E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
Colter Lass dieses Glück für immer sein
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-2741-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-2741-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Traum in Weiß: Bewundernd streicht Molly über das Brautkleid, das gespendet wurde - dann schlüpft sie kurzentschlossen hinein. Doch der Traum wird zum Albtraum. Denn der Reißverschluss klemmt - und Sekunden später steht sie ihrem neuen Boss Houston Whitford gegenüber ...
Cara Colter hat Journalismus studiert und lebt in Britisch Columbia, im Westen Kanadas. Sie und ihr Ehemann Rob teilen ihr ausgedehntes Grundstück mit elf Pferden. Sie haben drei erwachsene Kinder und einen Enkel. Cara Colter liest und gärtnert gern, aber am liebsten erkundet die begeisterte Reiterin auf ihrer gescheckten Stute Dakota die kilometerweiten Waldwege, die direkt an ihrem Haus vorbei- und in die freie Natur führen. Als Autorin von insgesamt 40 Büchern wurde Cara Colter mehrfach ausgezeichnet. 2006 erhielt sie von der Romantic Times einen Sonderpreis für ihre humorvollen Romane, 2007 kam sie erstmalig auf die Bestellerliste von Waldenbooks.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2. KAPITEL
Die verwirrte junge Frau im Brautkleid verließ das Büro, und urplötzlich tauchte eine Redewendung in Houstons Gedanken auf, die sich nicht vertreiben ließ.
Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.
Er verzog den Mund und ärgerte sich über sich selbst. Ja, diese Märchensprüche, an die alle Welt nur zu gerne glauben wollte. Doch die junge Frau im Hochzeitskleid hatte tatsächlich gewirkt, als wäre sie gerade einem jener Märchen entsprungen.
Aber schon die Tatsache, dass ihre Haare sich im Perlenaufsatz verfangen hatten und dass der Reißverschluss nicht richtig funktionierte, zeigte doch die bittere Realität: Im wirklichen Leben gab es immer Komplikationen. Die perfekte romantische Liebe war nur eine Illusion.
Gerade für einen Mann wie ihn, der sich aus schwierigsten Verhältnissen hochgearbeitet hatte, gab es keinerlei Veranlassung, an Märchen zu glauben. Er vertraute nur auf seine eigene Stärke, auf sein Talent zum Überleben. Er betrachtete die Welt realistisch, vielleicht sogar zynisch, und er fand es richtig so.
Dass eine der Angestellten von Second Chances hier im Büro plötzlich im Hochzeitskleid auftauchte, bestätigte ihm nur, was er dank seiner Nachforschungen über das Wohltätigkeitsunternehmen ohnehin schon wusste.
Second Chances erinnerte Houston an einen dieser altmodischen kleinen Buchläden, wo der Besitzer selbst noch an der Kasse stand – und wenn nicht er, dann einer seiner Verwandten. Man trat gerne ein, weil es dort so familiär und gemütlich war, es war immer voll, die Leute unterhielten sich und lachten oder diskutierten. Aber wenn es um die Buchverkäufe ging, um Umsatzzahlen und Gewinne, sah das Ergebnis schwach aus. Mit den auf Effizienz und Profit ausgerichteten Handelsketten konnte so ein Tante-Emma-Buchladen nie im Leben mithalten.
Auch Houston legte Wert auf Effizienz und Profit. Seine Unternehmen mussten funktionieren wie gut geölte Maschinen. Keine Angestellten, die plötzlich Braut spielten, keine uralten, tantenhaften Damen an der Führungsspitze.
Gereizt fuhr er sich mit dem Finger über die Nase. In letzter Zeit juckte sie häufiger an der Stelle, an der sie gebrochen gewesen war. Eigentlich juckte sie genau seit dem Zeitpunkt wieder, als er in einem seltenen Moment der Schwäche versprochen hatte, diesem Wohltätigkeitsunternehmen zu helfen. Eigentlich war das so gar nicht sein Ding. Er war Realist und hatte bei seinen sonstigen Unternehmungen stets die Bilanzen im Blick. Diese kleine Hilfsorganisation schien das versponnene Gegenteil davon zu sein, ohne stringente Führung, mit falschen Bräuten, die ins Büro platzten, und achtzigjährigen Damen hinter dem Schreibtisch.
„Das war unsere Molly“, sagte Miss Viv strahlend. „Ist sie nicht bezaubernd?“
„Ja, bezaubernd“, bestätigte Houston mit wenig Überzeugung in der Stimme. Mit Grauen erinnerte er sich daran, dass diese merkwürdige junge Frau auch ein Teil seiner Aufgabe hier war.
Miss Viv hatte ihm nämlich gestanden, dass sie aus Altersgründen daran dachte, sich zur Ruhe zu setzen. Eigentlich hielt sie große Stücke auf Molly und hätte sie gerne als Nachfolgerin eingesetzt. Doch sie war sich nicht sicher, ob die junge Frau für diesen Job nicht zu weichherzig war. Deswegen sollte er sie im Auge behalten und dann sein Urteil abgeben.
„Steckt sie gerade in den Hochzeitsvorbereitungen, oder verkleidet sie sich nur aus Spaß gerne als Braut?“ Für einen Mann, der nicht so zynisch war wie er, für einen Mann, der an Romantik und die wahre Liebe glaubte, schien sie ein guter Fang zu sein. Wahrscheinlich sogar ein Glücksgriff.
Schnell wischte er diesen Gedanken beiseite. Er musste die Sache mit dem Brautkleid unter einem ganz anderen Aspekt betrachten: Wie konnte es angehen, dass diese Miss Michaels hier kurz vor Arbeitsbeginn in einem solchen Aufzug herumstolzierte? Ließ sie vielleicht die nötige Ernsthaftigkeit vermissen, die sie als Leiterin dieses Unternehmens brauchte?
Immer mehr bereute er, diesen Auftrag angenommen zu haben. Zwar war es sein Beruf, in Schwierigkeiten geratene Firmen zu sanieren, aber dafür erwartete er auch ein Höchstmaß an Professionalität bei den Betroffenen.
„Nein, sie steckt nicht in Hochzeitsvorbereitungen“, antwortete Miss Viv und seufzte mitfühlend. „Wenn man so will, ist genau das Gegenteil der Fall. Sie hatte vor einiger Zeit Heiratspläne, aber die sind geplatzt, noch bevor das Datum für die Hochzeit feststand. Das arme Kind war natürlich schrecklich enttäuscht, obwohl es, unter uns gesagt, ein Segen für sie war. Der Mann war einfach nicht der Richtige für sie. Aber seit dieser Enttäuschung … ist sie irgendwie nicht mehr sie selbst.“
Normalerweise hätte Houston seine Gesprächspartnerin jetzt darauf hingewiesen, dass ihn das Privatleben von Molly Michaels kein bisschen interessierte. Doch dieser Job war anders als die anderen. Und außerdem handelte es sich bei seiner Gesprächspartnerin um Miss Viv.
Die mitfühlende alte Dame nannte jeden, der Probleme hatte, „das arme Kind“. Normalerweise war sein Wahlspruch: Nur keine Sentimentalitäten! Aber in diesem Fall ging ihm das Schicksal der jungen Frau doch ungewohnt nahe. Er wusste selbst nicht, warum. Aber ein Mann, der eine Verlobung mit dieser Molly Michaels platzen ließ, musste ein ganz schöner Idiot sein.
Denn obwohl Houston Whitford es sich nur ungern eingestand, fand er diese Molly als Braut nicht nur sehr attraktiv, sondern auch ungeheuer sexy! Deswegen war er auch so schnell aufgesprungen und hatte ihr bereitwillig geholfen.
Doch nichts, auch nicht diese falsche Braut, durfte ihn von seiner Aufgabe ablenken. Schließlich war er ein Profi, der Chef von Precision Solutions, einer Unternehmensberatung, die darauf spezialisiert war, Firmen zu retten, die vor dem Konkurs standen – vorzugsweise große, bedeutende Unternehmen. In diesem Job konnte er seine Stärken ausspielen, und als eine seiner größten Stärken sah er seine Fähigkeit an, sich nicht von Gefühlen beeinflussen zu lassen.
Er war ein ehrgeiziger und von der Arbeit geradezu besessener Mensch, manchmal, wenn es ihm erforderlich erschien, vielleicht sogar ein wenig zu hart. Gerade deshalb passte er so gar nicht zu Second Chances. Ohnehin hielt er wenig von Wohltätigkeitsorganisationen. Die Sichtweise mochte zynisch sein, aber er fand, dass ein Spender sich selbst erhöhte, während der Empfänger der Wohltaten gedemütigt wurde.
Andererseits musste er sich eingestehen, dass wohl niemand sein ganzes Leben lang ohne die Hilfe eines Mitmenschen auskam. Jeder stand mal in der Schuld eines anderen.
Aus genau diesem Grund war er jetzt hier, im Büro von Second Chances. Auch er hatte eine Schuld abzutragen.
Seine Mutter hatte ihn gebeten zu helfen. Und ihr konnte er natürlich nichts abschlagen.
Beebee war seine Pflegemutter, aber er sah sie als seine wahre Mutter an. Sie war für ihn da gewesen, als seine leibliche Mutter ihn im Stich gelassen hatte. Beebee war der erste Mensch gewesen, der ihn wirklich zu lieben schien, der ihm wirklich helfen wollte. Kein Zweifel, dass er seinen Erfolg im Leben zu großen Teilen ihr verdankte.
Er war ein wilder Junge gewesen, nicht weit davon entfernt, straffällig zu werden, aus schlechtem Hause, aus einer Gettogegend – aber dennoch hatte diese Frau etwas in ihm gesehen, ein Potenzial, spezielle Fähigkeiten. Sie war die Einzige, die uneingeschränkt an ihn geglaubt hatte.
Und Miss Viv war ihre beste und älteste Freundin. Also hatte er nicht Nein sagen können.
Alles hatte vor einem Monat begonnen, als er aus Anlass von Beebees Geburtstag eine Überraschungsparty gab. Die Feier fand in seiner Eigentumswohnung statt, die er gerade erst gekauft hatte, ein millionenteures Apartment in bester Gegend mit Blick auf den Central Park.
Unter den Gästen war auch Miss Viv gewesen, und irgendwann im Laufe des Abends hatte sie begonnen, über die Wohltätigkeitsorganisation Second Chances zu klagen, der sie vorstand. Es gab dort Schwierigkeiten – nicht nur, aber vor allem finanzieller Natur –, die ihr den Schlaf raubten.
„Houston kann sich das Ganze ja mal ansehen“, hatte seine Pflegemutter vorgeschlagen. „So etwas ist schließlich sein Beruf. Das macht er doch gerne, oder mein Lieber?“
Sofort waren alle Augen auf ihn gerichtet gewesen. Und er hatte in dieser Situation einfach nicht Nein sagen können. Immerhin war er noch geistesgegenwärtig genug gewesen, einige Bedingungen zu stellen. Die Damen mussten akzeptieren, dass er das Problem auf seine Art zu lösen versuchte. Sie durften sich nicht einmischen, vor allem durften sie keinen Druck auf ihn ausüben, etwas beim Alten zu lassen, wenn er es ändern wollte. Und obendrein sollten sie nie seine Vergangenheit erwähnen.
Das hatten sie natürlich nicht verstanden.
„Aber warum denn nicht? Du hast doch so viel erreicht. Wir sind alle so stolz auf dich, Houston.“
Beebee und ihre Freundinnen waren nicht nur stolz auf ihn, weil er jetzt so erfolgreich war. Sondern auch, weil sie genau wussten, unter welch schwierigen Voraussetzungen er ins Leben gestartet war – als Problemkind aus dem New Yorker Problemviertel Clinton, früher besser als Hell’s Kitchen bekannt, des Teufels Küche, der Vorhof zur Hölle.
Sie betrachteten es als bewundernswerte Leistung, dass er trotz seiner denkbar ungünstigen Startchancen – sein Vater war ins Gefängnis gekommen, seine Mutter hatte ihn verlassen – so viel aus...




