E-Book, Deutsch, Band 2, 567 Seiten
Reihe: Die Santangelos
Collins Die Santangelos: Freundinnen und Feinde
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-257-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die große Saga 2 | Intrigen & Leidenschaft: Das Glamour-Epos der internationalen Bestsellerautorin
E-Book, Deutsch, Band 2, 567 Seiten
Reihe: Die Santangelos
ISBN: 978-3-98690-257-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jackie Collins (1937-2015) wurde in London als Tochter eines bekannten Theateragenten geboren; ihre Schwester ist die Schauspielerin Joan Collins. Jackie flog als Teenager von der Schule, gerüchteweise, weil sie eine kurze Affäre mit dem doppelt so alten - und weltberühmten - Marlon Brando hatte. Nach einem kurzen Ausflug in die Filmindustrie, bei dem sie in England und Amerika für Kinofilme und Fernsehserien vor der Kamera stand, fand sie ihre wahre Passion - und begann zu schreiben. Jackie Collins' Debüt wurde 1968 sowohl ein internationaler Bestseller als auch ein Skandal, weil sie ohne falsche Scham über starke Frauen und deren Liebesleben schrieb. Zahlreiche ihrer mehr als 30 Romane, die sich weltweit über 500 Millionen Mal verkauften, wurden verfilmt. Jackie Collins war zweimal verheiratet und die Mutter von drei Töchtern. Mehr Informationen über die Autorin auf ihrer Website: www.jackiecollins.com Bei dotbooks erschien Jackie Collins große Familiensaga rund um die ebenso leidenschaftliche wie skrupellose Lucky Santangelo: »Die Santangelos: Der Weg nach oben«, »Die Santangelos: Freundinnen und Feinde«, »Die Santangelos: Der Traum von Hollywood«, »Die Santangelos: Eiskalte Rache« und »Die Santangelos: Träume und Intrigen«.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Lennie Golden war ganze dreizehn Jahre lang nicht mehr in Vegas gewesen, obwohl er in dieser Stadt gezeugt und geboren worden war und die ersten siebzehn Jahre seines Lebens hier verbracht hatte.
Als er aus dem Flugzeug stieg, sah er sich kurz um, hob die Nase und atmete tief durch. Die Stadt roch noch genau wie früher.
Auf dem Flugplatz herrschte die übliche, hektische Menschenansammlung aus leidenschaftlichen Spielern, Touristen und jenem Durchschnitts-Amerika, das hier etwas erleben wollte. Männer mit breiten Hintern schoben sich neben molligen Wasserstoffblondinen in Hosenanzügen aus Synthetikstoffen und behängt mit falschem Schmuck durch die Menge. Zwischendrin hörte man das Wimmern von Kindern, während mobil arbeitende Angehörige des horizontalen Gewerbes daherschlenderten in Bikinioberteil und hautengen Hot pants, unter denen sich scharf ihr Schoß abzeichnete, um Geschäfte zu machen. Dunkelhäutige Ausländer mischten sich darunter, die den Aktenkoffer fest in der Hand hielten und in Begleitung ihrer strohblonden Mätressen Knoblauchdunst verbreiteten.
Jess war gekommen, um ihn abzuholen. Nur einen Meter sechzig groß und mit dem erstaunlich hübschen Gesicht hatte sie etwas von einem Lausbuben an sich ... und genau das war sie in der Schule auch gewesen. Sie hatte von jeher die Gesellschaft von Jungen vorgezogen ... und ganz besonders die von Lennie. Seit der ersten Klasse waren sie unzertrennliche Freunde, und ihre erstaunlicherweise platonische Beziehung hatte die Jahre überdauert und, im Gegenteil, sich eher noch gefestigt; und das, obwohl sie sich nur selten sahen, seit Lennie von Las Vegas nach New York gegangen war.
Sie gaben ein ungleiches Paar ab, Lennie, der hochgewachsene, schlanke Mann mit dem aschblonden Haar und den meergrünen Augen, eine größere Ausgabe von Robert Redford, mit einem Touch von Chevy Chase, und die kleine Jess, mit den großen Kulleraugen, dichtem rotem Haar, Sommersprossen und dem Körper einer Miniaturausgabe eines Playboy-Playmates.
Sie warf sich in seine Arme. »Schön, daß du wieder da bist! Du siehst phantastisch aus für einen Kerl, der hauptberuflich durch die Betten der Damenwelt wandert. Wie machst du das nur?«
»He!« Er schwenkte sie wie eine Stoffpuppe durch die Luft. »Und das fragst ausgerechnet du?«
Sie kicherte und schmiegte sich kurz an ihn. »Ich mag dich rasend gern, Lennie Golden. Willkommen zu Hause!«
»Ich mag dich auch, Äffchen!«
»Nenn mich gefälligst nicht so!« protestierte sie. »Ich bin eine respektable, verheiratete Frau mit einem Kind und allem Drum und Dran. Behandle mich also gefälligst wie eine Lady, Lennie!«
Lennie brach in schallendes Gelächter aus. »Wenn du eine Lady bist, bin ich Raquel Welch.«
Sie packte ihn beim Arm. »Also dein Busen ist wirklich toll!«
Lachend schlenderten sie dem Ausgang zu.
»Na, wie war der Flug?« erkundigte sie sich schließlich und versuchte, ihm seinen verbeulten Koffer abzunehmen.
Lennie behielt das Gepäckstück entschlossen in der Hand. »Lang und langweilig. Wenn der liebe Gott wirklich gewollt hätte, daß wir fliegen, hätte er sicher für mehr Stewardessen gesorgt.«
»Hast du’s mit einer gemacht?« Sie zwinkerte ihm wissend zu.
»Aber und wie!«
»Wirklich?«
»Glaubst du, ich könnte dich belügen?« konterte er.
Jess lachte. Sie hatte eine Mimik, die die Leute veranlaßte, stehenzubleiben und sie verwundert anzustarren. »Du würdest sogar den Papst belügen, wenn du dadurch die Chance hättest, über die Runden zu kommen.«
»Und dort geht sie hin ...«, sang er leise.
»Wo? Wer?« Jess drehte sich automatisch nach Lennies vermeintlicher Eroberung um und sah lediglich eine Nonne.
»Ich hab dir doch gesagt, daß sich mein Geschmack geändert hat«, behauptete er ernst.
»Wirklich, sehr witzig!« Sie zielte mit der Faust auf seine Magengegend.
Lennie hob abwehrend die Hand. »Halt, nicht doch! Mir haben Sie gerade die Zunge operiert!«
»Wie bitte?«
»Erinnerst du dich an die Aufnahmen zur ›Lee Bryant Show‹? Ich hab dir doch von meiner Nummer darin erzählt.«
»Ja.«
»Sie haben meinen 4-Minuten-Spot auf dreißig Sekunden zusammengeschnitten. Wenn du gerade rülpst, verpaßt du mich glatt.«
Jess runzelte die Stirn. »Idioten. Die wissen gar nicht, was gut ist. Aber jetzt bist du erst mal wieder in Vegas. Mit deinem Humor und den witzigen Sketchen wirst du hier der Renner der Saison.«
»Na klar. In der Bar des Magiriano-Hotels mache ich bestimmt Furore.«
»Es ist eben mal was anderes. Vielleicht brauchst du genau das. Wer weiß, wozu’s gut ist?«
»Ach komm, Jess! Du quatschst ja schon wie mein Agent. Mach diesen und jenen Mist, und bevor du so recht weißt, wie’s dir geschieht, kriegst du eine Stammnummer in der Carson Show!«
»Dein sogenannter Agent ist ein Idiot!« Jess rümpfte die Nase. »Du bist ein großartiger Komiker. Ich sollte dich managen! Ich meine, immerhin habe ich dir dieses Engagement hier verschafft, stimmt’s?«
»Wieviel willst du ... zehn Prozent?«
Jess lachte übermütig. »Glaubst du, ich gebe wegen dir den Titel, die beste Geberin beim Blackjack von Vegas zu sein, auf? Hältst du mich für verrückt? Du kannst dir deine zehn Prozent sonstwohin stecken, mein Lieber!«
Sie kamen an einer Damentoilette vorbei. »Warte einen Augenblick«, bat Jess Lennie. »Ich bin so aufgeregt, weil du da bist, daß ich mal muß.«
Lennie lachte und lehnte sich gegen die Wand, während Jess in der Toilette verschwand. Jess war wirklich eine echte Freundin. Er hatte sie erst zwei Wochen zuvor angerufen und ihr gesagt, daß er um jeden Preis aus New York heraus müsse.
»Kein Problem«, hatte sie ohne Zögern geantwortet. »Matt Traynor, der Unterhaltungschef des Hotels, in dem ich arbeite, ist ganz scharf auf mich. Schick mir ein Videoband von dir, dann bringe ich ihn dazu, dich zu engagieren.«
Er hatte das Band geschickt, und Jess hatte ihm das Engagement verschafft. Sie war wirklich ein wahrer Freund.
Träge beobachtete er ein dunkelhaariges Mädchen, das in kurzen Ledershorts und roter Bluse vorbeiging. Sie marschierte durch die Menschenmenge, als gehöre der Flugplatz ihr allein. Lennie gefiel ihre Aufmachung, ganz zu schweigen von ihrer Figur.
Mein Gott, war er wirklich noch nicht frei davon? Er und Eden hatten sich ein halbes Jahr zuvor getrennt, und noch immer verglich er jede attraktive Frau, die ihm über den Weg lief, mit ihr. Auch jetzt passierte ihm das. Die Affäre mit Eden Antonio war noch nicht überstanden. Darüber mußte er sich endlich klarwerden.
In diesem Moment trat Jess aus der Damentoilette und drückte seine Hand. »Es ist herrlich, daß du da bist«, seufzte sie. »Du mußt mir einfach alles erzählen.«
»Alles? In meinem Fall ist das eine Karriere, die keine zu werden scheint, und ein verkorkstes Liebesleben.«
»Klingt aufregend. Was gibt’s sonst noch Neues?«
Sie hatten inzwischen die Flughafenhalle verlassen, und die Hitze der Wüste schlug ihnen wie eine Welle entgegen.
»Mann!« entfuhr es ihm unwillkürlich. »Ich hatte ganz vergessen, was für ein Backofen diese Stadt ist.«
»Ach was! Hör auf zu meckern! Ein bißchen Farbe im Gesicht kann dir nicht schaden. Du bist ja ganz käsig.«
Sie gingen zu einem verbeulten, roten Camaro auf dem Parkplatz.
»Wie ich sehe, bist du noch immer die rasante Fahrerin wie früher«, bemerkte Lennie humorlos und warf seinen Koffer auf den Rücksitz.
»Das war ich nicht!« empörte sich Jess. »Mein Alter kann nicht mal um den Block fahren, ohne irgendwo anzustoßen.«
Lennie fragte sich insgeheim, was für ein Mann wohl die verrückte Jess zur Frau genommen hatte. Er konnte nur hoffen, daß er etwas Besonderes war.
»Steig ein!« forderte sie ihn auf und setzte sich hinters Steuer. »Wayland hat uns was zu essen gemacht ... das Baby macht Krach, und du, Lennie, dir wird’s hier gefallen. Vegas ist von jeher die Stadt für uns gewesen.«
Lennie nickte grimmig. »Ja, und genau davor habe ich Angst.«
Lucky Santangelo war eine ausgesprochen auffällige Erscheinung, wie sie durch die Menge auf dem Flughafen schritt. Sie war eine faszinierende Schönheit von achtundzwanzig Jahren mit pechschwarzer Haarmähne, zigeunerhaften Augen, einem breiten, sinnlichen Mund, sonnengebräunter Haut und einem schlanken, langgliedrigen Körper. An diesem Tag trug sie Shorts aus weichem schwarzem Leder, eine rote Seidenbluse, die sie fast bis zur Taille aufgeknöpft hatte, und einen breiten, silberbeschlagenen Gürtel. An ihren Ohrläppchen baumelten einfache Silberringe, und an ihrer rechten Hand glitzerte ein Brillant von solcher Größe und Reinheit, daß man es niemandem übelnehmen konnte, wenn er ihn für falsch hielt. Er war es aber nicht. Er war wirklich echt.
Obwohl keine Schönheit im herkömmlichen Sinn, hatte sie einen sehr individuellen Stil und eine faszinierende Ausstrahlung. Das Selbstbewußtsein, das sie ausströmte, war ebenso deutlich spürbar wie das exotische Parfüm, das sie benutzte.
»Hallo, Boogie.« Sie begrüßte den hageren, langmähnigen jungen Mann im militärischen Drillichanzug, der auf sie zutrat, herzlich. »Wie geht’s zu Hause?«
»Alles beim alten«, erwiderte er mit leiser Stimme, während seine Augen rastlos über die Menschenmenge schweiften. Ihm schien nichts zu entgehen. Schließlich griff er nach Luckys schwarzer Lederreisetasche und nach dem Gepäckschein für die übrigen Sachen.
»Keine aufregende Neuigkeit? Keinen Klatsch?« fragte sie lächelnd. Sie war froh, wieder zu Hause zu...




