier nicht enttäuscht!“
„Entführt in eine andere Zeit und lädt zum Versinken und Träumen ein.“
„Clevere Dialoge, viel Humor und leidenschaftliche Gefühle – perfekt!“
„Unterhaltsame Historical Romance ganz nach meinem Geschmack.“



Loretta Chase hat sowohl im akademischen Bereich, im Einzelhandel und in der bildenden Kunst sowie auf der Straße - als Politesse - und beim Film - als Drehbuchautorin - gearbeitet. Sie hätte eine aufregende Karriere vor sich gehabt, wenn ihr Ehemann sie nicht solange genervt hätte, bis sie mit dem Schreiben von Belletristik begonnen hat. Ihre meistverkauften historischen Liebesromane, die in der Regency- und Romantik-Epoche des frühen neunzehnten Jahrhunderts spielen, haben eine Reihe von Preisen gewonnen. Weitere Informationen über ihre Vergangenheit, ihre Bücher und darüber, was sie in sozialen Medien tut und nicht tut, findest du auf ihrer Website.
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Weitere Infos & Material


Prolog


London, Spätherbst 1817

Der Hochehrenwerte Edward Junius Carsington, Earl of Hargate, hatte fünf Söhne, und das waren drei mehr, als er eigentlich brauchte. Da das Schicksal – mit ein wenig Unterstützung seitens seiner Gemahlin – ihn schon früh mit einem kräftigen und gesunden Erben sowie einem ebenso kräftigen und gesunden zweiten Sohn gesegnet hatte, wäre es ihm lieber gewesen, wenn die drei nachfolgenden Kinder Töchter gewesen wären.

Denn Seine Lordschaft hatte, anders als die meisten Gentlemen seines Standes, eine geradezu krankhafte Abneigung gegen das Anhäufen von Schulden. Und bekanntlich kommen einen Söhne, allen voran die Söhne des Adels, ungeheuer teuer zu stehen.

Die bescheidene Schulbildung, deren adelige Mädchen bedürfen, kann man ihnen getrost zu Hause angedeihen lassen. Jungen hingegen müssen auf ein Internat geschickt werden und dann zur Universität.

Anständig aufgezogene Mädchen geraten, während sie heranwachsen, nur äußerst selten in Schwierigkeiten, aus denen ihr Vater sie dann gegen Zahlung einer beträchtlichen Summe befreien darf. Jungen hingegen geschieht dies andauernd, es sei denn, man hält sie in Käfigen, was jedoch in der Praxis nicht durchführbar ist.

Zumindest traf dies auf die Söhne von Lord Hargate zu. Da sie das gute Aussehen ihrer Eltern geerbt hatten, deren unbändige Lebensfreude und auch den stark ausgeprägten Eigensinn, stürzten sie sich mit betrüblicher Regelmäßigkeit in Schwierigkeiten.

Zudem soll noch angemerkt werden, dass eine Tochter sich bereits in recht jungen Jahren mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand verheiraten lässt, womit dann das Problem an den jeweiligen Gatten weitergereicht ist.

Aber Söhne … Am Ende lief es jedenfalls immer darauf hinaus, dass ihr Vater ihnen Positionen kaufen musste – in der Regierung, in der Kirche oder beim Militär – oder dass er wohlhabende Ehefrauen für sie fand.

Im Laufe der letzten fünf Jahre hatten die beiden ältesten Söhne von Lord Hargate ihre Pflichten, was ihre Ehe anging, durchaus erfüllt. Daher konnte der Earl nun seine ganze Sorge und Aufmerksamkeit jenem neunundzwanzigjährigen, aller Vernunft zuwiderhandelnden Phänomen widmen, das ihm ein schier unlösbares Rätsel war – dem Ehrenwerten Alistair Carsington, seinem dritten Sohn.

Jedoch soll keinesfalls der Eindruck erweckt werden, dass Alistair nicht auch zuvor bereits in den Gedanken seines Vaters präsent gewesen wäre. Nein, durchaus nicht, denn schon durch die Rechnungen zahlreicher Kaufleute blieb er ihm Tag für Tag nur allzu gegenwärtig.

„Mit den Unsummen, die er für seinen Schneider, den Schuhmacher, Hutmacher, Handschuhmacher und verschiedene Herrenausstatter ausgibt – ganz zu schweigen von den Wäscherinnen, den Wein- und Spirituosenhändlern, Konditoren und so fort –, könnte ich eine ganze Schiffsflotte ausstatten“, beklagte Seine Lordschaft sich eines Abends bei seiner Gemahlin, als er neben ihr ins Bett stieg.

Lady Hargate legte das Buch beiseite, in dem sie gelesen hatte, und schenkte ihrem Gatten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Countess war dunkelhaarig und eine stattliche Erscheinung, eher gut aussehend als schön, mit funkelnden schwarzen Augen, einer beachtlichen Nase und einem kräftigen Kinn. Zwei ihrer Nachkommen hatten ihre Züge geerbt.

Besagter Sohn jedoch hatte das Aussehen von seinem Vater. Beide waren hochgewachsen und schlank, und der Earl war noch immer nicht fülliger um die Hüften, als er es in Alistairs Alter gewesen war. Sie besaßen das gleiche raubvogelartige Profil und die gleichen von schweren Lidern verhangenen Augen, wenngleich die des Earls eher braun als golden und schon von mehr Falten umkränzt waren. Auch wies das dunkelbraune Haar des Vaters bereits die ersten grauen Strähnen auf. Beide hatten sie die tiefe Stimme aller männlichen Carsingtons, die sich je nach Gefühlslage in ein noch tieferes Brummen verwandeln konnte.

Im Moment brummelte Lord Hargate.

„Du musst dem ein Ende setzen, Ned“, erklärte Lady Hargate.

Mit erhobenen Augenbrauen sah er sie an.

„Ja, ich erinnere mich daran, was ich dir letztes Jahr geraten habe“, entgegnete sie. „Ich meinte, dass Alistair so übermäßig auf sein Äußeres bedacht sei, weil er sich seines lahmen Beines schämte. Damals riet ich dir, dass wir abwarten und uns gedulden müssen. Aber nun sind mehr als zwei Jahre vergangen, seit er vom Kontinent zurückgekehrt ist, und es wird keineswegs besser mit ihm. Vielmehr hat es den Anschein, als würde ihn außer seiner Garderobe gar nichts mehr interessieren.“

Lord Hargate runzelte die Stirn. „Ich hätte nie geglaubt, dass einmal der Tag käme, an dem wir uns um ihn sorgen müssten, weil er wegen einer Frau in Schwierigkeiten steckt.“

„Du musst etwas unternehmen, Ned.“

„Das würde ich ja – wenn ich nur wüsste, was.“

„Das ist doch Unsinn!“, erwiderte sie. „Wenn du mit dem königlichen Nachwuchs fertigwerden kannst – ganz zu schweigen von dieser aufsässigen Bagage im Unterhaus –, wirst du ja wohl auch mit deinem Sohn zurechtkommen. Dir fällt schon etwas ein, da habe ich nicht den geringsten Zweifel. Jedoch, Sir“, fügte sie strengen Tones hinzu, „rate ich Ihnen sehr, sich recht etwas einfallen zu lassen.“

Eine Woche später stand Alistair Carsington auf Geheiß Lord Hargates in dessen Arbeitszimmer und sah sich ein recht umfangreiches Dokument durch. Es handelte sich um eine Aufstellung dessen, was sein Vater „Episoden der Dummheit“ nannte, sowie deren Kosten in Pfund, Schilling und Pence.

Gemessen an den Gepflogenheiten manch anderer Männer, war die Liste von Alistairs Verfehlungen kurz. An Torheit waren die zu trauriger Berühmtheit gelangten Episoden jedoch kaum zu übertreffen, wie er sich nun zu seinem tiefen Bedauern eingestehen musste.

Er brauchte keine solche Liste, um sich dessen bewusst zu sein – er verliebte sich rasch und unbedacht, bedingungslos und verheerend.

Mit vierzehn zum Beispiel war es Clara gewesen: goldblondes Haar, rosige Wangen, die Tochter eines Hausmeisters in Eton. Wie ein Hündchen war Alistair ihr nachgelaufen und hatte sein ganzes Taschengeld ausgegeben, um sie mit Süßigkeiten und irgendwelchem Tand zu beschenken. Eines Tages machte dann ein Rivale, ein eifersüchtiger Junge aus dem Dorf, eine beleidigende Bemerkung. Der Streit wuchs sich von einem Wortgefecht zu einem handfesten Schlagabtausch aus. Die nachfolgende Prügelei zwischen einigen von Alistairs Schulkameraden und einer Gruppe von Dorfjungen zog zwei gebrochene Nasen, sechs ausgeschlagene Zähne, eine leichte Gehirnerschütterung sowie beträchtlichen Sachschaden nach sich. Clara beweinte den arg mitgenommenen Rivalen und schimpfte Alistair einen ungehobelten Kerl. Nun, da sein Herz gebrochen war, machte es ihm auch nichts mehr aus, dass er der Schule verwiesen wurde und Anklagen wegen Körperverletzung, Störung des Königlichen Friedens, Anstiftung zur Unruhe und Sachbeschädigung entgegensah. Lord Hargate wurde verpflichtet, für den Schaden aufzukommen, und es kostete ihn eine beträchtliche Summe.

Mit sechzehn war es Verena, die Alistair während der Sommerferien kennenlernte. Weil ihre Eltern streng und sehr religiös waren, las sie heimlich Schundromane und verständigte sich mit Alistair nur durch verstohlen geflüsterte Worte und heimliche Briefe. Eines Nachts schlich er sich, wie vereinbart, zu ihrem Haus und warf Steinchen an das Fenster ihres Schlafzimmers. Er hatte angenommen, dass sie die Balkonszene aus nachspielen würden. Doch Verena hatte andere Pläne. Sie warf einen Koffer herab und kletterte an einem Seil aus zusammengeknoteten Bettlaken hinterher. Nicht länger würde sie die Gefangene ihrer Eltern sein, verkündete sie. Sie würde mit Alistair davonlaufen. Der war so angetan von dieser Vorstellung, dass er wenig Gedanken an die praktischen Notwendigkeiten bei einer Flucht verschwendete. Noch bevor sie die Nachbargemeinde erreicht hatten, wurden sie eingeholt. Verenas erboste Eltern verlangten, dass er wegen Entführung angeklagt und nach New South Wales verschifft werde. Nachdem er auch diese Angelegenheit gütlich beigelegt hatte, hielt Lord Hargate seinen Sohn dazu an, sich irgendein leichtes Mädchen zu suchen und nicht länger wohlerzogenen jungen Damen nachzustellen.

Mit siebzehn war es Kitty, eine Schneidergehilfin mit großen blauen Augen. Von ihr wurde Alistair, unter anderem, in den Feinheiten der Damenmode unterwiesen. Als die Beschwerde eines eifersüchtigen, hochwohlgeborenen Kunden Kitty ihre Stellung kostete, veröffentlichte der über diese Ungerechtigkeit zutiefst empörte Alistair eine Schmähschrift. Der Kunde strengte daraufhin eine Verleumdungsklage an, und der Schneider verlangte Wiedergutmachung für die Rufschädigung und den Verlust von Aufträgen. Lord Hargate tat das Übliche.

Mit neunzehn war es Gemma, eine schicke Hutmacherin. Eines Tages, als sie eine romantische Landpartie machten, wurde ihre Kutsche von Gendarmen angehalten, die Diebesgut in Gemmas Gepäck fanden. Sie behauptete, dass eifersüchtige Rivalen ihr eine falsche Beweislast anhängen wollten, und Alistair glaubte ihr. Seine leidenschaftliche Rede, in der er Komplotte im Allgemeinen und korrupte Gesetzeshüter im Besonderen anklagte, lockte eine Menge Schaulustiger herbei, die bald außer Kontrolle geriet, wie Menschenmengen das oft an sich haben. Der wurde verlesen und Alistair gemeinsam mit seiner langfingrigen Geliebten in Gewahrsam genommen. Lord Hargate kam einmal mehr zu seiner Rettung.

Mit einundzwanzig war es Aimée, eine französische Balletttänzerin, die Alistairs bescheidene...



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