Cohen | Ab morgen für immer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Cohen Ab morgen für immer

Liebesroman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95576-799-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Liebesroman

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-95576-799-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Das klassische Szenario: Mann trifft Frau ... Frau geht mit einem anderen nach Hause. So beginnt die Geschichte von der quirligen Eve und dem realistischen Ben. Ein halbes Jahrzehnt lang lieben sie aneinander vorbei und verlieren sich dennoch nie aus den Augen. Doch plötzlich scheint ihre gemeinsame Zeit gekommen zu sein. Nach einer überraschenden Liebesnacht entsteht zwischen ihnen etwas Neues. Wird diese zarte, zerbrechliche Verbindung halten - vielleicht sogar für immer?
»Eine junge Nora Ephron.«
David Duchovny



Leslie Cohen ist in New York City geboren und aufgewachsen. Sie studierte an der renommierten Columbia University Literatur. Nach dem Abschluss arbeitete sie unter anderem als Musikjournalistin für eine Tageszeitung in Colorado. »Ab morgen für immer« ist ihr Debütroman.

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Eve

Zufluchtsort in Morningside Heights

Es war unser letztes Jahr am College, und wir wollten eine Party schmeißen. Das Motto war »Müll«.

Unsere Wohnung war mit schwarzen Abfallsäcken und blinkender Weihnachtsbeleuchtung dekoriert. Von der Decke hing das Wort »MÜLL« in riesigen Lettern herab.

In dieser Nacht würde etwas passieren, das war unser erklärtes Ziel. Wir alle hatten das Gefühl, als würde etwas ganz Großes bevorstehen. Es spielte keine Rolle, wie häufig wir in der Vergangenheit enttäuscht worden waren, wie oft wir uns chic gemacht hatten und dann Stunden später ins Bett gefallen waren – ohne etwas anderes vorweisen zu können als einen leichten Schwindel, heftige Kopfschmerzen und einen Morgen, an dem wir uns erst mal erholen mussten. Wir waren hartnäckig genug, uns nicht unterkriegen zu lassen, dachten gar nicht daran. Stattdessen spürten wir eine noch stärkere Energie, sobald die Sonne wieder unterging. Wie unter Zwang klappten wir die Bücher zu, schüttelten die Trägheit unseres Nachmittagsschläfchens ab, zogen uns an, schmiedeten Pläne, schickten Nachrichten raus und hofften, dass sie Gehör fänden.

Es war die Macht der Möglichkeiten, das Gefühl grenzenloser Spannung, das ganz New York überfällt, sobald es dämmert – und die Räume hinter den Fenstern wirken, als würden sie schlafen. Es ist diese Zeit, ehe die Dunkelheit sich über die Stadt legt wie eine riesige Decke und die ersten Lichter aufflammen. Manchmal ängstigte mich diese unermessliche Weite, die darauf wartet, mit Leben angefüllt zu werden. Aber nicht heute Abend. An diesem Abend war ich bereit. Licht an, Manhattan! dachte ich, klatschte in die Hände und stand am Fenster unserer Wohnung, als wäre ich allein in der Lage, all diese kleinen quadratischen Schachteln da draußen mit hellem Licht zu erfüllen. Mir vorzustellen, ich hätte tatsächlich die Kontrolle, war verlockend. Du machst mir keine Angst, musste man sich einfach sagen, während man auf die Stadt schaute. Ich fürchte mich nicht vor dir, verdammt. Allerdings musste man es auch wirklich glauben.

Zusammen mit drei anderen Mädchen lebte ich in einer Vierzimmerwohnung auf dem East Campus, einem Studentenwohnheim zwischen der 117. und 118. Straße, in dem überwiegend Columbia-Studenten der höheren Semester untergebracht waren. Von meinem Fenster aus konnte ich den gesamten Campus überblicken, sah in der Ferne den Hudson River und die rosafarbenen Wolken, die sich über die Granitkuppel der Low Library senkten. In unserer Welt war die Low das Pantheon, und jenseits der Low gab es nur Gebäude – rätselhafte, anonyme Gebäude. Wir hatten einen Panoramablick über die Stadt, fast von einer Wand bis zur anderen, und doch achteten wir kaum darauf. Alles, was für uns wichtig war, passierte innerhalb der Mauern von Wohnung Nummer 1603. Nur ab und zu warfen wir einen Blick auf den Rest des Universums. Manchmal genossen wir es, uns vorzustellen, dass wir in unserer Festung hoch oben in Morningside Heights das Schicksal der Stadt in unseren Händen hielten.

Ich hatte Jesse Prescott zur Party eingeladen, einen Typen aus meinem Kurs »Lyrik und die Orte in der modernen Landschaft«, mit dem ich seit Monaten flirtete. »Glücklich bis ans Ende aller Tage«, das war der Titel des Gedichts, das ich ihm vorgetragen hatte – na ja, in Wirklichkeit hatte ich es dem gesamten Kurs vorgelesen. Ja, genau. Ich hatte es laut vorgelesen. Menschen. Mit Ohren. Das machte mir noch immer zu schaffen. Zum Glück war es nicht das erste Mal gewesen. Ich hatte mir das in den vergangenen Jahren in den Schreibkursen schon hundert Male angetan. Ich hatte gelernt, es durchzustehen. Es gibt Überlebensmechanismen, die sich in Situationen wie dieser sofort einschalten. Du machst mir keine Angst, musste man sich einfach sagen, bevor man anfing zu lesen. Ich fürchte mich nicht vor dir, verdammt.

Ich war verblüfft gewesen, dass er danach noch mit mir reden wollte, dass er immer noch mit mir reden wollte, obwohl er sich dieses hyperemotionale Geschwafel angehört hatte.

Und plötzlich sieht sie alles in einer erstaunlich brutalen Klarheit.

Jene Art von Klarheit, in der die Wirklichkeit hoffnungslos wird

und du dir eine vollkommen neue Wirklichkeit wünschst,

in der du dich darauf verlassen kannst, dass die Gedanken heiterer sind.

Sie fragt sich, ob alles in der Welt fließend ist.

Die Liebe verblasst.

Die verlockenden Erwartungen brechen weg.

Die Wirklichkeit schleudert sie an einen fremden, unbewohnten Ort, dem sie ausgeliefert ist.

Alles scheint so weit außerhalb ihrer Reichweite zu liegen wie die gelben Lichter,

die sich in atemberaubender Geschwindigkeit hinter dem Mann drehen …

»Es hat mir gefallen«, sagte er, als Professor Rosario ihn aufforderte, sich dazu zu äußern, und schon allein wegen dieser Worte hatte er es verdient, eine Einladung zu unserer Müllparty zu kriegen. Aus reinem Selbstschutz sagte ich mir unzählige Male, dass er vielleicht nicht kommen würde. Irgendwie war es entscheidend geworden, ob er auftauchte. Sobald ich an den Tagen vor der Party daran dachte, war ich aufgeregt. Dann betrachtete ich mich und fragte mich, wie es so weit hatte kommen können.

Doch bevor irgendetwas passieren konnte, musste er ja erst mal tatsächlich an diesem Abend auftauchen und im sechzehnten Stock des East Campus erscheinen, eines Studentenwohnheims, das zu einem verrückten Zufluchtsort geworden war.

»Es ist Zeit zum Feiern! Partytime! Erzählt allen, dass es losgeht!«, sang meine Mitbewohnerin Scarlett. »Heute Abend will ich jemanden kennenlernen, der mich umhaut. Und dann will ich ihm das Herz brechen. Danach werde ich darum kämpfen, ihn zurückzugewinnen, ehe er mir das Herz bricht und ich dann all seine Besitztümer verbrenne.«

Ich lachte. »Was für ein Plan«, erwiderte ich und beobachtete, wie sie versuchte, das Gleichgewicht zu halten, indem sie sich mit der Hand an der Wohnzimmerwand abstützte, während sie mit der anderen glänzend schwarze High Heels mit Zwölf-Zentimeter-Absätzen anzog. An ihren Füßen sahen sie weitaus eleganter aus als in ihrer üblichen Position – in Scarletts Hand baumelnd, wenn sie am Ende einer Nacht barfuß nach Hause taumelte.

Irgendwo im Flur piepte ein Telefon. Der Ton hallte wider und schien durch die ganze Wohnung zu klingen. Nach nur wenigen Sekunden konnte ich durch die Zimmerwand hören, wie meine Mitbewohnerinnen sich darüber unterhielten.

»Es ist eine 917er- Nummer.«

»Puh, aber die Sprachnachricht ist nur dreißig Sekunden lang. Das kann nicht wichtig sein. Er sagt bestimmt ab.«

»Woher willst du das wissen?«

»Weil sie nur dreißig Sekunden lang ist. Was kann er mir in dieser kurzen Zeit mitteilen, außer, er will absagen? Und warum sonst sollte er sich so spät melden? Wenn er käme, hätte er früher angerufen. Außerdem hätte er dann keine Nachricht hinterlassen.«

»Ruf die Nummer zurück. Warum bist du so negativ?«

»Will ich ja gerade. Lass mich nur ein paar Minuten warten. Ich muss darüber nachdenken. Schließlich kann ich nicht einfach anrufen

Das Leben in Wohnung Nummer 1603 war der reinste Gefühlsrausch. Im Grunde war es ein Ort, an dem die Gefühle Spring Break feierten. Wo sie durchdrehen konnten, einfach sich selbst genießen – und nicht von Dingen wie Logik und guten Beurteilungen beeinflusst wurden. Und das galt besonders vor einer Party. Die Klamotten flogen. Die Aufregung wuchs. Wenn endlich die ersten Gäste eintrafen, war ich stets überrascht, noch aufrecht stehen zu können.

Ich hörte, wie jemand meinen Namen rief. »Eve!« Also ging ich in die Richtung, die Treppe hinunter, die vom Wohnzimmer in einen kleinen Flur und zu den Schlafzimmern führte. Langsam und misstrauisch näherte ich mich dem Zimmer meiner Mitbewohnerin Maya. Bei Maya wusste man nie.

Im Türrahmen blieb ich stehen.

»Ich habe eine Frage, Evelyn J. Porter, MD, PhD«, meinte sie.

»Einfach nur Eve. Kein J. Und ganz sicher ohne Erwähnung meines Bachelor-Abschlusses«, entgegnete ich lächelnd.

»Ich habe nur versucht, es offizieller klingen zu lassen. Ich habe mich von Todd getrennt«, erklärte sie und fuhr fort, ehe ich überhaupt die Chance hatte zu regieren. »Hältst du mich für einen selbstsüchtigen Menschen?«

Ehe ich antwortete, hielt ich kurz inne. Maya war die unberechenbarste meiner Freundinnen. Sie war eine wunderschöne junge Frau mit indischen Wurzeln, die stets eine riesige, schwarz umrandete Brille und Converse-Turnschuhe trug. Gleichzeitig war sie dafür bekannt, freundlich und mit einer sanften Stimme um Rat zu bitten, nur um völlig auszurasten, wenn ihr nicht gefiel, was man antwortete.

»Was meinst du?«, hakte sie nach. »Ich möchte wirklich wissen, was du denkst. Sag mir ganz ehrlich deine Meinung.« Die Lider ihrer großen braunen Augen drohten zu flattern. Dieses zierliche Mädchen, das da auf der dunkelroten Bettdecke saß, neben sich ein gerahmtes Foto von einer Eiskugel in einem Waffelhörnchen, schüchterte mich ein.

»Ich glaube nicht, dass du selbstsüchtig bist«, entgegnete ich. »Nicht mehr als jeder andere auch.«

»Also denkst du, dass er anrufen wird?«

»Na ja, wenn du dich von ihm getrennt hast …«

»Du meinst, er wird nicht anrufen?«,...



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