Claus | Ben - der Fremdenlegionär | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 355 Seiten

Claus Ben - der Fremdenlegionär


1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-940818-87-4
Verlag: Himmelstürmer Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 355 Seiten

ISBN: 978-3-940818-87-4
Verlag: Himmelstürmer Verlag
Format: PDF
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Der Roman erzählt die Geschichte des Briten Ben Steel, der sich für ein Leben in der Französischen Fremdenlegion entschieden hat. Mit siebzehn verlässt er London und steckt seine ganze Kraft und Begeisterung zuerst in die harte Ausbildung und dann in Einsätze in aller Welt. Je länger dabei ist, desto stärker verkehren sich Enthusiasmus und Idealismus ins Gegenteil, er brennt aus. An diesem Punkt beginnt der Roman. Als Ben seine Kameraden im Kongolesischen Regenwald in einen Hinterhalt führt, stürzt ihn das in ein emotionales Dilemma, in dessen Folge er schließlich die Legion verlässt. Er steht vor dem Nichts, nur einen Antrieb gibt es für ihn. Es muss einen Sinn haben, dass er das Massaker im Regenwald als Einziger überlebt hat. Als Streetworker versucht er Jugendlichen zu helfen, lebt allein dafür und ansonsten isoliert. Dann lernt er Eric kennen (Eric - Aus dem Leben eines Miststücks, Himmelstürmer Verlag) Von Anfang an gestaltet sich ihre Beziehung schwierig, sie haben über ihre Liebe hinaus eine komplett gegensätzliche Weltanschauung. Ben mit den Erfahrungen von Leid und Elend und dem daraus resultierenden, starken Drang, anderen zu helfen, versucht Eric von seinen Werten zu überzeugen. Eric hingegen, der gerade eine tiefe, seelischen Krise und ständige Geldnot überwunden hat, möchte es sich gut gehen lassen. Immer wieder geraten sie in Streit, der schließlich eskaliert und Ben dazu bringt, alles hinzuwerfen. Er geht zurück zur Fremdenlegion. Ob ihre Liebe trotzdem noch eine Chance hat?

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1
Kongo 2003 Die Nacht war undurchdringlich, jetzt, kurz vor Sonnenaufgang, schien es am dunkelsten zu sein. Der Wald lauerte wie ein großes, lebendiges Tier auf Ben, beobachtete ihn aus tausend Augen, während er seinerseits ebenfalls auf Wache stand. Gedämpfte Geräusche erreichten sein Ohr, sie vermittelten ihm so etwas wie Normalität. Das Glucksen des Mangrovensumpfes unter ihm, zurückhaltende Vogelstimmen, das nervige Sirren der ewig hungrigen Moskitos und dieser unterschwellig vibrierende Klang des Regenwaldes, an den sich das Ohr schnell gewöhnte. Die Tiere waren eine natürliche Alarmanlage, sobald sich etwas oder jemand näherte, würde er es durch sie erfahren. Trotzdem verließ er sich nicht darauf, sondern blieb wachsam, die Ohren ersetzten dabei sein durch die tropische Nacht außer Kraft gesetztes Sichtfeld. Ben spürte die Feuchtigkeit des Mangrovensumpfes, den Schlamm, der sich an ihm festsaugte, sobald er seinen Standort wechseln wollte und so saß er, das Famas Sturmgewehr auf den Knien festhaltend, meist auf einer Mangrovenwurzel und bewachte den Schlaf seiner zehn Kameraden, die fest eingeschnürt in ihre Schlafsäcke und mit Moskitoschutz vor dem Gesicht unweit von ihm lagen. Sie mussten die beiden Boote weiter unten zurücklassen, die Motoren hätten sie verraten und selbst, wenn sie die Paddel benutzten, auf dem Fluss wären sie ein zu leichtes Ziel gewesen. An Bord der gut getarnten Pirogen befand sich alles, was sie entbehren konnten, weil es sie nur aufgehalten hätte, so zum Beispiel die Zelte und der größte Teil des Kochgeschirrs. Inzwischen waren sie bereits einen halben Tag lang zu Fuß unterwegs gewesen und gestern Abend auf das Rebellenlager gestoßen, das tief im Regenwald der kongolesischen Tiefebene versteckt lag. Langsam wich die Nacht dem Morgengrauen, hier im Kongobecken schickte die Sonne einen eng begrenzten, orangefarbenen Nebel voraus, so dass es aussah, als brenne der Planet auf ansonsten gleichmäßig topasblauem Himmel. Vielleicht würde es ja ausnahmsweise mal nicht regnen. Ben wusste jedoch, das konnte sich jetzt in der Regenzeit von einer Minute auf die andere ändern, aber das war nicht weiter schlimm, denn an Nässe waren sie gewöhnt, sie drang bei solchen Einsätzen von überall auf sie ein. Warme Feuchtigkeit, die sie einatmeten, die sich auf ihrer Haut mit dem Schweiß paarte, das brackige Wasser, das durch ihre Kleidung drängte, Schlamm, der seit Tagen ihre Körper unter der Uniform überzog, in sämtliche Körperöffnungen und jede Pore drang, ohne die Möglichkeit, sich reinigen zu können. Heute würden sie das Lager der Rebellen auskundschaften, sie hatten sich nach der Entdeckung am Vorabend für die Nacht hierher zurückgezogen. Das Unternehmen sah aus wie viele der vergangenen Operationen, es schien nichts Besonderes daran zu sein, aber Ben machte sich Sorgen. Er als Unteroffizier führte die Gruppe auf dieser Mission an und anders als bei früheren Einsätzen zweifelte er im Augenblick daran, dass sie es schaffen konnten, die vier französischen Botschaftsangehörigen, welche vor fast zwei Monaten von aufständischen Milizen aus Kinshasa entführt wurden, allein zu befreien. Er wusste, schon diese Zweifel durfte es gar nicht geben, in der Legion dachte man niemals an ein eventuelles Versagen. Es kam nur auf eine gute Planung und die fehlerlose Durchführung an, bereits vage Bedenken konnten den Ablauf empfindlich stören. Diesmal jedoch gab es seiner Meinung nach zu viele Faktoren, von denen sie nichts wussten. So zum Beispiel, um wen genau es sich handelte, der Bürgerkrieg gebar Krieger wie Kaninchen ihre Jungen. Sie hatten keine Ahnung davon, wie groß das Milizennest da vorne war, welche Bewaffnung die Aufständischen hatten und das Wichtigste - ob die Entführten tatsächlich in diesem Lager festgehalten wurden. Verhandlungen über ein Freikaufen kamen dieses Mal nicht in Frage, es war eine überstürzte, politische Entscheidung gewesen, die Botschaftsangehörigen zu befreien, und sie war zu plötzlich gekommen, um sich akzeptabel vorzubereiten. Aber das war nicht das erste Mal, er würde den Mangel an Informationen vor dem Angriff so gut wie möglich eingrenzen. Ebenfalls nicht zum ersten Mal dachte Ben darüber nach, wie lange er das noch machen wollte. Er war mit 21 Jahren aus Islington, einem Stadtbezirk im Norden von London, weggegangen und sein Weg führte ihn gleich danach ins südfranzösische Aubagne, einem Vorort von Marseille, wo er sich bei der Légion Étrangère, der Fremdenlegion, bewarb und die Prüfungen bestand. Das war 1994 gewesen, seither hat er den Grunddienst von fünf Jahren absolviert und zweimal um zwei Jahre verlängert. Die Einzelkämpfer-Ausbildung in Régina, dem Trainingscamp der Fremdenlegion im Dschungel von Französisch- Guyana, der ehemaligen, französischen Strafkolonie, war härter als jede seiner abenteuerlichsten Vorstellungen davon, aber er ging auch durch diese grüne Hölle an der Grenze zu Brasilien und sie veränderte nachhaltig seine Sicht der Dinge. Er schaffte es relativ bald, zur Elite zu gehören, wurde Teil des Fallschirmjäger-Regiments und war in Calvi auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika stationiert. Von dort aus lebte er sein Leben als Angreifer oder Befreier und lernte viele Teile der Welt kennen. Allerdings blieb das Blut immer rot und der Dreck schmeckte überall gleich bitter, so unterschieden sich die Schauplätze irgendwann kaum noch voneinander. Nach sieben Jahren wurde er Carporal und hatte als einer der wenigen Ausländer Aussicht auf eine Offizierslaufbahn. Seither leitete er Spezialeinsätze innerhalb der Friedensmissionen in Bosnien, dem Kosovo und Afghanistan und hatte einiges gesehen und erlebt, das inzwischen seinen Kampfgeist torpedierte. Immer mehr verlor er über zerfetzten Körpern, Unrecht und Willkür den Glauben daran, helfend eingreifen zu können. Jeder Einsatz blieb ein Tropfen auf einen heißen Stein und es würde immer so weitergehen. Er war erst neunundzwanzig, galt jedoch als sehr umsichtig und erfahren, seine Kameraden fürchteten und achteten ihn und jeder von ihnen vertraute ihm blind. Ben hatte bisher noch keinen einzigen Mann verloren, aber auch wenn jemand seiner Gruppe verletzt wurde, kreidete er sich das an, auch deswegen hatte sich in letzter Zeit eine Wandlung in ihm vollzogen. Oft zweifelte er den Sinn befohlener Aktionen an, während er früher nicht darüber nachdachte, sondern einfach nur funktionierte. Er war kritischer geworden und das machte ihm Sorgen. Wann würde die nötige Vorsicht einer riskanten Angst weichen? Wann würde er Feinde sehen, die nicht da waren und überreagieren oder Gefahren umgehen wollen? Die Legionärsparanoia war nichts Ungewöhnliches nach so vielen Jahren, aber sie hatte immer falsche Entscheidungen im Schlepptau und die forderten Opfer. Er hatte sich vorgenommen, beim kleinsten Anzeichen auszusteigen, noch ehe er jemanden in Gefahr bringen konnte. Manchmal jedoch zweifelte er daran, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, denn inzwischen war die Legion seine Heimat und er konnte sich ein Leben außerhalb kaum vorstellen. Er fing damals wie alle mit dem Erlernen von fünfhundert französischen Vokabeln an, um eine Grundverständigung zu sichern. Inzwischen sprach er die Sprache perfekt, hatte seinen französischen Pass, einen neuen Namen und je nachdem, wie die Sache ausging, Anspruch auf einen Platz im Altersheim oder dem Ehrenfriedhof der Legion, etwas anderes war nie geplant. Trotzdem hatten sich in den letzten Jahren Zweifel eingeschlichen, er fühlte sich oft ausgebrannt. Bald stand wieder die Entscheidung über Verlängerung oder Austritt an und er war sich zum ersten Mal nicht sicher, was er tun würde. Jetzt veranlasste ihn der Grund, warum er ursprünglich zur Legion gegangen war, nur noch zu einem ironischen Grinsen. Als er siebzehn war, hatte ein ganz eigener, besonderer Kampf begonnen, gleich nachdem er sicher war, schwul zu sein. Das war nichts, was er akzeptieren konnte und so entwickelte sich in den vier Jahren, bis er 21 wurde, der hoffnungsvolle Trugschluss, bei der Fremdenlegion würde der Drill ihn zu einem perfekten Mann machen, was immer er sich darunter auch vorstellte. Er glaubte tatsächlich, die harte Schule, durch die er gehen musste, konnte ihn auch sexuell auf den für ihn richtigen Weg bringen. Mittlerweile wusste er, dass dem nicht so war. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sein Anderssein zu akzeptieren und er tat das, indem er seiner Sexualität den kleinstmöglichen Raum einräumte. Niemand der Kameraden wäre auch nur entfernt auf die Idee gekommen, dass er schwul war. Bis auf käufliche, im Geheimen stattfindende Kontakte außerhalb der Legion, wo in heruntergekommenen Kneipen der Pastis 2 Euro und ein wenig Entspannung und Erleichterung 30 Euro die Stunde kosteten, schob er sein Schwulsein zur Seite. Dies allerdings konnte auch nicht verhindern, dass Kameraden zu Freunden wurden und er sich bereits zweimal wirklich verliebt hatte. Das zu unterdrücken fiel ihm weitaus schwerer, aber er schaffte es, indem er sich auf seine Aufgaben konzentrierte. Unterdessen fanden die ersten, warmen Sonnenstrahlen ihren Weg durch das dichte Dach der Mangrovenbäume, die Luft begann schon wieder, sich aufzuheizen, bald würde das Atmen schwerfallen. Der Regenwald erwachte, die Vogelstimmen wurden lauter, er hörte die ersten Rufe der Bonobo-Affen. Er konnte seine in ihren grünen Kokon verpackten Kameraden endlich wieder sehen, dicht beieinander schliefen sie noch. Ihre Köpfe ruhten auf den Rucksäcken, die alles enthielten, was sie zum Überleben brauchten. Sie verließen sich auf ihn und das konnten sie blind. Ben...



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