Clancy | Tochter der roten Sonne | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 491 Seiten

Clancy Tochter der roten Sonne

Die große Australien-Saga
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-170-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die große Australien-Saga

E-Book, Deutsch, 491 Seiten

ISBN: 978-3-98952-170-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es wird das Abenteuer ihres Lebens - Love-and-Landscape-Romantik im australischen Outback England, 1840: Die junge Erbin Georgina Stapleton begibt sich voll freudiger Erwartung auf das prunkvolle Segelschiff nach Australien - ohne zu ahnen, welch grausames Schicksal sie erleiden wird: Vor der Küste Australiens führt ein schrecklicher Sturm zu einem Schiffbruch, den nur Georgina und der mutige Schiffsoffizier Miles Bennett überleben. Auf ihrer abenteuerlichen Reise zurück in die Zivilisation, entwickelt sich zwischen dem ungleichen Paar trotz der rauen Umgebung ein zartes Band aus Gefühlen - , die tiefer gehen, als sich Georgina eingestehen möchte, denn in Adelaide warten Verpflichtungen auf sie. Wird Georgina den Mut aufbringen, ihrem Herzen zu folgen? »Eine wunderbare Autorin!« Channel Nine Die raue Schönheit des roten Landes: Ein romantischer und eindrucksvoller Australienroman für Fans von Di Morissey und Patricia Shaw; jetzt als eBook bei dotbooks.

Ann Clancy ist Australierin mit irischen Wurzeln. In Papua-Neuguinea aufgewachsen, bereiste sie die ganze Welt, bevor sie beschloss, das Schreiben zu ihrem Beruf zu machen. Abenteuerliche Romane über starke, unabhängige Frauen liegen ihr besonders am Herzen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Adelaide im Süden Australiens. Ann Clancy veröffentlichte bei dotbooks: »Der Ruf des roten Landes«
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Kapitel 2


The Coorong, Südaustralien
Februar 1840

Die Tenetjeritänzer kamen langsam von den fernen Dünen her, den Abhang hinunter, fünfzehn Krieger, die sich im Takt bewegten wie die dünnen roten Beine der Möwen. Ihre nackten dunklen Füße schlugen einen trommelnden Rhythmus in den Sand. Ein uralter Tanz, der Totemtanz ihres Clans, der Tanz des Tenetjeri, der rotbeinigen Möwe.

Die große, lang gestreckte Bucht von Coorong schimmerte golden im Hintergrund, die Wellen glitzerten in der Sonne. Goldener Sand erstreckte sich zwischen dem Ozean und den Dünen, so weit das Auge reichte. Majestätisch erhoben sich die Sanddünen im rötlichen Abendlicht. Die sommerliche Vegetation war niedrig und trocken, Grashalme mit hell vergoldeten Kanten tanzten im Wind. Die echten rotbeinigen Möwen standen still auf dem Sand, wo auch die Sandregenpfeifer herumliefen. Eine Formation großer, majestätischer Pelikane flog über ihre Köpfe hinweg. Es war ein üppiges Land, das da in der hochsommerlichen Stille lag.

Peeta war glücklich. Am Ende der Gruppe war Thukeri zu sehen, der als junger Krieger hinter den älteren Männern gehen musste. Wäre er nicht so groß und breitschultrig gewesen, man hätte ihn aus der Entfernung kaum erkennen können. Aber sie wusste, dass er es war. Sein Tanz war geschmeidig und kraftvoll, sein Körper jung und männlich. Zu jung, um mit den Älteren mitzuhalten, aber auch zu alt, um mit den noch Jüngeren zu tanzen, die die Rolle der Nemineri, der jungen Möwen übernahmen.

Sie sang mit den anderen, als wäre sie selbst eine Möwe, rief ihn und schlug lauter auf ihre Trommel. Dies war ihr Land. Ihr Paradies. Das geliebte Land ihres Stammes.

Die rituellen Zeichen aus Lehm leuchteten weiß auf der dunklen Haut ihrer Gesichter und bildeten eine Maske, die ihre Züge verdeckte. Einige Tänzer hatten runde Motive aus Punkten im Gesicht, andere trugen Querstriche über Wangen und Nasen. Und alle hatten leichte Schurze aus Tierhäuten um die Hüften.

Als die Tänzer näherkamen, sah sie, dass er es wirklich war. Er hatte noch keinen dichten Bart wie die älteren Männer, die weißen Querstriche auf seinen Wangen betonten seinen feinen Knochenbau und die glatte Gesichtshaut.

Thukeri. Ihr bester Freund und eines Tages, wenn es der große Schöpfer Ngurunderi so wollte, ihr Mann.

Und wenn Peeta die religiösen Vorschriften einhielt, sich vor Zauberei hütete und den magischen Ahnherrn ihres Stammes achtete, Tenetjeri, die Möwe, dann würde das Glück auf ihrer Seite stehen.

Sie und Thukeri waren unzertrennlich, solange sie sich erinnern konnte. Sie waren beide mutig, witzig, voller Spaß und Lachen. Sie stammten beide aus angesehenen Familien des Kandukara-Clans. Tatsächlich wurden beide Familien im ganzen Volk der Ngarrindjeri hochgeachtet, bei allen Stämmen, die dazugehörten, von den Ramindjeri im Nordwesten bis zu den Milipa im Südosten, und bei allen Stämmen an dem großen Fluss, der sich durch das nördliche Hinterland schlängelte. Thukeris Vater Tenetje war der angesehenste Führer der Ngarrindjeri, und er saß im Tendi, dem großen Rat der Ältesten, die über alle wichtigen Angelegenheiten des Volkes bestimmten.

Die Frauen saßen im Schneidersitz im Sand, die Gesichter der sommerlichen Hitze des Sonnenuntergangs zugewandt. Peeta liebte das Gefühl von Sonne auf ihrer Haut, die strahlende Hitze auf ihrem Gesicht und den Brüsten. Sie sah an sich hinunter. Ja, ihre Brüste wuchsen, bald würde sie in den Kreis der Frauen aufgenommen werden. Sie trug schon den Schurz, und in den nächsten Tagen würde sie die Initiationsriten der Mädchen vollenden. Sie hatte schon kleine Brandnarben, bald würden die Schnitte folgen, und dann würden die Frauen ihre Brüste mit Ockerfarbe bemalen.

Ihre Mutter saß neben ihr und sah sie lächelnd an. Ihre Augen leuchteten in der Abendsonne. Peeta erwiderte das Lächeln und drehte sich dann um, um ihre jüngeren Schwestern anzusehen, die hinter ihr saßen. Sie lächelten ebenfalls und lachten. Sie waren zusammen, wie sie es auf jeder Etappe ihrer Reise zu einem Leben als Frau sein würden.

Thukeris Vater Tenetje war der Besitzer des Möwen-Totems; er hatte den Befehl über das Lied. Er ging langsam an der Gruppe vorbei, sang laut mit seiner tiefen Stimme und führte die Tänzer durch die heiligen Worte und Bewegungen. Selbst wenn er die Zeremonie nicht geleitet hätte, hätte man ihn leicht erkennen können. Sein Gesicht trug die Narben der Windpocken, die vor zwanzig Jahren von den Stämmen am Fluss eingeschleppt worden waren und so viele aus seinem Volk das Leben gekostet hatten. Er hatte mit knapper Not überlebt, aber sein Gesicht war für immer entstellt. Die Kraft seines Miwi, seines inneren Seins, hatte ihn vor dem Tod beschützt, der auch vor zehn Jahren die Stämme der Ngarrindjeri heimgesucht hatte. Und dieses Miwi hatte ihn auch zum Anführer seines Clans gemacht.

Peeta legte die Hand auf ihren Bauch, um ihr eigenes Miwi zu stärken, sich vor Zauberei und Krankheit zu schützen und Unglück abzuwenden.

Tenetje führte die Tänzer zum Flutsaum hinunter. In den kleinen Wellen spielte eine Schule Delfine, sie tauchten und sprangen, und glitten unmittelbar vor den Tänzern lautlos zurück ins Wasser.

Tenetje sang den nächsten Teil des Lieds, und die Tänzer verbeugten sich vor dem Wasser, erhoben sich wieder, mit gestrecktem Kinn, wie trinkende Möwen.

Es war wirklich ein perfekter Tag, dachte Peeta. Heiß und trocken, sodass man die Nacht am Strand verbringen und auf dem kühlen, feuchten Sand schlafen konnte. Welten entfernt vom Winter, wenn die kalten Stürme kamen und die Kandukara sich ins Binnenland zurückzogen und sich in ihren Winterhütten verkrochen. Peeta sah die rötlichen Strahlen der Abendsonne hinter den Tänzern, die den Zauber des Tanzes noch verstärkten. Ja, sie war glücklich, sehr glücklich, hier zu sein, Thukeri zu sehen und zu wissen, dass eine wunderbare Zukunft auf sie wartete.

Tenetje veränderte das Lied ein wenig, und die Tänzer schüttelten sich und flatterten, während sie in die Sonne blickten. Peeta setzte sich anders hin und rückte ihren Schurz zurecht, damit er sie richtig bedeckte. Sie war kein kleines Mädchen mehr. Es war wichtig, dass sie sich zurückhaltend gab, jetzt, da sich ihr Körper veränderte.

Tenetjes Lied veränderte sich wieder, der Rhythmus wechselte, die Tänzer liefen in einem großen Kreis herum. Die Frauen schlugen die Trommeln schneller, und die Tänzer sprangen mit großen, geschmeidigen Schritten, als würden sie fliegen, in den Himmel hinauf. Als sie sich streckten, schlugen sie kraftvoll mit den Flügeln. Einer nach dem anderen, streckten sie die Beine, als würden sie im Wind dahingleiten. Und dann ließen sie ihre Rufe hören, mit ausgestreckten Schwingen, kreisten im Aufwind und ließen sich wieder fallen.

Der Refrain erklang wieder, jetzt ein wenig verändert. Die Stimmen der Frauen schwebten über dem Geräusch der Wellen und drängten die Möwen, höher zu fliegen. Peetas Stimme war laut und deutlich zu hören. Sie sang für sich und Thukeri und für ein glückliches Leben.

***

Edith umarmte ihre Mutter und ihren Onkel Ben noch einmal zum Abschied.

»Pass auf dich auf, liebste Tochter«, sagte ihre Mutter und hielt ihren Arm noch einen Moment fest. »Denk immer daran, fleißig zu arbeiten, jeden Abend zu beten und andere so zu behandeln, wie du selbst behandelt werden willst.«

»Sie braucht keine guten Ratschläge in letzter Minute«, lachte ihr Onkel und strich sich mit einer Hand über den Bart. »Sie war immer schon ein braves Mädchen.«

»Das stimmt, aber es kommt ja nicht jeden Tag vor, dass eine Mutter ihre älteste Tochter so ganz allein in die Welt hinausschickt. Da muss ich doch etwas sagen!« Ihre Mutter lachte, aber in ihrer Stimme klang noch ein Rest von Sorge mit. Sie hustete und wandte sich ab.

»Sie kommt schon zurecht. Ihr Herr ist ein Gentleman, einer von den ganz feinen, glaub mir. Er hat mir versichert, dass man gut auf sie aufpassen wird«, sagte der Onkel. »Sie geht auf eines der besten Anwesen im ganzen Bezirk Portland Bay. Und sie ist ja auch schon achtzehn.«

»Ich weiß ja«, lächelte ihre Mutter, aber sie zerdrückte das Taschentuch in ihrer Hand und zog die Tochter noch einmal an sich. »Ich hätte mir nur gewünscht, sie hätte eine Stelle hier bekommen können, in Portland Bay, in meiner Nähe. Lockyer Downs ist fünfzig Meilen weit weg. Ach, wenn es mir doch nur ein bisschen besser ginge, dann könnte ich auch etwas verdienen.«

»Aber das kannst du nicht, Mutter. Du musst dich erholen. Sieh zu, dass du den Husten loswirst und ein bisschen zunimmst. Außerdem gehe ich gern in den Busch. Ich möchte etwas von der Welt sehen und Geld verdienen«, sagte Edith.

»Du bist ein hübsches Mädchen«, bemerkte ihre Mutter mit kritischem Blick, eine Hand an die Wange ihrer Tochter gelegt. »Das kann dich in Schwierigkeiten bringen, so nett und gut erzogen du auch sein magst.«

»Los geht’s, Mädchen«, sagte der Onkel und beendete die Diskussion. Er half ihr auf den Wagen. »Es wird alles gut. Und deine Mutter wird gesund.«

Edith rückte ihre Haube aus Stroh über den braunen Locken zurecht und ordnete die Falten ihres praktischen groben Rocks um ihre Füße. Dann lächelte sie ihrer Mutter noch einmal tröstend zu.

»Abfahrt!«, rief der Kutscher.

Ediths Mutter legte eine Hand auf seinen Arm. »Passen Sie gut auf sie auf, Mr Ewell.«

»Das tue ich«, erwiderte er und tippte mit einem schiefen Lächeln an seinen breitkrempigen Hut. »Bei mir passiert ihr nichts.«

»Nicht nur auf der Reise, sondern auch, wenn sie dort ist«, drängte Ediths Mutter. Aus irgendeinem...



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