Christie | Hercule Poirot schläft nie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Christie Hercule Poirot schläft nie

Erzählungen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-455-01530-0
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erzählungen

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-455-01530-0
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Tote, die sich mit der rechten Hand in die linke Schläfe geschossen hat? Ein Geist, der just auftaucht, als geheimste Militärpläne verschwinden? Eine Kugel, die erst Sir Gervase umbringt und dann einen weit entfernten Spiegel trifft? Verwickelte Fälle und damit: Treibstoff für Meisterdetektiv Hercule Poirots nimmermüde kleine graue Zellen. 

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.
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Cover
Verlagslogo
Titelseite
Widmung
Mord in der Bardsley Gardens Mews
Der unglaubliche Diebstahl
Der Spiegel des Toten
Dreiecksgeschichte auf Rhodos
Über Agatha Christie
Impressum


Mord in der Bardsley Gardens Mews


Kapitel 1


I


Haben Sie mal ’n Penny für Guy, Sir?«

Ein kleiner Junge mit rußigem Gesicht lächelte zuckersüß.

»Garantiert nicht!«, sagte Chief Inspector Japp. »Und jetzt hör mir mal zu, Bürschchen …«

Es folgte eine kurze Gardinenpredigt. Der verblüffte Gassenjunge machte sich fluchtartig aus dem Staub und rief seinen Freunden kurz und knapp zu:

»Mensch, der feine Pinkel ist ’n Bulle!«

Die Bande nahm die Beine in die Hand und sang dabei das Guy-Fawkes-Lied:

Vergesst niemals, niemals die Tat

vom fünften Novembertag –

Pulver, Verschwörung und Verrat.

Es wäre vermessen,

die Pulververschwörung

jemals zu vergessen.

Der Begleiter des Chief Inspector, ein kleiner älterer Herr mit einem eiförmigen Kopf und einem großen, militärisch anmutenden Schnurrbart, lächelte in sich hinein.

», Japp«, bemerkte er. »Sie halten eine vortreffliche Predigt! Ich gratuliere.«

»Nichts weiter als eine faule Ausrede fürs Betteln, dieser Guy-Fawkes-Tag!«, erwiderte Japp.

»Ein interessantes Überbleibsel«, sagte Hercule Poirot sinnierend. »Das Feuerwerk schießt – krach, peng – in die Luft, obwohl der Mann, dessen man gedenkt, und seine Tat längst vergessen sind.«

Der Mann von Scotland Yard pflichtete ihm bei.

»Glaube nicht, dass viele dieser Lümmel überhaupt wissen, wer dieser Guy Fawkes eigentlich war.«

»Und schon bald kommt es zu einer allgemeinen Desorientierung. Wird das am 5. November in den Himmel geschossen, um ihn zu ehren oder um ihn zu verwünschen? Ein englisches Parlament in die Luft zu jagen, wäre das eine Schandtat oder eine Heldentat gewesen?«

Japp kicherte.

»Manch einer würde zweifellos Letzteres behaupten.«

Die beiden Männer bogen von der Hauptstraße in die Bardsley Gardens Mews ein, eine vergleichsweise ruhige Wohngegend mit umgebauten alten Remisen. Sie hatten zusammen zu Abend gegessen und nahmen jetzt eine Abkürzung zu Hercule Poirots Wohnung.

Noch immer konnte man vereinzelte Knallfrösche hören. Gelegentlich erleuchtete ein goldener Funkenregen den Himmel.

»Guter Abend für einen Mord«, bemerkte Japp mit kriminalistischem Interesse. »Einen Schuss zum Beispiel würde in so einer Nacht kein Mensch hören.«

»Ich fand es schon immer komisch, dass das nicht öfter von Verbrechern ausgenutzt wird«, stimmte ihm Hercule Poirot zu.

»Wissen Sie, Poirot, manchmal wünsche ich mir fast, würden einen Mord begehen.«

»Doch, ich würde wirklich gerne sehen, wie Sie es anstellen würden.«

»Mein lieber Japp, wenn ich tatsächlich einen Mord begehen würde, hätten Sie nicht die geringste Chance, zu sehen, wie ich es anstelle! Sie würden wahrscheinlich nicht einmal merken, dass überhaupt ein Mord begangen wurde.«

Japp lachte herzlich und gutmütig auf.

»Sie blasierter kleiner Satansbraten, Sie«, sagte er nachsichtig.

II


Am nächsten Vormittag um halb zwölf klingelte Hercule Poirots Telefon.

»Hallo, sind Sie’s, Poirot?«

»Japp am Apparat. Wissen Sie noch, wie wir gestern Abend auf dem Nachhauseweg durch die Bardsley Gardens Mews gegangen sind?«

»Ja?«

»Und wie wir darüber sprachen, wie leicht es wäre, bei dem ganzen Geknalle und Geböller jemanden zu erschießen?«

»Sicher.«

»Nun, genau dort gab es einen Selbstmord. In der Nr. 14. Eine junge Witwe, Mrs Allen. Ich fahre jetzt dorthin. Hätten Sie Lust, mich zu begleiten?«

»Entschuldigung, aber wird normalerweise jemand von Ihrem Kaliber, , zu einem Selbstmord gerufen?«

»Schlaues Bürschchen. Nein, das wird er nicht. Aber unser Arzt scheint der Meinung zu sein, dass an der Sache etwas faul ist. Kommen Sie? Irgendwie habe ich das Gefühl, Sie sollten mit dabei sein.«

»Sicher komme ich. Nr. 14, sagten Sie?«

»Genau.«

III


Poirot traf fast genau im gleichen Augenblick an der Bardsley Gardens Mews Nr. 14 ein, als dort ein Wagen mit Japp und drei weiteren Männern vorfuhr.

Das Haus Nr. 14 stand ganz eindeutig im Blickpunkt des allgemeinen Interesses. Eine Menschenmenge – die Chauffeure aus der Nachbarschaft mit ihren Frauen, Laufburschen, Tagediebe, elegant gekleidete Passanten und unzählige Kinder – hatte einen Halbkreis gebildet, und alle starrten das Gebäude mit offenem Mund wie gebannt an.

Ein uniformierter Constable war auf der Treppe postiert und hielt die Neugierigen, so gut es ging, fern. Junge Männer mit Fotoapparaten rannten geschäftig umher und stürzten sofort herbei, als Japp aus dem Wagen stieg.

»Gibt noch nichts«, sagte Japp und wimmelte sie ab. Er nickte Poirot zu. »Da sind Sie ja. Gehen wir rein.«

Schnell traten sie ins Haus. Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, standen sie, auf engstem Raum zusammengedrängt, am Fuß einer leiterähnlich steil ansteigenden Treppe.

Ein Mann erschien auf dem oberen Treppenabsatz, erkannte Japp und meinte: »Hier oben, Sir.«

Japp und Poirot stiegen hinauf.

Der Mann am Kopf der Treppe öffnete eine Tür zu ihrer Linken, und sie traten in ein kleines Zimmer.

»Dachte, ich sollte Ihnen kurz die wichtigsten Eckpunkte darlegen, Sir.«

»Ganz recht, Jameson«, sagte Japp. »Also?«

»Die Tote ist eine gewisse Mrs Allen, Sir«, begann Divisional Inspector Jameson mit seinem Bericht. »Lebte hier zusammen mit einer Freundin, einer Miss Plenderleith. Miss Plenderleith war aufs Land gefahren und kehrte heute Vormittag zurück. Sie schloss die Tür auf, doch zu ihrer Überraschung war niemand zu Hause. Normalerweise kommt jeden Morgen um neun Uhr die Putzfrau vorbei. Zuerst ging sie hinauf in ihr Zimmer – das wäre dieses hier – und dann zu dem ihrer Freundin auf der anderen Seite der Treppe. Die Tür war von innen abgeschlossen. Sie rüttelte am Knauf, klopfte und rief, bekam jedoch keine Antwort. Schließlich kriegte sie es mit der Angst zu tun und rief die Polizei. Das war um Viertel vor elf. Wir kamen sofort und brachen die Tür auf. Mrs Allen lag, mit einer Schusswunde im Kopf, zusammengesunken am Boden. In ihrer Hand befand sich ein Revolver, ein .25er Webley – sah nach einem klaren Fall von Selbstmord aus.«

»Wo ist Miss Plenderleith jetzt?«

»Unten im Wohnzimmer, Sir. Eine sehr besonnene, tüchtige junge Dame, würde ich sagen. Ein helles Köpfchen.«

»Ich gehe gleich runter. Aber erst mal sollte ich mit Brett reden.«

Von Poirot begleitet, ging er ins gegenüberliegende Zimmer. Ein großer älterer Herr blickte auf und nickte.

»Tag, Japp, gut, dass Sie da sind. Komische Sache, das Ganze.«

Japp trat zu ihm. Hercule Poirot ließ seinen Blick prüfend durch das Zimmer wandern.

Es war entschieden größer als das, aus dem sie gerade gekommen waren. Es gab ein Erkerfenster, und während der andere Raum ein reines Schlafzimmer war, handelte es sich hier ganz eindeutig um ein Schlafzimmer, das gleichzeitig als Wohnzimmer fungierte.

Die Wände waren silberfarben, die Decke smaragdgrün. Die Vorhänge hatten ein modernes silbergrünes Muster. Auf einem Diwan lagen ein gesteppter, smaragdgrün schimmernder Seidenüberwurf sowie eine Reihe von golden und silbern gemusterten Kissen. Es gab einen hohen antiken Nussbaumsekretär, eine Nussbaumkommode und mehrere moderne chromblitzende Sessel. Auf einem niedrigen Glastisch stand ein großer Aschenbecher voller Zigarettenkippen.

Diskret schnupperte Hercule Poirot. Dann trat er zu Japp, der den Blick nach unten gerichtet hatte.

Vor ihnen lag der zusammengesackte Leichnam einer jungen, vielleicht siebenundzwanzigjährigen Frau, und zwar exakt so, wie sie aus einem der Chromsessel auf den Boden gesunken war. Sie hatte blonde Haare und feine Züge, trug kaum Make-up. Ihr Gesicht war hübsch, melancholisch und vielleicht ein klein wenig dümmlich. Die linke Schläfe war voller geronnenem Blut. Die Finger der rechten Hand hielten einen kleinen Revolver umklammert. Die Frau trug ein einfaches, hochgeschlossenes dunkelgrünes Kleid.

»Also, Brett, wo liegt das Problem?«

Japp blickte noch immer auf die zusammengesunkene Gestalt.

»Die Position stimmt«, erwiderte der Arzt. »Wenn sie sich selbst erschossen hätte, wäre sie wahrscheinlich aus dem Sessel genau in diese Position gerutscht. Die Tür war abgeschlossen und das Fenster von innen verriegelt.«

»Das stimmt also alles, sagen Sie. Was ist dann faul?«

»Sehen Sie sich mal den Revolver an. Ich habe ihn nicht angerührt – warte noch auf die Spurensicherung, wegen der Fingerabdrücke. Aber es ist ziemlich leicht zu erkennen, was ich meine.«

Poirot und Japp knieten sich hin und betrachteten den Revolver eingehend.

»Ich weiß, was Sie meinen«, sagte Japp und erhob sich wieder. »Die Wölbung ihrer Hand. Es sieht aus, als würde sie ihn halten, aber in Wirklichkeit hält sie ihn gar nicht. Noch etwas?«

»Eine Menge. Sie hat den Revolver in der rechten Hand. Jetzt sehen Sie sich einmal die Wunde an. Der Revolver wurde dicht an die Schläfe gehalten, direkt über dem linken Ohr – dem...


Mundhenk, Michael
Michael Mundhenk studierte englische und französische Literatur in Berlin und Vancouver. Während seiner anschließenden Lehrtätigkeit an kanadischen Universitäten begann er die Arbeit als freier Lektor und Üersetzer.

Christie, Agatha
Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.

Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind - auch durch die Verfilmungen - einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren.



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