E-Book, Deutsch, Band 1, 522 Seiten
Reihe: Das Versprechen
Claymore Chroniken der Vergangenen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-1341-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Versprechen
E-Book, Deutsch, Band 1, 522 Seiten
Reihe: Das Versprechen
ISBN: 978-3-6951-1341-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon als Kind war ich der festen Überzeugung, dass Bücher magische Portale sind, also steckte ich meine Nase einfach ständig hinein und wartete auf den Eintritt in andere Welten. Spoiler: Es hat funktioniert. Nur dass ich heute selbst Welten erschaffe, statt nur durch sie zu reisen. Mit einer Tasse Tee (oder zwei, oder fünf) in der Hand und meinen zwei flauschigen Katzen als treue Redaktionsassistentinnen schreibe ich mich Stück für Stück zu der Person, die ich sein möchte und langsam fange ich an, sie wirklich gern zu haben. Der Weg zu mir selbst war weniger eine gerade Straße als eher ein verwunschener Pfad mit Umwegen, Abzweigungen und gelegentlichen Drachen (symbolisch gesprochen, natürlich). Aber hey, genau daraus entstehen die besten Geschichten. Schreiben ist für mich mehr als nur ein Hobby, es ist eine Art, mich selbst und die Welt ein bisschen besser zu verstehen. Und wenn ich dich dabei zum Schmunzeln bringe? Umso besser.
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1 Kayleen
Endlich war es so weit. Sie konnte nun auf die allbekannte Schule für junge Himmelskrieger gehen und ihrem lang ersehnten Traum, einmal zu den Besten zu gehören, war sie einen großen Schritt nähergekommen. Sie kam aus einer stink normalen Familie und Kayleen hatte nie gedacht, einmal überhaupt gesegnet zu werden. Jetzt lag es an ihr ihre Eltern stolz zu machen. Sie wohnten außerhalb der Hafenstadt in einem kleinen Dorf auf dem Lande. Sie hatten genügend, um gut leben zu können und nie hatte ihr es an etwas gefehlt.
Der Erzengel, Michael, selber hat ihr das heilige Schwert, Excalibur, überreicht. Er stand damals in ihrem Traum vor ihr und als er ihr das schlanke Schwert gab, sprach er zu ihr: „Nimm es an dich und befreie die Welt vom Schlechten.“ Sie deutete es als Bitte die Menschen und dessen Verbündete von feindlichen Wesen zu schützen und der einzig sichere Weg war in der besagten Schule zu lernen. Ihre Eltern waren so stolz auf sie gewesen, dass sie sogar bei ihrem Abschied geweint hatten.
Nie hätte sie gedacht, dass ein so normales Mädchen wie sie, von einem so bedeutenden Engel gesegnet werden würde. Eigentlich war ein solches Privileg den adligen vorbehalten. Kayleen hing es auch nicht an die große Glocke und versuchte es nicht jedem zu erzählen, den sie nur halbwegs kannte. Sie war einfach nur dankbar für dieses unglaubliche Geschenk.
Bald allerdings und dies ahnte sie, würden einige Fremde sie beneiden und andere hoch anpriesen. Immerhin war sie nur ein normales Kind vom Dorf. Keiner würde erwarten, dass eine nicht adlige das Schwert Michaels besitzen würde.
Nun stand sie vor der prächtigen Schule und holte einmal tief Luft. Mit ihren wenigen Koffern trat sie auf das Grundstück der riesigen Gebäudeansammlung. Sie schaute die cremefarbenen Bebauungen an, von jetzt an würde sie hier leben und sich zum vollwertigen Himmelskrieger ausbilden lassen. Als sie den Hof betrat sah sie schon andere ungefähr in ihrem Alter, die vor einem schweren Tor standen, welches an den Eingang einer älteren Kirche erinnerte. Ein älterer Herr befand sich auf den Stufen vor diesem und bat um mehr Platz. „Tretet bitte beiseite, gleich kehren die Himmelskrieger zurück. Die besten wurden ausgesandt in die zerstörte Welt, um verbliebene Kinder zu retten, die hier ein Zuhause finden und Teil dieser Schule werden können. Und ihr werdet Zeugen dieser wundervollen Tat.“
Kayleens Motivation und auch die der anderen wurde angekurbelt und sie schaute mit hoher Aufmerksamkeit gebannt zu, als der grauhaarige Mann mit voller Stimme fortfuhr: „Gleich wird sich das Dimensionstor öffnen und die neuen Schüler können willkommen geheißen werden.“
Als der Mann geendet hatte weiteten sich Kayleens Augen vor Begeisterung und sie versuchte sich durch die ebenfalls neuen Schüler so weit wie möglich nach vorne zu drängeln, um besser sehen zu können. Sie würde um keinen Preis den Moment, in der sie ihre Idole sehen konnte, verpassen wollen. Unbedingt wollte sie irgendwann auch zu ihnen gehören, zu den Eliten. Sie würde zu den Besten und mit ihrer Familie zum stolzen Adel gehören. Mit ihren Kameraden würde sie dann die Welt etwas sicherer machen.
Sie schaffte es nach ganz vorne zu kommen, als genau in demselben Moment sich das Dimensionstor öffnete. Ein paar Meter vor ihr führten wenige marmorne Stufen zum schweren Tor und sie musste leicht hoch schauen um das Spektakel betrachten zu können. Obwohl täglich Schüler die paar Stufen erklommen, waren sie erstaunlich sauber gehalten und reflektierten das Licht hell wieder.
Sie fühlte sich wie ein Zuschauer vor einer Bühne, welcher die Tragödie vor sich abspielen ließ, ohne einzugreifen, um das Schicksal weiter fließen zu lassen.
Jeder wusste doch, das Schicksal war unmöglich zu ändern.
Wie ein schwarzer Riss mitten in der Luft, weitete sich das Tor zur Mannesgröße. Kayleen hörte wie alle, sie miteingeschlossen, den Atem anhielten und gebannt auf das Geschehen vor ihren Augen achteten, um ja keine Sekunde, dessen vor ihnen, zu verpassen.
Aus dem magischen Tor kamen die fünf Eliten dieser Schule und hatten vier weitere Personen bei sich. Diese vier trugen schäbige, zum Teil zerrissene Klamotten und auch sonst hatten sie nichts bei sich. Drei von jenen lagen behutsam, jedoch bewusstlos, in den Armen der Retter und wurden sofort in das Gebäude hinter ihnen in Sicherheit gebracht. Nur die vierte war wach. Sie trug nichts weiter als einen beigefarbenen Rollkragen-Pullover, eine schwarze, dünnen Leggins, die schon einige Löcher abbekommen hatte und zwei verschiedene, schon ausgeblichene und verdreckte Chucks.
Zuerst schaute sie benommen auf die Menschenmenge, die Kayleen mit den Schülern bildete und blieb wie angefroren stehen. Dann wanderte ihr Blick in den Himmel und schien geblendet von der hochstehenden Sonne.
Es kam Kayleen komisch vor, mit ihrem Aussehen stimmte was nicht. Warum sollte man sich die Haare grau färben lassen? Vielleicht war es damals in der Mode gewesen? In zwei geflochtenen langen Zöpfen hingen jene locker am Rücken herab. Und ihre Augenfarbe, sie waren braun, kein Thema, aber wenn man lang genug hineinschaute, schimmerte ein leichter roter Unterton in ihnen.
Plötzlich schlug sie ohne ersichtlichen Grund den einen Himmelskrieger, der sie festhielt, so hart ins Gesicht, dass dieser zurücktaumelte. Kayleen und einige andere nichts tuende Zuschauer gaben erschrockene Laute von sich. Nachdem er schnell sein Gleichgewicht wieder fand, wollte er zurückhauen, doch das Mädchen nutze seinen Schwung aus, in dem sie erst dem Schlag gekonnt auswich, dem Himmelskrieger am Unter- und Oberarm packte und ihn dann über die Schulter, auf den Boden warf. Man hörte ihn von dem Aufprall keuchen.
Fragte sich Kayleen.
Ob das wohl daran lag, dass sie aus der kam?
Wie es da wohl ist?
Und wie war es da einmal?
Kayleen hatte nur wenige Geschichten über die zerstörte Welt gehört. Kein Teil ihrer bescheidenen Familie kam von dort, weshalb sie nur wenig darüber wusste. Sie gehörte hier in die heile Welt. Das Einzige was sie wusste, war, dass es dort schrecklich kalt und einsam sei. Und noch weniger wusste sie, wie es vor der Zerstörung gewesen war. Aber ihr Unwissen sollte vergehen, denn immerhin würde sie alles darüber in der Schule lernen und sie freute sich schon seit Langem darauf.
Sofort waren die anderen Eliten zur Stelle, nachdem sie wieder aus dem Haupteingang gestürmt kamen. Blitzschnell, sodass Kayleen ihren Bewegungen kaum folgen konnte, standen die Himmelkrieger neben der Wildgewordenen und hielten sie eisern fest. Das Dimensionstor fing an sich langsam zu schließen und Kayleen sah, wie das fremde Mädchen noch ihre rechte Hand befreien konnte und nach dem Tor zu greifen versuchte, dieses aber nicht erreichte.
Sie schrie: „NEIN! ICH WILL ZURÜCK!“. Noch einmal versuchte sie sich aus den Klauen ihrer Retter zu winden.
fragte sich Kayleen entrüstet, Sie verstand das Mädchen nicht. Sie war verrückt.
„MARY! Bleib bei mir. Lasst mich los verdammt!“
, schoss es Kayleen durch den Kopf. Sie hatte es geschafft aus den Griffen der Himmelskrieger zu kommen und nun lief sie mit einem verzweifelten Blick auf das kleiner werdende Dimensionstor zu.
An den Gesichtern der Elite erkannte sie, dass jene das merkwürdige Mädchen deutlich unterschätzt hatten. An Kayleens Ohren drang eine weitere, tiefere Stimme. Es war die eines der kämpfenden Himmelskrieger. Eine Beschwörungsformel, glaubt sie. Und tatsächlich, wie aus dem Nichts, tauchte ein gigantischer Hund auf, der dem fliehenden Mädchen auf Befehl in das Bein biss und sie zu Fall brachte.
Da Kayleen in der vordersten Reihe stand, sah sie wie Tränen aus dem Augenwinkel der Verletzten hinabliefen und wie sie lautlos den Namen „Mary“ formte. Eine kleine Blutlache sammelte sich unter ihrem Schienenbein und der Hund ließ knurrend von ihr ab, nachdem die am Bodenliegende ihr Bewusstsein verlor und kehrte brav an die Seite seines Beschwörers zurück und wedelte erfreut mit seinem Schwanz.
Es wurde immer noch über das Geschehene getuschelt, nachdem der ältere Herr, der sich als Direktor der Schule entpuppte, die jetzt auch Bewusstlose auf die Krankenstation bringen ließ.
„Dank der Himmelskrieger wurden vier junge Menschen aus der gefährlichen Welt gerettet und sie können endlich, hier, ein richtiges Leben anfangen, in Sicherheit.“ Jeder fing zu klatschen und zu jubeln an, als der Direktor endete. Dieser räusperte sich und die Menge verstummte abrupt: „Bevor ich es vergesse,“, Kayleen schmunzelte wegen der offensichtlichen dramatischen Pause, „ich heiße euch herzlich Willkommen. Einige von euch werden von weit hergereist sein, andere wiederum stammen aus unserem bescheidenen Lande. Aber eines gilt für alle.“, er lächelte und seine weisen Augen funkelten,...




