Child | Sturm des Begehrens | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1950, 144 Seiten

Reihe: Baccara

Child Sturm des Begehrens


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-2318-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1950, 144 Seiten

Reihe: Baccara

ISBN: 978-3-7337-2318-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eingeschneit mit einem Traummann: Als die schöne Cassidy geschäftlich nach Montana reist, um eine Unterschrift von Jake Hunter zu bekommen, bricht ein Blizzard los. Alle Flüge werden gestrichen, und Cassidy bleibt. Ein gemütliches Feuer im Kamin, Gespräche - und unerwartete Leidenschaft ... Doch kaum ist der Sturm vorbei, reist sie ab, mit einem süßen Geheimnis im Gepäck! Sie spürt, dass Jake seine Einsamkeit liebt. Vierzehn Monate später muss sie erneut nach Montana. Und abermals tobt ein Schneesturm übers Land und zwingt sie, bei Jake zu bleiben ...



Da Maureen Child Zeit ihres Lebens in Südkalifornien gelebt hat, fällt es ihr schwer zu glauben, dass es tatsächlich Herbst und Winter gibt. Seit dem Erscheinen ihres ersten Buches hat sie 40 weitere Liebesromane veröffentlicht und findet das Schreiben jeder neuen Romance genauso aufregend wie beim ersten Mal. Ihre liebste Beschäftigung neben dem Schreiben ist das Reisen; bevorzugt mit ihrem Mann und ihren Eltern. Eine lange Autofahrt mit drei Personen, die verschiedene Karten lesen und dem armen Fahrer, Maureens gestresstem Ehemann, die unterschiedlichen Richtungen zurufen, ist unvergleichlich! Aber natürlich bietet das Reisen auch gute Recherchemöglichkeiten für weitere Romances. Wenn Maureen zu Hause ist, kümmert sie sich um den Haushalt, in dem es sehr lebhaft zugeht; es gilt, sich um zwei fast erwachsene Kinder, deren Freunde und einen völlig verwirrten Golden Retriever namens Abbey zu kümmern. Abbey hat Angst vor dem Wind; sie weiß, dass es da draußen ist, kann es aber nicht sehen und weigert sich, das Haus zu verlassen, wenn es stürmisch ist. Also bleibt Maureen nicht anderes übrig, als Abbey an windigen Tagen draußen die Pfote zu halten...

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1. KAPITEL

„Wenn Boston nach Montana kommt, ist das nie gut.“ Stirnrunzelnd sah Jake in die Ferne.

„Du warst immer zu hart zu deiner Mutter.“

Jake wandte sich zu dem älteren Mann um, der neben ihm stand. Mit seinen fünfundsiebzig Jahren stand Ben Hawkins nicht mehr so aufrecht da wie früher. Aber sein schlohweißes Haar war noch immer voll, seine Haut von den vielen Jahren der Arbeit unter freiem Himmel wettergegerbt, seine blauen Augen blickten durchdringend.

„Und du warst immer zu nachgiebig.“

Ben zuckte mit den Achseln und lächelte ein wenig schief. „Sie ist meine Tochter.“

„Wohl wahr.“ Jake nickte. „Spielt keine Rolle. Wenn alles so läuft wie versprochen, wird dies das letzte Mal sein, dass Boston hier wegen irgendetwas anderem als einem Familienbesuch vorbeikommt.“

„Und du bist dir wirklich sicher bei der ganzen Sache?“ Ben zog den Kragen seines Mantels höher, um sich vor dem kalten Herbstwind zu schützen. „Ich meine nur … das, was du vorhast, kannst du nicht mehr rückgängig machen. Mit deiner Unterschrift verzichtest du auf alle Rechte an dem Unternehmen, das deine Familie aufgebaut hat.“

„Oh ja“, versicherte ihm Jake, „ich bin mir dessen vollends bewusst. Aber es war nur eine Frage der Zeit, Granddad.“ Er schüttelte den Kopf. „Hunter Media hat nichts, was ich will. Hat es niemals gehabt.“

Und er wusste genau, wie sehr seine Mutter darüber verärgert war. Sie hatte immer fest damit gerechnet, dass Jake einmal das Unternehmen übernehmen würde, das die Familie ihres Mannes aufgebaut hatte. Die Tatsache, dass Jake sich niemals wirklich dafür interessierte hatte, spielte bei ihren Plänen keinerlei Rolle. Elise Hawkins war vieles, aber vor allem war sie eines: entschlossen.

Ben ließ ein schnaubendes Lachen ertönen. „Du warst schon immer ein Starrkopf.“

„Ich bin nicht starrköpfig.“ Jake atmete tief ein, genoss die kalte Luft, die in seinen Lungen stach. „Ich weiß einfach, was ich will. Wusste es schon immer.“

Sein Blick wanderte über die Ranch, die er so liebte. Dieser Ort war sein Trost- und Zufluchtsort gewesen; damals, als er als Kind seine Sommerferien hier verbracht hatte – und nach seiner Rückkehr als Erwachsener, direkt nachdem er die Army verlassen hatte.

Oktober in den Bergen von Montana war ein wahres Spektakel. Als ob die Natur noch einmal eine ganz besondere Show bieten wollte, bevor sich der Winter mit seiner Eiseskälte über alles legte. Die Bäume verwandelten sich in ein farbiges Blättermeer aus leuchtendem Gold, Orange und Rot. Dunkle Wolken rasten über den Himmel, der so unendlich und blau war, dass einem die Augen wehtaten. Von der Koppel und aus der Halle drangen die Geräusche der Pferde und der Männer, die mit ihnen arbeiteten. Und zu Füßen des großen Ranchhauses, das Jake gebaut hatte, breitete sich der Whitefish Lake aus, saphirblaues Wasser, umgeben von großen Kiefern, die sich sanft im Wind beugten.

Dieser Anblick erzeugte eine tiefe Ruhe in Jake und berührte die dunklen Stellen in seinem Innersten, ganz genauso, wie es auch bei seinem ersten Besuch als Kind gewesen war. Schon damals hatte Jake gewusst, dass dies hier sein Ort war. Nicht Boston, wo seine Familie ihr kleines Imperium errichtet hatte und wo er zur Welt gekommen war. Sondern hier auf dem Berg, auf dem sein Großvater sich ein Leben aufgebaut hatte, dass Jakes Seele auf eine Weise berührte, wie nichts anderes es jemals getan hatte.

„Nein“, murmelte er, ohne den Blick vom See unter ihm abzuwenden. „Boston kann mir nichts bieten, was es mit diesem Ort aufnehmen kann.“

Ben nickte zustimmend. „Deine Mutter hat diese Verbindung mit dem Land, wie du und ich sie spüren, nie gefühlt.“

Diese Feststellung ließ Jake schmunzeln. Vielleicht übersprang die Liebe zum Land ja eine Generation, wer wusste das schon. Die Ranch war seit über hundert Jahren im Besitz von Bens Familie und ging stets an das älteste Kind über, um fortzuführen, was die Hawkins aufgebaut hatten, seitdem die ersten Siedler in Montana Fuß gefasst hatten. Nun, zumindest bis zu seiner Mutter, berichtigte Jake sich in Gedanken.

Elise Hawkins Hunter hatte sich auf der Ranch nie wohlgefühlt. Obwohl sie hier geboren und aufgewachsen war, hatte sie bei der ersten Gelegenheit die Flucht ergriffen. Auf dem College in Boston lernte sie Jakes Vater kennen, heiratete ihn wenig später und fand sich rasch in ihrem neuen Leben zurecht, von dem sie immer geträumt hatte. Kein frühes Aufstehen, um die Tiere zu versorgen. Kein immer gleicher Tagesablauf. Keine völlige Abgeschiedenheit, wenn die Ranch mal wieder eingeschneit war.

Sie war regelmäßig zur Ranch gekommen, um ihre Eltern zu besuchen, und hatte Jake und seine Schwester jeden Sommer für einige Wochen hergeschickt. Aber Boston war ihre Heimat, so wie die Ranch es nie gewesen war.

Elise konnte noch immer nicht verstehen, wie Jake sich gegen Wohlstand und Kultiviertheit und für ein Leben voll harter Arbeit und weiter, leerer Landschaften entscheiden konnte. Aber Jake besaß sein eigenes Geld – ein kleines Vermögen, das er sich durch kluges Investment und gut gewählte Risiken aufgebaut hatte. Es gab für ihn keinen Grund, sich an Hunter Media zu ketten und auf seine Anteile dort zu beharren.

Seine Mutter würde die Entscheidung vielleicht niemals verstehen können, aber immerhin hatte sie sie schließlich akzeptiert.

„Wann kommt sie denn nun, diese Assistentin deiner Mutter?“

Jake warf seinem Großvater einen Blick zu. „Irgendwann heute, und wenn wir Glück haben, ist sie morgen schon wieder auf dem Rückweg nach Boston.“

„Eine echte Schande, jetzt fliegt sie den ganzen Weg her für Papiere, die du auch hättest faxen können.“

„Du kennst doch Mom. Eine Pedantin eben.“ Jake schüttelte den Kopf und sprang vom Zaun herunter, sodass seine abgetragenen braunen Stiefel im weichen Boden der Koppel versanken. „Sie will die Papiere notariell beglaubigt haben, und ihre Assistentin ist Notarin.“

„Praktisch“, sagte Ben. „Aber ja, deine Mutter war immer extrem gründlich.“ Gründlich. Und starrköpfig. Ein Teil von Jake glaubte noch immer nicht daran, dass seine Mutter ihr Vorhaben, ihn nach Boston zurückzuholen, aufgegeben hatte. Aber eigentlich spielte es auch keine Rolle, ob sie aufgegeben hatte oder nicht. Er würde nirgendwohin gehen. Montana war seine Heimat. Sein Zufluchtsort. Und er wäre verdammt, wenn er dies aufgeben würde.

Cassidy Moores Hände schmerzten höllisch nach einer Stunde des verzweifelten Ans-Lenkrad-Klammerns. Einen Berg hinaufzufahren war qualvoller, als sie gedacht hatte. Vielleicht wäre es nicht ganz so schlimm gewesen, wenn die schmale Straße gerade gewesen wäre, anstatt sich in andauernden Kurven mit abrupten Neunzig-Grad-Knicks in die Höhe zu schlängeln. Leider waren diese Kurven aber nun mal da, genauso wie der steile Abhang zu ihrer Linken.

Hätte sie gewusst, was sie auf dieser Fahrt erwartete, dann hätte sie wahrscheinlich versucht, sich am Flughafen in Kalispell einen Panzer zu mieten statt der Limousine mit Allradantrieb, die sie jetzt fuhr.

„Andererseits“, murmelte sie vor sich hin, „hätte ein Panzer vermutlich niemals auf diese Straße gepasst.“

War es den Leuten, die diese Straße zu verantworten hatten, nicht in den Sinn gekommen, sie nur ein klein wenig breiter zu machen? Jedes Mal, wenn ihr ein anderes Auto entgegenkam, sah Cassidy den tödlichen Zusammenstoß im Geiste schon vor sich. Das Einzige, was man dieser Fahrt zugutehalten konnte, war die Tatsache, dass sie nicht mitten im Winter stattfand. Wie sollte man hier nur lebend runterkommen, wenn auch noch Schnee lag?

Allein der Gedanke verursachte ihr eine Gänsehaut. Unter normalen Umständen hätte ihr eine Fahrt durch die Berge vermutlich Freude gemacht, mit der Aussicht auf das wunderschöne farbige Herbstlaub auf beiden Seiten. Aber der Gedanke an den drohenden Tod durch Autounfall nahm dem Ganzen irgendwie den Spaß.

Cassidy war hier weit entfernt von allem, was ihr vertraut war, das wusste sie ganz genau. Geboren und aufgewachsen in Boston, hatte sie es in ihrem Leben maximal bis an die Grenze von Massachusetts geschafft. Sie war überfüllte Autobahnen gewohnt, verstopfte Straßen und Ampeln an jeder Ecke. In ihrer Welt warfen Wolkenkratzer lange Schatten auf die Straßen und erzeugten so dunkle Canyons mitten in der Stadt. Der Lärm zahlloser Autohupen sorgte dafür, dass es niemals still wurde.

Egal, es würde schon schiefgehen. Sie war nur für eine einzige Nacht hier, und morgen würde sie wieder im Flugzeug sitzen, die unterschriebenen Papiere für ihre Chefin in der Tasche.

Sie verließ die enge Straße und folgte einer geschotterten Auffahrt eine steile Anhöhe hinauf. Als sie das Blätterdach der Bäume hinter sich gelassen hatte, hielt sie abrupt an, stellte den Motor aus und starrte ungläubig auf das, was vor ihr lag.

Mein Sohn weigert sich, seine kleine Ranch zu verlassen, hatte ihre Chefin gesagt. Daher müssen Sie zu ihm fahren und die Papiere unterzeichnen lassen.

Kleine Ranch.

Kopfschüttelnd stieg Cassidy aus dem Auto, wobei ihre hohen Absätze bedenklich tief im Schotter versanken. Wie in Zeitlupe drehte sie sich einmal um die eigene Achse und ließ ihren Blick über die Umgebung wandern, bis sie schließlich wieder bei der „kleinen Ranch“ angelangt war. Es gab wirklich nichts, was daran klein war. Zugegeben, die einzigen Erfahrungen, die Cassidy wirklich zum Vergleich heranziehen konnte, entstammten...



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