E-Book, Deutsch, Band 1, 222 Seiten
Colombo Theologieznacht
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-3328-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von Jesus über den Himmel zur Kirche
E-Book, Deutsch, Band 1, 222 Seiten
Reihe: Wenn Theologie wieder spannend wird
ISBN: 978-3-7693-3328-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dario Colombo ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er studierte katholische Theologie und promovierte an der Universität Fribourg. Er ist Pastor in der Freikirche BewegungPlus Grenchen und Studienleiter am International Seminary of Theology and Leadership (ISTL).
Autoren/Hrsg.
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Einleitung
Dieses Buch ist die Frucht der Veranstaltung Es handelt sich dabei um Theologieabende mit gemeinsamen Abendessen, die auf Gemeinschaft ausgerichtet und von dieser getragen sind. Das grundlegende Anliegen war, das bestehende Interesse an theologischer Reflexion meiner Heimatgemeinde aufzunehmen und die Möglichkeit zu bieten, theologische Fragen zu stellen und zu diskutieren. Nicht abstrakte theologische Reflexionen, sondern eine Theologie des realen Lebens ist die Stoßrichtung dieser Theologieabenden. Deshalb beginnt jeder Abend mit einem gemeinsamen Essen, geht über einen theologischen ca. stündigen Vortrag hin zu einer Fragerunde und endet in einer lockeren Diskussionsgemeinschaft, die von Kaffee, Dessert und für jene, die dies wollen, stärkerem Getränk begleitet wird. Das eigentliche Ziel des Ganzen: . Theologie ist nicht etwas für Akademiker und Akademikerinnen im Elfenbeinturm, sondern gehört ins Leben und zum täglichen Brot aller Christen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“. Das sagt Jesus, indem er aus dem Buch Deuteronomium rezitiert.1 Denn das ist, was Theologie in ihrem wörtlichen Sinn meint: Wort Gottes (Theo-Logie; von gr. ). Wenn uns das Wort Gottes also etwas angeht, oder biblischer gesprochen an uns ergeht, so geht uns auch die Theologie etwas an, bzw. ist bereits an uns ergangen. Gott hat gesprochen, das meint Theologie in ihrem ersten und wichtigsten Sinne. Dies kann als (erste Theologie) bezeichnet werden: Das Wort Gottes, das an die Menschheit ergangen ist. Davon ist die zu unterscheiden, die zweite Theologie, die als Reflexion dieser ersten Theologie verstanden werden kann. Alles, was die Menschheit je über Gott zum Ausdruck gebracht hat, ist immer als diese zweite Theologie zu betrachten. Wenn der „Theologe“ etwas über Gott aussagt, ist es im besten Falle die Reflexion des an ihn ergangenen Wortes, er ist also niemals , sondern immer der der eigentlichen Theologie, wie es der erste Brief des Johannes schön zum Ausdruck bringt:
„Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“. (1 Joh 1,1-3)
Theologie im christlichen Sinne ist aber nicht einfach versprachlichte Rede von Gott zum Menschen, sondern meint die Fleischwerdung des göttlichen Worts:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. [...]. Und das Wort ward Fleisch“. (Joh 1,1-3.14)
Das göttliche Wort, durch das alles gemacht ist, was gemacht ist, ward Fleisch... Es lohnt sich bei solchen Stellen immer wieder einmal innezuhalten und zu bedenken, was das Johannesevangelium hier zu sagen wagt.
Der unendliche Gott ist in die endliche Welt eingegangen; das schöpferische Wort Gottes wurde zum Geschöpf, so könnte man für heute aktualisieren, was im Johannesevangelium steht. Christliche Theologie zeichnet sich dadurch aus, dass darin keine abstrakte Gottesoffenbarung gelehrt, sondern ein Gott bezeugt wird, der , real, als Mensch, als einer von uns, und doch Gott bleibt. Es ist ein Gott, der die Gemeinschaft mit den Menschen sucht. Deshalb kann der erste Johannesbrief davon sprechen, dass sie gehört, gesehen, betrachtet und betastet haben. Gott ist Mensch geworden und hat sich hörbar, sichtbar und betastbar gemacht. Dies verkündet uns der Johannesbrief, um uns in Gemeinschaft mit Gott zu bringen. Damit sind wir wieder bei Beginn dieser Einleitung: Ziel des Theologieznachts ist, Theologie als Teil des alltäglichen Lebens zu betrachten und zu leben. Dies schließt Essen, Trinken, Lachen, Studium, Diskussion, etc. mit ein: Gott ist Mensch geworden.
Dieses Buch hat dasselbe Ziel: Es geht um eine Theologie des realen Lebens. Es ist nicht nur ein Lehrbuch, in dem Dinge gesagt werden, die zu „glauben“ sind, sondern es soll zum eigenen Nachdenken anregen. Es ist auch kein wissenschaftliches Buch, das einen Gedankengang von Anfang bis Ende konsequent durchbuchstabieren will. Vielmehr sollen in diesem Buch sowohl theologische Fragen gestellt und reflektiert als auch eine mögliche Denkweise zur Diskussion gestellt werden. Dennoch hat das Buch den Anspruch, wissenschaftlich fundiert und mit der akademischen Theologie verbunden zu sein und aus deren Fülle und Erfahrung zu schöpfen. Aber es will weder die spezifisch wissenschaftlichen Fragen klären noch eine abschließende Theologie vertreten. Es will im wahrsten Sinne des Wortes eine Einführung sein, die den Leser und die Leserin auf den Weg des theologischen Fragens führt, diese Fragen aber auch sogleich wieder mit dem alltäglichen Leben verknüpft. Dazu gehört auch das Verhältnis von Wissenschaft und Glaube, das immer wieder reflektiert werden soll. Aus all dem Gesagten empfehle ich, dieses Buch nicht einfach allein zu lesen, sondern mit Freunden bei einem guten Glas Wein oder einer großen Tasse Kaffee (oder was man sonst mag) zu diskutieren. Wenn dieses Buch doch allein gelesen wird, empfehle ich, hin und wieder das Buch weg zu legen, spazieren zu gehen, die Welt zu betrachten und zu verstehen, dass das Buch erst sein Ziel erreicht hat, wenn es sich im Alltag inkarniert. Das Wort ist Fleisch geworden.
Dies bringt uns zu einem weiteren Ziel dieses Buches. Das von Gott gesprochene Wort, das an uns ergeht () muss zwangsläufig übersetzt werden (). Wie gesagt wollen die hier behandelten Themen nicht einfach „Wissen“ vermitteln, sondern sind letztlich eine Aufforderung, das Gelernte in das eigene und alltägliche Leben zu . Das erfordert Arbeit. Jede und jeder lebt in seiner eigenen Lebenswelt, die nur sie und er in derselben Weise kennt. Dies hat mindestens zwei Dinge zur Folge: Erstens ist das Wort Gottes an uns alle ergangen und damit geht Theologie uns alle etwas an. Zweitens: Da alle in ihrer eigenen Lebenswelt leben, kann letztlich nur jeder selbst das Wort Gottes in seine Lebenswelt übersetzen. Alle Christen und Christinnen sind immer auch Theologen und Theologinnen, ob sie das nun wollen oder nicht. Kein Theologe, keine Pastorin, kein Lehrer und keine Katechetin können uns diese Übersetzungsarbeit abnehmen. Freilich können sie uns dabei helfen, in unsere eigene Lebenswelt müssen wir es jedoch selbst übersetzen. Darum soll es in diesem Buch gehen, bzw. dazu will dieses Buch eine Hilfe sein.
Dabei muss etwas von Anfang an klar sein: Theologie als reflexive Disziplin () ist unerschöpflich, so wie das Meer nicht in einen Behälter gegossen werden kann. Alles, was bisher über Gott gesagt wurde, fasst keine Bibliothek der Welt. Es gibt eine schöne Metapher von Augustinus, welche dies gut zum Ausdruck bringt:
Vom heiligen Augustinus wird erzählt, dass er am Meer spazieren ging – damals, als er an seinem großen Werk über die Dreifaltigkeit arbeitete. Und man weiß zu berichten, wie er dort ein kleines Kind beobachtete. Das Kind hatte ein Loch in den Sand gegraben und lief nun mit einer Muschel in der Hand immer wieder zum Wasser, schöpfte mit seiner Muschel, rannte zurück und goss das Wasser in das Loch. Darauf lief es wieder zum Wasser, schöpfte und wiederholte das Ganze immer aufs Neue.
Nach einiger Zeit fragte Augustinus: „Was machst Du denn da?“ Und das Kind antwortete ihm: „Ich schöpfe das Meer in dieses Loch!“
Augustinus schüttelte den Kopf und sagte: „Du kleiner Narr, das ist doch unmöglich. Du kannst das große, weite Meer doch nicht in dieses Loch füllen!“
„Aber du bildest dir ein,“ meinte daraufhin das Kind und blickte den großen Gelehrten durchdringend an, „dass du das große Geheimnis der Dreifaltigkeit mit deinem Kopf erfassen kannst!?“
Die Theologie () ist unerschöpflich wie das Meer, aber das göttliche Wort () ist nicht nur unerschöpflich, sondern ewig. Viel eher kann der kleine Junge das Meer mit einer Muschel ausschöpfen, als dass der größte Kirchenvater die Ewigkeit Gottes auf den Begriff bringen könnte. Es ist also nicht möglich, die gesamte Theologie darzustellen, geschweige denn, den ewigen Gott. Und doch spricht der christliche Glauben von diesem ewigen Gott, dem göttlichen Wort, das wie Thomas von Aquin sagt, sich um unserer Kürze willen kurz gemacht hat und Mensch geworden ist, ohne dadurch seine Gottheit abzulegen. 2 Theologie ist möglich, weil Gott uns angesprochen hat. Eigentlich kann man die ganze bisherige Theologie auch als Deutung dieser Erfahrung, von Gott angesprochen zu sein,...




