E-Book, Deutsch, Band 5, 643 Seiten
Reihe: Die Santangelos
Collins Die Santangelos: Träume und Intrigen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-264-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die große Saga 5 | Hot Romance: Das Glamour-Epos der internationalen Bestsellerautorin
E-Book, Deutsch, Band 5, 643 Seiten
Reihe: Die Santangelos
ISBN: 978-3-98690-264-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jackie Collins (1937-2015) wurde in London als Tochter eines bekannten Theateragenten geboren; ihre Schwester ist die Schauspielerin Joan Collins. Jackie flog als Teenager von der Schule, gerüchteweise, weil sie eine kurze Affäre mit dem doppelt so alten - und weltberühmten - Marlon Brando hatte. Nach einem kurzen Ausflug in die Filmindustrie, bei dem sie in England und Amerika für Kinofilme und Fernsehserien vor der Kamera stand, fand sie ihre wahre Passion - und begann zu schreiben. Jackie Collins' Debüt wurde 1968 sowohl ein internationaler Bestseller als auch ein Skandal, weil sie ohne falsche Scham über starke Frauen und deren Liebesleben schrieb. Zahlreiche ihrer mehr als 30 Romane, die sich weltweit über 500 Millionen Mal verkauften, wurden verfilmt. Jackie Collins war zweimal verheiratet und die Mutter von drei Töchtern. Mehr Informationen über die Autorin auf ihrer Website: www.jackiecollins.com Bei dotbooks erschien Jackie Collins große Familiensaga rund um die ebenso leidenschaftliche wie skrupellose Lucky Santangelo: »Die Santangelos: Der Weg nach oben«, »Die Santangelos: Freundinnen und Feinde«, »Die Santangelos: Der Traum von Hollywood«, »Die Santangelos: Eiskalte Rache« und »Die Santangelos: Träume und Intrigen«.
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Kapitel 2
Lucky Santangelo Golden erhob sich hinter dem riesigen Art-déco-Schreibtisch in ihrem Büro in den Panther-Studios, streckte sich und gähnte. Sie hatte einen langen, harten Arbeitstag hinter sich und war erschöpft. Der Tag war jedoch längst noch nicht beendet, denn heute Abend sollte sie im Beverly Hilton Hotel für ihr Engagement für die Aids-Forschung geehrt werden.
Als Inhaberin und Chefin der Panther-Studios befand sich Lucky in einer äußerst exponierten Position, die ihr keine andere Wahl ließ, als sich im Licht der Öffentlichkeit zu bewegen.
Aber der Auftritt heute Abend machte ihr zu schaffen. Sie war nicht besonders heiß darauf, im Mittelpunkt zu stehen. Man hatte sie vorher nicht einmal gefragt, ob sie geehrt werden wollte – man hatte ihr die Feier schlichtweg aufgedrängt und ihr gar nicht erst eine Chance gegeben abzulehnen.
Sie griff nach einem Schokoriegel und biss voller Heißhunger hinein. Die nächsten Stunden werde ich nur mit einer ordentlichen Ladung Zucker überstehen, dachte sie schuldbewusst. Michael Caines berühmtes Hollywood-Zitat schoss ihr durch den Kopf: »Warum wird ausgerechnet in einer Stadt ohne jede Ehre andauernd irgendjemand geehrt?« Genau, Michael, wie Recht du hast!, dachte sie und grinste. Aber wie hält man sich eine solche Sache vom Leib?
Lucky war eine schlanke, langbeinige Frau mit einer rabenschwarzen, schulterlangen Lockenpracht, gefährlichen, opalfarbenen Augen, vollen, sinnlichen Lippen und dunklem Teint. Sie war eine exotische Schönheit und verfügte außerdem über einen äußerst scharfen Verstand. Ihre Fähigkeiten als Geschäftsfrau hatten die Panther-Studios in den acht Jahren unter ihrer Leitung mit zu den angesehensten und erfolgreichsten Studios Hollywoods gemacht. Lucky besaß ein Talent dafür, den richtigen Filmen grünes Licht zu geben und immer diejenigen zum Verleih auszuwählen, die später im Kino erfolgreich waren. »Du machst deinem Namen wirklich alle Ehre«, sagte Lennie ihr immer wieder. »Was du auch anpackst: Du bist damit erfolgreich.«
Lennie Golden, ihr Ehemann. Wann immer sie an ihn dachte, hellte sich ihre Miene auf. Lennie, groß, attraktiv und witzig, war die Liebe ihres Lebens. Und vor allen Dingen hatte sie in ihm ihren Seelenverwandten gefunden. Sie hatte die feste Absicht, bis ans Ende ihres Lebens mit ihm zusammenzubleiben, denn dazu waren sie zweifellos bestimmt. Zudem war sie nach zwei vorangegangenen Ehen endlich rundum glücklich. In ihrer Familie, in Lennie und den gemeinsamen Kindern – dem sieben Jahre alten Gino, der nach ihrem Vater benannt war, und der bezaubernden, achtjährigen Maria –, fand sie die vollkommene Erfüllung.
Schließlich gab es noch ihren fünfzehnjährigen Sohn Bobby aus ihrer Ehe mit dem verstorbenen Schiffsmagnaten Dimitri Stanislopoulos. Bobby war ein gut gebauter und schon sehr erwachsen wirkender Junge – über eins achtzig groß und sehr sportlich. Und dann war da noch Bobbys Nichte Brigette, die Lucky als ihr Patenkind betrachtete. Brigette lebte in New York, wo sie als Topmodel arbeitete. Nicht etwa, dass sie das Geld gebraucht hätte. Sie war immerhin eine der reichsten jungen Frauen der Welt: Sie hatte ein Vermögen von ihrem Großvater Dimitri und ihrer Mutter Olympia, die auf tragische Weise an einer Überdosis Drogen gestorben war, geerbt.
Heute Abend wurde Lucky von ihrem Halbbruder Steven Berkeley abgeholt, weil Lennie noch in der Stadt war und drehte. Er führte Regie bei einer romantischen Komödie, in der Stevens Frau Mary Lou mitspielte. Lennie war selbst einmal ein außergewöhnlich erfolgreicher Komödien- und Filmschauspieler gewesen, aber seit seinem Entführungs-Martyrium vor sieben Jahren hatte er die Arbeit vor der Kamera aufgegeben und arbeitete nun ausschließlich als Drehbuchautor und Regisseur.
Der Film, den er mit Mary Lou – einer sehr talentierten und erfolgreichen Schauspielerin – drehte, war nicht von den Panther-Studios in Auftrag gegeben. Sie waren sich beide einig, keinen Anlass für irgendwelche Gerüchte über Vetternwirtschaft geben zu wollen. »Wenn ich diesen Weg gehe, dann will ich es allein schaffen«, lautete Lennies Leitsatz. Und das war ihm natürlich auch gelungen – Lucky hatte es nicht anders erwartet.
Am heutigen Abend wollte sie am Ende ihrer Rede etwas bekannt geben, das gewiss alle Anwesenden umwerfen würde. Sie hatte nicht einmal Lennie davon erzählt; er würde ebenso überrascht sein wie alle anderen und sich hoffentlich darüber freuen. Nur ihr Vater Gino wusste, was sie zu sagen gedachte. Mit seinen siebenundachtzig Jahren war Gino immer noch ein Mann voller Leben und Tatendrang, zu dem man aufblickte und den man einfach bewundern musste.
Lucky verehrte Gino sehr. Sie hatten so vieles gemeinsam durchgestanden – einschließlich der Jahre, in denen sie kein Wort miteinander gewechselt hatten. Inzwischen waren sie sich wieder sehr nahe und Lucky ging immer zuerst zu ihm, wenn es eine Entscheidung zu treffen galt. Gino war der klügste Mann, den sie kannte – auch wenn sie nicht immer so über ihn gedacht hatte.
Was für eine bewegte Vergangenheit sie doch teilten! Angefangen von der Zeit, als er sie, gerade sechzehnjährig, mit einem Senatorensohn verheiratet hatte, bis zu den Jahren, in denen sie kein einziges Wort miteinander gesprochen hatten. Damals lebte er als Steuerflüchtling außerhalb der Vereinigten Staaten und sie übernahm sein Hotelimperium in Las Vegas.
Gino Santangelo war ein echter Selfmademan mit Macht und Charisma und zudem ein echter Casanova. Solange Lucky denken konnte, lagen die Frauen Gino zu Füßen. Selbst heute noch wusste er, wie man sie umgarnte. Lucky erinnerte sich daran, wie ihr Onkel Costa, der gar nicht ihr leiblicher Onkel war, ihr einmal von dem jungen Gino erzählt hatte. »Sein Spitzname war Gino, der Rammler«, hatte Costa ihr mit einem albernen Kichern anvertraut. »Weil er jede Frau kriegte, die er haben wollte. Das heißt, bis er deine Mutter – Gott hab sie selig – getroffen hat.«
Maria, ihre Mutter. So schön und unschuldig ... Sie wurde ihr genommen, als sie noch ein Kind war. Brutal ermordet von der Bonnatti-Familie.
Lucky würde niemals den Tag vergessen, als sie in den Garten kam und ihre Mutter auf einem Floß treibend im Swimmingpool der Familie entdeckt hatte. Sie war damals erst fünf gewesen, doch diese Erinnerung hatte sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Sie hatte sich an den Beckenrand gehockt und ihre Mutter angestarrt, die mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Floß mitten im Pool lag. »Mama«, hatte sie gemurmelt. Und dann war ihre Stimme zu einem lauten Schrei angeschwollen, als ihr klar wurde, dass ihre Mutter nicht mehr bei ihr war. »MAMA! MAMA! MAMA!«
Diese grausige Entdeckung in jungen Jahren hatte sich auf ihr gesamtes Leben ausgewirkt. Nach dieser tragischen Begebenheit war Gino außer sich vor Sorge um sie und ihren Bruder Dario. Das Leben zu Hause in Bel Air ähnelte zunehmend dem Aufenthalt im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses. Als sie schließlich in ein Internat in die Schweiz geschickt wurde, hatte sie sofort rebelliert und sich in einen regelrechten Wildfang verwandelt. Sie war mit ihrer besten Freundin Olympia Stanislopoulos weggelaufen und zusammen hatten sie eine Villa in Südfrankreich bezogen. Sie hatten ohne Unterlass Partys gefeiert und das Haus verheerend zugerichtet. Das war eine verrückte Zeit gewesen. Zum ersten Mal lernte sie das Gefühl von Freiheit kennen und genoss jede einzelne Minute, bis Gino ihr auf die Schliche kam. Wie erbost er damals gewesen war! Kurz darauf hatte er beschlossen, dass es besser für sie sei, in festen Händen zu sein als frei herumzustreunen. Und so hatte er sich mit Senator Peter Richmond geeinigt und sie mit dessen äußerst unattraktiven Sohn Craven verheiratet. Die ganze Sache entpuppte sich jedoch als Reinfall.
Im Rückblick besehen war Luckys Leben eine Aneinanderreihung von Höhen und Tiefen. Zu den Höhen zählten für sie ihre drei wundervollen, gesunden Kinder, ihre Ehe mit Lennie, die erfolgreiche Leitung des großen Hollywood-Studios und nicht zu vergessen ihre früheren Erfolge in Las Vegas und Atlantic City, wo sie mehrere Hotels hochgezogen hatte.
Die Tiefen hätte sie am liebsten verdrängt. Zunächst der Mord an ihrer Mutter, dann die brutale Ermordung ihres Bruders Dario und schließlich die Schießerei in Las Vegas, bei der ihr geliebter Marco erschossen wurde. Drei schreckliche Unglücksfälle, für die sie ihre eigene Form der Rache gefunden hatte.
Doch sie hatte überlebt. Gino hatte ihr beigebracht, dass es letztlich nur darauf ankam, und sie hatte ihre Lektion gut gelernt.
Die Gegensprechanlage auf ihrem Schreibtisch summte und ihre Assistentin teilte ihr mit, dass Venus Maria am Telefon war. Eilig nahm sie den Hörer ab. Venus Maria war nicht nur ein viel bewunderter und umstrittener Superstar, sondern auch Luckys beste Freundin.
»Was gibt’s Neues?«, fragte Lucky und ließ sich auf das Ledersofa hinter ihrem Schreibtisch sinken.
»Ich habe nichts anzuziehen für heute Abend«, erwiderte Venus.
»Wie langweilig.«
»Ich weiß, dass du dir nicht so viel aus Mode machst wie ich, aber mich werden sie von hier bis Puerto Rico fotografieren und du weißt doch, dass ich unmöglich durchschnittlich aussehen darf.«
Lucky lachte. Venus machte immer ein solches Drama aus allem. »Du und durchschnittlich? Niemals!«
»Keiner versteht mich«, jammerte Venus. »Dabei sind die Erwartungen an mich gigantisch.«
»Was denn für Erwartungen?«, erkundigte sich Lucky, griff nach einem Stift und begann auf einem Notizblock herumzukritzeln.
»Ich bin schließlich ein Superstar, Schätzchen«, sagte Venus ironisch. »Ein Superstar, von dem jeder erwartet,...




