E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: LYX.digital
Cole Verführung der Schatten
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8025-8443-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-8443-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Dämon Cadeon Woede wird von seiner Vergangenheit verfolgt. Vor 900 Jahren wurde sein Bruder Rydstrom vom Thron gestürzt, und Cade glaubt, daran schuld zu sein. Er hat deshalb geschworen, seinen Fehler zu beheben und Rydstrom erneut zum König zu machen. Dafür braucht er die Hilfe der hübschen Halbwalküre Holly, die eine tiefe Leidenschaft in ihm weckt. Einer Prophezeiung zufolge wird Holly ein Kind gebären, welches das Gleichgewicht der Kräfte von Gut und Böse ins Wanken bringen soll. Kann Cade Holly aufgeben, um seinem Bruder Genugtuung zu verschaffen?
Nach einer Karriere als Athletin und Trainerin veröffentlichte Kresley Cole 2003 ihren ersten Roman und ist seither eine der erfolgreichsten Autorinnen historischer und fantastischer Liebesromane.
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Prolog
Rothkalina, das Königreich der Wutdämonen
Ein längst vergangenes Zeitalter
Cadeon Woede stieß zuerst auf die kopflosen Leichen seines Pflegevaters und seiner Pflegebrüder. Alle drei waren bei der verzweifelten Verteidigung ihres Heims umgekommen.
Ihre Überreste lagen auf dem Boden verstreut, nahe eines zerstörten Teilstücks der Barrikaden, die ihren Hof umgaben. Cadeon erkannte in dem grausamen Gemetzel das Werk von Wiedergängern – lebenden Leichen, die von Omort dem Unsterblichen ausgesandt worden waren, dem am meisten gefürchteten Feind ihres Königreichs.
Er blickte sich um und erschauerte. Sein Verstand weigerte sich, zu akzeptieren, was er sah …
Die Mädchen …
Wie der Blitz stürmte er auf den kleinen Hügel hinauf, zu den schwelenden Überresten des Hauses seiner Familie. Möglicherweise war es seinen Pflegeschwestern gelungen, in den Wald zu fliehen. Mit wild pochendem Herzen durchsuchte er die Ruine, während er unablässig dafür betete, dass seine Suche erfolglos bleiben möge. Schweiß lief ihm über das Gesicht und in die Augen und vermischte sich mit Ruß und aufwirbelnder Asche.
An dem Ort, wo sich einst die Herdstelle befunden hatte, fand er die Überreste seiner jüngeren Pflegeschwestern. Sie hatten sie verbrannt, und zwar bei lebendigem Leib. Ihre Muskeln hatten sich in der Hitze zusammengezogen, ihre kleinen Körper auf dem Boden zusammengerollt.
Er taumelte nach draußen und würgte, bis seine Kehle ganz rau war. Niemand hatte überlebt.
Er fuhr sich mit dem Unterarm übers Gesicht und torkelte auf eine alte Eiche zu, an der er sich zu Boden gleiten ließ. Innerhalb eines einzigen Tages hatte man ihm alles genommen, was er auf dieser Welt geliebt hatte.
Die Bedrohung durch Omort war schon seit vielen Jahrzehnten spürbar, doch der dunkle Hexenmeister hatte sich mit seinem Angriff Zeit gelassen. Cadeon fürchtete zu wissen, warum.
Mein eigener Fehler. Er vergrub sein Gesicht in den Händen. Dies alles ist meine Schuld.
Für die meisten, die ihn kannten, war Cadeon ein einfacher Bauer ohne besondere Verpflichtungen. Aber er war von Geburt ein Prinz und der einzige Thronerbe seines Bruders. Ihm war befohlen worden, nach Burg Tornin zurückzukehren, um den Königssitz zu verteidigen.
Cadeon hatte den Befehl verweigert. Wer Tornin beherrscht, beherrscht das Königreich …
Plötzlich drückte sich kalter Stahl gegen Cadeons Hals. Er blickte teilnahmslos auf. Ein Dämon hatte sich hinter dem Baum versteckt gehalten und bedrohte ihn jetzt. Ein Wutdämon.
„Mein Herr wusste, dass du zurückkommen würdest“, sagte der Krieger. Seine Waffe und seine Kleidung verrieten, dass er ein Auftragsmörder war, den Omort gesandt hatte. Ein Verräter seiner eigenen Art.
„Bring’s endlich hinter dich“, flüsterte Cadeon, während sein Blut über die Klinge des Schwertes rann. Ihm war jetzt alles egal. „Worauf wartest du no…“
Ohne Vorwarnung steckte plötzlich ein Pfeil im Hals des Assassinen. Er ließ sein Schwert fallen und umklammerte mit beiden Händen den Pfeil, wobei er sich nur selbst den Hals mit den eigenen Klauen zerfleischte. Cadeon sah ohne jede Gefühlsregung zu. Als der Bastard auf die Knie sank, tauchte ein Reitertrupp auf.
Der Anführer trug leichte Rüstung und einen furchterregenden schwarzen Helm. Einen Helm, der weithin bekannt war. Es war König Rydstrom, Anführer aller Wutdämonen. Cadeons leiblicher Bruder.
Rydstrom setzte den Helm ab und offenbarte sein von Narben entstelltes Antlitz. Den meisten jagte allein dieser Anblick einen Mordsschrecken ein.
In Cadeons Adern wallten Groll und Verbitterung auf. In Gedanken erinnerte er sich an das letzte Mal, dass er Rydstrom gesehen hatte. Damals war Cadeon erst sieben gewesen. Als der Erbe seines Bruders war er vor zwölf Jahren von der königlichen Familie getrennt und fortgeschickt worden, um von nun an versteckt in der Anonymität zu leben, weit weg von Tornin, das häufig das Ziel von feindlichen Übergriffen war.
Die Erinnerung an seine Verbannung überwältigte ihn … Als Cadeons Kutsche sich in Bewegung gesetzt hatte, hatte Rydstrom – der für ihn einmal mehr wie ein Vater gewesen war – mit durchgedrückten Schultern und ausdrucksloser Miene dagestanden.
Cadeon wusste noch, dass er sich in diesem Moment gefragt hatte, ob es seinem Bruder überhaupt etwas ausmachte, dass er fortging.
Jetzt verschwendete der König keinen Atem auf eine Begrüßung seines jüngeren Bruders und machte sich auch nicht die Mühe abzusteigen. „Ich hatte dir befohlen, auf Tornin zu erscheinen.“
Damit er dort als Verwalter herumhockte, während Rydstrom ausgezogen war, um sein Reich gegen die angreifende Vampirhorde zu verteidigen.
„Doch du hast dich geweigert, mit meinen Wachen zurückzukehren“, sagte Rydstrom schroff. „Und dann hast du dich ihnen entzogen wie ein Feigling?“
Cadeon war den Wachen nicht aus Feigheit aus dem Weg gegangen. Seine Loyalität galt in erster Linie seiner Pflegefamilie, und die brauchte seine Hilfe. Da er lesen und schreiben und sich teleportieren konnte, war die Wahl natürlich auf Cadeon gefallen, als man jemanden brauchte, der sich auf den Weg machte, um Hilfe gegen den Mehltau zu suchen, da dieser die gesamte Ernte in der Gegend zu vernichten drohte.
Und niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, dass Omort tatsächlich angreifen würde.
„Bist du gekommen, um mich deswegen zu töten?“, fragte Cadeon mit gleichgültiger Stimme.
„Das sollte ich wahrscheinlich tun“, sagte Rydstrom. „Man hat mir dazu geraten.“ Cadeons Blick flackerte über Rydstroms getreue Offiziere, die mit kaum verhohlener Feindseligkeit auf ihn herabstarrten. „Du bist als Feigling gebrandmarkt. Und nicht nur bei unseren Feinden.“
„Ich bin kein Feigling. Es war nicht mein Leben – ich kannte dich oder diese Familie doch kaum.“
„Nichts davon spielte eine Rolle. Es war deine Pflicht, dort zu sein“, sagte Rydstrom. „Die Burg war ohne Anführer zurückgeblieben. Omort hat die Gelegenheit genutzt, um seine Rebellion zu starten und das Land zu unterwerfen. Er hat die Herrschaft über Tornin an sich gerissen. Er besitzt jetzt meine Krone.“
„Ich bin nicht aufgrund einer einzigen Entscheidung dafür verantwortlich, dass du deine Krone verloren hast. So einfach ist das nicht“, sagte Cadeon, wenn ihn auch der Verdacht quälte, dass genau das durchaus der Fall sein könnte.
„Oh doch. Die Geschicke eines Krieges können durch ein Wort, eine Handlung, selbst durch die Abwesenheit eines Anführers in der Feste eines Königreichs beeinflusst werden.“
Wenn das die Wahrheit war, dann könnte Cadeons geliebte Familie noch am Leben sein.
„Lass es mich dir erklären“, sagte Rydstrom mit beißender Stimme. „Ein kinderloser König zieht aus, um sich gegen einen Überraschungsangriff zur Wehr zu setzen, und sein einziger Erbe, der letzte männliche Nachkomme dieses Geschlechts, weigert sich, seine Verantwortung anzuerkennen. Deutlicher hätten wir unsere Verwundbarkeit gar nicht zum Ausdruck bringen können.“
Cadeon wischte über das Blut an seiner Kehle. „Es war weder meine Krone noch meine Angelegenheit.“
Rydstrom stieg ab und seine Fänge schärften sich vor Wut. Er zog sein Schwert, als er auf Cadeon zuschritt, hob es – und schien überrascht, weil Cadeon sich nicht von der Stelle rührte.
Aber sein Bruder begriff gar nichts. Cadeon hätte hier sterben sollen. Er hatte nichts zu verlieren.
Cadeon zuckte nicht zusammen und verzog keine Miene, als das Schwert nach unten sauste. In Rydstroms Augen blitzte ein flüchtiges Interesse auf, als er dem Assassinen hinter Cadeon den Kopf abschlug.
„Willst du den Tod dieser Leute rächen, Bruder?“
Wut erfüllte Cadeons Brust bei diesem Gedanken. Entschlossenheit stieg in ihm auf. „Ja, ich will Omort töten“, stieß er mit rauer Stimme hervor.
„Und wie gedenkst du das ohne jede Ausbildung zu tun?“
Cadeons friedliches Leben hatte ihn nicht auf das Kriegshandwerk vorbereitet. „Wenn du mich unterrichtest, werde ich nicht eher ruhen, bis ich seinen Kopf habe“, knurrte er. „Und wenn es so weit ist, werde ich ihm deine Krone von seinem Schädel reißen und sie dir zurückgeben.“
Nach längerem Schweigen sagte Rydstrom: „Ein Leben, von Rache angetrieben, ist besser als ein Leben ohne jeden Antrieb.“ Er wandte sich zu seinem Pferd um und rief Cadeon über die Schulter hinweg zu: „Wir lagern heute Nacht im Wald. Kümmere dich um deine Toten und komm dann dorthin.“
Cadeon würde kommen, weil er Omort vernichten musste. Aber zugleich wollte er auch für sein Versagen büßen.
Denn aufgrund der Entscheidung, seiner leiblichen Familie den Rücken zu kehren, herrschte Omort jetzt...




