E-Book, Deutsch, 394 Seiten
Cherubim Broken Feelings - Verloren
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96714-037-8
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman
E-Book, Deutsch, 394 Seiten
ISBN: 978-3-96714-037-8
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Fesselnd, düster, ergreifend - das große Finale von 'Broken Feelings'. Sechs Jahre hat Noah geschwiegen und die Drohungen über sich ergehen lassen. Für die Wahrheit war er zu feige, zu schockiert. Doch jetzt ist Cat endlich wieder Teil seines Lebens, und er würde alles tun, um sie nicht noch mal zu verlieren. Allerdings droht Noahs mühsam aufgebautes Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Cat schreckt vor nichts zurück, um endlich die Wahrheit aufzudecken, während Noah weiß, dass sein Geheimnis ihrer beider Leben zerstören wird ... 'Broken Feelings - Verloren' ist der zweite und letzte Teil der Liebesthriller-Dilogie 'Broken Feelings'.
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1
Cat Ich schloss die Augen. Eine Welle der Erleichterung schwappte über mich hinweg, als das Flugzeug abhob und ich San Francisco den Rücken kehrte. Mein Herz war zerrissen, mein Gehirn außer Kraft gesetzt. Ich wusste nicht mehr, wo ich stand, was ich tun, geschweige denn, wem ich noch trauen konnte. In den letzten Stunden hatte ich mich in irgendwelchen Nischen der Abflughalle versteckt, aus Angst, der Rosenstalker könnte mir auflauern. Dabei war das unmöglich, oder? John und sein Komplize saßen doch im Gefängnis. Ich kapierte gar nichts mehr und wollte nur noch eines: abhauen. Ich war aus dem Appartement geflohen, in das Taxi gestiegen und zum Flughafen gerauscht. Ich flüchtete – vor Noah, dem Meer aus blauen Rosen, das mich im Schlafzimmer erwartet hatte, und vor Beckys anklagendem Gesicht, das ich ständig vor Augen hatte. Es war ein Albtraum, aus dem ich nicht erwachte. Ich stand vor einem Abgrund, nur Millimeter davon entfernt hinabzustürzen in das grässliche Maul eines Monsters, das mich mit Haut und Haaren zu verschlingen drohte. Während des Fluges hatte ich im Tagebuch geblättert, hatte die Zeilen immer wieder gelesen, in der Hoffnung, dass ich etwas falsch interpretiert hatte. Aber es stand hier, schwarz auf weiß: Noah hatte Becky geschwängert. Hatte er mich damals deshalb verlassen? Wieso hatte man das vor mir geheim gehalten? Tausendmal durchforstete ich meine Erinnerungen nach Hinweisen, nach Kleinigkeiten, die ich vielleicht übersehen hatte, doch da war nichts. Waren Noahs Erklärungen über sein Verschwinden Lügen, die ich leichtgläubig geschluckt hatte? Hatten mich alle jahrelang belogen? Mein Herz brannte, weil es sich anfühlte, als würde ich alles verlieren, was ich liebte. Vom Flughafen in Eugene nahm ich den Bus nach Pleasant Hill. Ich hätte auch Mr. Claus anrufen können, aber er würde mich bestimmt ausfragen, warum ich hier war, und schließlich wollte ich nicht jedem den brisanten Fund auf die Nase binden. Fingerspitzengefühl war angesagt. Wenn meine Hände nur nicht so zittern würden ... Ich brauchte unbedingt Nachschub von meinen heißgeliebten Erdbeerbonbons. Ich zog meine Sonnenbrille auf, als ich am Ortsrand aus dem Bus stieg, hievte die Reisetasche über die Schulter und lief die Hauptstraße entlang. Es war bereits später Nachmittag und der Himmel mit dichten Wolken verhangen. Das Grau passte zu meiner Stimmung. Auf dem Weg schaltete ich mein Handy ein. Kaum hatte ich wieder Empfang, summte und vibrierte es unaufhörlich. Noah, Inma und Maja hatten versucht, mich zu erreichen. Bestimmt hatten sie die Rosen entdeckt. Ich schrieb meiner besten Freundin eine Nachricht, dass ich gut angekommen war, und beeilte mich, endlich nach Hause zu kommen. Vor dem geschwungenen schmiedeeisernen Tor straffte ich die Schultern, bevor ich den Klingelknopf betätigte. Ausdruckslos starrte ich zur Überwachungskamera, die oberhalb des Gatters angebracht war, und wartete. Nichts rührte sich. Ungeduldig trat ich von einem Bein aufs andere. War niemand zu Hause? Verdammter Mist! Dann würde ich eben über meinen Geheimweg aufs Grundstück gelangen. Noah und ich waren ständig über die Gartenmauer geklettert. Es gab eine bestimmte Stelle, die das Eindringen besonders einfach machte. Ich lief am Gemäuer entlang, bis ich zu unserem geliebten Ahornbaum kam, der mit seinen unzähligen Ästen auf das Anwesen ragte. Mit Schwung warf ich meine Tasche hinüber und kletterte auf den Baum. Balancierend gelangte ich über den dicken Ast Schritt für Schritt zum Mauerwerk und sprang. Etwas unelegant landete ich auf der Wiese und blickte mich um. Niemand war zu sehen. Ich schnappte meine Tasche und marschierte durch die Allee, die zu unserem Haus führte. Nach wenigen Minuten tauchte die Villa groß und eindrucksvoll zwischen den Bäumen auf. Die Leute sagten immer, mit den beiden tragenden Säulen am Eingang, dem hübschen Springbrunnen auf dem Vorplatz und den gepflegten Büschen sei es das schönste Anwesen in ganz Pleasant Hill. Nur zu gut wusste ich, dass der Schein trog. Kurz wunderte ich mich über die vielen Luxuskarossen, die kreuz und quer vor unserer Villa parkten. Hatte Mom etwa auch Mr. Claus gefeuert? Er hätte dieses Durcheinander niemals geduldet. Immerhin wusste ich jetzt, dass jemand da sein musste. Trotzdem war das alles merkwürdig. Nervös trat ich die wenigen Stufen hinauf. Beim Öffnen der Eingangstür wurde ich von Musik und Gelächter empfangen, das aus dem Salon zu mir herüberschallte. Eine Party. In der Eingangshalle stellte ich meine Tasche ab und blickte zu den zwei riesigen Porträts von Becky, die Mom nach ihrem Tod hatte anfertigen lassen. Der Kloß in meinem Hals schwoll an, während mir meine Schwester entgegenlächelte und der Duft der Blumen, die Martha jede Woche aufstellte, in meine Nase strömte. Die schweren Teppiche verschluckten meine Schritte, als ich an der Bibliothek vorbei zum Salon lief. Ich zog die Schiebetür einen winzigen Spalt auf und lugte hinein. Mom feierte mal wieder eine ihrer berühmten Partys; ihr Gekicher war nicht zu überhören. Sie stand am Piano beim Fenster. Für einen Moment hielt ich den Atem an, als ich ein Whiskeyglas in ihrer Hand sah. Shit! Sie war rückfällig geworden. Seit Dads Auszug war Mom ständig in Feierlaune. Sie schämte sich nicht, ein Fest daraus zu machen, dass sie ihren kranken Alten losgeworden war. Galle stieg meine Speiseröhre empor. Ich kämpfte gegen das Bedürfnis an, hineinzustürmen, ihr das Glas aus der Hand zu schlagen und vor ihren Gästen die Leviten zu lesen. Sie war betrunken, und es widerte mich an. Sie kicherte wie ein Schulmädchen und warf sich einem Typen an den Hals, den ich nur von hinten sehen konnte. Wer waren diese Leute? Nicht ein Gesicht kam mir bekannt vor. Wütend beschloss ich, sie vorerst nicht zu informieren, dass ich hier war, und zog die Schiebetür wieder zu. So konnte ich wenigstens ungestört nach dem Totenschein, dem Obduktionsbericht und anderen Papieren suchen. Mom darum zu bitten, würde nur unnötige Fragen aufwerfen, wobei ich vermutete, dass sie in ihrem Zustand sowieso nichts kapierte. Ich schlich zur Küche und sah mich nach Martha um. Hier war sie nicht. Auch im Garten suchte ich sie vergebens. Während Mom sich weiter volllaufen ließ und feierte, schulterte ich meine Tasche und stieg unbemerkt die Steintreppe zu meinem Zimmer hinauf. *** Sonnenlicht durchflutete mein altes Zimmer, das voller Erinnerungen steckte. Alles war genau so, wie ich es verlassen hatte. An den Wänden hingen noch die Poster von Pink, die ich seit meiner Jugend vergötterte, daneben stand ein leeres Regal, das ich bei meinem Umzug nach San Francisco nicht mitgenommen hatte, und mein Bett war mit einem Leintuch abgedeckt. Ich ging zum Fenster und ließ frische Luft herein. Verärgert und enttäuscht riss ich das Laken vom Bett und plumpste erschöpft in die Kissen. Ich war müde von der Reise, der letzten Nacht und all den Ereignissen, die ich verkraften musste. Musik und Gelächter dröhnten bis in mein Zimmer, aber darauf achtete ich nicht. Vielmehr wollte ich mich auf den Grund meiner Heimkehr konzentrieren: Ich musste die Wahrheit über Beckys Tod erfahren, und mit der Suche fing ich am besten in Dads altem Arbeitszimmer an. Jetzt war ich ganz froh, dass Mom mit einer Party abgelenkt war und nicht ahnte, dass ich wie ein Geist durchs Haus spukte. Im Flur öffnete ich leise die Tür zu Dads Büro. Er hatte einen Teil der Einrichtung in die Residenz mitgenommen, unter anderem seine Regale und den handgefertigten Mahagonischreibtisch. Die alten, schweren Stücke waren einer modernen Möblierung gewichen. Sorgfältig schloss ich die Tür hinter mir und machte mich an die Arbeit, durchsuchte alle Schubladen, sämtliche Mappen und Ordner. Alles, was ich fand, waren Rechnungen, irgendwelchen Schriftverkehr und uninteressante Papiere. Ich wusste genau, dass Dad irgendwo einen Ordner mit Beckys Unterlagen aufbewahrte. Mein Blick fiel auf das Gemälde, hinter dem ein Tresor versteckt war. Früher hatte ich die Zahlenkombination gekannt. Ob die noch aktuell war? Ich nahm das Bild ab und stellte an dem kleinen Rädchen die Zahlen ein, an die ich mich erinnerte. Egal, welche Kombination ich verwendete, der verflixte Safe ließ sich nicht öffnen. Frustriert schlug ich mit der Faust gegen das Metall. Martha wüsste, wo ich fündig werden könnte. Wo steckte unsere Haushälterin nur? Es fiel mir schwer zu warten – Geduld war noch nie meine Stärke gewesen. Ich ließ mich auf das Sofa in der Ecke sinken und starrte entmutigt in die Luft. Durch das Wiedersehen mit Noah drängten sich die Erinnerungen an die Vergangenheit wieder an die Oberfläche, meine Albträume waren wesentlich präsenter, und meine Gedanken kreisten oft um Becky. Nach dem Tod meiner Schwester war ich nie wieder auf dem Dachboden gewesen und hatte auch selten ihr Zimmer betreten. Überhaupt war es schwer, mich hier im Haus aufzuhalten. Jedes Mal hatte ich das Gefühl, dass mich all die Ereignisse erdrückten. Jetzt fragte ich mich, wie ich das so lange ausgehalten hatte. Ich verließ das Büro, blieb im Flur stehen und blickte auf die Steintreppe, die hinunter in die Eingangshalle führte. Eine Erinnerung, von der ich geglaubt hatte, sie erfolgreich verdrängt zu haben, schob sich in den Vordergrund. *** Cat, 16 Jahre alt Ich sitze auf der Steintreppe und starre durch das Geländer in die offene Bibliothek zu meiner Schwester, die in einem weißen Sarg umringt von bunten Blumen aufgebahrt liegt. Ganz Pleasant Hill ist gekommen und trauert. Die schwarzgekleideten Menschen stehen Schlange, um sich von dem Engel zu verabschieden,...




