Cole | The Runaway | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 697 Seiten

Cole The Runaway

Thriller: Du fliehst. Du kannst ihnen nicht entkommen.
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-505-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller: Du fliehst. Du kannst ihnen nicht entkommen.

E-Book, Deutsch, 697 Seiten

ISBN: 978-3-98952-505-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was tust du, wenn der Mensch, dem du am meisten vertraust, Schreckliches von dir verlangt? Sie ist noch ein Kind, doch ihre Augen sind die einer Erwachsenen, die zu viel durchmachen musste ... Die junge Cathy und ihr Freund Eamonn gehen durch dick und dünn. Das müssen sie auch, denn sie wachsen in einer harten Realität auf, in der Misshandlungen an der Tagesordnung sind. Als ihre Lage unerträglich wird, flüchten sie sich in ein Leben auf der Straße. Doch während Cathy Glück hat, eine Art neue Familie findet und sich in den Clubs von Soho schließlich ein erfolgreiches Leben erarbeitet, verschlägt es Eamonn nach New York, in die Klauen der dort ansässigen Gangs. Jahre später kehrt er zurück nach London - und droht, Cathy wieder mit sich in den Abgrund zu zerren ... »Kraftvoll und unglaublich spannend. Martina Coles Figuren sind unvergesslich.« MirrorAls Kind geht sie durch die Hölle, als Erwachsene holt ihre Vergangenheit sie ein - psychologische Spannung der Bestsellerautorin für Fans von Catherine Shepherd. »Das Buch war packend bis zur letzten Seite und es ist mir schwergefallen, es aus den Händen zu legen. Top Thriller-Drama!« dorothea auf Amazon.de

Martina Cole ist eine britische Spannungs-Bestsellerautorin, die bekannt für ihren knallharten, kompromisslosen und eindringlichen Schreibstil ist. Ihre Bücher wurden für Fernsehen und Theater adaptiert und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Martina Cole hält regelmäßig Kurse für kreatives Schreiben in britischen Gefängnissen ab. Sie ist Schirmherrin der Wohltätigkeitsorganisation »Gingerbread« für Alleinerziehende und von »Women's Aid«. Die Website der Autorin: martinacole.co.uk/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/OfficialMartinaCole/ Bei dotbooks veröffentlichte Martina Cole ihre Thriller »Die Gefangene«, »Die Tochter«, »Kidnapped«, »Perfect Family«, »The Runaway« sowie die Spannungsromane »Eine irische Familie«, »Die Ehre der Familie«, und »Die Abgründe einer Familie«.
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Kapitel zwei


1965

Madge schenkte sich einen gehörigen Schluck Black and White ein und setzte sich wieder auf ihren Stuhl. Sie rülpste laut und sah auf die Uhr. Elf Uhr morgens und immer noch kein Anzeichen von ihrem Mann.

Sie steckte sich eine Zigarette an, drehte das Radio neben sich leiser und ließ die sanften Klänge der Kirchenmusik an sich vorbeirauschen. Sie konnte Cathys Stimme aus der Küche hören, wo sie das Huhn für ihr Weihnachtsessen zubereitete. Das Lachen des jungen Eamonn vermischte sich mit dem ihrer Tochter, und einen Moment lang lächelte sie zufrieden. Dann fiel ihr wieder ein, dass der Vater des Jungen letzte Nacht nicht nach Hause gekommen war, und ihr verging das Lächeln.

Immer öfter blieb er in letzter Zeit fort, und Madge Connor, die sich rühmte, einen Braten schon zu riechen, bevor er in den Ofen geschoben war, musste sich eingestehen, dass es zum Himmel stank. Dass Eamonn sich ab und an mal einen Fehltritt leistete, daran war sie gewöhnt, aber mit dieser Wachtel lief es schon seit Wochen, und daher musste es was Ernstes sein.

Nach fünf Jahren ging er also seiner Wege. Das wusste sie im Herzen so gut, wie sie den eigenen Namen kannte. Brennende Tränen traten ihr in die blassblauen Augen, und ihr Kinn bebte bedrohlich. Sie griff noch mal zum Scotch und zwang sich, die Fassung zu bewahren.

Cathy kam ins Zimmer und brachte ihr ein Schinkensandwich und eine Tasse Kaffee. »Hier, Mom, etwas zum Frühstück.« Sie bemerkte das leere Glas in der Hand der Mutter und verdrehte die Augen. »Mom, du hast es doch versprochen. Kein Alkohol vorm Abendessen. Mrs. Cartwright in der Schule sagt, wenn man tagsüber trinkt, hat man ein Problem mit ...«

Madge fiel ihrer Tochter barsch ins Wort. »Zum Teufel mit der dämlichen Mrs.-Weiß-alles-besser-Cartwright! Wenn ich am Weihnachtstag einen Drink will, dann nehm ich mir einen. Kapiert?«

Cathy erblasste bei dieser aggressiven Tirade, und bei Madge rührte sich ganz kurz das Gewissen. Es war der Alte, der sie wütend machte, nicht ihre Tochter. Als Cathy in die Küche zurückging, rannen ihr die unterdrückten Tränen nun doch übers Gesicht.

Wo mochte er stecken, ihr irischer Macker, dieser Mistkerl? Weihnachten und keine Spur von ihm.

In der Küche trank Cathy ihren Kaffee und zog an ihrer Zigarette. Mit zwölf sah sie aus wie fünfzehn und wusste das sehr wohl. Seit sie denken konnte, hatte sie schon älter gewirkt, als sie war. Jetzt pfiffen sie ihr auf der Straße nach und nannten sie »Schulmädchenluder«.

»Weißt du, wo dein Vater steckt, Eamonn?«

Der Junge, der mit fünfzehn schon an die zwei Meter groß war, zuckte gleichgültig die Achseln. »Wenn ich’s wüsste, würde ich’s ihr eh nicht sagen. Wozu auch? Du weißt doch, wie mein Dad ist – irgendwann kommt er nach Hause, sie prügeln sich, und das wär’s dann bis zum nächsten Mal.«

Cathy nickte. Sie drückte die Zigarette aus und sah nach dem kleinen Huhn im Backofen.

»Riecht ja gut, Mädchen.«

Cathy lächelte. »Ich weiß! Eamonn, darf ich dich was fragen, und du lachst mich bestimmt nicht aus?«

Der Junge nickte, bereits ein breites Lächeln auf den Lippen. Mit seinem Vater teilte er das blendende Aussehen der schwarzhaarigen Iren.

»Würdest du je heiraten?«

Er schüttelte entschieden den Kopf. »Nicht in tausend Jahren, Cath. So was wie das hier mein Leben lang mitmachen? Ich denk nicht dran! Ich bin weg, Kleine, sobald ich meine eigene Knete verdienen kann.«

Sie zündete sich die nächste Zigarette an. »Ich will heiraten und ein hübsches Haus haben und zwei Kinder. Ich will einen Garten mit schönen Blumen darin und einen Ehemann, der mich über alles liebt und regelmäßig arbeiten geht. Und ich koche ihm die schönsten Sachen, und er kann gar nicht aufhören, mich zu küssen ...«

Ihre Worte klangen wehmütig, und statt sie auszulachen, legte Eamonn ihr den Arm um die Schultern und hätschelte sie. »Und genau das alles wirst du auch bekommen.«

Cathy zog an ihrer Zigarette und schüttelte den Kopf. »Nein, werde ich nicht. Jeder anständige Kerl würde vor ihr da drinnen Reißaus nehmen, und ich könnte es ihm nicht mal verdenken. Weißt du, was Desmond Blackburns Vater neulich zu mir gesagt hat? ›Mädchen, du wirst schon bald die Röcke raffen wie deine Mutter, und ich steh als Erster in der Schlangen Der geile Bock! Ich hab ihm gesagt, er soll’s sich selbst besorgen, so sauer war ich, und er hat nur gelacht und gemeint: ›Auf die Sprache verstehst du dich ja schon. Was hat dir Eamonn Docherty denn sonst noch beigebracht?‹ Ich weiß nicht, ob er dich gemeint hat oder deinen Vater.«

»Das hat er also gesagt, was?«

Cathy schob eine Strähne ihres dicken blonden Haares aus der Stirn. »Reg dich bloß nicht auf, das sind die nicht wert. Aber man kann’s den Nachbarn gar nicht übelnehmen, so wie unsere beiden sich aufführen. Denk doch nur an letzten Freitag – wie meine Mom und Betty sich mitten auf der Straße gestritten haben! Ich hab das alles so satt. Sie könnte sich einen anständigen Job suchen. Davon gibt es doch genug, aber nein, für sie kommt das nicht infrage. Wir könnten wegziehen, wo keiner was von uns weiß. Als ich ihr das vorgeschlagen hab, ist sie fast durchgedreht. Manchmal hasse ich sie. Ich weiß, das schickt sich nicht, aber ich kann nicht anders.«

Eamonn nickte verständnisvoll. »Freu dich, dass du nicht denselben Namen trägst wie so’n verrückter Scheißire. Ich hoffe, er kommt nie wieder. Ich hoffe, irgendwo liegt seine Leiche. Anders werd ich ihn doch nie los. Na ja, fröhliche Weihnachten jedenfalls.«

Er grinste sie an, und ohne Grund lachten sie los.

»Weißt du, was echt komisch ist?«, fragte Cathy und blickte hinauf in seine fröhlichen blauen Augen. »Ich mag meine Mom echt, und ich weiß nicht, warum. Den ganzen Tag hockt sie auf ihrem Arsch, und die ganze Nacht lang verhökert sie ihn. Sie rührt keinen Finger im Haushalt und erwartet, dass ein Wunder geschieht und die Sachen gewaschen und gebügelt im Schrank liegen. Sie frisst sich dumm und dämlich und würde sich noch nicht mal ein Ei kochen! Aber trotzdem, manchmal sehe ich sie an, und mir schnürt’s die Kehle zusammen. Als wär sie das Kind und ich die Erwachsene.«

Sie schüttelte fassungslos den Kopf und lachte wieder los.

»Ist doch irre, oder? Im nächsten Moment seh ich sie dann die Straße entlangwatscheln, und schon hasse ich sie von ganzem Herzen. Aber wenn jemand etwas Schlechtes über sie sagt, würde ich ihn am liebsten umbringen. Auch wenn ich weiß, dass es stimmt, was sie sagen.«

Eamonn sah ihr zu, wie sie die Kartoffeln schälte, die Zigarette zwischen den Lippen baumelnd, die Augen zugekniffen gegen den Rauch.

»Nächstes Jahr geh ich von der Schule ab – ich kann’s kaum erwarten, mein eigenes Geld zu verdienen«, sagte er zu ihr. »Ich werd Schauermann. Ich hab den Mumm dafür und auch den Grips, wie mein Alter sagen würde.«

»Da kommst du bestimmt gut zurecht, und die verdienen auch gutes Geld. Ich wünschte, ich könnte einen richtigen Job kriegen.« Cathy richtete das Kartoffelmesser auf seine Brust.

»Eines Tages, ich sag’s dir, eines Tages hab ich alles, was alle anderen auch haben – und noch mehr. Verdammt viel mehr. Denn das hier ist mein Leben nicht, Eamonn, und ich hab vor, das wahrzumachen, was ich gerade gesagt hab.«

Bevor er antworten konnte, ging die Vordertür auf, und Bettys Stimme tönte durch die ganze Wohnung.

»Frohe Weihnachten!« Mit dem Arm voller Geschenke kam sie hereinmarschiert, den Streit mit Madge schon vergessen. »Was duftet denn so gut? Ich wünschte, du würdest zu mir ziehen, Cath. Ich würde dich auch für all das bezahlen, ehrlich!«

Ihre kleinen weißen Zähne blitzten, als Cathy griente. »Ich weiß, dass dus tätest, Tante Bet, aber meine Mom würde es nicht dulden.«

Betty folgte ihr in die Küche. »Hier, Eamonn, du Riesenbaby, nimm mal die Geschenke. Wie ist sie bei Laune?«

Cathy zuckte die Achseln und füllte die Kartoffeln in die Schüssel, in der sie gebacken werden sollten. »Besoffen, wie immer. Er ist wieder nicht nach Hause gekommen. Du weißt doch, wie das ist, Tante Bet. Warum sollte es Weihnachten anders sein? Wie Mom später sagen wird: War doch nur ‘n Tag wie jeder andere.«

Betty zog ihren Biberlammmantel aus und legte ihn sorgfältig über die Rückenlehne eines Küchenstuhls. »Ist aber diesmal was Ernstes, Kleine.«

Eamonn und Cathy sahen sie an.

»Wer ist es denn?«, fragte Cathy.

»Junie Blacklock, die verwitwete. Nichts für ungut, Eamonn, aber du kennst deinen Vater so gut wie wir alle. Was Junie von der Versicherung gekriegt hat, das war ein hübsches Sümmchen, und obendrein ist sie so irisch wie er. Sie hat weder Kind noch Kegel, und gut aussehen tut sie auch, muss ich ihr lassen. Hat sich immer gepflegt, selbst im Krieg. Die vierzig hat sie hinter sich und die wird sie nie wiedersehen, aber das ist doch schnurz, oder? Ich hab’s brühwarm und komplett von der alten Mutter Wacker, und die kennt ihr – wenn’s nicht wahr wäre, käm’s ihr nicht über die Lippen. So wie sie sagt, zieht Eamonn bei Junie ein, und das heißt doch wohl, du ziehst auch da hin, Junge, denn wo er hingeht, da gehst du mit.«

Cathy schloss die Augen und schüttelte bestürzt den Kopf. »Der verdammte Mistkerl! Kann er nicht wenigstens warten, bis die Festtage vorbei sind? Das bringt Mom doch um. Außer mir ist er doch alles, was sie je hatte.«

Eamonn setzte den Kessel auf und sagte: »Na ja, was Gutes hat es auch. Wenigstens werd ich nicht weit entfernt sein von dir. Das ist doch auch was, oder?«

Betty kaute nervös an ihrem...



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