Christenberry | Lauf vor der Liebe nicht davon | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 192 Seiten

Reihe: Liebe meines Lebens

Christenberry Lauf vor der Liebe nicht davon


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2416-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 7, 192 Seiten

Reihe: Liebe meines Lebens

ISBN: 978-3-7515-2416-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



LAUF VOR DER LIEBE NICHT DAVON von JUDY CHRISTENBERRY?

Unerkannt ist Robert Morris, vermögend und adlig, in den USA unterwegs. In England ist der Herzog von Hereford daran gewöhnt, dass die Frauen ihn heftig umschwärmen. Doch als er in einer Notlage auf einer einsamen Straße in Ohio landet und dort die aparte Lastwagenfahrerin Sydney kennenlernt, spürt er schnell: Sie ist da ganz anders. Geld und Titel beeindrucken Sydney kein bisschen. Für sie zählt nur ehrliche Liebe - die er schon bald für die junge Truckerin empfindet. Aber kann er die unkonventionelle Schönheit von seinen Gefühlen überzeugen, bevor er wieder zurückfliegt???

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1. KAPITEL


Ein Geräusch weckte sie.

Sydney Thomas runzelte die Stirn, während sie aufmerksam lauschte. Sie nahm aber nur die Laute wahr, die sie jede Nacht hörte.

Nach einer Weile schloss sie wieder die Augen und kuschelte sich noch tiefer in das behagliche Nest, das sie sich aus Decken und Kissen im Bett hinter dem Fahrersitz gemacht hatte.

Knirsch!

Dieses Mal setzte sie sich abrupt auf und starrte in die Dunkelheit hinaus. Wieder dieses knirschende Geräusch! Es waren Schritte auf dem Kies neben der Straße. Hatte er sie gefunden?

Vielleicht wäre sie auf dem Fernfahrerrastplatz sicherer gewesen, aber sie konnte sich zurzeit einfach nicht dazu überwinden, sich in die Gesellschaft der anderen Trucker zu begeben.

„Atme tief durch“, murmelte sie. Schließlich waren Türen und Fenster geschlossen. Der Motor lief, um die Klimaanlage des riesigen Trucks zu betreiben. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie überhaupt noch etwas anderes hörte.

Aber zweifellos war da draußen irgendwer oder irgendetwas.

Ich bin vollkommen sicher. Keiner kann hier eindringen, machte sie sich Mut. Der Mann, der das versuchen sollte, würde es schnell bereuen.

Sydney griff unter das Bett und holte die Schachtel heraus, die sie darunter verbarg. Nachdem sie den Deckel zur Seite geschoben hatte, holte sie die kleine Pistole heraus, die für ihre Sicherheit sorgen würde.

Das Geräusch kam näher, und dieses Mal hörte es sich so an, als ob es mehr als nur eine Person wäre. Sie hatte bereits von Gangs gehört, die harmlose Reisende überfielen. Und es hatte sie auch schon mal jemand bedroht. Nun, wer auch immer da draußen war, er oder sie würden sich auf eine nette Überraschung gefasst machen müssen. Sydney war bereit, sich zu verteidigen.

Sie zog rasch die Jeans an, das einzige Kleidungsstück, das sie am Abend ausgezogen hatte, und schlüpfte in ihre Slipper. Dann schaute sie vorsichtig durch den Vorhang hinaus, der den Schlafraum von der Fahrerkabine trennte und den sie stets vor dem Schlafengehen zuzog.

Rechts vom vorderen Kotflügel des Lasters sah sie einen hellen Lichtschein, der von einer Taschenlampe stammen musste. Durch die beträchtliche Höhe des Trucks konnte sie allerdings nicht die Person sehen, die diese Lampe hielt.

Was sollte sie tun, wenn man ihre Reifen zerstach? Das Klügste wäre es, sofort hinter das Lenkrad zu schlüpfen und auf der Stelle loszufahren. Doch bevor sie noch eine Bewegung machen konnte, wurde der Wagen leicht erschüttert. Irgendjemand war offensichtlich auf das Trittbrett ihres Lasters geklettert. Geistesgegenwärtig sprang sie auf den Beifahrersitz, die Pistole entsichert in der Hand. Sie würde es nicht zulassen, dass jemand ihren Truck beschädigte.

Sie starrte in das Licht, das jetzt direkt auf sie gerichtet war.

„Geh sofort von meinem Laster runter, oder du hast eine Kugel im Kopf“, schrie Sydney.

„Du darfst meinen Dad nicht erschießen!“, antwortete eine hohe, ängstliche Stimme.

Robert Morris, der Herzog von Hereford, hielt in seinem Aufstieg inne, so abrupt, dass er rückwärts auf dem Kies landete.

„Dad, ist alles in Ordnung?“ Penelope kam hinter dem Baum hervor, hinter dem sie sich versteckt hatte, und rannte zu ihrem Vater hinüber.

„Mir geht es gut, Kleines. Geh wieder hinter den Baum.“ Er erhob sich und schaute in das Fenster des Lasters, der vor ihm stand.

Die Scheibe wurde heruntergedreht. Doch statt eines stämmigen Fernfahrers schaute eine junge Frau zum Fenster heraus.

„Was tun Sie hier?“, fragte sie ihn. Nur ein leichtes Beben in ihrer Stimme verriet ihm, dass sein nächtlicher Besuch sie beunruhigte. Das und die Pistole in ihrer Hand, deren Lauf genau auf ihn zielte.

„Ich suche Hilfe.“

„Sie sind Engländer.“

Verflixt! Er hatte vergessen, seinen Akzent zu verbergen. „Hm … ja“, sagte er und gab sich Mühe, wie die Cowboys auf der Ranch seines Bruders zu klingen. „Aber ich bin schon lange hier.“

Die Pistole war immer noch auf ihn gerichtet.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, dieses Ding zur Seite zu legen? Es macht mich nervös.“

Die Frau starrte erst ihn und dann die Pistole an. Sie folgte nicht seiner Bitte, sondern senkte nur den Lauf. Falls die Waffe losging, würde er wenigstens nur ein paar Zehen verlieren.

„Hilfe wofür?“, fragte die Frau. „Und wo ist das Kind?“

Er wollte auf keinen Fall, dass Pen in die Nähe dieser Frau kam. Mitten in der Nacht jemanden um Hilfe zu bitten war offensichtlich nicht eine seiner besten Ideen gewesen.

„Sie ist dort drüben“, sagte er und zeigte mit einer vagen Geste in die Dunkelheit.

„Warum sind Sie mitten in der Nacht mit einem Kind unterwegs?“

„Ich versuche ein Hotel zu erreichen“, murmelte er verärgert. Wofür hielt diese Frau ihn? Dachte sie vielleicht, er wäre ein Krimineller?

„Was ist passiert?“

Höflichkeit war für sie wohl ein Fremdwort, dabei hatte ihn während seiner Aufenthalte in diesem Land gerade die Freundlichkeit der Amerikaner immer wieder beeindruckt.

„Hören Sie zu, Miss. Ich entschuldige mich für die Störung. Wir werden uns wieder auf den Weg machen.“ Er trat von dem Truck zurück und schaltete die Taschenlampe aus.

„Sie müssen ungefähr fünfzehn Meilen in diese Richtung gehen“, sagte sie, und ihre Stimme schallte durch die stille Nacht.

„Es muss doch noch irgendwo ein Haus in der Nähe geben.“

„Wie sind Sie denn bisher gereist?“

„Mit dem Auto. Aber es ist einige Meilen entfernt von hier liegen geblieben. Wie weit müssen wir laufen, wenn wir in die andere Richtung gehen?“, fragte er.

„Ungefähr zwanzig Meilen“, sagte sie leichthin. Es wunderte ihn nicht, dass sie so gelassen war. Immerhin hatte sie ja ihre fahrbare Unterkunft.

„Verdammt noch mal“, fluchte er leise.

„Oh, Dad, Grandma sagt, du sollst nicht …“

„Ruhe, Pen“, befahl er streng.

„Wie alt bist du?“, fragte die Frau, und erst jetzt fiel ihm auf, wie angenehm ihre Stimme klang.

Zu seinem Ärger antwortete Penny sofort. „Ich bin sechs. Wie alt bist du?“

„Pen, du sollst Erwachsene nicht duzen“, ermahnte der Vater sie.

Die Frau lachte. Ein wirklich angenehmes Lachen, wie er fand. „Das ist schon in Ordnung.“ Dann wandte sie sich dem Kind zu. „Sehr viel älter als du.“

„Komm schon, Penelope.“ Er nahm das Gepäck auf und ging los.

„Ich bin aber so müde, Dad.“

„Daran kann ich leider im Moment nichts ändern, Liebling. Komm schon.“

„Warten Sie“, sagte die Frau in dem Truck.

Er blieb stehen und schaute über die Schulter zu dem riesigen Lastwagen hinüber. „Ja?“

„Sie könnten …“ Sie zögerte. „Sie könnten hier in meinem Truck bleiben. Ich fahre um sechs Uhr weiter und kann Sie dann in Toledo absetzen, wenn ich dort zum Frühstücken anhalte.“

„Oh ja, Dad, bitte. Ich bin so müde“, bettelte Penelope.

Robert überlegte, ob seine Tochter wieder einmal nur schauspielerte, aber schließlich war sie erst sechs Jahre alt, und sie waren bereits einige Meilen gegangen. Er sah wieder zu der Frau hinüber. „Wir wissen Ihr großzügiges Angebot sehr zu schätzen und werden versuchen, Ihnen so wenig wie möglich zur Last zu fallen.“

„Das hatte ich mir schon gedacht.“

Ihre seltsame Antwort machte ihn neugierig, aber er war zu sehr damit beschäftigt, die übereifrige Pen zurückzuhalten, um sich weiter Gedanken darüber zu machen.

„Einen Moment, Pen.“ Er hielt seine Tochter fest und stellte sein Gepäck vor dem Truck ab, dessen Tür jetzt weit geöffnet war. „Warum haben Sie sich so plötzlich entschieden, uns zu vertrauen?“

Schließlich könnte sie ja diejenige sein, die schlechte Absichten hatte.

„Weil Verbrecher normalerweise nicht ihre Kinder mitbringen und dazu noch ihr Louis-Vuitton-Gepäck.“

Er war überrascht, dass sie diese berühmte Marke kannte, und schämte sich dann sofort seiner snobistischen Gedanken. Jetzt benahm er sich ja fast schon wie seine Mutter! Taschen und Koffer von Louis Vuitton waren unglaublich teuer, aber für seine Mutter war nie ein anderes Gepäck in Frage gekommen.

Er entschloss sich, den Naiven zu spielen. „Louis Vuitton? Ist das eine gute Marke? Ich habe diese Sachen günstig im Ausverkauf erstanden.“ Würde die Frau ihm diese lächerliche Geschichte abnehmen?

„Na, da haben Sie aber großes Glück gehabt.“ Sie nickte Penelope zu. „Warum helfen Sie Ihrer Tochter nicht einzusteigen?“

Sydney hätte fast gelacht, als sie darauf wartete, dass er ihrer Aufforderung folgte. Sein misstrauischer Blick bestätigte ihre Vermutung. Offensichtlich wusste er nicht, ob er ihr trauen sollte.

„Machen Sie sich keine Sorgen“, beruhigte sie ihn. „Ich werde Sie schon nicht einsperren, sobald ich Sie in meinen Klauen habe.“

Dabei war sie eigentlich diejenige, die nervös sein sollte. Schließlich brach sie eine ihrer Hauptregeln: Fahre immer allein und nimm nie Fremde mit. Aber aus gewissen Gründen war sie sogar erleichtert, eine Weile nicht allein sein zu müssen.

Außerdem konnte sie ein sechsjähriges Mädchen nicht mitten in der Nacht allein auf der Straße stehen lassen. Und konnte ein Mann, der so gut aussehend wie der Vater des Kindes war, tatsächlich ein Schurke sein?

Nein, sie tat genau das...



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