E-Book, Deutsch, Band 3, 512 Seiten
Reihe: Die Dewey-Andreas-Serie
Coes The Last Refuge - Welt am Abgrund
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86552-415-7
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 3, 512 Seiten
Reihe: Die Dewey-Andreas-Serie
ISBN: 978-3-86552-415-7
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Iran droht der Welt mit einer Atombombe!
Kurz vor der Unterzeichnung eines internationalen Friedensabkommens erfahren die Amerikaner von der Existenz einer seit Jahren im Geheimen gebauten Nuklearwaffe des Iran. Wenige Stunden später wird der israelische Informant Kohl Meir aus New York entführt, um in einem der sichersten Gefängnisse der Welt gefoltert zu werden.
Dewey, der Meir und seinen Schajetet-13-Kämpfern das Leben verdankt, plant ein waghalsiges Befreiungskommando. Millionen Menschenleben stehen auf dem Spiel, und jeder Fehltritt kann das Ende bedeuten. Auf den früheren Elitesoldaten wartet sein bislang gefährlichster Einsatz.
San Jose Mercury News: »Action und weltweite Intrigen – besser geht's nicht.«
Brad Thor: »Stellen Sie sich Tom Clancy, Frederick Forsyth und John le Carré auf dem Höhepunkt Ihres Schaffens vor ... dann zünden Sie den Turbo!«
The Nashua Telegraph: »Wieder ein Volltreffer von einem Autor, der gerade in die Liga der weltweit erfolgreichsten Thriller-Autoren aufsteigt.«
Knallharte Politaction von einem Kenner der Materie: Ben Coes war unter Präsident Reagan im Weißen Haus tätig. Sein charismatischer Held Dewey Andreas kann berühmten Kollegen wie Jack Reacher oder Jack Ryan locker das Wasser reichen!
Dieses Buch ist HIER auch als Hörbuch erhältlich.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
ASPEN LODGE
CAMP DAVID
CATOCTIN MOUNTAIN PARK
BEI THURMONT, MARYLAND
Präsident Rob Allaire saß in einem bequemen, rot-weiß gepolsterten Clubsessel. Die Schnürsenkel der abgetragenen Stiefel von L. L. Bean standen offen. Die Füße ruhten auf der Holzplatte des Couchtischs. Allaire trug Jeans und ein verwaschenes rotes Polohemd von Lacoste. Die länger nicht geschnittenen braunen Haare wirkten ungekämmt und er hatte sich eine Weile nicht rasiert.
Rechts neben Allaire lag Ranger, sein Golden Retriever, und schlief. Auch vor dem Kamin hatte sich ein dösender Hund niedergelassen, eine alte Bulldogge, die auf den Namen Mabel hörte. Sie schnarchte so laut, dass Allaire immer wieder zu ihr hinüberschaute.
Die meisten Amerikaner hätten den Anblick eines leicht mitgenommenen Präsidenten der Vereinigten Staaten wohl als befremdlich, wenn nicht gar schockierend empfunden. Allaire sah aus, als habe er zwei Tage lang nicht geduscht und das ganze Wochenende über dieselbe Hose getragen, ein halbes Klafter Holz gehackt, sei stundenlang gewandert und habe sich zweimal beim Tontaubenschießen amüsiert. Und tatsächlich war es exakt so gewesen.
Vermutlich hätte es den meisten Amerikanern aber auch gefallen, den Präsidenten voll in seinem Element zu erleben: seine schlichte Begeisterung für die Natur, die Zuneigung zu den Hunden und die Tatsache, dass er Spaß an harter körperlicher Arbeit fand. Und sicher hätte es ihnen ebenfalls gefallen, dass er sich jetzt, um Viertel nach fünf nachmittags an diesem stürmischen und regnerischen Samstag im April, diebisch über die Flasche Bier freute, die ihm einer der Angestellten von Camp David hinstellte, während er entspannt in die Flammen des Kamins blickte.
»Danke, Ricko.«
»Bitte, Mr. President.«
In seinen sechs Amtsjahren hatte Präsident Allaire Camp David insgesamt 122 Besuche abgestattet. Bis zum Ende seiner Amtszeit würde er wohl keinen neuen Rekord darin aufstellen, die meiste Zeit auf dem Landsitz verbracht zu haben. Als ungebrochener Rekordhalter galt nach wie vor Ronald Reagan, der in zwei Amtsperioden 186-mal auf dem Gelände gewesen war. Dennoch liebte Allaire Camp David ebenso sehr wie Reagan, Bush Senior und Junior und all die anderen Staatsoberhäupter der USA, seit Franklin Roosevelt den Landsitz vor fast 100 Jahren bauen ließ. Allaire schätzte sowohl die ländliche Idylle und Abgeschiedenheit als auch die Tatsache, dass Camp David es ihm ermöglichte, den Intrigen, Lügen, Listen und Schmeicheleien von Washington zu entfliehen. Wenn sie ihn wegen seiner ständigen Flucht nach Camp David und seiner konservativen Politik mit Reagan verglichen, sollte ihm das nur recht sein. Allaire glaubte an Überzeugungen und daran, sich in allen Lebenslagen daran zu halten, unabhängig davon, was die Umfragen oder der Zeitgeist sagten. Dafür liebte Amerika Rob Allaire.
Allaire nippte an seinem Budweiser und starrte auf das iPad im Schoß. Er beugte sich näher heran, um besser sehen zu können, und rückte seine Brille zurecht. Dann blickte er auf. Gegenüber von ihm saß John Schmidt, sein Kommunikationschef, vertieft in ein Buch.
»Ich kann auf diesem verdammten Teil nichts lesen«, brummte Allaire.
»Sie sind derjenige gewesen, der sagte, er braucht eins. Wissen Sie noch? ›Das ist die Zukunft‹ und so?«
»Tja, ich habe meine Meinung eben geändert. Ich habe es satt, so zu tun, als ob ich diese blöden Geräte mag.«
Schmidt nickte.
»Dann kehren wir eben zum bewährten Notizbuch zurück, Sir.«
»Gut. Aber was anderes: Haben Sie den Leitartikel unserer Freunde von der New York Times gelesen? Woher zur Hölle weiß die Redaktion der New York Times, was gerade in Genf los ist?«
»Das kommt direkt vom Schweizer Außenministerium«, berichtete Schmidt. »Die rechnen sich das als ihren Verdienst an, und das ist gar nicht mal so schlecht. Wenn es den öffentlichen Druck auf Teheran erhöht, kann uns das nur helfen.«
Es klopfte an der Tür. Zwei Männer traten ein: Hector Calibrisi, der Leiter des CIA, und Tim Lindsay, der Außenminister.
Beide trugen wetterfeste Kleidung, denn sie kamen geradewegs vom Scheibenschießen auf dem privaten Schießstand. Calibrisi galt als Meisterschütze. Beim CIA war er über den paramilitärischen Arm aufgestiegen, daher konnte er sicher und geschickt mit beinahe jeder Waffe umgehen. Als ehemaliger Marinegeneral und erfahrener Jäger stand ihm Lindsay allerdings in nichts nach.
»Wen haben wir denn da? Butch Cassidy und Sundance Kid«, begrüßte Allaire die beiden Männer mit einem breiten Grinsen, während sie die Stiefel auf der Fußmatte abtraten und ihre Wachsjacken auszogen. »Hat einer von euch was getroffen?«
»Nein, Mr. President«, gab Calibrisi höflich zurück. »Wir hätten es für unhöflich gehalten, mehr Scheiben zu erwischen als Sie.«
Allaire lachte.
»Schlaumeier«, murmelte er, als Ricko erneut an der Sitzecke vor dem Kamin auftauchte. Dann fragte er lauter: »Haben Sie denn noch Zeit für einen Drink, bevor Sie nach Washington zurückfahren?«
»Natürlich.« Calibrisi nickte. »Ich nehme dasselbe wie der Präsident, Ricko.«
»Bourbon«, orderte Lindsay. »Pappy van Winkle, falls noch welcher da ist. Wenig Eis. Danke, Ricko.«
»Gerne, Sir.« Der bebrillte Bedienstete verschwand in die Küche.
»Aber mal im Ernst«, wollte Allaire wissen, »wer hat denn nun gewonnen?«
»Das ist doch kein Wettbewerb.« Calibrisis selbstbewusstes Lächeln ließ trotzdem keinen Zweifel daran, wer an diesem Nachmittag mehr Scheiben getroffen hatte. Er ging zu einem der Sofas und setzte sich.
»Ich bin verdammt noch mal 64 Jahre alt«, beschwerte sich Lindsay gut gelaunt, während er sich neben Schmidt auf das andere Sofa sinken ließ. »Ich war überrascht, dass ich überhaupt was treffe.«
»Das hab ich doch schon mal irgendwo gehört«, bemerkte Allaire mit einem Kopfschütteln und nahm einen weiteren Schluck Bier. »Bevor Sie meine 20 Dollar eingesackt haben.«
»Ach, das war eben mein Glückstag, Mr. President«, winkte Lindsay ab. Ricko brachte die Drinks auf einem Tablett herein.
Die vier Männer saßen noch lange zusammen und plauderten über das Scheibenschießen und die Jagd. Der Präsident erheiterte die anderen mit einer Anekdote über den früheren Vizepräsidenten Cheney, mit dem er in seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien einmal auf Taubenjagd gegangen war, und zwar wenige Monate nachdem Cheney jemanden mit seinem schlecht gezielten Schuss verletzt hatte. Da er zu den wirklich guten Geschichtenerzählern gehörte, brachte er die anderen mühelos zum Lachen.
Allaire stand auf und schob ein paar weitere Scheite ins Feuer. Mit dem Schürhaken stocherte er noch ein wenig im Holzhaufen herum, bevor er zufrieden zu seinem Sessel zurückkehrte.
»Bevor wir verschwinden, Mr. President«, meldete sich Lindsay zu Wort, »müssen wir noch kurz über den Vorschlag des Schweizer Außenministers sprechen.«
»Das haben wir doch bereits besprochen. Ich habe Ihnen meine Antwort schon vor zwei Tagen gegeben, Tim. Ich weigere mich, mit dem iranischen Präsidenten an einem Tisch zu sitzen. So einfach ist das.«
»Aber Botschafter Veider ist der Auffassung, wenn wir einem Gipfel zustimmen – Sie sich also persönlich mit Präsident Nava treffen –, wird der Iran seine atomaren Bestrebungen aufgeben und eventuell sogar zustimmen, in Gespräche mit Israel einzutreten.«
»Dem Iran traue ich keinen Meter über den Weg«, widersprach Allaire. »Die lügen. Ich hab diesen Film schon mal gesehen, Tim. Das Ende gefällt mir nicht.«
Lindsay nickte beschwichtigend.
»Wir müssen das größere Ziel im Auge behalten«, insistierte er. »Die iranische Regierung hat einen Schritt auf uns zu gemacht. Dieses Treffen könnte der erste Schritt sein, die Beziehungen zwischen unseren Nationen endlich zu normalisieren.«
»Sie führen die Schweizer an der Nase herum und jetzt versuchen sie dasselbe mit uns«, sagte Allaire. Er nickte Ricko quer durch den Raum zu, um ihm zu signalisieren, dass er ein weiteres Bier haben wollte. »Das ist nur ein Ablenkungsmanöver, mit dem Präsident Nava uns dazu verleiten will, den eigentlichen Spielball aus den Augen zu verlieren. Während er der Welt und der New York Times einen Sinneswandel vorgaukelt, steckt der Iran weiterhin Millionen von Dollar in die Unterstützung von Hisbollah und al-Qaida. Und sie basteln nach wie vor an ihrer Atombombe.«
»Wir haben keine stichfesten Beweise, dass die Iraner eine Atombombe entwickeln, Sir«, gab Lindsay zu bedenken.
»Jetzt geht das wieder los«, sagte Allaire kopfschüttelnd.
»Wir wissen, dass sie es tun, Tim«, sprang Calibrisi ihm bei. »Sie verfügen über genug waffenfähiges Uran, um mindestens ein halbes Dutzend nukleare Waffen zusammenzubauen. Sie sind im Besitz der notwendigen Uran-Deuterium-Zünder, das wissen wir. Es handelt sich um Fakten. Sie stehen ganz kurz davor.«
»Unser Ziel, Mr. President, besteht darin, den Iran in die Enge zu treiben«, rief ihm Lindsay in Erinnerung. »Und das tun wir, indem wir es den Schweizern gestatten, unsere Länder an einen Tisch zu bringen. Wir springen ins kalte Wasser und setzen uns mit Präsident Nava zusammen. Er wird sich öffentlich zu mehr Transparenz bekennen, woraufhin wir Atomwaffeninspektoren entsenden – und schon sitzen sie in der Falle.«
Allaire nickte und schwieg.
»Wir müssen nur bereit sein, uns wie erwachsene Menschen zu verhalten«, fuhr...




