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E-Book, Deutsch, 222 Seiten
Cherdron / Götzelmann Zwischen Nachtgestirn und Sonnentag
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-8624-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Freundschaftliche Beiträge zu Theologie, Tiefenpsychologie und Sozialarbeitswissenschaft. Festschrift für Dieter Wittmann zum 80. Geburtstag
E-Book, Deutsch, 222 Seiten
ISBN: 978-3-7543-8624-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Diese akademische Festschrift für Dieter Wittmann zu seinem 80. Geburtstag verfolgt den Gedanken der "Menschwerdung des Menschen" aus dem Lebenswerk Dieter Wittmanns. Aus psychoanalytischer Sicht versteht er die Individuation des Menschen als Wanderung zwischen Mondlicht und Sonnenschein. Er greift dabei u.a. zurück auf Goethes Gedicht "An den Mond". Der Band enthält 15 Beiträge zu Theologie, Tiefenpsychologie und Sozialarbeitswissenschaft. Alle Beiträge sind in gewisser Weise Produkt eines freundschaftlich-kontroversen Diskurses um theologische, tiefenpsychologische und sozialarbeitswissenschaftliche Themen und Theoreme. Sie zeugen vom gemeinsamen Weg "zwischen Nachtgestirn und Sonnentag". Im ersten Teil sind Aufsätze zusammengebracht, die direkt mit der Vita und dem Opus des Jubilars zu tun haben. Der zweite Teil widmet sich dem Spannungsfeld von Theologie und Tiefenpsychologie. Im dritten Teil sind Beiträge zur ehemaligen Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen und zur Geschlechtergerechtigkeit versammelt. Der vierte Teil führt Beiträge zur Sozialarbeitswissenschaft und Berufsethik zusammen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Eberhard Cherdron & Arnd Götzelmann
Zur Einführung
Das menschliche Leben lässt sich mit einer Wanderung vergleichen, die jede Person auf besondere Weise unternimmt. Auf dem Weg begegnen wir anderen, von denen manche mit uns eine kürzere oder längere Weggemeinschaft bilden. Zuweilen entwickeln sie sich zu Freundschaften.
Diese akademische Festschrift widmen wir – die Autorin und die Autoren sowie die Herausgeber – unserem Weggefährten und Freund Dieter Wittmann zum 80. Geburtstag am 2. Oktober 2021. Sie verfolgt den Gedanken der „Menschwerdung des Menschen“ aus dem Lebenswerk Dieter Wittmanns. Dieser Gedanke wurde in der ihm 2007 zugedachten Festgabe zum Ausdruck gebracht, mit dem einige akademische Weggenossinnen und Weggenossen der damaligen Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen ihren ehemaligen Rektor in den Ruhestand verabschiedeten und ihm nachträglich zum 65. Geburtstag gratulierten.
Seither sind viele Jahre vergangen und Dieter Wittmann war damit gesegnet, im Ruhestand weiterhin produktiv publizieren zu können und seinen Kreis von Freunden und akademischen Weggefährten zu erhalten, ja, die Kontakte, auch im intellektuellen Austausch weiter zu vertiefen und zu pflegen.
Dieser jüngsten produktiven Phase des Jubilars entspringt eine fachliche Auseinandersetzung – oder sollte man besser sagen Kooperation? – mit Freunden, die zu mehreren Veröffentlichungen führten. In dem letzten gemeinsamen Buch geht es um das Thema der Freundschaft. Dieter Wittmanns anspruchsvollem Beitrag darin ist der Titel dieser Festschrift entnommen: „Zwischen Nachtgestirn und Sonnentag“1 Eben dort beschreibt Dieter Wittmann die Individuation des Menschen ebenso wie die Freundschaft als Wanderung zwischen Mondlicht und Sonnenschein. Er greift dabei u.a. zurück auf Goethes Gedicht „An den Mond“, das die Entwicklungen von und die Sehnsüchte nach Freundschaften poetisch beschreibt. Das Nachtgestirn Mond steht für Dieter Wittmann hier im Anschluss an viele Mythologien verschiedener Völker und an manche tiefenpsychologische Deutung für „den mütterlichen Aspekt“ (112), die „Mondgöttin“ (112), den „Archetyp der Großen Mutter“ (113) – in seiner ganzen Ambivalenz zwischen guter Mutter, der Basis allen Urvertrauens, und böser Mutter, der verzehrenden Mutter in der Symbiose mit dem Kind. Diese Deutung könne uns „dazu ermutigen, den Anfang der Freundschaft bei den Müttern zu suchen … und den einer Freundschaft innewohnenden weiblichen Aspekt im Sinn zu behalten“ (113). Die „Bindung an die Mütterlichkeit als psychische Ressource“ könne die „Befähigung zur Freundschaft“ (115) begründen. Auch bezüglich der komplementären Symbolik der Sonne greift Dieter Wittmann auf ein Gedicht Goethes zurück, diesmal aus „Wilhelm Meisters Wanderjahre(n)“ (123). Die Sonne repräsentiert hier und für Dieter Wittmann „die väterliche Welt“ (124). Obschon es auch feminine kulturelle Assoziationen zur Sonne (so auch die weibliche Form im Deutschen) gebe, sei sie doch seit der Antike „vor allem verbunden mit dem Prinzip des Männlichen, mit dem siegreichen Sonnenhelden“ (125), dem „sol invictus“ (125). Das Sonnensymbol als Vaterrepräsentant „weitert unsere Erkenntnismöglichkeit, macht die Welt sichtbar, ermuntert uns zur Eroberung der Welt“ (125). So können wir „die große Welt als Heimat annehmen, die jetzt nicht mehr allein durch die Mondmutter erleuchtet wird“ (125). „Lebenswege vollziehen sich zwischen Rückzug und Welteroberung, seelischer Bedrängnis … und lustvoller Sorglosigkeit … Diese Gegensätzlichkeit ist dem Freundschaftserleben nicht fremd. Aber schon in ‚An den Mond‘ schafft Goethe einen Ausgleich zwischen libidinösen und aggressiven Strebungen und überwindet damit die mondsüchtige primärharmonisch motivierte Freundschaft. … Die Ambivalenz von Liebe und Hass ist weder der Liebesbeziehung noch der Freundschaft fremd.“ (139) Die „Menschwerdung des Menschen“ benötigt also ebenso wie eine freundschaftliche oder Liebesbeziehung beide Seiten – Nachgestirn und Sonnentag: „Mit dem Heraustreten aus der Mondnacht … tritt der Individuationsweg in den Sonnentag ein… Die Vaterwelt fordert und fördert in reichem Maße, baut aber auf der Mutterwelt auf. Sonne und Mond bleiben aufeinander bezogen.“ (182). Wir „erhoffen uns ein dialektisches Miteinander der Gegensätze im Dienst einer Annäherung an das Geheimnis der Freundschaft“ (184) – damit resümiert Dieter Wittmann seinen jüngsten „Erkenntnisweg zwischen Nachtgestirn und Sonnentag“ (184). Ans Ende stellt er nochmals Goethe mit dem Gedicht „Nähe des Geliebten“ (zit.n. Dieter Wittmann 184f.):
„Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In Tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh‘ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!“
In diesem Sinne überreichen wir dem Jubilar freundschaftliche Beiträge zu Theologie, Tiefenpsychologie und Sozialarbeitswissenschaft – die drei Wissensgebiete, die ihn sein Leben lang mit durchaus unterschiedlichen Gewichtungen und Phasen beschäftigt haben und in denen er seine Spuren als Pfarrer in der Berufsschule, als Doktorand, als Bildungsreferent, als akademischer Lehrer, als Hochschulrektor, als Psychoanalytiker, als Supervisor, als wissenschaftlicher Autor und in vielen anderen Rollen hinterlassen hat. Diese Spuren haben immer wieder zu fruchtbaren Auseinandersetzungen mit ihm geführt, in libidinöser wie in aggressiver Hinsicht. Etwas von dem konstruktiven und kontroversen Dialog, den Dieter Wittmann vielfach ausgelöst hat, kommt auch in diesem Band zum Tragen. Alle Beiträge sind in gewisser Weise Produkt eines freundschaftlichen Diskurses um theologische, tiefenpsychologische und sozialarbeitswissenschaftliche Themen und Theoreme. Sie zeugen von Anregung und Widerspruch, von Anknüpfung und Weiterführung, von Austausch und Mitteilung. Und eben vom gemeinsamen Weg „zwischen Nachtgestirn und Sonnentag“.
Die Gliederung des Bandes ergibt sich aus den disziplinären Orientierungen in Leben und Werk Dieter Wittmanns zwischen den Wissensgebieten, die sich immer wieder überschneiden, sich gegenseitig befruchten und mit neuen Perspektiven aufwarten – wie in seinem Werk so auch in den freundschaftlichen Beiträgen hier.
Im ersten Teil haben wir Beiträge zusammengebracht, die direkt mit seiner Vita und seinem Opus zu tun haben. Im Interview geht mit Dieter Wittmann durch sein Leben und Werk. r würdigt die kollegiale Weggemeinschaft als Professoren und in der Hochschulleitung. Das Verzeichnis der Publikationen listet alle recherchierbaren Veröffentlichungen Dieter Wittmanns in chronologischer Abfolge auf.
Der zweite Teil widmet sich dem Spannungsfeld von Theologie und Tiefenpsychologie. setzt sich mit der christlichen Liebesbotschaft bei dem Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung auseinander. adressiert die Agnostiker unter den Freunden, wenn er ausgehend von der Figur Hiobs und der Hiob-Interpretation danach fragt, was wir denken, hoffen und glauben dürfen. inspiziert Sören Kierkegaards Rezeption und Transformation der Erbsündenlehre des Kirchenvaters Augustin.
holt vergessene evangelische Kriegsdienstverweigerer im Nationalsozialistischen Regime in Erinnerung. legt ein kompaktes Programm zur Neuinterpretation des christlichen Glaubens und für eine notwendige Reform der Kirche vor.
Im dritten Teil sind Beiträge zur Geschichte gewordenen Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen und zur Geschlechtergerechtigkeit versammelt. blickt auf seine eigenen Erfahrungen als Sozialethiker in und mit der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen zurück. schließt sich an mit einem speziellen Rekurs auf die dortige Stiftungsprofessur für Diakonie. stellt als ehemals für die Evangelische Fachhochschule zuständige Dezernentin die Verwendung des generischen Maskulinums infrage, indem sie sich mit dem Thema der Geschlechtergerechtigkeit im Recht und in der Sprache auseinandersetzt.
Der vierte Teil führt Beiträge zur Sozialarbeitswissenschaft und Berufsethik zusammen. steuert ein Kapitel zur Berufsethik kirchlicher Sozialer Arbeit aus einer größeren bislang leider nicht veröffentlichten Arbeit bei. formuliert kritische Anmerkungen zu ökonomisierten Sozialarbeit. ...




