Collins | Die Nelkentochter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 400 Seiten

Reihe: Die Blumentöchter

Collins Die Nelkentochter

Roman | Die Fortsetzung der Bestsellerreihe führt auf eine geheimnisvolle Teeplantage
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8437-3306-9
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Die Fortsetzung der Bestsellerreihe führt auf eine geheimnisvolle Teeplantage

E-Book, Deutsch, Band 3, 400 Seiten

Reihe: Die Blumentöchter

ISBN: 978-3-8437-3306-9
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der dritte Teil der Blumentöchter-Saga um fünf Frauen, fünf Kontinente und ein großes Geheimnis Nach dem Tod ihrer Großmutter hat Lali den Halt verloren. Bei Rose hat sie Trost und Wärme gefunden, nachdem ihre eigene leibliche Mutter die Familie früh verlassen und nach Sri Lanka gegangen ist ist. Lali hat nie begreifen können, wieso ihre Mutter das getan hat, und ist nun vollkommen überrumpelt, als sie in der Gärtnerei eine Gedichtsammlung von ihr findet. Die feinfühligen Texte brechen in Lali etwas auf und sie beschließt, ihre Mutter endlich zur Rede zu stellen. Zum ersten Mal in ihrem Leben verlässt sie ihr Nest in Cornwall und geht nach Sri Lanka. Dort begibt sie sich auf die Spuren einer alten Teeplantage und stößt auf ein großes Familiengeheimnis ...

Tessa Collins ist das Pseudonym der deutschen Autorin Silke Ziegler. Sie lebt mit ihrer Familie in Weinheim an der Bergstraße. Wenn sie nicht auf Reisen ist, schreibt sie sich ihre Traumländer herbei oder verbringt Zeit in der Natur.
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2


Das hellblonde leicht gewellte Haar fiel Tom Nichols beim Reden immer wieder vorwitzig in die Stirn. Wenn er lachte, bildeten sich unzählige Fältchen um die strahlend blauen Augen. Interessiert betrachtete Lali sein attraktives Gesicht, das ihr schon letzten Samstag in dem Club aufgefallen war, wo sie mit einer Bekannten den Abend und die halbe Nacht verbracht hatte. Gegen Mitternacht hatte Tom sie dann an der Bar angesprochen. Er war humorvoll und charmant gewesen, hatte Lali immer wieder zum Lachen gebracht. Als sie um vier Uhr morgens nach Hause gegangen war, hatten ihr die Füße vom Tanzen wehgetan, und das war ihr schon lange nicht mehr passiert.

Für heute hatten sie sich in einem Pub in der Innenstadt von Penzance verabredet. Tom war neunundzwanzig und arbeitete seit zwei Jahren in einer renommierten Anwaltskanzlei. Er erzählte ihr von seinem Arbeitsalltag, von seinen Fällen, die ihm manchmal den letzten Nerv raubten, wie er wiederholt betonte. Von den Assistentinnen, die oft nicht verstanden, was von ihnen verlangt wurde. Langsam begann Lali, sich bei seinen Ausführungen zu langweilen. Ihre Gedanken schweiften ab und blieben bei Mrs Wright hängen, der Unternehmerin, die Lali nicht von einem Werbekonzept hatte überzeugen können. Hatte es überhaupt noch Sinn, das Praktikum in der Agentur weiterzuführen? Was erhoffte sie sich eigentlich davon?

»Jeanny versucht wirklich ihr Bestes, aber du solltest mal die Briefe lesen, die sie an unsere Mandanten verschickt.« Tom schüttelte lachend den Kopf und nahm einen Schluck von seinem Bier. »Wenn weniger als fünf Rechtschreibfehler drin sind, hat sie einen richtig guten Tag.« Wieder lachte er.

Lali fand es völlig unangebracht, dass er sich in ihrer Anwesenheit über diese Assistentin lustig machte. Und für sie, Lali, schien er sich überhaupt nicht zu interessieren. Zumindest konnte sie sich nicht erinnern, dass er ihr in der letzten Stunde eine einzige persönliche Frage gestellt hätte. Was war nur mit den Männern los? Eine schöne Fassade, aber wenn man genauer hinsah, war nichts als heiße Luft dahinter. Warum begegnete Lali bloß immer wieder solch unangenehmen Vertretern der Spezies Mann?

»Und dieser Mandant hat tatsächlich gedacht, dass ich ihn verteidige, obwohl er vor Gericht absolut keine Chance haben würde.« Tom seufzte. »Welcher Anwalt geht schon sehenden Auges in einen solchen Prozess hinein? Der Kerl hätte einen Deal mit der Staatsanwaltschaft abschließen sollen. Das wäre das Beste für ihn gewesen, aber …«

Lali fragte sich, wie sie sich nur derart in Tom hatte täuschen können. Gut, am Samstag hatten sie nur wenige Stunden miteinander verbracht, doch hatte er ihr nicht signalisiert, dass er sie gern besser kennenlernen würde? Dazu müsste Lali erst mal zu Wort kommen. Auch wenn sie in ihrem Leben bisher eher oberflächliche Erfahrungen mit Männern gemacht hatte – ein so egozentrischer Kerl wie Tom war ihr bislang noch nicht über den Weg gelaufen. Unauffällig sah sie auf die Uhr und beschloss, sich demnächst zu verabschieden unter dem Vorwand, morgen wieder früh aufstehen zu müssen. Sie war diesem Typen absolut nichts schuldig. Der ganze Abend war reine Zeitverschwendung.

»Ach, Lali, ich wusste, dass wir uns gut verstehen würden«, erklärte Tom und schenkte ihr ein schiefes Grinsen. »Magst du noch etwas trinken?«

Die erste Frage seit Langem. Sie schüttelte den Kopf. »Danke, nein. Ich denke, ich muss jetzt gehen.«

Tom sah stirnrunzelnd auf seine Uhr. »Schon?« Dann schaute er sie wieder an. »Ich dachte, ich spendiere uns noch eine Runde.«

Lali hob abwehrend die Hände. »Das ist nett gemeint, aber ich muss morgen wirklich früh raus.«

Toms Gesicht nahm einen enttäuschten Ausdruck an. Er winkte der Bedienung und wartete, bis sie an den Tisch trat. Nachdem er gezahlt hatte, erklärt er in bestimmtem Ton: »Ich begleite dich noch.«

Sie erhoben sich. Vor dem Pub drehte sich Lali um und sah Tom an. »Ich wohne nicht weit weg. Das schaffe ich allein. Vielen Dank für die Einladung.«

Tom berührte sie am Arm. »Ich bringe dich noch nach Hause. Das ist doch Ehrensache.«

Lali stöhnte innerlich auf, verkniff sich aber einen entsprechenden Kommentar. »In Ordnung.«

Schweigend liefen sie nebeneinanderher. Die Geschäfte in der Fußgängerzone von Penzance hatten längst geschlossen, und an diesem Montagabend waren nur noch wenige Touristen unterwegs.

»Da vorne um die Ecke ist es«, erklärte Lali, als sie sich dem Wohnhaus näherten, in dem sie mit ihrem Dad lebte. Am Vorgarten, in dem vier Rosenstöcke einen lieblichen Duft verströmten, blieb Lali stehen. »Vielen Dank fürs Heimbringen.«

Tom machte einen Schritt auf sie zu und sah sie lange an. »Es ist noch früh, Lali. Was meinst du? Wollen wir nicht noch … zusammen einen Kaffee trinken?« Er lächelte.

Lali schüttelte den Kopf. »Das geht nicht. Mein Dad …«

»Du bist doch erwachsen«, unterbrach Tom sie schmunzelnd. »Und ich bin auch ganz brav.«

Was wollte er? Den ganzen Abend hatte er keinerlei Interesse an ihr gezeigt. Und jetzt wollte er gleich beim ersten Date …? Lalis Ärger wuchs. »Es geht nicht. Ich bin müde. Und ich brauche jetzt meine Ruhe.«

Mit diesen Worten wandte sie sich um und ließ ihn einfach stehen. Was kümmerte es sie überhaupt, was Tom von ihrer Abfuhr hielt? Für sie stand fest, dass sie ihn nie wieder treffen würde.

»Lali, warte doch bitte kurz …«, rief er ihr nach, während sie auf dem Treppenabsatz in ihrer Tasche nach dem Hausschlüssel kramte.

Sie drehte sich um. »Lassen wir es einfach, Tom. In Ordnung?«

Entgeistert erwiderte er ihren Blick. »Habe ich etwas Falsches gesagt? Ich dachte … Wir haben uns doch gut unterhalten, oder nicht?«

Jetzt konnte sie ein ungläubiges Lachen nicht länger unterdrücken. »Wir haben uns nicht unterhalten. Du hast von dir erzählt. Wie mein Tag war, was ich denke, was ich möchte, das interessiert dich doch gar nicht. Du brauchst jemanden, der dich bewundert. Der dir zuhört und dir bestätigt, was für ein toller Hecht du bist. Sorry, Tom. Es war einen Versuch wert, mehr aber auch nicht.«

Sie steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Hinter sich hörte sie, wie Tom etwas vor sich hinmurmelte. Als sie die Worte »blöde Kuh« und »gefühlskalte Tussi« aufschnappte, wurde ihr klar, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Sie knallte die Tür hinter sich zu und lehnte sich mit dem Rücken dagegen.

Kurz schloss sie die Augen und rief nach ihrem Vater. Als keine Antwort kam, atmete sie erleichtert auf. Sie steuerte die Küche an und schenkte sich ein Glas Wasser ein. In großen Zügen leerte sie es, dann presste sie das kalte Glas kurz gegen ihre Stirn. Was war nur mit ihrem Leben los? Beruflich sah ihre Zukunft mehr als düster aus. Und ihr Liebesleben? Das existierte de facto nicht. Außer einigen verunglückten Dates hatte Lali auch in dieser Hinsicht nichts vorzuweisen. Die meisten ihrer Freundinnen befanden sich schon lange in festen Beziehungen. Letzte Woche hatte sie sogar die allererste Hochzeitseinladung aus ihrem Freundeskreis erhalten.

Sie musste an ihre Familie denken. An ihre Cousine Dalia, die seit ihrer Reise nach Mexiko, wo sie nicht nur ihrem leiblichen Vater, sondern auch einem wundervollen Mann begegnet war, unentwegt auf Wolke sieben schwebte. Ihre andere Cousine Soley war Sängerin und lebte seit einigen Wochen auf Island, nachdem sie ihre bisherige Karriere als Popsternchen aufgegeben hatte, um sich im nördlichsten Land Europas mit ihrem Traummann und einer neuen Art von Musik eine vielversprechende Zukunft aufzubauen. Wie musste es sich anfühlen, jemanden an seiner Seite zu haben, der immer für einen da war? Dem man sein Herz ausschütten konnte, dem man erzählen konnte, wie schön oder auch wie mies der vergangene Tag gewesen war?

Lali stellte das leere Glas auf die Küchenarbeitsplatte und ging ins Wohnzimmer. Sie legte sich aufs Sofa und starrte an die Decke. Dalia und Soley hatten ihr großes Glück gefunden. Lali gönnte es ihnen von ganzem Herzen, doch in Momenten wie diesem wurde ihr umso bewusster, wie einsam sie selbst war. Als Granny und Grandpa noch lebten, war sie öfter nach Blooming Hall gefahren. Ihre Großmutter Rose hatte sie immer verstanden. Mit ihr hatte Lali über alles reden können, was sie beschäftigte. Auch Grandpa war stets für sie da gewesen. Der Tod der beiden hatte eine riesige Lücke in Lalis Leben hinterlassen. Sie liebte ihre Tanten und Onkel und ihre Cousinen sehr, aber die Wärme, die ihre Großeltern ihr entgegengebracht hatten, war einzigartig gewesen. Sie hatten ihr die Liebe gespendet, die Lali nach dem frühen Weggang ihrer Mutter so dringend gebraucht hatte. Ob ihre Mum ab und zu an sie dachte? Ob sie sich fragte, wie es Lali hier in Cornwall erging?

Lali griff nach ihrem Handy, gab in die Bildersuche ein und scrollte durch die unzähligen Fotos. Wie so oft, wenn ihre Sehnsucht nach...



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