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Claire | Guardian Angelinos - Die zweite Chance | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Reihe: LYX.digital

Claire Guardian Angelinos - Die zweite Chance


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-8938-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-8938-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nachdem Samantha Fairchild im Weinkeller des Restaurants, in dem sie als Kellnerin arbeitet, einen Mord beobachtet hat, ist sie auf der Flucht. Sie fürchtet, der Killer könnte es auch auf sie abgesehen haben. Als sie den attraktiven Zach Angelino wiedertrifft, mit dem sie einst eine heiße Affäre hatte, bittet sie ihn um seine Hilfe. Doch Zach ist nicht mehr der Mann, der er früher war. Vom Kriegseinsatz in Kuwait entstellt, wird er von seiner dunklen Vergangenheit verfolgt. Dennoch zögert er nicht, die Frau, die er noch immer liebt, zu beschützen. Und Sam gerät schon bald in große Gefahr, als der Mörder ihre Spur aufnimmt.



Roxanne St. Claire ist in Pittsburgh aufgewachsen und hat an der Universität von Kalifornien studiert. Nach einer Karriere in der Werbeabteilung einer Firma veröffentlichte sie 2002 ihren ersten Liebesroman. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Florida.

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1

»Wie ich höre, wurden Sie zum Jurastudium an der hübschen kleinen Uni am anderen Flussufer angenommen.«

Samantha Fairchild sammelte die Cocktails von der Theke ein und lächelte dem Mann zu, der sie durch seine randlose Brille unauffällig begutachtet hatte. »Unsere vertrauenswürdige Barkeeperin hat wohl mal wieder mit mir angegeben.«

Hinter der Theke schwenkte Wendy einen Martinishaker, als wäre es eine Wunderkerze, und funkelte vielsagend mit den Augen. »Nur ein bisschen, Sam. Schließlich bist du unsere einzige Bedienung, die nach Harvard geht.«

Sam, die eigentlich nicht darauf erpicht war, ein Gespräch anzufangen, wenn der Speisesaal des Paupiette’s an einem Samstagabend gerammelt voll war, nickte dem Herrn mit den hellen Haaren zu. Er war sowieso nicht ihr Typ. Zu blass, zu blond, zu ungefährlich.

»Nichts, wofür man sich schämen müsste, ein Juraabschluss von Harvard«, sagte der Mann. »Ich habe selbst einen.«

»Ach ja? Und was machen Sie jetzt?«

Sein Lächeln wurde breiter. »Geld scheffeln, und das werden Sie auch.«

Er redete wie ein typischer Harvard-Absolvent. »Mich interessiert das Geld nicht so sehr. Ich habe andere Pläne für die Zukunft.« Und sie bezweifelte, dass ein Typ, der von Armani und Rolex nur so strotzte, diese Pläne zu schätzen wusste. Es sei denn, er war Strafverteidiger. Sie betrachtete ihn gerade kritisch, als sich von hinten zwei Hände auf ihre Schultern legten.

»Ich habe Joshua Sterling nebst Begleitung in deinen Bereich gesetzt.« In Keegan Kennedys sanfter Stimme schwang ein warnender Unterton mit, wahrscheinlich, weil sie an der Bar mit Rechtsanwälten flirtete, während ihre Tische voll besetzt waren. »Ich rechne mit einer Provision.«

»Das ist nur gerecht.« Sie machte sich los und balancierte dabei das Tablett mit den Cocktails in den Händen.

»Ich wette, der gibt ein saftiges Trinkgeld, Sam«, sagte der Anwalt, während er zwei Zwanziger auf die Theke legte und der Barkeeperin mit einem Wink zu verstehen gab, dass sie den Rest behalten könne. »Das werden Sie allein schon für die Gesetzestexte brauchen.«

Sie schenkte ihm ein wehmütiges Lächeln, nicht zu vielversprechend, aber auch keine komplette Abfuhr. »Danke «

»Larry«, half er ihr weiter. »Vielleicht komme ich noch mal vorbei, bevor Sie anfangen, um Ihnen ein paar Tipps für das erste Jahr zu geben.«

»Toll, Larry.« Sie zwang sich zu einem ermutigenderen Lächeln. Er sah aus, als wäre er ein netter Kerl. Langweilig wie trockener Toast, aber andererseits würde er ihr Herz auch nicht mit Füßen treten oder gar mit Armeestiefeln. »Tun Sie das.«

Sie wandte sich ab, um in den Hauptspeisebereich zu spähen, und erhaschte einen Blick auf eine Gesellschaft von sechs Personen, die vom stellvertretenden Oberkellner zum Tisch geleitet wurde.

Das für Joshua Sterling charakteristische silberne Haar, vor der Zeit ergraut und über die Maßen attraktiv, schimmerte unter den Halogen-Hängelampen, die eigentlich dazu dienten, die Haute Cuisine ins rechte Licht zu rücken, diesem besonderen Gast jedoch einen perfekten Heiligenschein verliehen.

Es war nicht nur sein Trinkgeld, an dem Sam interessiert war. Das letzte Mal, als Bostons berühmter Kolumnist hier gespeist hatte, hatte sich zwischen ihnen eine lebhafte Diskussion über die Innocence Mission entsponnen, und am Ende hatte er einen ganzen Artikel über die gemeinnützige Organisation für den Globe geschrieben. Nach dieser Story war eine Menge Geld in das Bostoner Büro geflossen, in dem Sam ehrenamtlich arbeitete.

»Gute Arbeit, Keegan.« Sam bedachte den Oberkellner, der, seit er vor ein paar Monaten angefangen hatte, ständig zwischen totaler Nervensäge und Geschenk des Himmels hin- und herpendelte, mit einem dankbaren Lächeln. »Rechne mit zehn Prozent.«

Er legte ihr eine Weinkarte auf ihr Cocktailtablett und brachte damit das empfindliche Gleichgewicht der kopflastigen Martinigläser in Gefahr. »Sein Trinkgeld hängt vom Wein ab, also überrede ihn, was aus dem Gewölbekeller zu nehmen. Erhöhe meinen Anteil auf fünfzehn Prozent, und ich verspreche dir, dass uns das Tatar nicht ausgeht. Das ist Sterlings Leibspeise.«

Sie grinste. »Abgemacht, du hinterhältiger irischer Gauner.«

Nachdem sie an einem anderen Tisch die Cocktails serviert hatte, steuerte sie auf die frisch platzierte Gesellschaft zu. Auf dem Weg dorthin nickte sie einem Gast zu, der ihr ein Zeichen gab, dass er zahlen wollte, blieb bei dem Liebespaar in der Ecke stehen, um ihren Cakebread Chardonnay zu entkorken, und versuchte dabei die ganze Zeit herauszufinden, wen genau Joshua Sterling heute Abend bewirtete.

Neben ihm saß seine wunderschöne Ehefrau, eine atemberaubende junge Dame namens Devyn, mit ausgeprägten Wangenknochen und goldenem Haar, das ihr in Wellen bis auf die vom Training gestrafften Schultern fiel. Zwei weitere Paare vervollständigten die strahlende Sechsergruppe, und eine der Frauen erzählte gerade lebhaft eine Geschichte zu Ende, während sie sich auf ihren Plätzen niederließen. Bei der Pointe zeigte sie mit dem Finger auf Joshua, wofür sie von den Übrigen schallendes Gelächter erntete. Außer von Devyn, die sich mit ausdrucksloser Miene zurücklehnte, während ihr eine Speisekarte hingelegt wurde.

Joshua legte seiner Frau locker eine Hand auf den Rücken und winkte beiläufig quer durch den Gastraum jemandem zu. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr. Dann strahlte er Sam an, die sich dem Tisch näherte.

»Hallo, Samantha.« Natürlich erinnerte er sich an sie. Das war seine besondere Gabe, machte seinen Charme aus. »Bereit zum Sturm auf Hahvahd?« Er zog das Wort in die Länge und verlieh ihm den Klang eines übertriebenen Boston-Akzents.

»Die Vorlesungen fangen in zwei Monaten an«, sagte sie und reichte ihm die Weinkarte, die sie bei der teuersten Auswahl aufgeschlagen hatte. »Also, bereit bin ich schon, aber auch nervös.«

»Nach allem, was Sie mir über ihre ehrenamtliche Arbeit erzählt haben, glaube ich, dass Sie mehr juristisches Wissen und Erfahrung haben als die Hälfte der Erstsemester. Sie werden’s denen da drüben schon zeigen.« Er fügte seinem laserblauen Blick das Lächeln des Fernsehsprechers für liberale Belange hinzu, dem auf den Nachrichtenkanälen immer mehr Sendezeit gewidmet wurde.

Niemand bezweifelte, dass Joshua Sterling in New York ganz groß rauskommen würde.

»Hoffentlich haben Sie Recht«, sagte sie und machte dem Junior-Oberkellner Platz, damit er Devyn Sterling eine schwarze Serviette auf die dunklen Hosen legen konnte. »Wenn nicht, werfe ich alles hin und gehe wieder zurück in die Werbung.«

»Zweifeln Sie nicht an sich«, warnte Joshua sie mit einem eindringlichen Blick. »Sie haben zu viel Köpfchen, um bloß Computer und Burger zu puschen. Sie müssen unschuldige Opfer vor dem verkorksten System retten.«

Sie schenkte ihm ein dankbares Lächeln und wünschte sich, sie wäre sich selbst ihrer Talente so sicher. Eine seiner Gaben war es natürlich auch, den Leuten Blödsinn zu erzählen. »Was ist denn der Anlass?«, fragte sie in der Absicht, die Unterhaltung weg von sich selbst und hin zu einer fetten Getränkebestellung zu lenken.

Joshua zeigte mit der Hand auf die Braunhaarige, welche die Geschichte erzählt hatte. »Wir feiern Merediths Geburtstag.«

»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.« Sam nickte Meredith zu. »Wir haben noch zwei Flaschen von dem ’94er Tattinger da.«

»Ja, Champagner wäre eigentlich angemessen«, sagte er, »aber ich glaube, das hier ist eine Weingesellschaft. Du trinkst gern Bordeaux, stimmt’s, Meredith?«

Die Frau beugte sich vor, stützte sich auf den Ellenbogen und lächelte träge, während sie ihn ansah. »Etwas Komplexes und Elegantes.«

Sam wartete einen Augenblick, während der Blick der Frau fest auf ihren Gastgeber gerichtet blieb. Devyn rutschte auf ihrem Stuhl hin und her, und Sam konnte die knisternde Spannung in der Luft förmlich spüren.

»Dann gehe ich mal den Sommelier holen«, schlug Sam rasch vor. »Ich wette, er hat den perfekten Bordeaux für Sie.«

»Ich weiß, dass er ihn hat.« Joshua gab Sam die Weinkarte zurück, ohne überhaupt einen Blick hineinzuwerfen. »Sagen Sie René, dass wir gern zwei Flaschen von dem 1982er Château Haut-Brion hätten.«

»Eine ausgezeichnete Wahl.« Das war es tatsächlich. »Während ich Ihnen den besorge können wir Ihnen eine Flasche Wasser anbieten, mit oder ohne Kohlensäure?«

Sie trafen ihre Wahl, und Sam flüsterte sie einem Hilfskellner zu. Dann düste sie den schmalen Gang zwischen Gästebereich und Küche entlang, ihre Schuhe federten auf dem Gummifußboden, und die gedämpften Gespräche und die Musik des Speiseraums verwandelten sich in das Geklapper und Gebrutzel der Küche.

»Wo ist René?«, fragte sie, während ein Duft nach Butter, Knoblauch und sautiertem Fleisch sie einhüllte.

»Bin schon da.« Die Tür zum Keller flog auf, und der massige Sommelier kam auf sie zugehastet, die Arme voller Flaschen. Zwei weitere Kellner folgten ihm, ähnlich überladen.

»René, ich brauche zwei Flaschen ’82er Haut-Brion, sofort.«

»Ich muss erst die Gäste oben bedienen«, warf er zurück.

»Dann gib mir den Schlüssel und sag mir ungefähr, wo ich die ’82er finde.«

»Du wirst die ’82er nicht holen, Schwester.« Der falsche französische Akzent, den er vor den Gästen...


Claire, Roxanne St.
Roxanne St. Claire ist in Pittsburgh aufgewachsen und hat an der Universität von Kalifornien studiert. Nach einer Karriere in der Werbeabteilung einer Firma veröffentlichte sie 2002 ihren ersten Liebesroman. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Florida.

Roxanne St. Claire ist in Pittsburgh aufgewachsen und hat an der Universität von Kalifornien studiert. Nach einer Karriere in der Werbeabteilung einer Firma veröffentlichte sie 2002 ihren ersten Liebesroman. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Florida.



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