Ciccarelli | Iskari - Der Sturm naht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten

Reihe: Iskari-Serie

Ciccarelli Iskari - Der Sturm naht

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-20785-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten

Reihe: Iskari-Serie

ISBN: 978-3-641-20785-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als kleines Kind lockte Asha einst Kozu herbei, den mächtigsten aller Drachen. Er gab vor, ihr Freund zu sein, doch dann flog er auf und vernichtete mit seinen mörderischen Flammen Ashas Heimatstadt. Um die unverzeihliche Schuld, die sie damit auf sich geladen hat, zu sühnen, ist sie eine Iskari geworden, eine Drachentöterin – die beste und mutigste. Doch ihre größte Prüfung steht noch bevor. Denn ihr Vater, der König, stellt ihr ein schreckliches Ultimatum. Entweder befreit sie das Land endgültig von Kozu – oder sie muss den ihr verhassten Jarek heiraten. Aber Kozu ist unbesiegbar, der Kampf mit ihm selbst für eine Iskari viel zu schwer. Doch Asha ist nicht allein, denn plötzlich stellt sich jemand an ihre Seite. Jemand, der sie noch nicht einmal ansehen dürfte: Torwin, der geheimnisvolle Sklave Jareks …



Kristen Ciccarelli wuchs in einer großen kanadisch-slowenischen Familie auf. Die weitläufigen Wälder der Niagara-Halbinsel waren der Abenteuerspielplatz ihrer Kindheit. Heute erinnert sie sich in ihren Geschichten an die Wildnis der Natur und lässt ihre Helden gegen gefährliche Drachen kämpfen. ISKARI – DIE GEFANGENE KÖNIGIN ist der zweite Teil ihrer großen Fantasy-Trilogie, die sich auf Anhieb in 11 Länder verkaufte.

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1

Asha lockte den Drachen mit einer Geschichte an. Es war eine alte Geschichte, älter als die Berge in ihrem Rücken, und Asha musste sie tief aus ihrem Gedächtnis hervorzerren, wo sie im Verborgenen schlummerte.

Sie wollte es nicht tun. Solche Geschichten zu erzählen war verboten, gefährlich, tödlich sogar. Doch da sie diesen Drachen bereits seit zehn Tagen durch die felsige Tiefebene verfolgten, war ihren Sklaven mittlerweile der Proviant ausgegangen. Sie hatte die Wahl, entweder ohne Drachen in die Stadt zurückzukehren oder gegen das von ihrem Vater verhängte Verbot der alten Geschichten zu verstoßen.

Asha kehrte nie ohne Beute zurück, und sie hatte auch jetzt nicht die Absicht, daran etwas zu ändern. Immerhin war sie die Iskari, und es waren Vorgaben zu erfüllen.

Also erzählte sie die Geschichte.

Heimlich.

Während ihre Jagdhelfer glaubten, sie schärfte ihre Axt.

Der Drache kam, glitt tückisch, ganz wie es seinem Wesen entsprach, aus dem rotgoldenen Boden. Sandkörner rieselten schimmernd wie Wasser an seinem Leib herab, und zum Vorschein kamen stumpfe steingraue Schuppen. Dreimal so groß wie ein Pferd ragte er vor Asha auf und schlug mit dem gegabelten Schwanz, während seine Augen mit den schlitzförmigen Pupillen starr auf das Mädchen gerichtet waren, das ihn gerufen hatte. Das Mädchen, das ihn listig mit einer Geschichte geködert hatte.

Mit einem Pfiff befahl Asha ihren Jagdsklaven, sich hinter die Schilde zu ducken. Dann bedeutete sie den Bogenschützen mit einer Handbewegung, sich zurückzuziehen. Dieser Drache hatte die Nacht unter dem kalten Wüstensand verbracht. Da die Sonne eben erst aufging, war sein Körper noch nicht so warm, dass er hätte fliegen können.

Er saß am Boden fest. Aber derart in die Enge getriebene Drachen kämpften erbittert.

Mit der linken Hand hielt Asha einen rechteckigen Schild, mit der rechten griff sie nach der Wurfaxt an ihrer Hüfte. Das trockene Alfagras raschelte um ihre Knie, während der Drache sie umkreiste, auf eine Unachtsamkeit ihrerseits lauerte.

Das war sein erster Fehler. Asha wurde nie unachtsam.

Sein zweiter war, sie mit Flammen zu attackieren.

Asha hatte keine Angst mehr vor Feuer, seit der Erste Drache höchstselbst ihr eine schlimme Brandwunde zugefügt hatte, die über ihre ganze rechte Seite verlief. Jetzt war sie von Kopf bis Fuß in eine feuerfeste Rüstung gehüllt, gefertigt aus den Häuten all der Drachen, die sie getötet hatte. Das eng an ihrem Körper anliegende Leder und ihr Lieblingshelm, der mit seinen stacheligen schwarzen Hörnern an einen Drachenkopf erinnerte, schützten sie vor dem Feuer.

Sie hielt den Schild erhoben, bis die Flammen erstarben, und sobald der Feueratem des Drachen erschöpft war, warf sie den Schild beiseite. Einhundert Herzschläge hatte sie Zeit, bis die Säure in der Lunge des Drachen wieder aufgefüllt war und er erneut Feuer speien konnte. Bis dahin musste sie ihn getötet haben.

Sie zückte die eiserne Axt. Die gebogene Klinge blitzte im frühen Morgenlicht, der glatte Holzschaft schmiegte sich perfekt in Ashas vernarbte Hand.

Der Drache zischte.

Doch Asha kniff nur die Augen zusammen. Deine Zeit ist abgelaufen.

Bevor er angreifen konnte, zielte und warf sie, genau auf sein Herz. Die Axt versank in der Brust des Drachen, und er schrie und warf sich herum, während sein Blut in den Sand floss. Mit knirschenden Zähnen starrte er sie aus wütenden Augen an.

Genau in dem Moment trat jemand neben sie und störte ihre Konzentration. Als sie den Kopf wandte, entdeckte sie ihre Cousine Safira, die den Schaft einer Hellebarde in den Sand rammte. Safira betrachtete den tobenden Drachen. Ihr dunkles Haar war auf Kinnlänge geschnitten, so dass es ihre kühnen, schrägen Wangenknochen und einen verblassenden Bluterguss an ihrem Kiefer betonte.

»Ich hab dir doch gesagt, du sollst hinter den Schilden bleiben«, knurrte Asha. »Wo ist dein Helm?«

»Mit dem Ding konnte ich überhaupt nichts sehen. Ich habe ihn bei den Sklaven gelassen.« Safira trug lederne Jagdkleidung, die Asha ihr in aller Eile genäht hatte, und ihre Hände wurden von Ashas feuerfesten Handschuhen geschützt. Für ein zweites Paar war keine Zeit gewesen.

Jetzt schleppte sich der blutende Drache über den Sand auf Asha zu. Seine Schuppen schleiften über den Boden. Sein Atem ging keuchend.

Asha griff nach der Hellebarde. Wie lange war es her, dass er zuletzt Feuer gespuckt hatte? Sie hatte es nicht mehr in Erinnerung. »Zurück, Saf! Hinter die Schilde!«

Safira rührte sich nicht. Beobachtete nur gebannt den Drachen, dessen Herzschlag immer langsamer wurde.

Das schleifende Geräusch verstummte, doch mit einem letzten Aufbäumen brüllte der Drache die Iskari hasserfüllt an, und in dem Moment, bevor sein Herz stillstand, schossen Flammen aus seiner Kehle.

Blitzschnell trat Asha vor ihre Cousine. »Duck dich!«

Ashas nackte Hand war ausgestreckt. Ungeschützt. Feuer umhüllte ihre Finger, verbrannte die Haut. Sie verbiss sich einen Schrei, als der Schmerz sie durchzuckte.

Dann war es vorbei, und der Drache brach zusammen. Asha drehte sich um und sah Safira unversehrt im Sand knien. Abgeschirmt vor den Flammen.

Sie stieß bebend den Atem aus.

Safira allerdings starrte die Hand ihrer Cousine an. »Asha. Du hast dich verbrannt.«

Asha nahm den Helm ab und betrachtete ihre Hand. Die versengte Haut warf Blasen, der Schmerz loderte heiß. Panik wallte in ihr auf. Es war acht Jahre her, dass sie von den Flammen eines Drachen schwer verletzt worden war.

Verstohlen ließ Asha den Blick über ihre Jagdsklaven schweifen, die gerade die Schilde senkten. Sie trugen kein Leder am Körper, nur Eisen – Eisen in ihren Pfeilen und Hellebarden und Speeren, eiserne Halsschellen. Ihre Augen waren unverwandt auf den Drachen gerichtet. Sie hatten nicht bemerkt, dass die Iskari von Flammen getroffen worden war. Gut. Je weniger Zeugen, desto besser.

»Drachenfeuer ist giftig, Asha. Das musst du behandeln.«

Asha nickte. Allerdings hatte sie nichts gegen Verbrennungen dabei. Sie hatte es noch nie gebraucht. Nur um den Schein zu wahren, ging sie zu ihrem Tornister.

Da hörte sie hinter sich Safira sehr leise sagen: »Ich dachte, sie speien kein Feuer mehr.«

Asha erstarrte.

Ohne Geschichten speien sie auch kein Feuer.

Safira stand auf und klopfte sich die Lederrüstung ab. Pflichtschuldig mied sie Ashas Blick, als sie fragte: »Warum sollten sie jetzt auf einmal anfangen, Feuer zu spucken?«

Plötzlich wünschte sich Asha, sie hätte ihre Cousine nicht mitgenommen.

Hätte sie Safira allerdings zuhause gelassen, hätte diese jetzt nicht nur einen verblassten Bluterguss am Kinn. Es wäre viel schlimmer.

Zwei Tage bevor Asha zur Jagd aufbrach, hatten Soldaten Safira in ihrem eigenen Zimmer in die Ecke gedrängt. Wie sie ohne Schlüssel hereingekommen waren, konnte sie nur raten.

Beim Auftauchen der Iskari waren die Männer zwar in Panik geraten und hatten das Weite gesucht. Doch was wäre beim nächsten Mal? Asha war tagelang unterwegs, und ihr Bruder Dax befand sich immer noch mit Jarek, dem Kommandanten, zu Friedensverhandlungen im Buschland. Es wäre niemand da gewesen, der ein wachsames Auge auf ihre skralblütige Cousine haben konnte. Also hatte sie Safira mitgenommen. Denn noch schlimmer, als mit leeren Händen zurückzukehren, war es, zurückzukehren und Safira wieder im Behandlungsraum für die Kranken und Verletzten zu finden.

Ihre Cousine ließ sich von Ashas Schweigen nicht beirren. »Weißt du noch? Früher bist du im Morgengrauen losgezogen und hast noch vor dem Abendessen einen Drachen erlegt. Was ist denn nur passiert?«

Der glühende Schmerz in ihrer Hand machte Asha benommen. Sie kämpfte darum, klar im Kopf zu bleiben. »Vielleicht war es damals zu leicht.« Sie gab ihren Jagdsklaven mit einem Pfiff das Signal, mit dem Zerlegen der Beute zu beginnen. »Vielleicht bevorzuge ich Herausforderungen.«

In Wahrheit nahm die Anzahl der Drachen seit Jahren ab, und es wurde immer schwerer, Ashas Vater ihre Köpfe zu bringen. Deshalb hatte sie angefangen, heimlich die alten Geschichten zu erzählen. Die alten Geschichten zogen Drachen an, wie Juwelen Menschen anzogen. Kein Drache konnte einer laut erzählten Geschichte widerstehen.

Doch die Geschichten lockten die Drachen nicht nur an, sie machten sie auch stärker. Daher das Feuer. Es war ganz einfach: Wo die alten Geschichten laut erzählt wurden, gab es Drachen, und wo Drachen waren, gab es Zerstörung und Verrat und Feuer. Vor allem Feuer. Asha wusste das besser als jeder andere. Den Beweis dafür trug sie im Gesicht.

Seufzend gab Safira auf. »Geh und behandle deine Brandwunde.« Sie ließ ihre Hellebarde aufrecht im Sand stehen und lief zu dem massigen Kadaver. Während die Sklaven sich an dem Drachen zu schaffen machten, ging Safira einmal im Kreis um ihn herum und begutachtete ihn. Die staubgrauen Schuppen boten eine perfekte Tarnung in den Bergen, und die Hörner und Stacheln waren aus makellosem Elfenbein, weder abgebrochen noch eingerissen.

Als Asha allein war, versuchte sie, ihre verbrannten Finger zu beugen. Es tat so weh, dass sie nur mühsam ein lautes Aufstöhnen unterdrücken konnte. Die Landschaft aus rotem Sand, gelbem Gras und einzelnen grauen Felssprenkeln verschwamm vor ihren Augen. Sie befanden sich hier an der Nahtstelle zwischen der im Süden...


Ciccarelli, Kristen
Kristen Ciccarelli wuchs in einer großen kanadisch-slowenischen Familie auf. Die weitläufigen Wälder der Niagara-Halbinsel waren der Abenteuerspielplatz ihrer Kindheit. Heute erinnert sie sich in ihren Geschichten an die Wildnis der Natur und lässt ihre Helden gegen gefährliche Drachen kämpfen. ISKARI – DIE GEFANGENE KÖNIGIN ist der zweite Teil ihrer großen Fantasy-Trilogie, die sich auf Anhieb in 11 Länder verkaufte.



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