Cherubim | Black Summer - Teil 2 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 343 Seiten

Reihe: Black Summer

Cherubim Black Summer - Teil 2

Liebesroman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7396-9234-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Liebesroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 343 Seiten

Reihe: Black Summer

ISBN: 978-3-7396-9234-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Lass die Angst niemals dein Schicksal bestimmen Parker hatte Recht: 'Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war' - denn alles ist schlimmer! Joys Leben ist das pure Chaos. Sie kann weder fliehen noch in ihre Heimat zurück; sie hat alles verloren. Ängstlich blickt sie einer ungewissen Zukunft entgegen und kann nur an ihren kleinen Keks denken. Wie lange kann Holly ohne ihre Medikamente in den Fängen der mexikanischen Mafia überleben? Wem kann Joy überhaupt noch vertrauen? Und wo, verdammt noch mal, ist Parker? Black Summer - Teil 1 gibt es jetzt zum Aktionspreis.

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Kapitel 2
  Die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Das Ticken der Wohnzimmeruhr machte mich verrückt. Die Warterei auf Neuigkeiten quälte mich, und mit jeder Sekunde, die verging, wuchs meine Angst um Holly. Jedes Mal, wenn Tuckers Handy klingelte, zuckte ich erwartungsvoll zusammen. Ich saß auf dem breiten Fenstersims vor dem Panoramafenster und starrte auf die Milwaukee Bay. Der Horror von Hollys Entführung überlagerte alles, und dass ich mich in Parker verliebt hatte, machte es nur noch komplizierter. Von Anfang an hatte ich gewusst, dass er mir das Herz brechen würde, und das hatte er auch getan. Früher hatte ich meine Enttäuschungen doch auch ganz gut wegstecken können, wieso war es diesmal schwieriger? Der Schmerz saß tief und ich hatte alle Mühe, ihn zu unterdrücken. Die Gefühle konnte ich zwar nicht abstellen, aber ich war wütend genug, um ihn zu verteufeln. Ich verdrängte das zarte Flattern in meinem Herzen, vergrub es in mir und beschloss, es nicht wieder aufsteigen zu lassen. Erneut schreckte ich auf, als Tuckers Handy klingelte. Jedes Mal hielten wir inne. Mein Herz begann zu rasen. »Es ist so weit, Leute. Er kommt.« Tucker bedachte mich mit einem vielsagenden Blick. Enttäuscht, dass es nur mein Vater war, der sich angekündigt hatte, sank ich auf das Fensterbrett zurück und wandte mich wieder teilnahmslos dem Leben draußen zu. Früher war ich immer total aufgeregt gewesen, wenn Dad von seinen Geschäftsreisen nach Hause gekommen war. Diesmal wäre es mir lieber, er würde fortbleiben – von mir aus auch für immer. Die Funkgeräte rauschten und man hörte männliche Stimmen, die irgendwelche Nummern oder Codes durchgaben. Ich hatte keine Ahnung, was all das zu bedeuten hatte, hielt es für Agentenkram. Der Fernseher wurde ausgeschaltet und die leeren Pizzaschachteln und Kaffeebecher eilig in die Küche getragen. Die FBI-Agents benahmen sich, als würde der Präsident auf eine kurze Visite vorbeischauen. Selbst Tucker, der sonst Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte, wurde von den anderen beiden angesteckt. Aufgeregt lief er auf und ab, brabbelte irgendwas Unverständliches ins Funkgerät und gab Anweisungen. Minuten später war der Spuk vorbei und mein Vater betrat das Wohnzimmer. Er wurde von vier Agents begleitet und sah noch schlechter aus als im Safe House in Virginia. Er wirkte völlig erschöpft. Seine Schultern hingen schlaff herunter, sein Gesicht war grau und fahl, seine Augen müde und leer. Die Kleidung schlotterte an seinem Körper. Er hatte noch mehr abgenommen. Aber ich hatte kein Mitleid mit ihm, ganz im Gegenteil. »Mia! Meine kleine Malerin! Lass dich umarmen.« Er breitete seine Arme aus und wartete darauf, dass ich ihm entgegenlief. Darauf konnte er lange warten. Obwohl ich zugeben musste, dass ich fast auf sein Theater hereingefallen wäre, weil er wirklich sehr mitgenommen und traurig aussah. Nur eine Millisekunde zögerte ich, doch dann blieb ich vor ihm stehen und überkreuzte meine Arme. Erwartungsvoll rechnete ich damit, dass er mir eine lahme Erklärung nach der anderen um die Ohren schlagen würde. Enttäuschung war in seinen Augen zu lesen, als ich ihm die Umarmung verweigerte, aber damit konnte ich umgehen. Er räusperte sich und blickte kurz zu den Agents, die uns zuhörten. »Ich verstehe, dass du sauer auf mich bist.« »Sauer? Das trifft es noch nicht einmal ansatzweise, Daddy«, presste ich übelgelaunt hervor. »Nun gut. Ich kann es nicht ungeschehen machen, aber eines sollst du wissen ... Ich vergebe dir, Mia. Ich vergebe dir deshalb, weil du noch jung bist und lernen musst, dich in meiner Welt zu bewegen.« Er lächelte mich lieb an. Das konnte unmöglich sein Ernst sein. Fassungslos starrte ich ihn an, dabei wurde alles in mir kalt, selbst mein Herz. »Wie bitte? DU vergibst mir? Ausgerechnet du? Was stimmt nicht mit dir? Wie kommst du auf die Idee, dass ich mich in deiner Welt aufhalten will?« »Meine Herren, würden Sie mich und meine Tochter für einen kleinen Augenblick alleinlassen?« Erhaben und sich seiner Sache absolut sicher, schaute er nur mich an, rechnete damit, dass die Männer auf sein Kommando hören würden. »Ein Agent muss anwesend bleiben, Sir«, antwortete Tucker. Dad nickte kurz und setzte sich aufs Sofa. »Ihr habt es gehört«, forderte Tucker die Leute auf. Einer nach dem anderen verließ den Raum, nur er selbst blieb, was mich, ehrlich gesagt, erleichterte. Das letzte Mal, als ich mit Dad allein gewesen war, hatte ich wirklich Angst vor ihm gehabt. Als wir nur noch zu dritt waren, setzte sich Dad, schlug die Beine übereinander und faltete seine Hände. »Setz dich!«, befahl er mir. Ich war viel zu aufgebracht, um auf seinen Befehl zu hören. »Ich stehe lieber.« Schnippisch ging ich zum Panoramafenster hinüber und verschränkte die Arme. »Wie du willst.« Er senkte seinen Blick und schien nach den richtigen Worten zu suchen. »Ich verstehe, dass das alles nicht einfach für dich ist. Ich finde aber, du bist stark genug, um das auszuhalten. Du hast mein Blut und meinen Verstand. Es wird langsam Zeit, dass du dich damit abfindest und endlich versuchst, dein Schicksal anzunehmen. Ich kann meine Vergangenheit und meine Taten nun mal nicht ändern.« Ich lachte höhnisch und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Ich fragte mich, wie er wohl reagieren würde, wenn er erfuhr, dass ich sein schmutziges Geheimnis kannte. »Ich meine es ernst, Mia. Ich habe dir verboten, dich mit dem Agent einzulassen – man kann ihm nicht vertrauen. Ebenso, dass ihr auf dieses Bar-B-Que gegangen seid. Das alles hat dazu geführt, dass Suárez uns gefunden und seine Chance genutzt hat. Jetzt haben sie etwas, das wir beide wiederhaben wollen - Holly.« »Du gibst mir die Schuld, dass Cathrin entführt wurde?« Ich war fassungslos. Er lehnte sich zurück und seufzte, als wäre er zufrieden, mich verletzt zu haben. »Ich bin schon lange in diesem Geschäft. Ich weiß, wie der Hase läuft. Du hättest auf mich hören sollen, dann wäre es nicht so weit gekommen. Aber du musstest den Moralapostel spielen, mich wie ein Monster behandeln und dich dann auch noch auf einen Kerl einlassen, der dich nur für seine Zwecke benutzt hat.« »Was faselst du da? Chris hat mich nicht benutzt!« Verärgert stand er auf; er hatte sich in Rage geredet. »Du glaubst mir nicht? Dann sag mir: Hat er dich nicht über mich ausgefragt? Wollte er nicht mehr Informationen über mich haben; Details, die vielleicht nur du wissen konntest? Hat er dich nicht nach Geld gefragt?« Meine Gedanken rasten. Tatsächlich erinnerte ich mich daran, wie Parker mich nach Geld ausgehorcht hatte. Dieses merkwürdige Telefongespräch neulich ... Plötzlich lag so viel Misstrauen in meiner Brust. »Er ist nicht der Typ, für den du ihn gehalten hast. Er ist skrupellos und spielt ein falsches Spiel.« Das konnte nicht sein! Parker würde niemals ... Oder etwa doch? Verdammt! Ich wusste nicht, was ich glauben sollte. Es war ein Gedanke, der mir zuflüsterte, dass mein Vater Recht hatte, aber mein Herz wollte es nicht wahrhaben. Erst letzte Nacht hatte Agent Tucker über Chris einige Andeutungen gemacht. »Sagen Sie es ihr! Sagen Sie meiner Tochter, mit was für einem Verräter sie sich eingelassen hat«, forderte Dad Tucker auf. »Erzählen Sie ihr, dass der Familie Parker die Spitzelei und der Verrat im Blut liegen.« Tucker schaute erst zu Boden – offensichtlich fühlte er sich unbehaglich –, doch dann presste er die Lippen zusammen. »Es tut mir leid, Joy, aber er hat Recht. Chris Parker steht schon länger im Verdacht, ein Spitzel der grauen Eminenz zu sein.« Es war wie eine schallende Ohrfeige und gleichzeitig der größte Witz, den ich je gehört hatte. Ausgerechnet ein Spitzel für die graue Eminenz! Parker war genauso überrascht gewesen wie ich, als wir hinter Dads Geheimnis gekommen waren. Er konnte nicht der Spitzel sein, sonst hätten mein Vater und Parker mir die ganze Zeit etwas vorgespielt. Oder etwa nicht? Für einen Moment war es absolut still im Wohnzimmer. »Erzählen Sie ihr alles, Agent. Sie soll alles über ihn wissen«, forderte Dad ihn auf. Tucker räusperte sich. »Das sind interne Informationen des FBIs, Sir. Ich bin nicht befugt ...«, widersprach er, doch ein Blick meines Vaters reichte aus, um den FBI-Agent zum Schweigen zu bringen. »Schon gut, sie wird es sowieso erfahren«, lenkte er ein. »Agent Bennet und Agent Hendrik Parker waren damals Partner. Die beiden arbeiteten undercover an dem Fall der Eminenz und standen kurz davor, ihn endlich zu entlarven. Als dies misslang, kam Bennet auf die Spur eines Maulwurfes aus unseren eigenen Reihen. Es war Hendrik Parker.
Über Monate hatte Chris´ Vater die Eminenz mit streng vertraulichen Informationen und pikanten Details versorgt. Dadurch war der Unterweltboss uns ständig mehrere Schritte voraus. Für uns alle war das ein Schock, weil – wie ich schon sagte – Hendrik der Held des FBIs war. Alle sahen zu ihm auf. Bevor wir Hendrik Parker überführen...



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