Condie | Cassia & Ky – Die Flucht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 464 Seiten

Reihe: Cassia & Ky

Condie Cassia & Ky – Die Flucht

Band 2
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-10-401985-7
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 464 Seiten

Reihe: Cassia & Ky

ISBN: 978-3-10-401985-7
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der 2. Band der Spiegel-Bestsellerserie um Cassia & Ky Wenn das System dich zwingt zu fliehen, kann deine Liebe überleben? Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der alles in deinem Leben geregelt wird - sogar, wen du lieben musst. Aber du liebst den Falschen: Jemanden, den das System töten will. Wie weit würdest du gehen, um sein Leben zu retten? Würdest du für deine Liebe sterben? Wie durch ein Wunder gelingt Cassia die Flucht in die Äußeren Provinzen. Sie will nach Ky suchen, ihrer großen Liebe. Ky kämpft dort als Soldat für die Gesellschaft und ist ununterbrochen brutalen Angriffen ausgesetzt. Als Cassia endlich auf eine Spur von Ky stößt, ist er bereits entkommen und auf dem Weg in die wilden Canyons in den Grenzgebieten. Verzweifelt macht sich Cassia auf den lebensgefährlichen Weg. Was wird sie am Ende der ihr bekannten Welt finden? Zwischen steinigen Schluchten und staubigen Pfaden sucht Cassia nicht nur nach Ky - sondern auch nach sich selbst.

Ally Condie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Salt Lake City, USA. Nach dem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die phänomenal fesselnde Serie »Cassia & Ky« wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war ein überwältigender internationaler Erfolg.
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Kapitel 4 CASSIA


Xander, hier, genau vor mir. Blonde Haare, blaue Augen und ein so liebevolles Lächeln, dass ich nicht anders kann, als meine Hand nach ihm auszustrecken, noch bevor der Funktionär uns die Erlaubnis erteilt hat, einander zu berühren.

»Cassia!«, ruft Xander aus, und auch er kann nicht warten. Er zieht mich in seine Arme, und wir halten uns ganz fest. Ich versuche gar nicht erst, den Impuls zu unterdrücken, mein Gesicht an seiner Brust zu vergraben, an seinen Kleidern, die nach zu Hause und nach ihm riechen.

»Ich habe dich vermisst«, sagt Xander. Seine Stimme vibriert über meinem Kopf. Sie klingt tiefer. Er wirkt kräftiger. Es ist ein so gutes, wunderbares Gefühl, bei ihm zu sein, dass ich mich zurücklehne, sein Gesicht in beide Hände nehme, ihn zu mir hinunterziehe und ihn auf die Wange küsse, auf eine Stelle gefährlich nahe an seinem Mund. Als ich zurücktrete, haben wir beide Tränen in den Augen. Wobei Xander mit Tränen in den Augen ein so seltsamer Anblick ist, dass ich nach Luft schnappe.

»Ich habe dich auch vermisst«, sage ich und frage mich, wie viel von meinem inneren Schmerz auch daher rührt, dass ich Xander verloren habe.

Der Funktionär hinter Xander lächelt. Unser Wiedersehen lässt nichts zu wünschen übrig. Diskret geht er ein Stück zur Seite und gibt etwas in seinen Datenpod ein. Wahrscheinlich irgendetwas wie:

»Warum?«, frage ich Xander. »Wie kann es sein, dass du hier bist?« Obwohl es so guttut, ihn wiederzusehen, ist es fast zu schön, um wahr zu sein. Ist das nur ein weiterer Test meiner Funktionärin?

»Unsere Paarung ist jetzt fünf Monate her«, erklärt er. »Alle, die im selben Monat gepaart wurden wie wir, haben jetzt ihren ersten persönlichen Kontakt. hat die Paarungsbehörde bisher noch nicht gestrichen.« Er lächelt mich an, aber sein Blick ist trotzdem ernst. »Ich habe darauf hingewiesen, dass wir nicht mehr in unmittelbarer Nähe voneinander wohnen und daher ebenfalls ein Treffen verdienen. Und es ist üblich, dass das Treffen dort stattfindet, wo das Mädchen wohnt.«

Er hat nicht gesagt, »wo das Mädchen zu Hause ist«. Das war taktvoll, aber er hat recht. Dieses Arbeitslager ist nicht mein Zuhause. Ich könnte Oria als mein Zuhause bezeichnen, weil Xander dort wohnt und unsere Freundin Em und weil ich dort aufgewachsen bin. Doch obwohl ich dort nie gelebt habe, könnte ich auch Keya als Zuhause bezeichnen, den neuen Wohnort von Bram und meinen Eltern.

Und es gibt einen Ort, an dem Ky lebt und an den ich als mein Zuhause denke, obwohl ich nicht weiß, wie er heißt und wo genau er liegt.

Xander nimmt mich an der Hand. »Wir dürfen miteinander ausgehen«, sagt er. »Wenn du Lust hast.«

»Natürlich!«, antworte ich und muss unwillkürlich lachen. Vor wenigen Minuten habe ich mir noch die Hände geschrubbt und mich allein gefühlt, und jetzt ist Xander hier! Ich fühle mich, als wäre ich an den erleuchteten Fenstern eines Hauses in Oria vorbeigelaufen, wobei ich vorgab, mir nichts aus all dem zu machen, was ich verloren habe und zurücklassen musste, und dann plötzlich in dem golden warmen Zimmer zu stehen, ohne auch nur die Hand erhoben zu haben, um die Tür zu öffnen.

Der Funktionär weist mit einer Geste auf den Ausgang, und ich bemerke, dass es nicht derselbe ist, der uns damals bei unserem ersten Rendezvous in dem Restaurant in unserem alten Viertel begleitet hat. Das war ein besonderes Arrangement für Xander und mich gewesen, anstatt einer ersten Kontaktaufnahme von Terminal zu Terminal, weil wir einander schon kannten. Der Funktionär, der uns damals begleitete, war jung. Dieser ist es auch, aber er sieht freundlich aus. Er bemerkt meinen Blick und nickt mir zu, förmlich und höflich, aber auch irgendwie nett. »Dass jedem Paar ein spezieller Funktionär zugeordnet wurde, gibt es nicht mehr«, erklärt er. »So ist es effizienter.«

»Für ein Essen ist es zu spät«, meint Xander, »aber wir können in die Stadt gehen. Wo möchtest du gerne hin?«

»Ich weiß nicht einmal, was es in der Stadt alles gibt«, erwidere ich. Vage erinnere ich mich daran, wie ich mit dem Airtrain angekommen und die Straße hinunter zum Weitertransport ins Lager gegangen bin. An fast kahle Bäume, die den Himmel mit ihren spärlichen roten und goldenen Blättern sprenkelten. Aber ist es wirklich Stadt oder eine andere in der Nähe eines anderen Lagers gewesen? Es musste weit früher im Herbst gewesen sein, wenn die Blätter noch so kräftig geleuchtet hatten.

»Die Einrichtungen hier sind kleiner«, erklärt Xander. »Aber es gibt alles, was es in unserer Siedlung auch gab – eine Konzerthalle, ein Spielcenter und ein, zwei Kinos.«

Ein Kino! Ich habe schon so lange keine Filmvorführung mehr gesehen. Dort möchte ich hingehen und will es schon aussprechen. Ich stelle mir vor, wie das Licht im Saal gedimmt wird und ich darauf warte, dass Bilder über die Leinwand flackern und Musik aus den Lautsprechern ertönt. Doch dann erinnere ich mich an die Angriffe und die Tränen in Kys Augen, als das Licht wieder eingeschaltet wurde, und ich habe eine andere Idee. »Gibt es hier ein Museum?«

Ein Funke blitzt in Xanders Augen auf, den ich nicht einordnen kann. Erheiterung? Überraschung? Ich beuge mich näher zu ihm hin, um sicherzugehen. Normalerweise stellt er für mich kein Geheimnis, nichts Mysteriöses dar: Er ist offen und ehrlich, und ich kann ihn lesen wie eine Geschichte, die ich wieder und wieder lese und immer aufs Neue liebe. Doch in diesem Moment weiß ich nicht, was er denkt. »Ja«, beantwortet er meine Frage.

»Da möchte ich gerne hin«, sage ich, »wenn du damit einverstanden bist.«

Xander nickt.

Bis zur Stadt ist es ein Stück zu Fuß, und draußen riecht es nach Landluft – Holzfeuer, eine kühle Brise und Äpfel, die zu Most vergären. Ich empfinde eine plötzliche Zuneigung für diesen Ort, und ich weiß, dass sie mit dem Jungen neben mir zu tun hat. Xander verschönert alles, jeden Ort, jeden Menschen. Die Abendluft trägt das bittersüße Aroma dessen mit sich, was hätte sein können, und ich atme tief ein, als Xander sich unter dem gelblichen Licht einer Straßenlaterne umdreht und ich in seinem Blick immer noch lese, was sein könnte.

Als ich sehe, dass das Museum nur einstöckig ist, verlässt mich der Mut. Es ist so klein! Was ist, wenn es hier nicht so funktioniert wie in Oria?

»Wir schließen in einer halben Stunde«, mahnt der Mann am Empfang. Seine Uniform sieht fadenscheinig und gebraucht aus, genau wie er selbst – als seien die Ränder ein wenig abgestoßen. Er fährt mit den Händen über den Tisch und schiebt uns einen Datenpod zu. »Geben Sie Ihre Namen ein«, sagt er, und das tun wir, der Funktionär zuerst. Von nahem betrachtet, hat er dieselben müden Ränder um die Augen wie der ältere Mann am Empfang.

»Danke«, sage ich, nachdem ich meinen Namen eingegeben und den Datenpod wieder dem Mann zugeschoben habe.

»Bei uns gibt es nicht viel zu sehen«, sagt er.

»Das macht uns nichts aus«, erwidere ich.

Ich frage mich, ob unser Funktionär es merkwürdig findet, dass ich ausgerechnet hierher wollte, doch zu meiner Überraschung dreht er sich praktisch sofort weg, als wir den Hauptausstellungsraum des Museums betreten. Ganz so, als wolle er uns die Möglichkeit geben, uns allein zu unterhalten. Er geht zu einer Vitrine hinüber und lehnt sich nach vorn, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, in einer Pose, die in ihrer Lässigkeit fast elegant wirkt. Ein netter Funktionär. Natürlich muss es die geben. Großvater war einer.

Erleichterung erfüllt mich, als ich praktisch sofort finde, was ich suche – eine Landkarte der Gesellschaft hinter Glas. Sie steht in der Mitte des Raumes. »Da«, sage ich zu Xander. »Wollen wir uns die mal ansehen?«

Xander nickt. Während ich die Namen der Flüsse, Städte und Provinzen lese, tritt er neben mir von einem Fuß auf den anderen und fährt sich mit einer Hand durch die Haare. Anders als Ky, der an solchen Orten stillhält, macht Xander ständig kleine, selbstvergewissernde Bewegungen, kleine Regungswellen. Das macht ihn bei den Spielen so unschlagbar gut – das Hochziehen der Augenbrauen, das Lächeln, die Art, wie er ständig die Karten mit den Fingern hin und her schiebt.

»Diese Ausstellung ist schon seit längerer Zeit nicht auf den neuesten Stand gebracht worden«, sagt eine Stimme hinter mir, und ich zucke vor Schreck zusammen. Es ist der Mann vom Empfang. Ich lasse den Blick durch den Raum schweifen, auf der Suche nach einem weiteren Mitarbeiter. Er beobachtet mich und lächelt, fast ein wenig traurig. »Die anderen sind hinten und schließen zur Nacht. Wenn Sie etwas fragen möchten, müssen Sie mit mir vorliebnehmen.«

Ich werfe unserem Funktionär einen Blick zu. Er steht immer noch vor der Vitrine in der Nähe des Eingangs, scheinbar völlig vertieft in das, was immer dort ausgestellt wird. Ich schaue Xander an und versuche, ihm eine wortlose Nachricht zu übermitteln.

Im ersten Moment befürchte ich, er habe mich nicht verstanden oder wolle mich nicht verstehen. Ich fühle, wie seine Hand die meine fester umschließt, sehe, wie sich sein Blick verhärtet, und dann nickt er. »Beeil dich«, mahnt er, lässt meine Hand los und geht hinüber zu dem Funktionär auf der anderen Seite des Raumes.

Ich muss es versuchen, obwohl ich nicht glaube, dass dieser müde alte Mann irgendwelche Antworten weiß. Die Hoffnung, die in mir aufgekeimt ist,...


Condie, Ally
Ally Condie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Salt Lake City, USA. Nach dem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die phänomenal fesselnde Serie 'Cassia & Ky' wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war ein überwältigender internationaler Erfolg.

Ally CondieAlly Condie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Salt Lake City, USA. Nach dem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die phänomenal fesselnde Serie 'Cassia & Ky' wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war ein überwältigender internationaler Erfolg.

Ally Condie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Salt Lake City, USA. Nach dem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die phänomenal fesselnde Serie »Cassia & Ky« wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war ein überwältigender internationaler Erfolg.



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