E-Book, Deutsch, 436 Seiten
Christ Das Leben ist ein Film
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-4085-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn ich den erwische, der das Drehbuch geschrieben hat!
E-Book, Deutsch, 436 Seiten
ISBN: 978-3-7519-4085-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Über den Autor Thomas Christ, geboren 1965, arbeitet als Lehrer für Maschinenbautechnik und Deutsch an einer Berufsschule am Mittelrhein. Obwohl er immer mal wieder mit dem Schreiben angefangen hat, ist "Das Leben ist ein Film" sein erstes Buch. Auch wenn Teile des Inhaltes und einige Filmsequenzen älteren Ursprungs sind, gab den Anstoß zu diesem Buch letztlich eine eher zufällige Begegnung. Der Autor lebt mit seiner Familie im nördlichen Rheinland-Pfalz.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Die erste Filmsequenz:
Das Medieninstitut der Länder präsentiert pädagogisch wertvolle Filme für Wissenschaft und Unterricht (FWU)
Kleine Typenkunde
Kaum hat der leise öffnende Vorhang die Leinwand freigegeben, da erscheint auch schon die offizielle Internetseite des Medieninstituts der Länder in seinem Blickfeld. Das kreisrunde, orangefarbene FWU-Logo erfüllt seinen gesamten inneren Bildschirm. Als es endlich langsam und fließend ausgeblendet wird, beginnt eine rasante filmische Flugreise durch die deutsche (Bildungs-)Landschaft. Durch das Objektiv einer Kameradrohne blickt der einzige Zuschauer dieses Kopfkinos auf den deutschesten aller Flüsse. Im pfeilschnellen Überflug schießt die Drohne den gesamten Flusslauf, vom Rheinfall bei Schaffhausen ausgehend, nordwärts. Untermalt von klassischer Musik überfliegt die kleine Maschine mit ihrer Kamera den Oberrhein und schießt dann förmlich das schöne Mittelrheintal entlang, biegt endlich kurz vor Köln links ab und steuert auf eine Universitätsstadt zu.
Seine Universitätsstadt. Die Türen des bekannten altehrwürdigen Hauptgebäudes am Aachener Templergraben schwingen auf und lassen das langsam abbremsende Fluggerät passieren. Doch im Inneren des Foyers hat sich etwas verändert, auf einem Sockel vor dem Treppenaufgang zur Aula, der Aachener und Münchner Halle, grüßt die Büste eines altrömischen Philosophen den Besucher. Aus dem Off erklingt nun die sonore Stimme eines Moderators:
Der mittelalte Mann ist der Verzweiflung nahe, seine Gedanken überschlagen sich. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Typisch Lehrer. Kopfgesteuert bis zum bitteren Ende. Da hocke ich hier 136 Meter über dem Talgrund der Mosel und warte auf den Film meines Lebens und dann kommt mir die Regie mit einem pädagogischen Schulungsfilm, denkt er. Ich ticke wirklich nicht mehr ganz sauber.
Doch der Sprecher seines persönlichen Lehrfilmes fährt erbarmungslos fort:
Erst recht, wenn man die Umstände des Todes des Urhebers dieser antiken pädagogischen Bestandsaufnahme bedenkt, ergänzt Thorben Willems im Geiste. Gerade einmal drei Jahre nach seinem berühmten Zitat beging Seneca nämlich auf Geheiß seines ehemaligen Schülers und inzwischen zum Kaiser aufgestiegenen Imperators Nero Selbstmord, wohl um seiner bevorstehenden Verhaftung und einem mutmaßlich noch schlimmeren Schicksal zu entgehen. Insofern erscheint es dem angeschlagenen Pädagogen fraglich, inwieweit dieser pädagogische Extremfall verallgemeinert werden kann. Trotzdem veranschaulicht der persönliche Briefwechsel des römischen Philosophen sehr plastisch, dass Schule schon vor knapp 2.000 Jahren durchaus reformbedürftig war und wahrscheinlich heute noch ist, denkt Thorben leicht frustriert. Es ist schon ein relativ ernüchterndes Fazit angesichts zweier Jahrtausende pädagogischer Reformbemühungen.
Noch immer aus dem Off setzt der Moderator seine Erläuterungen inzwischen beinhart fort:
Das klingt ja alles ganz stimmig, kommentiert Thorben bei sich, aber wenn man das Jagdverhalten der Katze näher betrachtet: Das Spiel mit der Maus erscheint aus menschlicher Perspektive schon ein wenig grausam. Die Maus sieht das vermutlich ähnlich. Insofern ist der räuberische Stubentiger wohl doch kein so gutes Beispiel, verehrter Herr Kollege von der Moderation. Andererseits ist auch meine Bewertung des Verhaltens der Katze beim Beuteschlag letztlich ungerecht, möglicherweise gar allzu überheblich, kommt sie doch von einem Vertreter jener Gattung, die für die Erfindung des Stierkampfes, der Religionskriege, der Hexenverbrennungen, des Rassenhasses und nicht zuletzt für einige der krassesten Reality-Formate im TV, wie etwa und , verantwortlich zeichnet.
Sichtlich unbeeindruckt von der Reaktion seines Ein-Mann-Publikums kehrt der Moderator hingegen thematisch zur Schule zurück:
Au weia, das kann ja heiter werden: Lehrer unter dem Mikroskop der Wissenschaft. Sokrates, steh mir bei, denkt Thorben noch.
Aber da zitiert der gnadenlose Moderator bereits aus Schatz der Weisheit, aus dem allwissenden Internet-Lexikon:
Zitiert nach der Internetseite www.wikipedia.de
Okay, das mit den kann ich aus mehr als fünfzig Jahren Lebenserfahrung und nach fast fünfundzwanzig Jahren im Schuldienst nun wieder durchaus bestätigen, ergänzt der Lehrer auf der Brücke leise. Mittlerweile macht sich bei ihm ein bisschen Sarkasmus breit, während der Moderator seine Analyse fortsetzt:
Ups, denkt Thorben, die gehen aber ran! Hier müsste doch nun eigentlich ein rechtlicher Hinweis folgen, in etwa so: Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen realen Personen und Handlungen sind durchaus nicht zufällig, sondern absolut gewollt und für die Betroffenen bisweilen schmeichelhaft, in Einzelfällen möglicherweise aber auch höchst bedauerlich und verstörend.
Andererseits stimmt es ja schon: Der Fisch stinkt vom Kopf! Thorben hat es in Berufsleben mit sechs oder sieben Vertretern der Sektion des zu tun bekommen, sie alle hatten ihre Eigenheiten. Wenn die Wissenschaft nun also folgerichtig gleich mehrere Unterarten, die sich durch zum Teil sehr spezifische Besonderheiten auszeichnen, unterscheidet, so hat sie vermutlich Recht. Wenigstens drei davon wüsste er auf Anhieb zu benennen.
Sein personalisiertes Kopfkino läuft jetzt erst richtig an. In der...




