Cole | Dunkles Schicksal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Reihe: LYX.digital

Cole Dunkles Schicksal


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9661-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9661-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Kinder haben sich Thronos, Lord von Skye Hall, und Lanthe, ein keckes Sorceri-Mädchen, ewige Liebe geschworen. Für Lanthe war Thronos bereit, seinen Vrekener-Clan anzuzweifeln. Doch dann gerieten die beiden in den Mittelpunkt einer tödlichen Familienfehde - und seitdem sind sie erbitterte Feinde. Aber selbst jetzt, nachdem Jahrhunderte vergangen sind, kann nichts das Verlangen nach der anmutigen Zauberin stillen, das noch immer in Thronos brodelt ...

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Prolog

Tief in den Alpen, Reich der Menschen

Vor etwa fünfhundert Jahren

Lanthe kroch auf Händen und Knien durchs Gras, auf der Suche nach Beeren und Löwenzahn – irgendetwas, um den quälenden Hunger zu stillen, denn ihr Magen drohte sich inzwischen schon selbst zu verdauen.

Ihre ältere Schwester Sabine, oder Abie, wie Lanthe sie nannte, sollte bald aus dem nahe gelegenen Dorf der Sterblichen zurück sein, wohin sie sich auf der verzweifelten Suche nach Nahrung begeben hatte. Lanthe hatte sie begleiten wollen, doch ihre Schwester hatte gesagt, dafür sei sie mit neun Jahren noch zu jung.

Also wartete Lanthe auf dieser Wiese auf ihre Rückkehr. Es war Lanthes Lieblingsort, unterhalb der hoch aufragenden Abtei mitten in den Bergen, wo sie mit Sabine und ihren Eltern lebte. Ein Tannenwald umgab die kleine Lichtung, und ein beschaulicher See spiegelte den Himmel wider.

Hier konnte sie Kaninchen dazu verführen, sich Löwenzahn mit ihr zu teilen. Sie gab den Tieren Namen und redete mit ihnen. Manchmal lag sie auch stundenlang einfach nur inmitten der Blumen und blickte zu den bauschigen weißen Wolken auf, um deren Umrisse zu deuten.

Doch heute war der Himmel wolkenlos. Darum runzelte sie verwundert die Stirn, als ein Schatten an der Sonne vorbeiglitt.

Sie beschirmte die Augen, um hinaufzuschauen, und sah … Schwingen. Tödliche Schwingen. Sie gehörten einem Jungen, der genauso fassungslos zu sein schien wie sie. Er war ein Vrekener! Ein Feind ihrer Art.

Als sie sich hastig erhob, trafen sich ihre Blicke. Seine Augen waren so weit aufgerissen wie ihre. Sie starrten einander an – bis er mit dem Kopf voran in eine Tanne flog.

Sobald der Zauber gebrochen war, raffte sie ihre Röcke und rannte um ihr Leben. Doch noch ehe sie die Deckung des Waldes erreichen konnte, landete er direkt vor ihr und spreizte seine Flügel.

Es verschlug ihr den Atem. Die Flügel des Vrekeners waren gezackt – eher wie bei einer Fledermaus als einer Taube – und liefen unten in drei Spitzen aus. Die Spitzen, die dem Körper am nächsten waren, besaßen eine tödliche silberne Kralle.

Sie wandte sich um und wollte in eine andere Richtung fliehen, um nicht in Richtung des Sees zu laufen. Wieder holte er sie ein und versperrte ihr mit seinen Flügeln den Weg. Auf der Innenseite waren sie grau und von verzweigten Linien aus Licht überzogen.

Es war sinnlos zu fliehen, und niemand würde ihre Schreie hören. Ihre Eltern befanden sich oben in der Abtei. Die beiden Eremiten waren vollauf damit beschäftigt, noch mehr Gold herzustellen. Ob Sabine wohl Lanthes verstümmelten Körper hier unten finden würde?

Ich werde kämpfen. Bei dem Gedanken begann sie zu zittern.

»Ich rieche Magie an dir«, sagte der Vrekener und kniff die lebhaften grauen Augen zu Schlitzen zusammen. »Bist du etwa eine kleine Sorcera?«

Es hatte keinen Zweck, ihre Spezies zu verleugnen, also hob sie drohend die Hände. Augenblicklich sammelte sich Energie in ihnen, und Wirbel metallisch blauen Lichts leuchteten in ihren Handflächen.

»Ich bin die Königin der Überzeugungskünste, eine große und schreckliche Zauberin«, verkündete sie in unheilschwangerem Ton, obwohl sie am liebsten auf ihren Fingernägeln gekaut hätte. »Wenn du dich mir auch nur einen Schritt näherst, Vrekener, bin ich gezwungen, dir wehzutun.«

Lanthe wollte ihre Kräfte gar nicht benutzen. Jedes Mal, wenn sie das tat, endete es in einer Katastrophe. Aber gegen einen Vrekener würde sie es tun müssen. Selbst wenn er der hübscheste Junge war, den sie sich vorstellen konnte.

Er wirkte ein, zwei Jahre älter als sie, hatte gebräunte Haut, breite Wangenknochen und sandbraunes Haar, das ihm in die Stirn fiel und seine Hörner umspielte. Diese aus seinem Schädel herausragenden Spitzen waren glatt und silbrig. Außerdem besaß er ebenmäßige weiße Zähne und sogar ein Paar Fangzähne. Sie verspürte das verrückte Verlangen, einen dieser spitzen Zähne mit dem Zeigefinger zu berühren.

Die kleine Demonstration ihrer Zauberkräfte schien ihn nicht im Mindesten zu beeindrucken. »Oder vielleicht bist du ein kleines Lamm«, sagte er, als ob sie gar nicht gesprochen hätte. »Vom Himmel aus siehst du jedenfalls wie eines aus, wie du da in deinem weißen Kleid herumkrabbelst und Blumen frisst.«

Ihr Kopf zuckte zurück. »Was?«, brachte sie heraus. Scherzte er etwa mit ihr?

Allerdings. Seine Augen funkelten vor Belustigung. Während sie um ihr Leben fürchtete – und das seine bedrohte –, benahm er sich, als ob er gerade eine neue Spielgefährtin gefunden hätte.

Eine Spielgefährtin, die er sich sehnlichst gewünscht hatte.

»Wie lautet dein Name?«

Sie war so verwundert, dass sie unwillkürlich »Melanthe« sagte.

Er probierte den Klang des Namens aus. »Me-lan-the.« Dann presste er sich die Hand auf die Brust. »Ich bin Thronos Talo, Prinz von Skye Hall.« Sein Ton verriet, welche Bedeutung er dieser Tatsache beimaß.

Sie sah ihn blinzelnd an. »Hab noch nie von dir gehört.« Dann warf sie einen Blick über ihre Schulter zurück auf die Abtei. Falls ihre Schwester diesen Vrekenerjungen in Lanthes Nähe entdeckte, würde sie ihn mit ihren fantastischen Kräften umbringen.

Lanthe konnte es gar nicht leiden, wenn Dinge umgebracht wurden, nicht einmal gut aussehende Vrekener.

Als Königin der Illusionen konnte Sabine ihre Opfer alles sehen lassen, was sie wollte, indem sie das Erscheinungsbild ihrer Umgebung veränderte. Außerdem war sie imstande, in den Verstand einer Person einzudringen, deren schlimmsten Albtraum herauszufinden und ihn ihr dann zu präsentieren.

Ihre Mutter hatte dazu einmal fröhlich erklärt: »Wenn dein Gegner mit seinem schlimmsten Albtraum konfrontiert wird, wird er sich höchstwahrscheinlich selbst töten!« Dennoch hatte ihre Mutter Sabine geistesabwesend ein goldenes Schwert gereicht. »Wenn deine Schwester und du eure Kindheit und Jugend überleben wollt, solltest du damit umgehen können …«

»Ist das der Ort, an dem du lebst?«, fragte der Vrekener in ihre Gedanken hinein. War er ihrem Blick auf den Berggipfel gefolgt?

»Nein! Ganz und gar nicht. Wir leben weit von hier entfernt. Ich musste viele Meilen gehen, um zu dieser Wiese zu gelangen.«

»Tatsächlich?« Offensichtlich nahm er ihr das nicht ab, doch ihre Lüge schien ihn nicht zu verärgern. »Seltsam nur, dass ich Zauberei aus dieser Richtung spüre, und zwar eine Menge.«

Vrekener spürten Sorceri anhand ihres Geruchs auf – und durch die Spuren ihrer Energie. Lanthe würde ihre Eltern ermahnen müssen, größere Vorsicht walten zu lassen. »Ich weiß nicht, was du meinst.«

Er verfolgte das Thema nicht weiter. »Was sind Überzeugungskünste?«

Sie blickte auf ihre Handflächen hinab und erschrak über die Menge an Zauberkraft, die sie beschworen hatte. Wollte sie ihm tatsächlich etwas antun? Er wirkte nicht sonderlich bedrohlich.

Sie schürzte die Lippen und rief ihre Kräfte zurück. »Ich kann jeden dazu bringen, das zu tun, was ich will. Das nennt man Überzeugungskraft, aber eigentlich sollte es Befehlsgewalt genannt werden.«

Vor Jahren, als sie ihre Kraft zum ersten Mal eingesetzt hatte, hatte sie Sabine verärgert befohlen, den Mund zu halten. Eine ganze Woche lang konnte niemand begreifen, warum Sabine den Mund nicht öffnen konnte. Ihre Schwester wäre um ein Haar verhungert.

»Das klingt beeindruckend. Dann bist du also genauso mächtig wie hübsch?«

Ihre Wangen glühten heiß. Er fand sie hübsch? Sie blickte auf ihr abgenutztes Kleid hinab. Mittlerweile war es durch wiederholtes Waschen beinahe weiß ausgebleicht, doch früher war es farbig gewesen. Sorceri liebten Farben. Ihre Füße waren nackt, da sie aus ihren Schuhen herausgewachsen war. Sie fühlte sich nicht besonders hübsch.

»Ich bin sicher, das bekommst du dauernd zu hören«, sagte er überzeugt.

Nein. Ganz und gar nicht. Sie traf nur selten jemanden, der nicht zur Familie gehörte. Und wenn Sabine ihr einmal ein Kompliment machte, dann bezog es sich auf Lanthes Kräfte – nicht auf ihr Aussehen. Und ihre Eltern schienen sie manchmal überhaupt nicht wahrzunehmen.

Der Junge schritt langsam auf sie zu.

»Warte mal, was tust du denn?« Sie wich auf unsicheren Füßen zurück, bis sie gegen einen Baum stieß.

»Ich wollte mich nur einer Sache vergewissern.« Er beugte sich vor, bis sich sein Gesicht ganz dicht an ihrem Haar befand, und dann … roch er an ihr! Als er sich wieder zurückzog, grinste er frech, als hätte er gerade einen Preis gewonnen oder ein neues Reich entdeckt.

Dieses Grinsen löste in ihr ein Gefühl aus, als wäre sie den ganzen Weg den Berg hinauf gerannt. Ihr Herz hämmerte wie verrückt, und sie schien keine Luft mehr zu bekommen.

»Du riechst nach Himmel – und nach zu Hause.« Er sagte dies, als ob es bedeutsam wäre – eine wichtige und unwiderlegbare Wahrheit.

»Was soll das heißen?« Bei den Göttern, dieser Junge brachte sie wirklich durcheinander.

»Für mich riechst du wie niemand sonst auf der ganzen Welt jemals gerochen hat oder riechen wird.« Seine Augen leuchteten silbern, als würden starke Gefühle in ihm aufwallen. »Es bedeutet, dass du und ich beste Freunde sein werden. Wenn wir erwachsen sind, werden wir … mehr sein.«

Sie hatte sich völlig auf die Worte beste Freunde konzentriert, und vor Sehnsucht schmerzte ihr Herz. Sie...


Cole, Kresley
Nach einer Karriere als Athletin und Trainerin veröffentlichte Kresley Cole 2003 ihren ersten Roman und ist seither eine der international erfolgreichsten Autorinnen von Liebesromanen.

Nach einer Karriere als Athletin und Trainerin veröffentlichte Kresley Cole 2003 ihren ersten Roman und ist seither eine der international erfolgreichsten Autorinnen von Liebesromanen.



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