Clarke | Jahre des Sturms, Jahre der Hoffnung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 344 Seiten

Clarke Jahre des Sturms, Jahre der Hoffnung

Roman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-221-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 344 Seiten

ISBN: 978-3-98690-221-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine Liebe, vom Krieg geprüft: Der schicksalhafte Liebesroman »Jahre des Sturms, Jahre der Hoffnung« von Brenda Clarke als eBook bei dotbooks. Wenn die Liebe wie ein Licht der Hoffnung ist in der tiefsten Nacht ... England im Jahr 1944: Der Krieg hat das Leben der Menschen unwiderruflich verändert - auch das der jungen Sally Sherwood. Statt eine unbekümmerte Jugend auf dem Landsitz ihrer Familie zu verbringen, pflegt sie nun die zahlreichen verwundeten Soldaten, die Tag für Tag von der Front heimkehren. So lernt sie auch den Kriegsgefangenen Werner kennen - und obwohl sie weiß, dass dies streng verboten ist, fühlt sie sich vom ersten Moment an zu dem sanftmütigen Deutschen hingezogen. Doch gerade, als die beiden sich näherkommen, entzweit sie ein schicksalhaftes Ereignis. Darf Sally darauf hoffen, Werner noch einmal wiederzusehen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die ergreifende Frauen-Saga »Jahre des Sturms, Jahre der Hoffnung« von Brenda Clarke. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Brenda Clarke, auch bekannt unter dem Pseudonym Kate Sedley, wurde 1926 in Bristol geboren. Sie gehört zu den erfolgreichsten englischsprachigen Autorinnen von historischen Romanen, ihre Bücher wurden zu internationalen Bestsellern. 1969 begann sie ihre schriftstellerische Karriere und hat seitdem über 50 Romane geschrieben. Bei dotbooks erscheinen Brenda Clarkes gefühlvolle Romane »Die Blume von Cornwall«, »Wie eine Rose im Frühling«, »Zeit der Ginsterblüte«, »Jahre des Sturms, Jahre der Hoffnung«, »Eine Zeit für die Liebe«, »Der Preis des Glücks«, »Schwestern für immer«, »Der Himmel über Glastonbury« und »Der Glanz der Sehnsucht«.
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Kapitel 1


Es war warm unter der Bettdecke, mit den weichen Kopfkissen im Nacken. Sie hatte sich eingerollt und produzierte auf diese Weise mehr Wärme. Nur an ihrer Nasenspitze konnte sie die Kälte des frühen Morgens spüren. Ihre Nase sah wie die Schnauze eines kleinen Tieres aus, das vorsichtig aus seinem Bau auftaucht.

Sally lag unbeweglich da. Sie wußte, würde sie einen Arm oder ein Bein auch nur einen Zentimeter bewegen, bekäme sie die eisige Kälte der Betttücher oder die erkaltete wabbelige Wärmflasche zu spüren. Als erstes dachte sie, daß heute Samstag war, daß sie heute morgen weder durch die Dunkelheit des Novembers laufen mußte, um den Sieben-Uhr-dreißig-Bus nach Bristol zu erreichen, noch am Abend mit halb erfrorenen Zehen an der Haltestelle warten mußte. Sie hatte schon am vergangenen Tag ihre Hausaufgaben gemacht und konnte bis Montag alle Gedanken und Sorgen über das Zeugnis im nächsten Sommer aus ihrem Kopf verbannen.

Als zweites dachte sie, daß morgen der 5. Novemberi sei und daß der Tag nun zum sechstenmal nicht gefeiert wurde. Sie war neun gewesen, als sie zum letztenmal das Feuerwerk gesehen hatte. Und sie waren alle zusammen gewesen: ihre Eltern, ihre Zwillingsschwestern und sie. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie die Raketen und Feuerräder den Garten ihres Cottages gleich strahlenden, plötzlich aufblühenden Bäumen erleuchtet hatten. Sie sah die Gesichter der Zwillinge vor sich, die so taten, als wären sie mit siebzehn über derart kindliche Vergnügen hinausgewachsen. Und sie erinnerte sich, wie sie sich schon damals gefragt hatte – und immer wieder fragte –, ob sie einmal diesen beiden langbeinigen, eleganten Wesen gleichen würde, die sie seit frühester Jugend bewundert hatte.

»Du wirst die Schönste von allen sein«, hatte ihr Vater ihr einmal gesagt. »Du ähnelst deiner Mutter mehr als Jennifer oder Veronica, und eines Tages wirst du vielleicht noch schöner als sie.«

Nur dieses eine Mal hatte Bill Sherwood während seiner zwanzigjährigen Ehe eine derart ketzerische Äußerung von sich gegeben, und das auch nur, um Sally zu trösten, nicht aus Überzeugung. Bill Sherwood hatte seine Frau angebetet, sie für die vollkommenste Frau der Welt gehalten, und war für ihre Fehler blind gewesen. Irgendwie war er sich schon der versteckten Feindseligkeit zwischen Dorothy und ihren drei Töchtern bewußt gewesen, aber der Gedanke hatte ihm Unbehagen bereitet, und er hatte nie nach den Gründen gesucht.

Tatsächlich wäre Dorothy Sherwood mit Söhnen glücklicher gewesen. Sie hätte der Mittelpunkt einer Familie sein sollen, die nur aus bewundernden männlichen Mitgliedern bestand, denn sie betrachtete jede Frau als potentielle Rivalin, und ihre Töchter machten da keine Ausnahme. Hätte man diesen Gedanken ausgesprochen, würde sie ihn zornig zurückgewiesen haben, aber die Zwillinge und später auch Sally spürten die Antipathie ihrer Mutter von Jugend an. Ihre extrovertierte Natur hatte ihre drei Töchter unterdrückt, neben ihr wirkten sie unbedeutend. Deswegen waren Jennifer und Veronica an ihrem achtzehnten Geburtstag – zwei Monate nach Ausbruch des Krieges – freiwillig in den Woman’s Royal Naval Service eingetreten.

Der WRNS war die renommierteste Waffengattung für Frauen der Streitkräfte, und es war sehr schwierig, dort angenommen zu werden. Doch die Zwillinge wurden akzeptiert, da Dorothys Vater Captain in der Royal Navy gewesen war und posthum im Jahre 1916 mit dem Viktoriakreuz ausgezeichnet wurde. Dorothy war damals dreizehn gewesen, ein Jahr älter, als Sally 1940 gewesen war, als Bill Sherwood nicht aus Dünkirchen zurückkehrte.

Als das Telegramm mit der Nachricht vom Tode ihres Mannes aus dem Kriegsministerium eintraf, hatte sich Dorothy in ihrem Schlafzimmer eingeschlossen und wollte niemanden sehen. Vierundzwanzig Stunden später tauchte sie mit geröteten Augen und blassem Gesicht wieder auf. Aber sie war ruhig und bereit, dem Leben gegenüberzutreten. Sie hatte mit siebzehn von der Schulbank weg geheiratet und nie gearbeitet. Nun besuchte sie einen Kursus für Stenographie und Schreibmaschine und arbeitete jetzt als Sekretärin für einen der BBC-Produzenten, dessen Büro in Bristol war. Sally mußte ihre Mutter bewundern, aber sie zu lieben fiel ihr schwer. Nach dem Tod ihres Vaters war sie tief verletzt worden, da Dorothy ihr nicht gestattete, ihren Schmerz zu teilen. Deshalb war ihr Onkel Philip ihr einziger Trost gewesen. Philip Jackson war nicht ihr wirklicher Onkel, sondern ein Cousin von Dorothy, ein schlanker, wettergegerbter Mann mit sehr dunklen Augen und schwarzem Haar, ein Erbe seiner italienischen Großmutter. Sein Gesicht zierte die Schutzumschläge mehrerer angesehener Biographien und Reiseberichte, und sein Name stand oft unter Kommentaren in seriösen Zeitungen. Er war drei Jahre älter als Dorothy und hatte seinen Wohnsitz vor ein paar Jahren, nach dem Tod seiner Frau, in das Dorf Coldharbour verlegt. Als Grund dafür gab er an, daß Dorothy seine einzige lebende Verwandte und London zu groß und unpersönlich für einen einsamen Mann sei. Doch Sally vermutete, daß er ihre Mutter liebte. Falls es stimmte, war er nicht allein. Denn praktisch jeder Mann, der Dorothy kennenlernte, erlag ihrem Charme.

Sally setzte sich auf, behielt die Decke aber sorgfältig um sich gewickelt. Trotzdem wurde es schnell kalt, und sie machte sich mit dem Gedanken vertraut, aufstehen zu müssen. Sie konnte die Bewegungen ihrer Mutter im daneben liegenden Schlafzimmer hören, die sich für die Arbeit fertigmachte. Gleich würde sie über den Treppenabsatz ins Badezimmer gehen und die paar Liter rationierten Wassers für ihr tägliches Bad einlaufen lassen.

Sally starrte zur Schlafzimmerdecke hoch, die ein Netz haarfeiner Risse überzog. Sie stellte sich in dem Muster irgendeinen versunkenen Kontinent vor und dachte über ihre Mutter nach. Dorothy war keine wirkliche Schönheit; die Nase war eine Spur zu gebogen, der Mund etwas zu groß. Aber ihre Augen, das mußte Sally zugeben, waren schön. Sie dominierten das Gesicht und stellten selbst die Mähne tiefschwarzen Haars in den Schatten, das sie in einem klassischen Knoten trug und das einen perfekten Kontrast zu ihrer cremefarbenen Haut bildete. Es waren jedoch die Augen, diese großen dichtbewimperten, feuchten, braunen Augen – wie Philips ein Erbe der Großmutter –, die am meisten Eindruck machten und die Leute, vor allem Männer, davon überzeugten, daß Dorothy Sherwood schön war.

Sally stieß einen neidischen Seufzer aus. Auch ihre Augen waren braun, aber heller, und ihre Wimpern würden nie so dicht wie die ihrer Mutter sein. Ihr Haar war wie das ihrer Schwestern ebenfalls braun, nicht schwarz, doch alle drei Mädchen hatten die kürzere, mehr aristokratische Nase ihres Vaters geerbt.

»Aber welcher Mann verliebt sich schon in eine Nase?« hatte Jennifer einmal mürrisch zu Veronica gesagt.

Sally hörte ihre Mutter aus dem Badezimmer kommen, und im nächsten Moment klopfte Dorothy ungeduldig an die Tür des Schlafzimmers ihrer Tochter.

»Sally! Sally, bist du wach? Ich muß heute morgen um halb neun im Büro sein und habe verschlafen. Dieser verdammte Wecker hat wieder nicht geläutet. Es ist zu dumm!«

Sofort spürte Sally, wie sich in ihrem Magen ein Knoten bildete, ein Gefühl der Schuld, als wäre sie dafür verantwortlich, daß der Wecker nicht geläutet hatte. Dieses Gefühl war ihr nur zu vertraut, und sie ärgerte sich darüber. Es war völlig irrational, dachte sie wütend. Die Worte ihrer Mutter enthielten keine Anschuldigung.

Aber der Klang ihrer Stimme hatte ... Sally unterdrückte den Gedanken und stand auf.

»Ich gehe nach unten und mache sofort das Frühstück«, rief sie. »Ich bade und ziehe mich an, wenn du gegangen bist.«

Das Schlafzimmer war eiskalt. Sally zog ihren blauen Morgenmantel aus Wolle an und schlüpfte in ihre Fellpantoffeln. Während sie ihr Haar kämmte, starrte sie aus dem Fenster in den zugefrorenen Garten. Es war noch zu dunkel, um etwas sehen zu können, aber sie kannte diesen schmalen Streifen Erde so gut, daß sie sich ihn auch in der Finsternis vorstellen konnte.

Vor dem Krieg hatte er fast nur aus Rasen bestanden, mit Bäumen und ein paar Blumenbeeten. Aber sie hatte mit ihrer Mutter beinahe alles umgegraben, um Gemüse anzupflanzen. Sie hatten daran während der langen Sommerabende vor vier Jahren gearbeitet und so Erleichterung von ihren unterdrückten Gefühlen über Bill Sherwoods Tod gefunden. Sally konnte den Garten nie betrachten, ohne an ihren Vater zu denken.

Sie lief die Treppe hinunter in die geflieste Küche, füllte den Wasserkessel und entzündete eine Flamme des Gasherds. Während sie darauf wartete, daß das Wasser kochte, schnitt sie zwei dicke Scheiben Brot ab und nahm ein Päckchen mit Eipulver aus dem Schrank. Als ihre Mutter erschien, hatte sie Toast geröstet und Rührei zubereitet. »Das ist doch nicht dieses scheußliche Trockenzeug, Liebling?« protestierte Dorothy und rümpfte angeekelt die Nase. »Könnte Mr. Greenhill uns nicht ein paar Eier unter dem Ladentisch verkaufen? Geh doch mal heute hin und frag ihn.«

Sally goß den Tee ein. »Er hat uns schon letzte Woche mehr gegeben«, wandte sie ein. »Er hat nur einen kleinen Laden, Mama. Mr. Greenhill hat außer uns noch andere Kunden. Und es ist sowieso nicht recht. Der Schwarzmarkt, meine ich.«

»Das ist absurd, Kind!« Dorothy wußte nicht, ob sie sich ärgern oder amüsiert sein sollte. »Sei nicht so moralisch! Nun gut, wenn du Mr. Greenhill nicht fragen willst, geh zur Barton-Farm. Ellen und Bob Younger haben sicher ein oder zwei Eier für uns.« Dorothy schlürfte ihren Tee und kicherte. »Bob gibt dir bestimmt mehr, wenn du sagst, daß sie für mich...



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