Chesler | NEPTUNS INFERNO - Insel der Schrecken | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 324 Seiten

Chesler NEPTUNS INFERNO - Insel der Schrecken

Thriller, Abenteuer, Horror
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95835-833-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller, Abenteuer, Horror

E-Book, Deutsch, 324 Seiten

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Kapitel 3


Skylar Hanson war sich nicht sicher, wann ihr die Idee zum ersten Mal gekommen war, nur dass es eine gute Idee war. Nun, vielleicht war nicht das richtige Wort. Ach, es war doch das Wort, und dabei wollte sie es belassen. Als Vulkanologin im Auftrag der kanadischen Regierung hatte Skylar ihren Lebensunterhalt mit der Erforschung von Vulkanen verdient. Dass sie im Alter von 25 Jahren ihren Doktortitel erworben hatte, bedeutete, dass sie ein akademischer Star war, dass sie sehr viel über geologische Prozesse gelesen hatte und darüber, wie die Erde geformt wurde und weiterhin geformt wird.

Und irgendwann auf dem Weg dorthin prägten dieselben Prozesse auch sie selbst. Skylar war sich im Alter von dreiunddreißig Jahren darüber im Klaren, dass sie zwar ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft war, dem es wahrscheinlich nie an Jobangeboten mangeln würde und sie daher für den Rest ihres Lebens finanziell abgesichert war, solange sie nichts wirklich Törichtes tat, aber sie war trotzdem nicht wirklich glücklich. Zum einen tat sie nichts anderes, als zu arbeiten. Tagaus, tagein enträtselte sie die Geheimnisse des Erdinneren, um sie politischen Entscheidungsträgern zu erklären – Menschen, die zumeist viel mehr Geld verdienten als sie, die sie aber für weit weniger intelligent hielt.

Skylar war noch relativ jung für eine derart trostlose Weltsicht, andererseits war sie den meisten immer voraus gewesen, hatte in der Schule eine Klasse übersprungen und war von einer Auszeichnung zur nächsten gesprungen. , war alles, was sie je hörte. Jetzt, nach nur acht Jahren Vollzeitbeschäftigung in ihrem Job, hatte sie beschlossen, dass sie genug hatte … oder zumindest, dass sie genug .

Ein dünnes Lächeln formte sich auf Skylars Lippen, als sie die Luftaufnahmen einer neuen Vulkaninsel im Südpazifik betrachtete. Die Fotos waren von der NOAA aufgenommen und noch nicht veröffentlicht worden; sie hatte sie nur bekommen, weil sie von den Vereinten Nationen zu einer Expedition auf die neu entstandene Insel eingeladen war. Sie konnte es ihnen nicht verübeln, sich an sie gewandt zu haben. Sie war einer von wahrscheinlich nur einem Dutzend Menschen auf dem Planeten, die am besten in der Lage waren, die geologischen Kräfte zu beschreiben, die bei der Entstehung dieses neuen Landes am Werk waren.

Aber was sie nicht wissen konnten, war, dass sie, je intensiver sie die Insel studierte, immer mehr zu der Überzeugung gelangte, dass sich ihr eine einmalige Gelegenheit bot – ein perfektes Zusammentreffen physischer, politischer und finanzieller Faktoren, die sich ihr wahrscheinlich nie wieder bieten würden. Sie war bereit, den Schritt zu wagen, aber zuerst musste sie ganz sicher sein.

Skylar stand von ihrem Laptop auf und ging zu einem Bücherregal, das vom Boden bis zur Decke mit Bänden vollgestopft war, allesamt Sachbücher, einschließlich der Lehrbücher, die sie im Laufe ihrer schulischen Laufbahn angeschafft hatte. Sie hatte kein Bedürfnis nach Belletristik, wollte keine Zeit für etwas verschwenden, das nicht völlig real war und ihr erklären konnte, wie die natürliche Welt funktionierte. Sie fand das Regalfach, welches sie für Bücher über Edelsteine und die physikalischen und chemischen Prozesse, die sie hervorbringen, angelegt hatte.

Einige Zeit später ging sie zu einem anderen Regal, in dem sich ein Band nach dem anderen über vulkanische Prozesse befand. Sie wusste, wonach sie suchte, und es dauerte nicht lange, bis sie fündig wurde. Im Gegensatz zu den meisten Gleichaltrigen ihrer Generation bemühte sie in ihrem Fachgebiet nur selten das Internet, sondern zog es vor, Bücher zu konsultieren, von denen viele bereits Jahrzehnte vor ihrer Geburt geschrieben worden waren. In geologischer Hinsicht war das ja nicht einmal ein Wimpernschlag, wie viel konnte sich also geändert haben? Insgeheim schaute sie auf ihre Kollegen herab, die sich an das Internet klammerten, als sei es die einzige Bastion zuverlässiger Informationen, und jeden neuen Zeitschriftenartikel sofort lasen, wenn er erschien. Skylar wusste, wie sich das anfühlte, war sie doch ebenfalls durch jeden Reifen gesprungen, der ihr während ihres Aufstiegs zur professionellen Wissenschaftlerin vor die Nase gesetzt wurde, aber sie hatte das alles so satt. Sie wusste schon genug, genug, um … wie hieß das noch gleich in diesem amerikanischen Country-Song?

Skylar ging zurück zu ihrem Laptop und las noch einmal die E-Mail von der U.N. wieder, der Teil mit der Beschreibung der neuen Insel. Sie war aus Augenzeugenberichten von Pazifikinsulanern und Meteorologen zusammengeschustert worden und daher eher ein Bericht Laien, aber dennoch ausreichend genug für Dr. Skylar Hanson, um zu dem Schluss zu kommen, dass es in diesem neuen Land Einschlüsse von Edelsteinen geben musste. Sehr viele. Vor allem Diamanten. Sie schloss das E-Mail-Fenster und rief noch einmal die Bilder der neuen Insel auf.

Aber diese Gewissheit weckte neue Bedenken, neue Ängste. Es hatte bereits einen Landungstrupp gegeben. Es würde nicht lange dauern, bis auch andere landen würden, von denen jeder versuchen würde, der Insel auf irgendeine Weise seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Und selbst Skylars eigene Gelegenheit, die neueste Insel der Erde zu besuchen, bot sich nur als Teil einer Gruppe – einer ganzen Expedition unter der Schirmherrschaft der U.N. zum Zwecke der Friedenssicherung.

Ihre Augen verengten sich, als sie auf das Bild eines aktiven Lavastroms starrte, um den herum die Meereswellen explodierten. Noch schlimmer als die Tatsache, Teil eines achtköpfigen Teams zu sein, war die Tatsache, dass eines der anderen Mitglieder ebenfalls Geologe sein würde. Skylar schloss die Bilddatei. Sie hatte genügend Nachforschungen angestellt. Sie wusste alles, was sie über die Insel wissen musste. Soweit sie es aus dieser Entfernung beurteilen konnte, sollte sie geradezu vollgestopft sein mit Edelsteinen, insbesondere mit Diamanten.

Das Einzige, was noch blieb, war ihre Entscheidung. sie daran teilnehmen? Für einen kurzen Moment erwog sie verschiedene Alternativen zur Teilnahme an der offiziellen Expedition, die es ihr dennoch ermöglichen würden, sich mit einem Haufen Diamanten davonzumachen.

Sie könnte ein privates Wasserflugzeug von Samoa oder Tonga aus chartern und darum bitten, selbst auf die Insel gebracht zu werden, überlegte sie. Aber das würde zweifellos zu viel Verdacht erregen. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sie kürzlich eine Einladung zur Teilnahme an der UN-Expedition abgelehnt hatte. Nein, das würde viel zu viele Fragen aufwerfen. Aber wenn sie an der Expedition teilnehmen und ein paar Souvenirs mit nach Hause nehmen würde … Diamanten müssen ja nicht sehr groß sein, um viel wert zu sein …

Könnte sie nicht einfach ein paar Steine einstecken und reich nach Hause kommen, ihren Regierungsposten in aller Stille verlassen und sich an einem warmen und tropischen Ort zur Ruhe setzen, anstatt für den Rest ihres Lebens an Schnee und Eis gebunden zu sein? Skylar grinste, während ihr Blick auf einem aufgeschlagenen Buch verweilte, das eine Abbildung eines tief im Inneren der Erde geformten Diamanten zeigte …

Aber was dann? Wie sollte sie einen Haufen roher, ungeschliffener Edelsteine verkaufen? Sie erinnerte sich an die verschiedenen Einsatzorte, an denen sie im Laufe der Jahre gearbeitet hatte, bis zurück zu ihrer Studienzeit. Ihr fielen zumindest ein paar Orte ein, weit weg von ihrem Zuhause, an denen nicht allzu viele Fragen gestellt werden würden. Außerdem, überlegte sie und öffnete die E-Mail der Vereinten Nationen, um sie zu bejahen, war es ja nicht so, dass sie die Steine aus einem Juweliergeschäft stehlen würde oder so etwas. Sie würde einfach nur Steine vom Boden aufsammeln – und zwar von einem Land, das noch keiner Nation angehörte – und sie dann gegen Geld eintauschen.

Das würde zweifellos beruflichen Selbstmord bedeuten. Einem Wissenschaftler, der dafür bezahlt wird, eine Stätte als Teil einer gesponserten, neutralen Organisation zu untersuchen, wäre es verboten, irgendeine Art von natürlichen Ressourcen von diesem Ort für den persönlichen Gewinn zu entwenden. Gleichzeitig wusste Skylar aber auch, dass sich ihr genug Möglichkeiten bieten würden. Niemand würde einen Grund haben, sie genauer zu beobachten, und es war völlig in Ordnung, eine kleine Menge an Proben zu sammeln und für Laboruntersuchungen mitzubringen …

Überzeugt nickte sich selbst zu, und verfasste die E-Mail, die sie zu einem Teil der U.N. Expedition Gaia machen würde.

Richard Eavesley schnitt mit einem Zigarrenschneider das Ende einer kubanischen Zigarre ab und hielt dann die Flamme seines vergoldeten Butanfeuerzeugs dicht an die Spitze. Er inhalierte, paffte, bis Rauch aus der Spitze aufstieg und lehnte sich dann in seinem ledergepolsterten Stuhl zurück, um zu warten. Den Zigarrenschneider und das Feuerzeug legte er auf einem kleinen Tisch neben einem perfekt zubereiteten Mojito ab. Er war gerade von einer Art »Expedition« nach Kuba zurückgekehrt, die von einem Reiseunternehmen gesponsert wurde, dessen Ziel es war, die reisetauglichsten Ziele und »abenteuerlichsten«...



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