Cole Zauber der Leidenschaft
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8645-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 464 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-8645-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Dämonenkönig Rydstrom wird von seiner Erzfeindin, der mächtigen Zauberin Sabine, entführt. Sabine will den Dämon dazu zwingen, einen Erben mit ihr zu zeugen. Doch noch während Rydstrom seine Flucht plant, muss er feststellen, dass er unerwartet tiefe Gefühle für Sabine entwickelt. Schon bald finden sich die Zauberin und der Dämon in einem Sturm der Leidenschaft wieder, der sie ihre alte Feindschaft beinahe vergessen lässt ...
Nach einer Karriere als Athletin und Trainerin veröffentlichte Kresley Cole 2003 ihren ersten Roman und ist seither eine der erfolgreichsten Autorinnen historischer und fantastischer Liebesromane.
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1
Gegenwart
Tongue & Groove Stripclub
im Süden von Louisiana
»Ein Lapdance für den sexy Dämon?«
Mit einem entschiedenen Kopfschütteln erteilte Rydstrom Woede der spärlich bekleideten Frau eine Absage.
»Auf einem Schoß wie dem deinen könnte ich mich zu Hause fühlen«, sprach eine andere ihn an. »Kostenlos.« Sie umfasste eine ihrer Brüste, hob sie an und umfuhr mit der Zunge ihre Brustwarze.
Das brachte ihn dazu, eine Augenbraue zu heben, trotzdem erwiderte er: »Kein Interesse.«
Dies war einer der Tiefpunkte in seinem Leben, umgeben von Stripperinnen in einem von Neonlicht erhellten Mythenweltclub. Er fühlte sich unwohl an diesem lächerlichen Ort, wie der letzte Heuchler. Wenn sein nichtsnutziger Bruder herausfände, wo er gewesen war, würde er sich das bis ans Ende seiner Tage anhören müssen.
Aber Rydstroms Kontaktperson hatte darauf bestanden, ihn hier zu treffen.
Als sich eine hübsche Nymphe von hinten an ihn ranmachte, um ihm die Schultern zu massieren, packte er ihre Hände und drehte sich zu ihr um. »Ich habe Nein gesagt.«
Die Frauen hier ließen ihn kalt, was ihn ganz schön irritierte, nachdem er so dringend eine Frau unter sich spüren wollte. Seine Augen mussten sich verdunkelt haben, da die Nymphe jetzt hastig den Rückzug antrat. Jetzt raste ich schon wegen einer Nymphe aus? In Zorn zu geraten, weil eine ihrer Art ihn anfasste, war, als ob man einen Hund dafür schalt, dass er beim Anblick eines Knochens mit dem Schwanz wedelte.
In letzter Zeit stand Rydstrom ständig unmittelbar davor, sich seiner Wut zu ergeben. Der gefallene König, der für seine Besonnenheit und Vernunft bekannt war, für seine Geduld im Umgang mit anderen, fühlte sich wie eine Bombe kurz vor der Explosion.
Seit geraumer Zeit schon beschäftigte ihn eine unerklärliche Vorahnung, das Gefühl, dass sich etwas zusammenbraute und nur allzu bald etwas Gewaltiges passieren würde.
Doch da dieses Gefühl der Dringlichkeit keinen erkennbaren Grund hatte, staute sich Frust in ihm auf. Er aß nicht und schlief keine Nacht durch. In den letzten paar Wochen war er immer wieder davon aufgewacht, dass er gegen das Kissen, die Matratze oder sogar in seine eigene Faust schlug, um die erstickende Frustration wegen seiner unerfüllten Sehnsucht nach einer Frau herauszulassen. Oh ihr Götter, ich brauche eine Frau.
Doch ihm blieb keine Zeit, um einem anständigen Geschöpf den Hof zu machen. Ein weiterer Konflikt, der in ihm tobte.
Die Bedürfnisse des Königreiches kommen stets vor denen des Königs.
Es stand zu viel auf dem Spiel in diesem Kampf um die Wiedererlangung seiner Krone – gegen Omort den Unsterblichen, ein Feind, den zu töten unmöglich war.
Rydstrom hatte ihm schon einmal gegenübergestanden und wusste aus bitterer Erfahrung, dass der Hexenmeister unzerstörbar war. Obwohl er Omort geköpft hatte, war es Rydstrom gewesen, der sich vor neunhundert Jahren nur mit knapper Not aus ihrer Konfrontation hatte retten können.
Jetzt war Rydstrom auf der Suche nach einem Weg, wie er Omort für immer töten konnte. Mit der Unterstützung seines Bruders Cadeon und dessen Söldnertrupp verfolgte Rydstrom hartnäckig eine Spur nach der anderen.
Der Bote, den er an diesem Abend treffen sollte – ein zwei Meter großer Eiterdämon namens Pogerth –, würde ihnen helfen können.
Er war von einem Hexer mit Namen Groot der Metallurge geschickt worden, Omorts Halbbruder, ein Mann, der Omorts Tod fast genauso sehr wollte wie Rydstrom. Groot war kaum besser als Omort, aber ein Feind meines Feindes …
In diesem Moment warf eine Dämonin in schwarzem Leder und mit billigem Make-up an den Hörnern Rydstrom einen abschätzenden Blick zu, während sie an ihm vorbeiging, aber er wandte sich ab.
Verruchte Frauen übten eine merkwürdige Anziehungskraft auf ihn aus. Das war schon immer so gewesen, obwohl sie gar nicht sein Typ waren, ganz gleich, was ihm Cadeon während ihrer Auseinandersetzungen auch immer vorwarf.
Nein, Rydstrom sehnte sich nach seiner Königin, der ihm vom Schicksal bestimmten Frau, einer tugendhaften Dämonin, die ihm zur Seite stehen und sein Bett schmücken würde. Bei einem Dämon, so hieß es, war der Sex mit der ihm bestimmten Frau im Vergleich zu einem normalen Fick umwerfend. Nach fünfzehn Jahrhunderten hatte er doch wohl verdammt noch mal lange genug darauf gewartet, endlich einmal den Unterschied zu erfahren.
Er stieß den Atem aus. Aber jetzt war keine Zeit für so was. Zu viel steht auf dem Spiel. Er wusste, dass sein Königreich und seine Burg für immer verloren wären, wenn er seinen Feind diesmal nicht schlug.
Meine verlorene Heimat. Er ballte die Hände, bis seine kurzen schwarzen Klauen sich in seine Handflächen bohrten. Omort und seine Gefolgsleute hatten Burg Tornin geschändet. Der Hexer hatte sich selbst zum König ernannt, Rydstroms Feinde willkommen geheißen und ihnen dort Asyl gewährt. Seine Wachen waren Wiedergänger, wandelnde Leichen, Tote, die zu neuem Leben erweckt worden waren und die nur zerstört werden konnten, wenn ihr Herr und Meister tot war.
Es gab unzählige Berichte von Orgien, Opferungen und Inzest in Tornins einstmals geheiligten Hallen.
Rydstrom würde eher sterben, als die Heimstatt seiner Vorfahren Geschöpfen zu überlassen, die dermaßen verkommen und so abartig waren, dass er in ihnen nicht weniger als die abstoßendsten Geschöpfe sah, die jemals über die Erde gewandelt waren.
Gott stehe jedem bei, der mir heute Abend in die Quere kommt. Eine tickende Zeitbombe …
Endlich traf Pogerth ein, er teleportierte sich in die Bar. Die Haut des Eiterdämons sah wie geschmolzenes Wachs aus und stank nach Verwesung. Die Gaze, die er unter seiner Kleidung trug, schaute aus dem Kragen und den Ärmeln seines Hemdes hervor. Er trug Gummistiefel, die er in regelmäßigen Abständen draußen leeren würde, wie es der Anstand gebot.
Als er sich zu Rydstrom an den Tisch setzte, war ein schmatzendes Geräusch zu hören. »Mein Herr und Meister ist auf der Suche nach einem Preis, der so selten ist, dass man ihn legendär nennen könnte«, begann er ohne Vorrede. »Im Austausch bietet er etwas ebenso Fantastisches an.« Er wechselte in die Dämonensprache. »Was würdest du für eine Waffe tun, die den Unsterblichen garantiert tötet?«
Burg Tornin
Königreich von Rothkalina
Als ein abgetrennter Kopf blutend die Stufen vor Omorts Thron bis auf den schwarzen Läufer davor herunterpurzelte, wich Sabine ihm beiläufig aus und setzte ihren Weg fort. Der Kopf gehörte Orakel dreihundertsechsundfünfzig – das war die Anzahl von Hellseherinnen, die dieses Amt bekleidet hatten, seit Sabine nach Tornin gekommen war.
Ihr stieg der widerliche Geruch von Blut in die Nase, während hirnlose Wiedergänger ohne Verstand oder eigene Gedanken den kopflosen Körper beseitigten.
Omort, ihr Halbbruder und König der Ebene von Rothkalina, wischte sich die blutverschmierten Hände ab, was bedeutete, dass er dem Orakel höchstpersönlich in einem Wutanfall den Kopf abgerissen hatte, zweifellos ungehalten über etwas, das es ihm geweissagt hatte.
Stolz und hoch aufgerichtet stand er vor seinem kunstvoll verzierten goldenen Thron. Seine linke Schulter bedeckte ein Schutzpanzer, während er auf der rechten einen schneidigen Umhang trug. An seiner Hüfte hing eine Schwertscheide, und auf seinem hellen Haar saß die kunstvolle Kopfbedeckung, die sowohl als Krone als auch als Helm diente. Er wirkte charmant und kultiviert und absolut unfähig, einer Frau den Kopf abzureißen.
Omort hatte so viele Kräfte geraubt – Pyrokinese, Levitation, Teleportation –, allesamt seinen anderen Halbgeschwistern gestohlen, bevor er sie umgebracht hatte. Nur eines konnte er nicht: in die Zukunft sehen. Diese Unfähigkeit versetzte ihn oft in rasende Wut.
»Willst du was dazu sagen, Sabine? Wirst du etwa weich?«
Sie war die Einzige, die ihm in irgendeiner Weise die Stirn zu bieten wagte, und die anderen Geschöpfe bei Hofe wurden mucksmäuschenstill. An den Seiten des Raumes und in den Gängen wimmelte es nur so von Mitgliedern der zahlreichen Faktionen, die sich mit dem Pravus, Omorts neuer Armee, verbündet hatten. Zu ihnen zählten die Zentauren, die Invidia – weibliche Verkörperungen der Zwietracht –, Oger, bösartige Phantome, gefallene Vampire, Feuerdämonen mit glühenden Handflächen … viel mehr Wesen, als man aufzählen könnte. Und fast jedes von ihnen würde sie am liebsten tot sehen.
»Es ist heutzutage aber auch wirklich nicht einfach, gutes Personal zu finden«, seufzte sie. Niemand konnte von Sabine erwarten, für andere Mitgefühl zu entwickeln. Dafür hatte sie sich schon zu oft aus einer Lache ihres eigenen Blutes hochgerappelt. »Und das ist eine Schande, Bruder, weil wir ohne sie so gut wie blind sind.«
»Sorge dich nicht, ich werde umgehend eine andere Seherin finden.«
»Ich wünsche dir bei deinem Vorhaben alles Glück der Erde.« Wahrsagerinnen wuchsen nicht gerade auf Bäumen, und der Vorrat an Bewerberinnen war nahezu erschöpft. »Hast du mich wegen dieser Enthauptung zu dir gerufen?«, fragte Sabine gelangweilt, während sie sich umblickte und es dabei vermied, den geheimnisvollen Seelenbrunnen in der Mitte anzusehen.
Sie konzentrierte sich vollkommen auf...




