E-Book, Deutsch, Band 1, 341 Seiten
Reihe: Broken Feelings
Cherubim Broken Feelings - Gefunden
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96714-036-1
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 1, 341 Seiten
Reihe: Broken Feelings
ISBN: 978-3-96714-036-1
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dramatisch, spannend, zutiefst berührend - der Bestseller-Liebesthriller von Any Cherubim. San Francisco sollte Cats Neuanfang sein, doch ausgerechnet hier trifft sie Noah wieder. Noah, der sie vor sechs Jahren verraten und verlassen hat. Cat kann nicht fassen, wie sehr er sich verändert hat. Aus ihrem lieben, süßen besten Freund ist ein Mann geworden - selbstbewusst, unnahbar, attraktiv. Seine Abweisungen verletzen sie, aber seine Blicke gehen ihr unter die Haut. Ist er der Unbekannte, der sie bedroht und ihr geheimnisvolle blauen Rosen schickt? Cat weiß, dass sie sich die Finger an ihm verbrennen wird, aber sie ist wild entschlossen, Noahs Geheimnis ans Licht zu zerren. Allerdings ahnt sie nicht, dass sie dabei in ein Wespennest sticht ... 'Broken Feelings - Gefunden' ist der erste Teil einer Dilogie. Der zweite und letzte Band 'Broken Feelings - Verloren' ist überall als eBook, Taschenbuch und Hörbuch erhältlich.
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Prolog
Cat, 10 Jahre alt Endlich Ferien! Noch nie hatte ich es so eilig wie heute, aus unserer Limousine auszusteigen. Ich hasse es, wie Mr. Claus, unser Chauffeur, den riesigen Wagen gemächlich durch die Straßen lenkt. Auf uns wartet der Sommer – warme Tage, an denen ich nichts anderes vorhabe, als an meinem Geheimversteck zu arbeiten, in den Himmel zu starren und vielleicht heimlich mit Grandpa Bambam und seinem Motorrad ein paar Runden zu drehen, wenn Dad im Dienst ist. Außerdem werde ich endlich erfahren, wer in das letzte Haus gegenüber unserem Grundstück einzieht. Dad hat neulich erwähnt, dass er es wieder vermietet hat. Heute Morgen haben –Becky und ich einen Umzugswagen entdeckt, der direkt vor dem Haus geparkt hat. Angestellte der Umzugsfirma schleppten Möbel und Kartons hinein, und die Fenster wurden geöffnet. Aber das Spannende ist, dass kurz bevor Martha, unsere Haushälterin, uns zum Frühstück gerufen hat, ein Kinderfahrrad und ein Skateboard in der Garage abgestellt wurden – es zieht also eine Familie ein. »Da läuft Ashley Miller«, bemerkt Becky. Wir schauen durch die Heckscheibe, wie sie an der Landstraße entlanggeht. »Sie hat bestimmt den Schulbus verpasst. Mr. Claus, halten Sie an, wir nehmen sie mit.« »Nein, ich will schnell nach Hause. Fahren Sie weiter, Mr. Claus«, sage ich bestimmend, weil ich Ashley nicht leiden kann. »Cat, sei nicht so fies!« Sie weist den Chauffeur an, rechts ranzufahren. Ich rolle mit den Augen und verschränke beleidigt die Arme. Becky weiß genau, wie gemein Ashley zu mir ist. Mr. Claus steigt aus und bietet Ashley an, sie heimzubringen, was die dumme Gans sofort annimmt. Unsere Mütter sind beste Freundinnen, schon allein deswegen, findet Becky, sollten wir nett zu ihr sein. Aber genau das fällt mir schwer. Meine Schwester ist knapp zwei Jahre älter als ich und tut so, als wäre sie erwachsen. Wir haben beide Moms grüne Augen geerbt, die lange dunkle Lockenmähne, eine schmale Nase und die vollen Lippen, sodass die Leute uns oft für Zwillinge halten. Trotz der Ähnlichkeit könnten wir nicht unterschiedlicher sein. Becky ist das, was meine Eltern als wohlerzogen bezeichnen. Sie ist niemals ungehorsam, lernt fleißig, ist die Beste der Schule und zur Krönung auch noch ein großes Gesangstalent. Kurzum: Sie ist die Vorzeigetochter, auf die Mom und Dad sehr stolz sind. Geduld ist nicht gerade meine Stärke. Ehrlich gesagt ist es eine Qual. Deshalb wackle ich unruhig mit dem Fuß, bis Ashley endlich eingestiegen und angeschnallt ist. »Danke«, sagt sie zu Becky und schaut mich spöttisch an. Sie weiß genau, dass sie es meiner Schwester zu verdanken hat, jetzt in unserer Limousine zu sitzen. Als Mr. Claus losfährt, grinst er mich durch den Rückspiegel an, weil er es gut findet, dass Becky sich diesmal durchgesetzt hat. Für seinen Geschmack kommt das viel zu selten vor. Mr. Claus ist ein älterer Mann mit weißem Haar, Vollbart und klaren grauen Augen. Seit ich ihn kenne, versuchen die Erwachsenen uns weiszumachen, dass er der Weihnachtsmann ist. Aber mal ehrlich: Nur weil er ihm ähnlichsieht, am Waldrand von Papenfus Creek wohnt und dazu Claus heißt, bedeutet das noch lange nicht, dass er der Santa Claus ist. An dieses Märchen glaube ich schon lange nicht mehr, auch wenn ganz Pleasant Hill das Gerücht mit allen möglichen Geschichten aufrechterhält. Ich bin zehn Jahre alt und weiß genau, wie der Hase läuft. Endlich kommen wir in Pleasant Hill an und lassen Ashley vor ihrem Haus aussteigen. Sie murmelt ein »Danke« zu Becky und knallt die Tür zu. Mr. Claus gibt Gas, und wir fahren heim – zum ›Spence-Anwesen‹, wie die Leute es immer nennen. »Am Sonntag in der Kirche hast du ganz wunderbar gesungen, Rebecca. Aus dir wird bestimmt mal eine Berühmtheit«, meint Mr. Claus erfreut. »Danke.« Beckys Wangen färben sich rosa, verlegen streicht sie sich über den Schulrock. Das tut sie immer, wenn sie ein Kompliment bekommt. Daran gewöhnt sie sich wohl nie. Jetzt hat er mich im Visier. Ich weiche seinem Blick aus, weil ich ahne, was er sagen will. Das Lächeln, das er eben noch auf den Lippen hatte, ist verschwunden und einem ernsten Zug gewichen. »Ich weiß, dass du es warst, die in meinen Schuppen eingebrochen ist.« Ich versteife mich. Mist! »Wenn du das noch einmal tust, dann muss ich es deinem Vater melden.« Ich presse den Mund zusammen und blicke schuldbewusst auf meine Hände. Ich habe gehofft, dass er mich nicht erkannt hat, als ich vor ein paar Tagen in seinen Werkzeugschuppen eingedrungen bin. »Weißt du, du hast mir einen Schrecken eingejagt, Kleine. Um ein Haar hätte ich dich mit einem Einbrecher verwechselt und tatsächlich geschossen. Meine Flinte war geladen, und ich hätte dich verletzen können.« »Es tut mir leid, Mr. Claus.« »Was wolltest du in meinem Schuppen?« Ich schaue aus dem Fenster und suche fieberhaft nach einer Ausrede, aber mir fällt nichts ein. Dort gibt es tolle Holzbretter, die ich für mein Versteck gebrauchen kann. Jede Menge davon liegt auf einem Haufen. Er hätte bestimmt nichts bemerkt, wenn sein Hund nicht gebellt hätte. Ich brauchte nur drei Bretter. »Nichts. Es kommt nicht wieder vor, Ehrenwort«, verspreche ich eingeschüchtert. Mürrisch nickt er und beäugt mich. »Na gut. Vielleicht solltest du deine Ferien mit etwas Sinnvollerem verbringen, Mädchen.« »Können Sie anhalten, mir ist schlecht«, presse ich hervor, um ihn vom Thema abzulenken. Sofort bremst er, und ich steige aus. Er sieht mit sorgenvoller Miene zu mir. »Ist alles okay, Kleine?« »Ja, geht schon. Ich brauche nur frische Luft, ich laufe den Rest.« »Catherine«, sagt Mr. Claus mit warnendem Unterton, aber darauf achte ich nicht und will losgehen. »Was hattest du in Mr. Claus´ Schuppen verloren?« Becky ist ebenfalls ausgestiegen. »Nichts!« Eilig laufe ich voran. »Cat! Warte.« Sie holt mich ein. »Was hat Mr. Claus gemeint, als er irgendwas von seiner Flinte geredet hat?« »Keine Ahnung, du hast dich verhört«, lüge ich und rolle mit den Augen. Jeder hat doch ein Recht auf Geheimnisse, oder? Becky hat schließlich auch welche. »Du kannst es mir sagen, Cat. Du weißt, ich verrate dich nicht an Mom und Dad.« Ich ignoriere sie. »Wo willst du denn hin? Du weißt, wir müssen nach Hause.« »Mir ist übel, ich laufe den Rest«, fauche ich und marschiere unbeirrt weiter. Manchmal geht sie mir mit ihrem Getue echt auf die Nerven. In ganz Pleasant Hill hält man sie für einen Engel. Ich liebe sie, aber gelegentlich kann ich ihre Makellosigkeit nicht ertragen. So wie jetzt. »Cat, komm schon! Ich habe gleich Gesangsprobe. Mom wird Fragen stellen, wenn wir nicht gleichzeitig auftauchen, und Mr. Claus bekommt Ärger.« »Du kannst ja mitkommen«, schlage ich ihr vor, weiß aber, dass sie das nie machen würde. Sie lässt die Schultern hängen. »Wieso tust du immer Dinge, die dich in Schwierigkeiten bringen?« »Und wieso tust du immer genau das, was alle von dir erwarten? Das ist langweilig und … Argh!« Verärgert winke ich ab, lasse sie stehen und trotte weiter. Becky wird nicht nachkommen. Es liegt nicht in ihrer Natur, etwas Verbotenes zu tun – niemals. Was Mr. Claus betrifft: Er kennt mich und weiß, dass ich meine Freiheiten brauche. Und im Augenblick bin ich froh darüber, dass er mich gehen lässt, denn ich bin gern allein. Es ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, und eine laue Brise bläst mir ständig eine Locke ins Gesicht. Aus meiner Hosentasche hole ich ein Erdbeerbonbon, das Martha nach Grandmas Rezept selbst hergestellt hat. Ich stecke es mir in den Mund, und plötzlich ist alles beinahe perfekt. Heute Nachmittag werde ich an meinem Versteck weiterarbeiten. Vor einigen Tagen habe ich eine kleine Höhle in einem Felsen am Papenfus Creek Sea entdeckt. Sie ist schwer einsehbar, verborgen zwischen Büschen und Bäumen und absolut genial, um mich unsichtbar zu machen. Seither richte ich mich dort ein. Mit Sträuchern habe ich den staubigen Boden ausgefegt und größere Steine und Äste aus dem Weg geräumt. Aus unserem Keller habe ich eine Laterne, einen alten Teppich, Kissen und Decken mitgenommen und es mir gemütlich gemacht. Ich liebe die Stille am See, an den sich nur selten jemand verirrt. Dort kann ich meinen Gedanken nachhängen, den Ärger in der Schule und zu Hause vergessen – einfach tun und lassen, was mir gefällt. Ich nähere mich dem Spielplatz. Früher, als Grandma noch lebte, sind wir oft hergekommen. Während Grandma Becky auf der Schaukel anschubste, spielte ich mit Grandpa Bambam Baseball. Überhaupt tue ich all die Dinge lieber, die einem Jungen ähnlichsehen. Ich klettere auf Bäume und hasse alles, was rosa ist. Für meine Mutter der blanke Horror. Manchmal zwingt sie mich, zu ihren Veranstaltungen Kleider anzuziehen, die befreundete Designer für mich geschneidert haben. Schrecklich! Kurz bevor ich den Zaun des Spielplatzes erreiche, der von dichten Büschen umringt ist, höre ich ein gehässiges Lachen. Ich brauche nicht lange, um Mason Halloways Stimme zu erkennen. Abrupt bleibe ich stehen und spähe zwischen den Blättern hindurch. Mason und seine Freunde ärgern oft andere Kinder; sie nehmen ihnen in der Schule das Pausenbrot ab und spielen sich als Rowdys auf. Ich habe mich schon einmal mit ihm angelegt, obwohl er älter ist als ich. Auch diesmal verspüre ich keine Angst. Im Gegenteil: Ich würde ihm gern mal eins auf die Nase hauen. Verdient hat er es. Sein jetziges Opfer ist ein Junge, den ich hier noch nie gesehen...




