Coleman | Der Geschmack von Karamell und Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Coleman Der Geschmack von Karamell und Liebe

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-99819-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-492-99819-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zur großen Liebe fehlt nur eine kleine Prise Glück ... Köchin Katie hat es geschafft - sie ist im Finale eines wichtigen Kochwettbewerbs! Dem Gewinner winkt eine Stelle als Küchenchef im angesagtesten Restaurant Londons. Nachdem die Neunundzwanzigjährige sich bisher als Küchenhilfe in einem Altenheim über Wasser gehalten hat, ist ihr großer Traum nun zum Greifen nahe. Und als auch noch ihre große Liebe Ben wieder in ihr Leben tritt, scheinen sich all ihre Wünsche zu erfüllen. Doch noch weiß Katie nicht, dass auch Ben einer der Finalisten ist - und damit ihr größter Konkurrent! Muss sie sich zwischen Traumjob und Traummann entscheiden? Köstliche Kreationen und eine süße Liebesgeschichte lassen die Herzen höherschlagen! Nach »Die Liebe kommt selten allein« ein neuer romantisch-witziger Liebesroman von Colleen Coleman mit dem Potenzial zum absoluten Lieblingsschmöker!

Colleen Coleman ist eine irisch-kanadische Schriftstellerin. Sie arbeitete zehn Jahre lang als Lehrerin für Englisch und Philosophie, bevor sie ihren großen Traum wahr machte und ihren ersten Roman schrieb. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren Zwillingstöchtern in London, Irland und auf Zypern.
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Kapitel 2


»Hey, Mrs Rosenblatt! Ich habe gehört, die Trockenpflaume hat einen ganz schönen Wirbel verursacht – in vielerlei Hinsicht!«

Mrs Rosenblatt schaut mich über den Rand ihrer Zeitung hinweg an, ein Grinsen im Blick. »Dank Ihnen fühle ich mich pudelwohl.«

Sie ist makellos gekleidet, hat das Haar zu ihren markanten Elizabeth-Taylor-Gedächtnislocken frisiert, und mit ihren blau umrandeten Augen blinzelt sie mir lächelnd zu. Ihr Zimmer im Seniorenheim ist ganz anders als die anderen; so stelle ich mir ein Elsternnest vor. Juwelen funkeln hier in allen Formen und Farben; überall wird das Licht reflektiert, sodass es einem ins Auge sticht. Obwohl Mrs Rosenblatt das Heim nie verlässt, schminkt sie sich jeden Tag mit Rouge und Lippenstift, als wolle sie vor dem Theaterbesuch noch etwas trinken gehen.

Sie schiebt sich in ihrem Bett ein wenig hoch; dabei fällt mein Blick auf den Halsausschnitt ihres altrosafarbenen Nachthemds, der wunderschön mit Pailletten zu einem Pfauenmuster bestickt ist. Jedes Mal, wenn ich ihr Zimmer betrete, habe ich das Gefühl, Santas Weihnachtswerkstatt einen Besuch abzustatten – als gäbe es noch Güte und Magie, als stünden einem hier alle Möglichkeiten der Welt offen, und ich müsste nur lieb und brav sein und mich anstrengen, dann würde schon alles gut. Tatsächlich ist mir aufgefallen, dass meine bloße Anwesenheit hier schon dazu führt, dass mein Herz nicht mehr tausend ängstliche Schläge pro Sekunde rast. Sobald ich hier eintrete und die Duftmischung aus blumigem Parfum und Puder rieche, beruhigt mich das ungemein. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit stehen bleibt, man sich um nichts sorgen muss und dass alles gut werden wird, wenn Mrs Rosenblatt mir das mit ihrer beruhigenden, lieblichen Stimme versichert.

Ich stelle die pochierten Eier und den Räucherlachs auf einen Serviertisch neben ihr Bett.

»Da ist viel Omega-3-Fettsäure drin«, erkläre ich ihr. »Das ist gut für das Gehirn, das Herz und das Immunsystem. Das sollten Sie also besser aufessen.«

Mrs Rosenblatt streckt die Hand aus. »Kommen Sie herüber und umarmen Sie mich mal. Sie haben eine alte Frau gerade sehr glücklich gemacht. Es sind diese kleinen Nettigkeiten, die an einem Ort wie diesem einen Unterschied ausmachen. Also Schluss jetzt mit diesem Mrs-Rosenblatt-Gedöns. Martha. Nennen Sie mich bitte Martha. Freundinnen sollten einander beim Vornamen nennen.«

Ich tue, worum Martha mich bittet, und lasse zu, dass sie mich warmherzig und weich umarmt. Es gibt keinen besseren Trost auf dieser Welt. Sie duftet nach frischen Bettlaken und Erdbeermarmelade.

Bevor sie sich über ihr Frühstück hermacht, öffne ich das Fenster und pflücke ein paar Pfefferminzblätter von dem kleinen Kräutergarten ab, den sie in ihrem Blumenkasten heranzieht. »Das ist gut für die Verdauung. Einfach ein wenig von der Pfefferminze mit einem Zitronenschnitz in heißes Wasser geben«, erkläre ich.

Martha nimmt mir die Blättchen aus der Hand und atmet den frischen, angenehmen Duft tief ein. »Oh, das duftet köstlich! Das erinnert mich an Marokko. Oskar und ich haben immer gern die Suks besucht und uns an allen Gewürzwundern dieser Märkte gelabt. Das war der Himmel auf Erden. Ja, ein frischer Pfefferminztee, das wäre eine wahre Gaumenfreude. Vielen Dank, Katie, Sie verwöhnen mich richtig.« Sie deutet auf ein schweres, gebundenes Fotoalbum, das mit der Zeit immer mehr zu einer Art Sammelalbum geworden ist, in dem Einladungen, Konzertkarten, Postkarten und persönliche Briefe zwischen den Seiten stecken. »Seien Sie so gut und reichen Sie mir doch bitte das Album, dann kann ich Ihnen etwas zeigen.«

Ich hole das Album aus dem schmalen Buchregal neben ihrem Kleiderschrank und reiche es ihr.

Da meine Schicht inzwischen beendet ist, setze ich mich, während sie mich auf eine Reise durch ihre Erinnerungen mitnimmt. Sämtliche Fotos sind vorsichtig auf die dicken Kartonseiten geklebt, jedes einzelne davon ist mit Datum und Unterschriften in ihrer eleganten, fließenden Handschrift versehen. Welch ein unglaubliches Leben Martha hatte!

Sie blättert zur Mitte des Albums weiter und streicht mit der Hand über ein ganz kleines Foto mit einem gezackten Rand, dessen Farben mit der Zeit ein wenig verblasst sind. Darauf ist eine sehr viel jüngere Martha zu sehen, deren Haar in perfekte Wellen gelegt ist, sowie ein Mann mit einem Poirot-Bart, der breit in die Kamera grinst, während er ein Kamel in die Wüste führt.

»Kairo. Das waren unsere Flitterwochen. Oskar war der Meinung, wir sollten unser Eheleben mit einem Abenteuer beginnen, was wir dann auch getan haben. Zuerst war ich dagegen, es erschien mir zu verschwenderisch. Ich habe also protestiert, doch Oskar wollte nichts davon hören. Er sagte: Geh auf Reisen, kauf die Schuhe, iss den Kuchen! Das war sein Lebensmotto, und, du meine Güte, wie hat er sich daran gehalten! Wir haben also diese Reise gemacht. Ich kam als frischgebackene Ehefrau in Ägypten an und verließ das Land als werdende Mutter. Das war ein Abenteuer! Oskar Rosenblatt, du wusstest, wie man einem Mädchen eine schöne Zeit bereitet.«

Nachdem sie das Album sanft zusammengeklappt hat, lege ich es wieder an seinen besonderen Platz zurück. Als Martha danach durch ihre Zeitung blättert, unterhalten wir uns über Filme, Bücher und Urlaube, über die Arbeit und über Immobilienpreise, über Streiks bei den Fluglinien und alles andere. Ich schneide die Pflanzen im Blumenkasten ein wenig zurück, gieße die Kräuter und pflücke ein paar Blätter für mich. Ich habe keine Eile. Es gibt nichts, was ich tun müsste, ich muss nirgendwo sein. Dies ist ein riesengroßer Unterschied, der mir aufgefallen ist, seitdem ich mein eigenes kleines Restaurant schließen musste – ich habe unendlich viel Zeit. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich wirklich Zeit zur Verfügung. Ich weiß, dass die meisten jetzt wahrscheinlich denken, wie beneidenswert das ist. Aber um ehrlich zu sein: Ich hasse es. Mir wird erst jetzt klar, dass ich mit meiner Rolle als Restaurantbesitzerin verheiratet gewesen bin – darum fühlt es sich jetzt auch so an, als sei ich verlassen und im Stich gelassen worden, als sei meine Liebe nicht erwidert worden. Denn ich habe dieses Restaurant weiß Gott geliebt; ich habe mich ihm voll und ganz gewidmet. Ich habe alles aufgegeben, um mich einzig und allein auf das Restaurant zu konzentrieren, ich habe alles gegeben. Für mich galt tatsächlich: bis dass der Tod uns scheidet – obwohl es dann am Ende hieß: bis dass die Schulden uns scheiden …

Diese ganze endlose, ziellose Zeit ist eine der schlimmsten und am wenigsten erwarteten Folgen, wenn man pleitegeht und den Job sowie das Geschäft verliert. Ich nutze meine Zeit nicht mehr produktiv, was dazu führt, dass ich nur noch mehr von mir selbst enttäuscht bin. Ich verbringe meine Zeit damit, zu lange Etiketten in kleinen Feinkostläden zu studieren, in denen ich mir einen Einkauf nicht mehr leisten kann, und durch Food-Kanäle auf Instagram zu scrollen sowie auf Pinterest nach Kuchenrezepten zu suchen. Ich schleppe mich zu Fuß nach Hause, was mich an meinem geschlossenen Restaurant vorbeiführt. Dort sind die Vorhänge zugezogen, im Fenster hängt ein »Zu vermieten«-Schild. Es macht echt keinen Spaß, viel Zeit und wenig Kohle zu haben. Ich muss etwas zu tun haben, ich brauche eine Struktur, einen Sinn, ein Ziel. Davor habe ich mein Restaurantbaby gefüttert, in den Schlaf gewiegt, gebadet und Bäuerchen machen lassen. Es hat jede wache Minute in Beschlag genommen. Die Stunden hatten nicht ausreichend Minuten, die Tage nicht genügend Stunden. Weder hatte ich genug Zeit für mich oder meine Familie noch für meinen Freund, Ben. Na ja, wenigstens hat er mir das genauso gesagt, bevor er aufgebrochen ist, um seinen großen Traum im Ausland zu verwirklichen. Und jetzt, wo alles vorbei ist, sowohl mit Ben als auch mit meinem Restaurant, habe ich nicht die geringste Ahnung, was ich mit mir anstellen soll.

Zuerst und um wenigstens einen Silberstreif am Horizont zu sehen, dachte ich, na ja, jetzt habe ich jede Menge Zeit, all das zu tun, wozu ich vorher nicht gekommen bin, weil ich so verdammt viel und hart gearbeitet habe. Ich könnte Sport machen und fit werden, mich um Dates kümmern oder mir ein neues, mein Leben bereicherndes Hobby suchen.

Doch die Wahrheit ist, dass ich nicht gut mit dieser vielen Zeit zurechtkomme, die mir plötzlich zur Verfügung steht. Ich habe schlichtweg keine Lust, Hanteln zu stemmen, im Pub mit einem Fremden herumzusitzen oder zu lernen, wie ich mit Aquarellfarben malen kann.

Alles, was ich will, ist, Chefköchin zu sein. Und ich bezweifle, dass sich das je ändern wird. Und da ich das jetzt nicht sein kann, na ja, da bringt es mich quasi um, die Zeit totzuschlagen. Alles, was ich zuvor hatte, war eine kurze Aussicht auf das Paradies. Ich hatte einen Freund, den ich geliebt habe, und eine Karriere, für die ich gebrannt habe. Jeden. Einzelnen. Tag. All das zu verlieren, war die Hölle. Wahrscheinlich sitze ich also hier in diesem Fegefeuer fest und putze, schäle und schneide Kartoffeln, bis sich etwas Neues für mich ergibt.

Ich stelle den Wasserkocher an und bereite uns einen Pfefferminztee zu.

»Katie, ich bin verwirrt«, stellt Martha fest und hält die Zeitung hoch. »Ich muss Sie etwas fragen. Was um alles in der Welt ist eine ›Schneeflocke‹?«

»Eine Schneeflocke?«, wiederhole ich und zucke mit den Schultern. Martha war eine erfolgreiche Bankerin in der Stadt, außerdem hat sie keineswegs den Verstand verloren, daher ist mir klar, dass sie etwas anderes als das Offensichtliche meint. »In welchem Kontext denn?«, frage ich sie.

Sie hält mir die Zeitung hin. »Schauen Sie mal auf die allerletzte Seite; Sie werden diesen...



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