Cole Verlockung des Mondes
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9457-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-9457-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Uilleam MacRieve glaubt, seine dunkle Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Doch als nach grausamer Folter seine Erinnerungen zurückkehren, sehnt er nur noch seinen Tod herbei. Bis er der schönen Chloe Todd begegnet, die als Sklavin verkauft werden soll. MacRieve rettet Chloe und entdeckt dabei eine Leidenschaft in sich, die er längst für verloren hielt.
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Prolog
In den Wäldern von Murk, Schottland
Vor einigen Jahrhunderten …
In einem finsteren Wald, in einem kargen Land, stand ein verzaubertes Cottage. In seinem Inneren stritt Uilleam MacRieve mit seiner Gefährtin, Lady Ruelle.
Wieder einmal.
Während der Schneesturm vor der Hütte immer heftiger wurde, saß Will erschöpft auf der Bettkante und bereitete sich auf die Schlacht vor.
»Nur noch ein einziges Mal, mein Geliebter.« Ruelle seufzte und zog die Seidendecke ein wenig beiseite, sodass ihre bloßen Brüste entblößt wurden.
Früher hätte er jene wogenden Hügel begierig angestarrt, doch jetzt hatte er für ihre Spielchen nur noch einen finsteren Blick übrig. »Du weißt genau, dass ich nicht bleiben kann.« Immer diese Mätzchen. Merkte sie denn gar nicht, wie viel sie ihm an diesem Abend bereits abverlangt hatte?
»Bis zur Morgendämmerung dauert es noch Stunden.« Sie erhob sich auf die Knie, sodass ihre verlockende Stimme direkt an seinem Ohr erklang. »Ich werde dich nicht lange aufhalten.« In ihren Worten lag der exotische Hauch weit entfernter Königreiche.
In diesen nördlichen Landen der Lykae stellte Ruelle eine Rarität dar: Sie war eine fremdländische Frau, die sich in Spitze und Seide kleidete und nicht mit dem Schwert umzugehen wusste. Sie lebte ganz allein hier in den finsteren Wäldern von Murk, einem Ort voller Hexenringe und Flüche, voller Portale, die auf andere Ebenen führten, und uralten Geschöpfen, die sogar die Lykae fürchteten.
Erst als die anderen Jungs ihn herausgefordert hatten, hatte Will es gewagt, jenen schaurigen Wald erstmals zu betreten.
»Noch ein Mal?« Er stand auf, um sich zu waschen. Er wagte zu bezweifeln, dass er noch eine einzige Runde überstehen könnte. Nein, keine Runde – das würde ja bedeuten, dass es zwei Teilnehmer gab. »Und danach bettelst du nur um noch ein weiteres Mal.« Selbst wenn er körperlich dazu in der Lage wäre, musste er doch unbedingt nach Conall Keep zurückkehren, ehe es seiner Familie auffiel, dass er fort war. »Ich habe dir doch bereits jeden deiner Wünsche erfüllt.«
Während er am Waschbecken stand, erblickte er sie in dem übergroßen Spiegel hinter sich – seine Ruelle konnte zuweilen ein klein wenig eitel sein. Im Schein des Feuers schimmerte ihr Haar rötlich, und auch ihre Wangen und Lippen waren passend dazu rot überhaucht und hoben sich deutlich von ihrer milchweißen Haut und ihren grauen Augen ab.
Sie sah hübsch aus, wenn sie schmollte. Aber schließlich sah sie immer hübsch aus, ganz gleich, was sie tat. Sogar wenn sie sich liebten, war sie bezaubernd – im Gegensatz zu den Schlampen, mit denen sich seine älteren Cousins regelmäßig im Heu wälzten. Danach wirkten diese Frauenzimmer immer erschöpft und befriedigt zugleich, während sie aussahen, als hätten sie im Heu eine Schlacht ausgetragen: Ihre Gesichter und Brüste waren von der Anstrengung rot angelaufen, Kleidung und Haar unordentlich und zerzaust.
Ruelle sah nie so aus. Mit einem Anflug von Bedauern gestand er sich ein, dass sie nie vollkommen … erfüllt gewesen war, wenn er sie verlassen hatte.
Häufig bettelte und schmeichelte sie, bis er sich noch einmal mit ihr vereinte, und dann noch einmal, bis er schließlich vollkommen erschöpft war. »Sieh dich doch an – wer könnte mir daraus einen Vorwurf machen?«, fragte sie dann stets. Sie hatte ihm erklärt, dass seine Art auf sie wirke wie Katzenminze auf Katzen – allein sein Gesicht bringe sie zum Seufzen. Als er ihr einmal im Scherz vorgeworfen hatte, sie versuche, ihn umzubringen, hatte sie verärgert reagiert.
Das Zusammensein mit ihr fühlte sich an, als würde man in eisigem Wasser schwimmen: belebend, bis die Eiseskälte einen in die Tiefe zu ziehen drohte. Von Zeit zu Zeit musste er all seine Kraft aufbieten, um überhaupt Luft zu schöpfen, wenn er unter ihr lag, weil seine Lungen sich so eingeschrumpft anfühlten.
Er betrachtete diesen Umstand als beschämende Schwäche, denn Ruelle war wunderschön und sinnlich. Jeder junge Mann würde sich glücklich schätzen, in ihr Bett eingeladen zu werden. Aber sie war seine Gefährtin. Davon waren sie beide überzeugt.
»Du könntest noch etwas essen.« Sie deutete auf das Festmahl, das sie für ihn vorbereitet hatte: Süßigkeiten und Delikatessen, die bei ihm zu Hause nur selten erlaubt waren. Er schüttelte den Kopf, da er schon mehr als genug gegessen hatte.
Anfangs hatte sie ihn immer dazu verleitet, sich den Bauch vollzuschlagen. Lachend hatte sie ihn in seine schlanken Finger gekniffen und ihn für untergewichtig erklärt.
Jetzt sagte er: »Nein, Ruelle. Ich gehe.«
»Es ist deine eigene Schuld, wenn du so verführerisch bist.« Sie ließ ihn nicht eine Sekunde aus den Augen, während er sich gründlich wusch. Gleich zu Anfang hatte sie ihn gewarnt, dass seine Familie in der Lage sein würde, sie an ihm zu wittern.
»Du bist doch diejenige, die darauf besteht, dass wir diese Sache mit uns geheim halten. Wenn ich es nur meinem Va…«
»Nein! Das ist unmöglich!« Sie erbleichte unter ihren rosigen Wangen. »Sie werden niemals akzeptieren, was zwischen uns ist.«
»Dann muss ich rechtzeitig dort sein, um meine Pflichten zu erledigen.« Seine Arbeit begann bei Sonnenaufgang, und sein Zwillingsbruder Munro betrachtete es ohnehin bereits mit Misstrauen, dass sich Will jede zweite Nacht davonstahl.
»Du entstammst einer der reichsten Familien des Landes – du gehörst zu den Wächtern, um der Götter willen –, und dennoch lässt dein Vater dich schuften wie einen Leibeigenen?«
»Vater glaubt, dass das den Charakter formt.« Will zog sich die Tunika über den Kopf. Das enge Kleidungsstück schmiegte sich an Brust und Arme. Sein Zwillingsbruder und er wuchsen wie Unkraut, zu schnell für die geplagte Näherin in Conall.
Er betrachtete sein Spiegelbild und fuhr sich mit der Hand über das magere Gesicht. Und trotzdem immer noch kein Bartwuchs?
»Ah, Dùghlas MacRieve, der große Lord von Conall, sagt, es forme den Charakter? Dein Vater irrt sich – dein Charakter ist bereits ausgeformt, und zwar vorbildlich. Du hast dir das Recht erworben, als Mann angesehen zu werden.«
»Ich weiß, dass ich ein Mann bin«, beteuerte er, während er dachte: Vielleicht bin ich noch kein Mann.
Ach was, aber natürlich war er das. Jedes Mal, wenn Will und Ruelle sich zankten, begriff er, dass er wahrhaftig heranreifte zu einem ausgewachsenen Lykae. Erwachsene stritten, und sie wurden von Sorgen geplagt, die die Jungen nicht hatten.
Doch wenn er erwachsen war, warum war er nicht imstande, sie zu befriedigen? Zu seiner eigenen Überraschung loderte Zorn in ihm auf. »Wenn du dich berufen fühlst, meinen Vater zu kritisieren, dann tu es so, wie es die Lykae tun: Sag es ihm ins Gesicht.« Sobald die Worte seinen Mund verlassen hatten, bereute er sie schon. Ihre Spezies war dazu geschaffen, zu lieben, nicht um zu kämpfen. Die Vorstellung, Ruelle könne jemanden offen kritisieren, der so viel stärker war als sie, war lächerlich.
Wie aufs Stichwort füllten sich ihre grauen Augen mit Tränen. Sogar wenn sie weinte, war sie hübsch. »Du weißt doch, dass ich das nicht tun kann. Ich kann ihnen niemals mein Gesicht zeigen, denn sie werden mich töten, nur weil ich bin, was ich bin.«
Seine Eltern würden sie nicht unbedingt mit offenen Armen im Rudel aufnehmen, aber Ruelle übertrieb doch sicherlich, wenn sie deren Reaktion in so grausigen Farben ausmalte. »Kein Lykae würde jemals der Gefährtin eines anderen etwas antun. Die Verbindung zweier Gefährten ist uns heilig.«
»Und wenn sie nicht an das glauben, von dem wir wissen, dass es wahr ist?« Sie zog die Seidendecke schützend über ihre Brüste. »Warum streitest du nur immerzu mit mir?«
»Weil es mich krank macht, es so lange geheim zu halten.« In letzter Zeit lastete das Geheimnis immer schwerer auf ihm, aber er würde zumindest warten, bis seine Mutter ihr Kind zur Welt gebracht hatte, ehe er es preisgab. Die Schwangerschaft war noch nicht allzu weit fortgeschritten und zeigte sich erst so langsam. Ihre »drei Hübschen«, wie sie ihren Ehegatten, Will und Munro zu nennen pflegte, spürten, dass sie diesmal eine Tochter trug, und waren darüber außer sich vor Glück. Seine Mam wollte sie Isla nennen.
Ein kleines Mädchen, das sie verwöhnen konnten? Selbst in diesem Augenblick verzogen sich Wills Lippen zu einem erwartungsfrohen Lächeln. Munro und er konnten es kaum erwarten, dass sie alt genug war, um jagen und fischen zu lernen.
Aye, seine Familie konnte in dieser Zeit keinen Trubel brauchen. Am besten sah er zu, dass er jetzt so rasch wie möglich nach Hause kam. »Wir reden später darüber.«
»Nein, werden wir nicht.« In ihren grauen Augen flackerte es jadegrün auf, was für gewöhnlich das einzige Anzeichen war, dass sie sich aufregte. »Wenn du meine Wünsche in einer derart wichtigen Angelegenheit nicht respektieren kannst, brauchst du in den nächsten vier Nächten nicht wiederzukommen.«
Will erstarrte. Das Feuer im Kamin knisterte. Der Wind schleuderte Schneeflocken gegen die Fenster. »Das ist nicht dein Ernst.«
»Oh doch.«
»Vier!«, brüllte er ungläubig. »So hart willst du mich bestrafen?« Die längste Zeit, die er durchgehalten hatte, waren drei Nächte gewesen. Es war ihm so schlecht gegangen, dass er nur mit knapper Not überlebt hatte.
»Ich wünschte, du würdest mich nicht dazu...




