Cherubim | If You Fall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 177 Seiten

Cherubim If You Fall

Mafia Romance
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96714-230-3
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Mafia Romance

E-Book, Deutsch, 177 Seiten

ISBN: 978-3-96714-230-3
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Durch Zufall kreuzen sich die Wege von John und Maggie - zwei Menschen, deren Welten sich niemals überschneiden dürften. Doch als sie es tun, können die beiden das Feuer, das in ihnen brennt, nicht ignorieren ... Maggie Riley ist Mutter mit Leib und Seele und kämpft für ihre kleine Familie. Doch von ihrem Ehemann und Vater ihrer zwei kleinen Mädchen verlassen zu werden, war nicht das, was sie sich vom Leben erhofft hat. Auch der erdrückende Schuldenberg, eine Tante, die sich seltsam verhält, und die rebellische Phase ihrer Tochter Bonnie lasten schwer auf ihren Schultern. Als Bonnie ausreißt und Maggie sie findet, ist das Mädchen nicht alleine. Bei ihr ist ein schwer verletzter und bewaffneter Mann: John Dawson. Maggie weiß sofort, dass er dem gefürchteten Donatelli-Kartell angehört und überall von der Polizei gesucht wird. Sein Leben ist düster, einsam und voller Gewalt. John erpresst Maggie, die den attraktiven Mafioso daraufhin gezwungenermaßen gesund pflegt. Als sie ihn endlich los zu sein scheint, geraten die Dinge so schnell aus dem Ruder, dass nicht nur Maggies Leben in Gefahr schwebt ... Der spannende Auftakt der neuen Dilogie von Bestsellerautorin Any Cherubim. Der zweite Band erscheint am 08.09.2022.

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2
Maggie     Dicke Tränen rollen über Bonnies Wangen. Ihr Kinn zittert, und rote Flecken haben sich auf ihrem Hals gebildet. »Ich werde mich nicht bei Ashley Simons entschuldigen«, keift sie mich wütend an, stampft dann die Treppen nach oben und knallt die Kinderzimmertür zu. Tante Edda hebt eine Braue und sieht mich mit einer Mischung aus Bedauern und Belustigung an. Ich schließe die Augen und zähle im Stillen bis zehn, denn sonst schreie ich oder bin im Stande, auch weinend in mein Schlafzimmer zu stapfen. »Tief einatmen, Maggie. Das ist erst der Anfang. Warte ab, bis sie in die Pubertät kommt.« Edda grinst, und ich ahne, dass gleich der Satz folgt, dass Bonnie mir in vielen Dingen so ähnlich ist. Ich war nicht so stur, eigensinnig und impulsiv, oder etwa doch? Ich weiß es nicht mehr, aber großer Gott! Wie soll ich das aushalten? Notiz an mich: Googeln, wie lange die Pubertät dauert und wie man sich gegen zickige Anfälle der eigenen Brut wappnen kann. »Sie kann nicht ein anderes Kind ohrfeigen«, verteidige ich meine Einstellung. »So habe ich sie nicht erzogen. Wieso verhält sie sich so?« »Ich würde sagen, sie vermisst ihren Vater.« Seufzend fahre ich mir durch die Haare und ahne, dass Edda recht hat, aber Miles hat sich nun mal gegen uns entschieden. Noch immer steigt mir der Gallensaft auf, wenn ich an den Tag seiner Entscheidung zurückdenke. Denn mit seinem Egotrip hat er alles kaputtgemacht. Er hat uns einfach eingetauscht für ein Leben voller Aufregung und Unabhängigkeit. Dafür hasse ich ihn. Es gab seither nur wenige Telefonate. Nicht mal an Weihnachten hat er es für nötig gehalten, seine Töchter zu sehen. »Kannst du auf Eli achtgeben? Ich rede mit ihr.« Ich deute zu der Kleinen, die ihre Puppen mitten im Wohnzimmer auf eine Decke gesetzt hat und ein Kaffeekränzchen hält. »Natürlich, geh nur. Mach ihr klar, dass sie auf ihren heiligen Dad wütend sein soll und nicht auf den Rest der Welt«, ruft Tante Edda mir hinterher. Darauf erwidere ich nichts, denn mein Tantchen vergisst, dass Bonnie zwar für ihre sieben Jahre ziemlich weit ist, aber von ihrem Vater verlassen wurde und Schwierigkeiten hat, mit seiner Zurückweisung umzugehen. Aus Bonnies Zimmer dringt leises Schluchzen, und mein Herz bricht bei den Geräuschen. Schon länger weiß ich, dass sie unglücklich ist, und ich versuche wirklich alles, um unser Leben so harmonisch wie möglich zu gestalten. Es ist nur nicht so leicht, wie ich mir das vorgestellt habe. Zu erdrückend sind die Geldsorgen, die ständigen Ausbesserungsarbeiten am Haus bringen mich an die Grenzen meines handwerklichen Geschicks, und meine Ersparnisse gehen langsam zur Neige. Manchmal schwirrt mir der Kopf, weil ich das Gefühl habe, der Tag kann nicht genug Stunden haben, um alles zu erledigen, was ansteht. Zaghaft klopfe ich gegen die Tür und trete ein. Bonnie ist in ihrem Bett, hat ihr Gesicht tief ins Kissen gegraben und weint. Beinahe stolpere ich über ihren Wasserfarbkasten und die Pinsel, die vor dem Eingang verstreut liegen. Um ihre Kunstwerke mache ich einen Bogen und hebe ihre Klamotten auf dem Weg zu ihr auf. Dieses Kind kann einfach keine Ordnung halten. Das war früher auch mal anders. Ich setze mich an den Bettrand und streiche schweigend über ihr blondes, langes Haar. Bonnie ist ein Papa-Kind, und ich kann ihr den Schmerz über den Verlust nicht nehmen. In letzter Zeit schaffe ich es noch nicht mal, ihn zu lindern. Ganz im Gegenteil. Sie ist bockig, launisch und redet nicht viel. Manchmal frage ich mich, wo mein kleines, fröhliches Mädchen hin ist. Der morgige Ausflug zum Sommerfest wird uns allen daher guttun. »Willst du mir erzählen, was genau Ashley gesagt hat, dass du so reagiert hast?« Es dauert ein paar Sekunden, bevor ihre Tränen versiegen und sie sich zu mir dreht. Ihr Gesicht ist gerötet und ihre Augen vom Weinen verquollen. Sie zieht die Nase hoch und schluckt. »Sie sagte, dass Dad abgehauen ist, weil er es mit uns nicht mehr ausgehalten hat. Und sie hat Eli und mich ›Scheidungskinder‹ genannt.« Erneut kullern Tränen über ihre Wangen, die ich mit den Fingern wegwische. Kinder können grausam sein, besonders die verwöhnte Ashley Simons. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm, heißt es, und in diesem Fall scheint das Sprichwort zuzutreffen. Ashleys Mutter und ich waren nie Freundinnen und werden es in diesem Leben auch ganz sicher nicht werden. So wie es jetzt bei unseren Töchtern ist. Ich kann nachvollziehen, dass Bonnie ihr eine gezimmert hat. Das hätte ich wahrscheinlich auch getan. Ein klein wenig schmunzle ich in mich hinein, doch das verberge ich, so gut ich kann, schließlich will ich meinen Mädchen beibringen, dass Gewalt niemals eine Lösung ist. Ich seufze und nicke. »Das war fies. Ich wäre auch wütend geworden, aber du hättest sie nicht schlagen dürfen.« »Sie hat es aber verdient«, gibt sie grimmig von sich. Ja, vermutlich. »Hättest du ihr stattdessen nicht sagen können, dass sie stinkt wie ein Iltis oder hässlich wie eine Kröte ist oder dass sie verfilzte Kringellocken hat?« Vor Erstaunen reißt Bonnie die Augen auf, und ein ungläubiges Lächeln umspielt ihre Lippen. »Mom! So was sagt man doch nicht!« Gespielt echauffiert stemme ich eine Hand in die Hüfte. »Bonnie Marie Riley, ich weiß ganz genau, dass du noch viel schlimmere Beleidigungen auf Lager hast.« Ich lächle. »Im Ernst, Schatz. Du bist intelligent, kannst uns auf andere Weise verteidigen. Wehr dich mit dem Mund. Das ist eine deutlich schärfere Waffe.« Sie sinkt in ihr Kissen zurück und starrt zur Decke. »Muss ich jetzt auf eine andere Schule?« Ich stutze. »Nein. Wie kommst du denn darauf?« Sie zuckt mit den Schultern. Mir ist bekannt, dass Bonnie Schwierigkeiten hat. Ich stehe deshalb mit ihrer Lehrerin, Mrs. Blake, in Kontakt, aber ein Schulwechsel wegen ein paar Streitereien unter Kindern? Das ist vollkommen absurd und lächerlich. Außerdem gibt es in der Umgebung von Gridley keine andere Schule. Die nächste große Stadt ist Kansas City und einige Meilen von hier entfernt. »Willst du denn woandershin?« Statt das zu verneinen, sagt Bonnie nichts, und das erschreckt mich. »Ich könnte doch zu Dad nach New York. Dort gibt es auch Schulen.« Das ist wie ein Schlag in die Magengrube. Sie will zu ihrem Vater. Weg von Gridley. Von uns, von Tante Edda, ihrer kleinen Schwester und … von mir. Der Stachel sitzt und tut höllisch weh. »Liebling, wie stellst du dir das vor?« »Ich könnte bei Daddy wohnen.« Sie sieht mich voller Hoffnung an, und ich muss mir eingestehen, dass Tante Edda wohl recht hat. Sie vermisst ihren Vater. Dennoch könnte ich sie niemals gehen lassen, und Miles würde das auch nicht wollen. Das Familienleben war ihm zu eng. »Liebling, das geht nicht«, beginne ich vorsichtig. »Du kannst nicht einfach –« »Wieso nicht? Ich könnte dich und Tante Edda immer in den Ferien besuchen kommen.« Gott! Sie meint das tatsächlich ernst. War ich zu streng mit ihr? Den Schmerz, der langsam in mir hochsteigt, schlucke ich hinunter und versuche stark zu sein. »Das geht nicht, Schatz. Dein Vater …« »Wieso nicht? Er sagt immer, dass er mich unendlich vermisst.« Er ist so ein verdammter Lügner, und ich hasse ihn dafür, dass er nicht nur mich belogen hat, sondern auch seine Mädchen. Ich will etwas erwidern, werde aber von lauten Stimmen von unten unterbrochen. Bonnie und ich horchen auf. Was ist da los? Ich gehe zur Tür und hinaus in den Flur. »Sieh dir das an, Edda. Deine Großnichte hat das getan. Wir verlangen eine Entschuldigung.« Vorsichtig beuge ich mich ein wenig über das Geländer und erkenne Katelyn mit ihrer Tochter Ashley an unserer Eingangstür. »Warum in Gottes Namen macht ihr jungen Mütter immer solch einen Aufstand? Das war ein kleiner Streit unter Kindern. Das kommt schon mal vor«, höre ich Tante Edda Bonnie verteidigen. »Kleiner Streit? Hast du dir die Wange meiner Tochter genau angesehen?« Katelyn ist deutlich aufgebracht. Edda beugt sich zu der Kleinen hinunter und beäugt sie. »Also, ich sehe weder eine Fleischwunde noch Blut. Krieg dich wieder ein, Katelyn. Man kann auch aus einer Mücke einen Elefanten machen. Sorg lieber dafür, dass deine Tochter nicht in deine Fußstapfen tritt und die Mobbingbeauftragte von Gridley wird. Und jetzt entschuldige mich, ich habe zu tun.« Damit knallt ihr Edda die Tür vor der Nase zu und lässt die sprachlose Katelyn einfach stehen. Ich balle die Siegerfaust und bin erleichtert, dass Edda sie so leicht losgeworden ist. Mein Tantchen hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Sie hat eine spitze Zunge, die mich so manches Mal in die Bredouille gebracht hat. Das ist nicht immer angenehm, aber heute liebe ich sie dafür. »Mom?« Ich drehe den Kopf zu Bonnies Zimmertür. »Ja?« »Kannst du Daddy anrufen und ihn fragen?« Die Siegesfreude über Ashleys Abfuhr verpufft. Da sind sie also wieder – meine Probleme: Eine meiner Töchter möchte mich verlassen, das Haus ist reparaturbedürftig, die Schulden wachsen mir über den Kopf, und die Sorgen um Tante Edda ebben auch nicht ab. Mein Mutterherz hofft, dass Miles den Mädchen endlich sein wahres Gesicht zeigt. »Na gut, ich werde ihn anrufen«, verspreche ich und höre, wie mein Herz bricht.   ***   Die untergehende Sonne taucht die Szenerie auf dem Festplatz in ein romantisches Licht, und der Anblick meiner unbeschwerten und lachenden Mädchen ist wie Balsam für meine Seele. Sie fahren mit dem Karussell, und...



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