Christie | Alter schützt vor Scharfsinn nicht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Christie Alter schützt vor Scharfsinn nicht

Ein Fall für Tommy und Tuppence
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-455-01462-4
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Tommy und Tuppence

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-455-01462-4
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Krönendes Finale: Christies letztes Werk   Nach  vielen Jahren im Dienst des Secret Service wollen sich Tommy und Tuppence Beresford in einem Haus an der Küste zur Ruhe setzen. Doch dann findet Tuppence dort in einem alten Kinderbuch eine verschlüsselte - und unwiderstehliche - Botschaft. Bald sind die Beresfords statt im Ruhestand mitten in der Aufklärung einer Spionageaffäre, die vor dem Ersten Weltkrieg ihren Anfang nahm. Agatha Christies letztes Werk ist 'ein eindrucksvolles Ineinander von Vergangenheit und Gegenwart' ( The Observer ). 

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.
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Titelseite
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Impressum


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Bücher!«, sagte Tuppence.

Sie sprach das Wort so empört aus, dass es fast wie eine kleine Explosion klang.

»Was hast du gesagt?«, fragte ihr Mann.

Tuppence sah ihn über die ganze Länge des Zimmers hinweg an.

»Ich habe nur ›Bücher‹ gesagt.«

»Soso!«

Vor Tuppence standen drei große Umzugskisten. Aus allen hatte sie schon Bücher herausgenommen, trotzdem waren sie zum größten Teil noch voll.

»Es ist unglaublich«, seufzte sie.

»Weil sie so viel Platz brauchen?«

»Ja.«

»Willst du sie denn alle aufstellen?«

»Ich weiß es nicht genau, Tommy«, antwortete Tuppence. »Das ist ja gerade das Problem. Man weiß nie genau, was man eigentlich will. Ach, du meine Güte.« Sie seufzte wieder.

»Na, hör mal!«, sagte ihr Mann, »das passt ganz und gar nicht zu dir. Die Schwierigkeit bei dir ist doch, dass du viel zu genau weißt, was du willst.«

»Ich meine das so«, erklärte Tuppence. »Da sitzen wir nun, werden älter und kriegen Rheuma – um das Kind beim Namen zu nennen. Das merken wir vor allem, wenn wir uns ungewohnt bewegen. Du weißt schon, man streckt sich, um Bücher einzuordnen oder um etwas aus einem hohen Regal zu nehmen, oder man kniet sich hin, weil man in den unteren Fächern etwas sucht, und dann kommt man nicht mehr so leicht auf die Füße.«

»Ja«, gab Tommy zu, »das liegt an den Beschwerden des Alters. Wolltest du das sagen?«

»Nein, ganz bestimmt nicht. Ich wollte damit sagen, dass es wunderbar ist, ein Haus kaufen zu können und genau das richtige zu finden. Mit ein paar kleinen Veränderungen natürlich.«

»Wenn man zum Beispiel aus zwei Zimmern eines macht«, stellte Tommy fest, »und etwas anbaut, das du Veranda nennst; dein Bauunternehmer bezeichnet es als Wintergarten und ich finde, es ist eine Loggia.«

»Es wird ausgesprochen hübsch werden«, erklärte Tuppence entschieden.

»Wenn es fertig ist, werde ich’s nicht wiedererkennen. Meinst du das?«

»Aber nicht doch! Ich wollte nur andeuten, dass du am Ende entzückt sein und behaupten wirst, eine einfallsreiche und künstlerisch sehr begabte Frau zu haben.«

»Also gut. Ich werde es mir merken.«

»Das brauchst du gar nicht«, antwortete Tuppence. »Die Worte werden nur so aus dir hervorsprudeln.«

»Und was hat das mit den Büchern zu tun?«

»Wir sind mit zwei oder drei Bücherkisten eingezogen. Wir haben vorher alle Bücher verkauft, die uns nicht mehr wichtig waren, und nur die mitgenommen, von denen wir uns nicht trennen konnten. Und dann sagten die – wie heißen sie noch? Die Leute, die uns das Haus verkauften, sagten, sie wollten nicht alles mitnehmen, und wenn wir ihnen ein gutes Angebot machten, würden sie ein paar Sachen dalassen, vor allem Bücher. Dann sind wir hergefahren, haben sie uns angesehen … «

» … und ein Angebot gemacht«, ergänzte Tommy.

»Ja. Wahrscheinlich haben wir nicht so viel gekauft, wie sie gehofft hatten. Aber einige Möbel waren auch zu abscheulich. Na, die brauchten wir glücklicherweise nicht zu nehmen. Doch als ich die Bücher sah, die Kinderbücher, die im Wohnzimmer standen – es waren sogar ein paar meiner Lieblingsbücher dabei – , da wollte ich sie unbedingt haben. Weißt du, die Geschichte von Androklus und dem Löwen zum Beispiel, von Andrew Lang. Ich kann mich erinnern, dass ich sie gelesen habe, als ich acht war.«

»Konntest du mit acht Jahren schon so gut lesen?«

»Ja. Ich habe es mit fünf gelernt. Damals war das so üblich. Ich wusste nicht mal, dass man es richtig lernen musste. Weißt du, jemand hat eine Geschichte vorgelesen und wenn man sie schön fand, merkte man sich, wo das Buch im Regal stand; man durfte es auch herausnehmen und sich ansehen. Und plötzlich entdeckte man, dass man es las, ohne sich viel um die Orthographie zu kümmern. Später war das dann weniger gut«, fügte sie hinzu.

»Ich habe immer Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung gehabt. Wenn sie mir jemand mit vier Jahren genau beigebracht hätte, wäre das vernünftiger gewesen. Mein Vater hat mir natürlich addieren und subtrahieren und multiplizieren beigebracht; er fand, das kleine und große Einmaleins wären das Wichtigste, was man im Leben lernen könnte. Dividieren habe ich selbstverständlich auch von ihm gelernt.«

»Was für ein kluger Mann er gewesen sein muss!«

»Ich weiß nicht, ob er so besonders klug war«, erwiderte Tuppence, »jedenfalls war er sehr, sehr nett.«

»Sind wir nicht ein wenig vom Thema abgekommen?«

»Ja.« Tuppence nickte. »Also: Als ich mich an Androklus und den Löwen erinnerte … es war ein Buch mit Tiergeschichten, ja, von Andrew Lang. Ach, habe ich das geliebt! Dann gab es da eine Geschichte, die hieß Ein Tag meines Lebens in Eton, von einem Schüler aus Eton. Warum ich das lesen wollte, weiß ich nicht mehr, aber ich wollte es unbedingt. Es war eines meiner Lieblingsbücher. Dann die klassischen Heldensagen und die Bücher von der Molesworth, Die Kuckucksuhr, Die Farm zu den vier Winden … «

»Nun, das reicht wohl«, sagte Tommy. »Ich brauche keine genaue Aufstellung deiner literarischen Freuden in frühester Jugend.«

»Ich meine ja nur, dass die Bücher heute nicht mehr zu bekommen sind. Es gibt zwar hin und wieder Neuauflagen, aber dann sind sie oft verändert und haben andere Bilder. Stell dir vor, neulich hätte ich Alice im Wunderland beinahe nicht wiedererkannt. Die Illustrationen sahen so merkwürdig aus. Gewisse Kinderbücher sind immer noch zu haben, die von der Molesworth, alte Märchenbücher oder Stanley Weyman. Von ihm sind übrigens viele Bände hiergeblieben.«

»Na schön, es war für dich eine große Versuchung. Und du hieltest es für einen guten Kauf.«

»Nicht nur gut, sondern auch billig, wirklich. Ja, und da sind sie nun, zusätzlich zu unseren eigenen Büchern. Es sind so schrecklich viele, dass sie kaum alle in die Regale passen werden, die wir uns haben machen lassen. Was ist mit deinem Privatheiligtum? Ist dort noch Platz?«

»Nein, keinesfalls«, sagte Tommy. »Es reicht nicht mal für meine eigenen.«

»Oje! Das sieht uns wieder ähnlich. Ob wir noch ein Zimmer anbauen sollten?«

»Nein. Wir wollten anfangen zu sparen. Darüber haben wir vorgestern noch gesprochen. Erinnerst du dich nicht?«

»Ach, das war vorgestern«, sagte Tuppence. »Fürs Erste werde ich alle Bücher, von denen ich mich nicht trennen kann, hier in die Regale stellen. Und dann – dann sortieren wir die übrigen durch. Vielleicht gibt es in der Nähe ein Kinderkrankenhaus, oder wir finden irgendeinen Ort, wo sie sich über Bücher freuen.«

»Wir könnten sie verkaufen«, sagte Tommy.

»Ich fürchte, diese Art Bücher wird keiner kaufen wollen. Ich glaube, es ist kein einziges wertvolles darunter.«

»Sei nicht so sicher. Du kannst Glück haben, Tuppence. Vielleicht ist ein vergriffenes Buch dabei, der lang gehegte Wunschtraum eines Buchhändlers.«

»Inzwischen müssen wir sie aufstellen und sie uns genau ansehen. Wie soll ich sonst wissen, was ich behalten möchte und an welche ich mich erinnere. Ich werde versuchen, sie wenigstens oberflächlich etwas zu sortieren – zum Beispiel: Abenteuerbücher, Märchen, Kindergeschichten und -reime und Erzählungen aus Internatsschulen, in denen alle Kinder immer so reich sind. Dann sind Bücher dabei, die wir Deborah vorgelesen haben, als sie klein war. Was haben wir alle Pu der Bär geliebt!«

»Ich fürchte, du überanstrengst dich«, meinte Tommy. »Du solltest jetzt lieber aufhören.«

»Ja, vielleicht«, gab Tuppence zu. »Aber ich würde gern diese Wand noch fertig machen, wenigstens die Bücher noch hineinstellen … «

»Ich helfe dir.«

Tommy trat zu ihr, kippte eine Kiste so schräg, dass die Bücher hinausglitten, lud sich die Arme voll und stellte sie in die Fächer. »Ich richte sie nach der Größe aus. Es sieht ordentlicher aus.«

»Na, so was kannst du nicht sortieren nennen«, wandte Tuppence ein.

»Das reicht, wenn man fertig werden will. Später können wir es gründlicher machen. An einem Regentag, an dem wir sonst nichts zu tun haben.«

»Der Ärger ist, dass wir immer was zu tun haben.«

»So, jetzt sind wieder sieben Stück untergebracht. Nun bleibt nur noch die Ecke dort oben. Würdest du mir mal eben den Holzstuhl rüberbringen? Hält er mein Gewicht aus? Dann könnte ich nämlich auch das oberste Regal vollstellen.«

Vorsichtig kletterte er auf den Stuhl. Tuppence reichte ihm einen Stapel Bücher. Er stellte sie sorgfältig ins oberste Fach, nur die letzten drei glitten ihm aus der Hand und landeten knapp neben Tuppence auf dem Fußboden.

»Au!«, sagte Tuppence. »Das tut einem geradezu weh.«

»Entschuldige. Du hast mir zu viele auf einmal gegeben.«

»Das sieht sehr schön aus!« Tuppence trat einen Schritt zurück. »Die hier brauchst du nur noch ins zweitunterste Fach zu stellen. Da ist eine Lücke. Dann wäre auch diese Kiste leer. Großartig! Damit ist ein Teil der gekauften Bücher ausgepackt. Vielleicht finden wir beim Sortieren Schätze.«

»Möglich«, sagte Tommy.

»Ich bin überzeugt. Vielleicht ist so ein Buch viel Geld wert.«

»Und was machen wir dann? Verkaufen wir es?«

»Das sollten wir wohl. Wir könnten es natürlich auch behalten und herumzeigen. Weißt du, nicht zum Angeben, aber wir könnten erzählen, dass wir eine Entdeckung...


Christie, Agatha
Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.



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